RMS Olympic
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Die RMS Olympic der Reederei White Star Line, ein Schwesterschiff der RMS Titanic, ist das einzige Schiff der nach ihr benannten Olympic-Klasse, das nicht einem Unglück zum Opfer fiel. Vor allem aufgrund ihres Kriegsdienstes erhielt sie später den Spitznamen „Old Reliable“, zu deutsch „alte Zuverlässige“.
Mit dem Bau der Olympic (Baunummer 400) auf der Werft Harland & Wolff Ltd. in Belfast wurde gut drei Monate vor der Titanic (Baunummer 401: Kiellegung am 31. März 1909) begonnen. Später wurde bei Harland & Wolff noch ein zweites Schwesterschiff, die HMHS Britannic, gebaut (Baunummer 433: Kiellegung am 1. Dezember 1911).
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Die Kiellegung fand am 16. Dezember 1908 statt. Am 29. Mai 1911 wurde die Olympic fertiggestellt und am 31. Mai 1911, direkt nach dem Stapellauf der Titanic, der White Star Line übergeben.
Am 14. Juni 1911 startete die Olympic unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith, der später die Titanic kommandierte, zu ihrer Jungfernfahrt von Southampton über Cherbourg und Queenstown nach New York. Bereits im September 1911 hatte sie eine schwere Kollision mit dem britischen Kreuzer HMS Hawke, die eine kostenintensive dreimonatige Reparatur erforderlich machte. Hierdurch verzögerten sich Fertigstellung und Jungfernfahrt der Titanic um drei Wochen.
Die Olympic befand sich auf der Rückreise nach Europa, als sie den Notruf ihres Schwesterschiffs Titanic empfing. Zwar fuhr sie mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten in Richtung Unglücksstelle, doch war sie aufgrund der Entfernung von ca. 500 Seemeilen (bzw. 20 Stunden) außer Reichweite. Nach der Titanic-Katastrophe wurde sie mit zusätzlichen Rettungsbooten, verstärkten Schotten und einer doppelten Außenhaut ausgestattet.
Während des Ersten Weltkrieges diente die Olympic in den Jahren 1914 bis 1918 als Truppentransportschiff. Zwei besonders erwähnenswerte Kriegsereignisse datieren auf den Oktober 1914, als sie unbeschädigt durch ein Minenfeld fuhr, um dem sinkenden Schlachtschiff HMS Audacious zu helfen, sowie auf den 12. Mai 1918, als in ca. 500 Meter Entfernung das deutsche U-Boot SM U 103 gesichtet wurde. Offensichtlich hatte die U-Boot-Besatzung den Dampfer nicht rechtzeitig bemerkt, um sich in optimale Angriffsposition zu bringen und musste auf die rückwärtigen Torpedorohre zurückgreifen, welche aber nicht rechtzeitig feuerbereit waren. Kapitän Hayes ließ die Olympic Kurs auf U 103 nehmen, welches sich mit einem Nottauchmanöver zu retten versuchte. Doch der Dampfer rammte das Boot, seine Backbord-Schraube durchschlug den Druckkörper, woraufhin U 103 sank. Zehn deutsche U-Boot-Fahrer kamen dabei ums Leben, 35 Mann überlebten und wurden später von einem US-amerikanischen Schiff aufgenommen[1].
Nach dem Kriegsdienst wurde die Olympic 1919 wieder zum Linienschiff umgebaut. Dabei wurden ihre Kessel, wie bei vielen großen Dampfern, auf Ölfeuerung umgestellt, was nicht nur eine schnellere Bunkerung ermöglichte, sondern auch eine Menge Personal einsparte. Danach begann eine erfolgreiche Zeit für die Olympic mit Ausnahme des 22. Mai 1924, als sie bei New York mit dem Liner SS Fort St. George kollidierte. Später hatte sie am 15. Mai 1934 ihren einzigen Unfall mit Todesfolge, als sie im dichten Nebel das Nantucket-Feuerschiff rammte. Das Feuerschiff sank, wobei sieben der elf Besatzungsmitglieder starben.
Im Februar 1926 wurde die Olympic im Nordatlantik von einer Monsterwelle getroffen, die zahlreiche Schäden, unter anderem vier zerstörte Brückenfenster (normalerweise ca. 24 Meter über dem Meeresspiegel), verursachte.
