RMS Olympic

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RMS Olympic
Olympic ggbain 09366.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich (Seedienstflagge) Vereinigtes Königreich
Schiffstyp Passagierschiff
Klasse Olympic-Klasse
Heimathafen Liverpool
Eigner White Star Line
Bauwerft Harland & Wolff, Belfast
Baunummer 400
Kiellegung 16. Dezember 1908
Stapellauf 20. Oktober 1910
Übernahme 31. Mai 1911
Indienststellung 14. Juni 1911
Verbleib Ab 1935 abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
269,04 m (Lüa)
Breite 28,19 m
Tiefgang max. 10,54 m
Verdrängung 53.147 t
Vermessung 45.324 BRT
Maschine
Maschine 29 Dampfkessel
2 4-Zyl.-Verbundmaschinen
1 Parsons-Turbine
Maschinen-
leistung
59.000 PS (43.394 kW)
Geschwindigkeit max. 23 kn (43 km/h)
Propeller 3
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 2.584

Die RMS Olympic der Reederei White Star Line war das erste und namensgebende Schiff der Olympic-Klasse und somit Schwesterschiff der Titanic und der Britannic. Vor allem aufgrund ihres Kriegsdienstes erhielt sie später den Spitznamen „Old Reliable“, zu deutsch „alte Zuverlässige“.

Mit dem Bau der Olympic (Baunummer 400) auf der Werft Harland & Wolff Ltd. in Belfast wurde gut drei Monate vor der Titanic (Baunummer 401: Kiellegung am 31. März 1909) begonnen. Später wurde bei Harland & Wolff noch ein zweites Schwesterschiff, die Britannic, gebaut (Baunummer 433: Kiellegung am 1. Dezember 1911).

Geschichte[Bearbeiten]

Für den Stapellauf erhielt der Rumpf der Olympic extra einen hellgrauen Anstrich.

Die Kiellegung fand am 16. Dezember 1908 statt. Am 29. Mai 1911 wurde die Olympic fertiggestellt und am 31. Mai 1911, direkt nach dem Stapellauf der Titanic, der White Star Line übergeben.

Am 14. Juni 1911 startete die Olympic unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith, der später die Titanic kommandierte, zu ihrer Jungfernfahrt von Southampton über Cherbourg und Queenstown nach New York. Bereits im September 1911 hatte sie eine schwere Kollision mit dem britischen Kreuzer Hawke, die eine kostenintensive dreimonatige Reparatur erforderlich machte. Hierdurch verzögerten sich Fertigstellung und Jungfernfahrt der Titanic um drei Wochen.

Die Olympic befand sich auf der Rückreise nach Europa, als sie den Notruf ihres Schwesterschiffs Titanic empfing. Zwar fuhr sie mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Unglücksstelle, doch war sie aufgrund der Entfernung von ca. 500 Seemeilen (bzw. 20 Stunden) außer Reichweite. Nach der Titanic-Katastrophe wurde sie mit zusätzlichen Rettungsbooten, verstärkten Schotten und einer doppelten Außenhaut ausgestattet.

Während des Ersten Weltkrieges diente die Olympic in den Jahren 1914 bis 1918 als Truppentransportschiff. Zwei besonders erwähnenswerte Kriegsereignisse datieren auf den Oktober 1914, als sie unbeschädigt durch ein Minenfeld fuhr, um dem sinkenden Schlachtschiff Audacious zu helfen, sowie auf den 12. Mai 1918, als in ca. 500 Meter Entfernung das deutsche U-Boot U 103 gesichtet wurde. Offensichtlich hatte die U-Boot-Besatzung den Dampfer nicht rechtzeitig bemerkt, um sich in optimale Angriffsposition zu bringen und musste auf die rückwärtigen Torpedorohre zurückgreifen, welche aber nicht rechtzeitig feuerbereit waren. Kapitän Hayes ließ die Olympic Kurs auf U 103 nehmen, welches sich mit einem Nottauchmanöver zu retten versuchte. Doch der Dampfer rammte das Boot, seine Backbord-Schraube durchschlug den Druckkörper, woraufhin U 103 sank. Zehn deutsche U-Boot-Fahrer kamen dabei ums Leben, 35 Mann überlebten und wurden später von einem US-amerikanischen Schiff aufgenommen.[1]

