RIA Novosti

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RIA Novosti
RIA Novosti-Logo
Rechtsform staatlich
Gründung 3. April 1961
Sitz Moskau, Russland
Branche Medien
Website de.ria.ru

Die Russische Agentur für internationale Informationen RIA Novosti (deutsche Transkription: RIA Nowosti) ist eine der größten Nachrichtenagenturen in Russland. Sie hat seit ihrer Gründung 1961 ihren Hauptsitz in Moskau und ist seit 1993 wieder staatlich. Generaldirektorin war vom 24. Januar 2003 bis 9. Dezember 2013 Swetlana Wassiljewna Mironjuk.[1] Ab Ende 2013 wurde RIA Novosti im Zuge einer dreimonatigen Umstrukturierung neben dem Auslandshörfunk Stimme Russlands in das neue Medienunternehmen Rossija Sewodnja überführt.

Unternehmen[Bearbeiten]

Der Schwerpunkt der Berichterstattung liegt auf Nachrichten aus Russland und den übrigen GUS-Ländern. RIA Novosti verbreitet offizielle Verlautbarungen der russischen Regierung, von Ministerien und Dienststellen sowie von gesellschaftlichen Organisationen. Bis zu ihrer Umstrukturierung 2013/2014 bot die Agentur aber auch „kontroversen Meinungen ein Forum“.[2]

RIA Novosti wurde zur Jahreswende 2013/2014 mit dem Auslandshörfunk Stimme Russlands zu einer neuen staatlichen Internationalen Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja (Russland heute) zusammengeschlossen.[2] Der Schwerpunkt von Rossija Sewodnja ist es, an einer positiveren Wahrnehmung Russlands zu arbeiten.[3]

Die Agentur hat ein weit verzweigtes Korrespondentennetz in der Russischen Föderation, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und in mehr als vierzig anderen Ländern. Täglich verbreitet sie im Internet und über elektronische Nachrichtenmittel gesellschaftspolitische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und Informationen aus der Finanzwelt in russischer sowie in sechs europäischen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Serbisch), aber auch in Persisch, Arabisch, Japanisch und Chinesisch.

RIA Novosti dient als Austragungsort für Presseveranstaltungen. Die Agentur verfügt über den landesweit größten Fotodienst und eine Foto-Datenbank mit mehr als 600.000 Bildern.

Seit 2001 gibt es eine deutschsprachige Version der Website von RIA Novosti.

Zur Zielgruppe der Agentur gehören ausländische Medien, Unternehmen, Investmentgesellschaften und Banken, Botschaften, Regierungs- und staatliche Organisationen sowie ein weiter Kreis von Interessenten.

Geschichte[Bearbeiten]

Chefredakteurin von RIA Novosti Swetlana Mironjuk mit Ayan Midani, dem Minister für Kultur und Information Saudi Arabiens, 2007

1961 – während der Ära Chruschtschows – wurde das Sowinformbüro in die Presseagentur Novosti (kurz: APN) umstrukturiert. Sie entwickelte sich zum führenden Informations- und Publizistikorgan der sowjetischen gesellschaftlichen Organisationen. Am 3. April 1961 wurde die Satzung der Agentur angenommen. Laut Satzung hatte die APN die Aufgabe, authentische Informationen über die Sowjetunion im Ausland zu verbreiten und die sowjetische Öffentlichkeit mit dem Leben der Völker anderer Länder bekannt zu machen. De facto war sie bis zur Perestroika ein Propagandainstrument im Kalten Krieg.

Die APN hatte Vertretungen in mehr als 120 Ländern. Sie gab 60 illustrierte Zeitungen und Zeitschriften in 45 Sprachen in einer Gesamtauflage von 4,3 Mio. Exemplaren heraus. Beim APN-Verlag erschienen über 200 Bücher und Broschüren mit einer Gesamtauflage von rund 20 Mio. Exemplaren im Jahr.

Im April 1983 schloss der Schweizer Bundesrat das Berner Büro von Novosti und verwies den sowjetischen Redaktionsleiter des Landes, weil zwei Schweizer Mitarbeiter von Novosti als Organisatoren einer Friedensdemonstration aufgefallen waren.[4] Das Büro in Genf wurde nicht geschlossen.

Am 27. Juli 1990 ging aus der APN die Nachrichtenagentur Novosti (IAN) hervor. IAN war in 120 Ländern der Welt vertreten und gab 13 illustrierte Zeitschriften und Zeitungen heraus. Im September 1991 wurde die IAN in Russische Nachrichtenagentur (RIA) Novosti umbenannt.

Von 1993 bis zu ihrer Auflösung Ende 2013 war die RIA Novosti eine staatliche Informations- und Analyseagentur. Sie war als solche Teil der staatlichen Medienholding WGTRK.