Von der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre waren auch die Linienschiffe betroffen. Vor allem die White Star Line, deren Management eher risikofreudig war und die sich von der Titanic-Katastrophe nie ganz erholt hatte, befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. So fand 1934 eine von der britischen Regierung erzwungene Fusion mit der konkurrierenden Cunard Line statt. Die Führung der Reedereigruppe begann anschließend mit dem Verkauf aller alten Schnelldampfer, um den Bau der RMS Queen Mary und der RMS Queen Elizabeth zu finanzieren. Angesichts der Wirtschaftslage und des Schiffsalters wurde von Politikern ein Verkauf der Olympic an eine Abwrackwerft bei Jarrow (Nordostengland) vermittelt, um die dortige hohe Arbeitslosigkeit zu lindern. Ihre offiziell letzte Reise endete am 12. April 1935, von New York kommend, in Southampton.
Am 11. Oktober 1935 erreichte sie nach zweitägiger Fahrt Jarrow, wo innerhalb der nächsten zwei Jahre u. a. die Inneneinrichtung ausgebaut wurde. Zahlreiche Einrichtungsgegenstände wurden bei Auktionen veräußert. Der Rumpf wurde nach Inverkeithing (Schottland) geschleppt und dort abgewrackt. Viele der erhalten gebliebenen Einrichtungsgegenstände erfreuen sich infolge des Kultes um die Titanic bis heute eines hohen öffentlichen Interesses. So wurden beispielsweise große Teile der Holztäfelung, der Ausstattung des Erste-Klasse-Salons sowie Geländer und Holzpaneelen der Freitreppe der Olympic im White Swan Hotel im britischen Alnwick installiert. Die Holztäfelung des À-la-carte-Restaurants wurde zunächst in einem britischen Privathaus eingebaut und befindet sich heute im Restaurant Olympic des Kreuzfahrtschiffs Celebrity Millennium.
Technische Daten [Bearbeiten]
Durch Umbaumaßnahmen änderten sich folgende Daten von 1911 bis 1933:
- Bruttoregistertonnen:
- 1911: 45.324
- 1933: 46.439
- Nettoregistertonnen
- 1911: 20.894
- 1933: 20.994
- Passagiere:
- 1911: 2.584
- 1933: 1.447
Kapitäne [Bearbeiten]
| Nr. | Name | Jahre |
| 1 | Edward John Smith | 1911–1912 |
| 2 | Herbert James Haddock | 1912–1914 |
| 3 | Bertram Fox Hayes | 1915–1922 |
| 4 | Alex Hambleton | 1922–1923 |
| 5 | Hugh David | 1923 |
| 6 | J. B. Howarth | 1923–1925 |
| 7 | William Marshall | 1925–1928 |
| 8 | Walter Henry Parker | 1928–1929 |
| 9 | E. R. White | 1930–1932 |
| 10 | John Binks | 1932–1934 |
| 11 | Reginald Peel | 1934–1935 |
| 12 | P. V. Vaughan | 1935 |
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Kemp, Paul: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag. Gräfelfing bei München 1998, S. 49.
Literatur [Bearbeiten]
- Robert D. Ballard / Ken Marschall: Lost Liners - Von der Titanic zur Andrea Doria - Glanz und Untergang der grossen Luxusliner. Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co., München 1997 (Originaltitel: Lost Liners: From the Titanic to the Andrea Doria. The ocean floor reveals its greatest lost ships., übersetzt von Helmut Gerstberger), ISBN 3-453-12905-9.
- Mark Chirnside: RMS Olympic - Titanic's Sister. Tempus Publishing, 2004, ISBN 0-7524-3148-X (englisch).
- Simon Mills: RMS Olympic - The Old Reliable. Waterfront Publications, 1993, ISBN 0-946184-79-8 (englisch).
- Wolf-Christian Nerger: Olympic, Titanic, Britannic. Chronologie der drei White-Star-Line-Schwesterschiffe, Klages, Hannover 1998, ISBN 3-7813-9801-4 (formal falsche ISBN).
- Nils Schwerdtner; Dieter Krone (Hrsg.): R.M.S. »Olympic«. Das legendäre Schwesterschiff der »Titanic«. Krone, Leichlingen 2000, ISBN 3-933241-17-0.
Weblinks [Bearbeiten]
- Olympic ist eine englischsprachige Seite mit Zugang zu einer Bildergalerie und weiterführenden Links.
- RMS Olympic - The Old Reliable bietet ebenfalls viele Bilder aus Postkartensammlungen.
- Webpräsenz des White Swan Hotels in Alnwick, in welchem Teile der Wand- und Deckenverkleidung, Fenster und Teile des Treppenhauses der Olympic verbaut sind.