Die Olympic passiert das Feuerschiff LV-117 bei Nantucket, einen Monat vor dem tödlichen Unfall

Nach dem Kriegsdienst wurde die Olympic 1919 wieder zum Linienschiff umgebaut. Dabei wurden ihre Kessel, wie bei vielen großen Dampfern, auf Ölfeuerung umgestellt, was nicht nur eine schnellere Bunkerung ermöglichte, sondern auch eine Menge Personal einsparte. Danach begann eine erfolgreiche Zeit für die Olympic

In den 20er Jahren war sie sehr populär und in Mode und hatte viele reiche und berühmte Passagiere an Bord, darunter Charlie Chaplin, Mary Pickford und Douglas Fairbanks, sowie Prinz Edward, zu der Zeit Prince of Wales.[2] Zu ihrer Attraktivität verhalf ihr unter anderem, dass sie der Titanic zum Verwechseln ähnlich war.[3]

Am 22. Mai 1924, kollidierte die Olympic bei New York mit dem Liner Fort St. George [4]. Später hatte sie am 15. Mai 1934 ihren einzigen Unfall mit Todesfolge, als sie im dichten Nebel das Nantucket-Feuerschiff rammte. Das Feuerschiff sank, wobei sieben der elf Besatzungsmitglieder starben.[5] [6] [7]

Im Februar 1926 wurde die Olympic im Nordatlantik von einer Monsterwelle getroffen, die zahlreiche Schäden, unter anderem vier zerstörte Brückenfenster (normalerweise ca. 24 Meter über dem Meeresspiegel), verursachte.

Von der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre waren auch die Linienschiffe betroffen. Vor allem die White Star Line, deren Management eher risikofreudig war und die sich von der Titanic-Katastrophe nie ganz erholt hatte, befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. So fand 1934 eine von der britischen Regierung erzwungene Fusion mit der konkurrierenden Cunard Line statt. [8] Die Führung der Reedereigruppe begann anschließend mit dem Verkauf aller alten Schnelldampfer, um den Bau der Queen Mary und der Queen Elizabeth zu finanzieren. Angesichts der Wirtschaftslage und des Schiffsalters wurde von Politikern ein Verkauf der Olympic an eine Abwrackwerft bei Jarrow (Nordostengland) vermittelt, um die dortige hohe Arbeitslosigkeit zu lindern. Ihre offiziell letzte Reise endete am 12. April 1935, von New York kommend, in Southampton. Bis zu dahin hatte sie 257 mal den Atlantik überquert, dabei 430.000 Passagiere kommerziell transportiert und 1,8 Millionen Seemeilen zurückgelegt.[9][10]

Olympic (Links) und die Mauretania im Hafen von Southampton kurz vor der Verschrottung
Die Olympic 1929 in Southampton

Am 11. Oktober 1935 erreichte sie nach zweitägiger Fahrt Jarrow, wo innerhalb der nächsten zwei Jahre unter anderem die Inneneinrichtung ausgebaut wurde. Zahlreiche Einrichtungsgegenstände wurden bei Auktionen veräußert. Der Rumpf wurde nach Inverkeithing (Schottland) geschleppt und dort abgewrackt.

Viele der erhalten gebliebenen Einrichtungsgegenstände erfreuen sich infolge des Kultes um die Titanic bis heute eines hohen öffentlichen Interesses. So wurden beispielsweise große Teile der Holztäfelung, der Ausstattung des Erste-Klasse-Salons sowie Geländer und Holzpaneele der Freitreppe der Olympic, sowie auch ein Marmorkamin, im White Swan Hotel im britischen Alnwick installiert.