Am 10. August 2008 wurde der Server von RIA Novosti gehackt. An diesem Sonntag und am nachfolgenden Tag gab es praktisch viele Stunden keinen Zugang auf die Webseite der Nachrichtenagentur. Nach der Eskalation in Südossetien wurden auch viele georgische Webseiten angegriffen.[5]

Am 9. Dezember 2013 unterzeichnete der russische Präsident Putin den Erlass „Maßnahmen zur Verbesserung der Effektivität der Tätigkeit der Staatsmedien“ über die Auflösung von sowohl RIA Novosti als auch Russlands Auslandssender Stimme Russlands.[6] An ihrer Stelle wurde eine neue staatliche Nachrichtenagentur mit dem Namen Internationale Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja (Russland heute) gegründet.[7][8] Diese Maßnahme wird in Zusammenhang mit dem Versuch der russischen Regierung gesehen, die Berichterstattung über die olympischen Winterspiele im Februar 2014 in Sotschi in ihrem Sinne zu beeinflussen.[9] Ungenannte Experten rätselten, ob Geldersparnis oder die Neuausrichtung der Selbstdarstellung Russlands angesichts zunehmender Spannungen mit dem Westen weitere Gründe für die Restrukturierung sind.[10] Generaldirektor dieser neuen Staatsagentur wurde der Journalist Dmitri Kisseljow.[11] Swetlana Mironjuk erklärte noch am Abend des 9. Dezember 2013 ihren Rücktritt als Generaldirektorin von RIA Novosti.[1]

Im Frühjahr 2014 kommentierte Eva Herman (zuvor Sprecherin beim Videokanal des Kopp-Verlages) für RIA die Haltung öffentlich-rechtlicher deutscher Medien zur Ukraine-Krise.[12]

Kritik an der Umstrukturierung[Bearbeiten]

Die im Dezember 2013 verfügte Schließung von RIA Novosti als eigenständige Agentur rief internationale Kritik von Medienexperten hervor.

Die Umstrukturierung der staatlichen russischen Medien wurde von Mascha Lipman, einer Mitarbeiterin des Moskauer Carnegie-Zentrums, als insgesamt nachteilig beurteilt, weil insbesondere RIA Novosti zuvor für das Bemühen bekannt gewesen sei, einen objektiven Standpunkt für die innerstaatliche und die außenpolitische Berichterstattung bezogen zu haben.[10]

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Internationale und die Europäische Journalisten-Föderation den putinschen Erlass. IFJ-Präsident Jim Boumelha wies darauf hin, dass RIA Novosti um ausgewogene Berichterstattung bemüht gewesen sei und nun offenbar durch eine Agentur ersetzt werden solle, die „Teil von Putins Propaganda-Apparat“ sei. Dies bezeichnete er als eine für die der Pressefreiheit in Russland „tief beunruhigende Situation“.[13] Die sich weltweit für Pressefreiheit einsetzende Organisation Committee to Protect Journalists bezeichnete in einem offenen Protestbrief vom März 2014 die Abwicklung von RIA Novosti als Beginn einer Serie von Maßnahmen Putins zur Einschränkung der Pressefreiheit.[14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weitere russische Nachrichtenagenturen sind:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: RIA Novosti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kai Ludwig: Stimme Rußlands wird liquidiert [aktualisiert]. In: RBB Radio eins Medienmagazin. 9. Dezember 2013. Mit Aktualisierungen bis 13. Dezember 2013. Abgerufen am 14. Dezember 2013.
  2. a b Klaus-Helge Donath: Die Propaganda-Megamaschine. In: taz.de. 11. Dezember 2013. Abgerufen am 13. Dezember 2013.
  3. Barbara Kerneck: „Putins Plaudertaschen“ taz.de vom 12. Mai 2014, gesichtet am 12. Mai 2014
  4. Die Affäre Friedrich oder: Lügen haben kurze Beine. Graubuch zur Schliessung des Berner Nowosti-Büros. Schweizerische Friedensbewegung, Basel 1983
  5. RIA Novosti erlebt harten Hacker-Angriff
  6. Gesine Dornblüth: Russland: Putins neue Medienstrategie, in: Deutschlandfunk vom 14. Dezember 2013, abgerufen am 25. Mai 2014
  7. Meldung von RIA Novosti am 9. Dezember 2013
  8. Russland schmiedet große Nachrichtenagentur, Meldung auf tagesschau.de am 9. Dezember 2013
  9. FAZ.net: Bach: „Gaucks Absage hat keine politischen Gründe“
  10. a b Fred Weir: Kremlin Spin: Does Media Overhaul Herald New Propaganda Push?. In: The Christian Science Monitor. 9. Dezember 2013. Abgerufen am 1. September 2013.
  11. Agentur Rossiya Segodnya bietet sich als Alternative zu westlichen Mainstream-Medien an, in: RIA Novosti vom 31. März 2014, abgerufen am 24. Mai 2014
  12. Eva Herman (Ria Novosti, 9. April 2014): Ukraine-Berichte bei ARD und ZDF: Fehlende Neutralität durch Staatsvertrag?; Eva Herman (Ria Novosti, 5. Mai 2014): Kriegsgründe gesucht? Deutsche Medien und der Anti-Putin-Pakt.
  13. IFJ/EFJ Concerned for Future of Staff at Ria Novosti Following Scandalous Closure. IFJ-Mitteilung vom 11. Dezember 2013, abgerufen am 24. Mai 2014 (englisch).
  14. Putin should reverse steps to restrict independent press. Offener Brief des CPJ vom 20. März 2014, abgerufen am 24. Mai 2014 (englisch).