Die Walnuss-Paneele der Holztäfelung aus dem À-la-carte-Restaurants wurden zunächst in einem britischen Privathaus eingebaut. Die amerikanische Reederei Celebrity Cruises erwarb später die Teile bei einer Versteigerung des Auktionshauses Sotheby’s. [11] Sie befinden sich heute im Restaurant Olympic des Kreuzfahrtschiffs Celebrity Millennium.

Die berühmte Uhr "Honour and Glory Crowning Time" aus dem Treppenhaus, die mit der aus der Titanic identisch war, befindet sich im SeaCity Museum in Southampton.

Technische Daten[Bearbeiten]

Durch Umbaumaßnahmen änderten sich folgende Daten von 1911 bis 1933:

Kapitäne[Bearbeiten]

Die Olympic um 1913, Gemälde von Fred Pansing
Nr. Name Jahre
1 Edward John Smith 1911–1912
2 Herbert James Haddock 1912–1914
3 Bertram Fox Hayes 1915–1922
4 Alex Hambleton 1922–1923
5 Hugh David 1923
6 J. B. Howarth 1923–1925
7 William Marshall 1925–1928
8 Walter Henry Parker 1928–1929
9 E. R. White 1930–1932
10 John Binks 1932–1934
11 Reginald Peel 1934–1935
12 P. V. Vaughan 1935

Literatur[Bearbeiten]

  •  Robert D. Ballard / Ken Marschall: Lost Liners - Von der Titanic zur Andrea Doria - Glanz und Untergang der grossen Luxusliner. Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co., München 1997 (Originaltitel: Lost Liners: From the Titanic to the Andrea Doria. The ocean floor reveals its greatest lost ships., übersetzt von Helmut Gerstberger), ISBN 3-453-12905-9.
  • Mark Chirnside: RMS Olympic - Titanic's Sister. Tempus Publishing, 2004, ISBN 0-7524-3148-X (englisch).
  • Simon Mills: RMS Olympic - The Old Reliable. Waterfront Publications, 1993, ISBN 0-946184-79-8 (englisch).
  • Wolf-Christian Nerger: Olympic, Titanic, Britannic. Chronologie der drei White-Star-Line-Schwesterschiffe, Klages, Hannover 1998, ISBN 3-7813-9801-4 (formal falsche ISBN).
  • Nils Schwerdtner; Dieter Krone (Hrsg.): R.M.S. »Olympic«. Das legendäre Schwesterschiff der »Titanic«. Krone, Leichlingen 2000, ISBN 3-933241-17-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olympic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Kemp, Paul: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag. Gräfelfing bei München 1998, S. 49.
  2. Mark Chirnside: The 'Olympic' Class Ships. The History Press, 2011, ISBN 978-0-7524-5895-3, S. 112–113.
  3. Wade, Wyn Craig, "The Titanic: End of a Dream," Penguin Books, 1986 ISBN 978-0-14-016691-0
  4. Mark Chirnside: The 'Olympic' Class Ships. The History Press, 2011, ISBN 978-0-7524-5895-3, S. 117.
  5. History of U.S. Lightships. Palletmastersworkshop.com. Abgerufen am 16. Juli 2009.
  6. Lightship bell raised from ocean's depths: 9/ 3/ 2004. Southcoasttoday.com. Abgerufen am 16. Juli 2009.
  7. de beste bron van informatie over night beacon. Deze website is te koop!. nightbeacon.com. Abgerufen am 29. Februar 2012.
  8. White Star Line Archives – 1931. Chriscunard.com. Archiviert vom Original am 19. Juli 2008. Abgerufen am 16. Juli 2009.
  9. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen olympicclassships136140.
  10. RMS Olympic: Another Premature Death? – Mark Chirnside – encyclopaedia-titanica.org
  11. Arturo Paniagua Mazorra: Celebrity Cruises' „Millennium“. Abgerufen am 2. Mai 2011.