Race to the bottom

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Der Begriff race to the bottom (englisch: Abwärts-Wettlauf) bezeichnet ein Modell, welches den Abbau von Standards wie Sozial-, Arbeits- und Umweltstandards im globalisierten Wettbewerb beschreibt.[1] Der Begriff umfasst aber auch den internationalen Steuerwettbewerb um immer niedrigere Steuersätze.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen [Bearbeiten]

Grundvoraussetzungen des Modells sind, dass Standards (etwa das Niveau des Kündigungsschutzes) nur für begrenzte Räume (z. B. Nationen) festgelegt werden und die zugehörigen Wirtschaftsakteure (etwa Finanzinvestoren) sich weit über diese begrenzten Räume hinaus frei bewegen können.

Die Wirtschaftsakteure können dann unter den verschiedenen begrenzten Räumen (z. B. den Nationen) den Raum für ihre Aktivitäten (z. B. Investitionen) wählen, der ihnen die besten Bedingungen anbietet. Die begrenzten Räume treten also zueinander in Konkurrenz um die Gunst der Wirtschaftsakteure. Sie beginnen ein race to the bottom darin, die Standards der anderen zu unterbieten, um die Gunst der Wirtschaftsakteure zu gewinnen.

Ein race to the bottom kann auf verschiedenen Skalen auftreten: Zwischen großen Wirtschaftsblöcken (etwa USAEUChina) ebenso, wie zwischen verschiedenen Nationen (etwa innerhalb der EU) oder zwischen verschiedenen Regionen (z. B. innerhalb von Deutschland).

Diskurs [Bearbeiten]

Globalisierungskritiker werfen dem Neoliberalismus vor, ein race to the bottom zwischen verschiedenen (Welt-)Regionen und Nationen zu verursachen: Der Abbau von Handelsbarrieren führe zu global beweglichen Wirtschaftsakteuren. Die gleichzeitige Forderung nach innerer Entmachtung des Nationalstaates („schlanker Staat“) führe zu dessen Unterwanderung durch Lobbygruppen der Wirtschaftsakteure. Die Nationalstaaten würden damit unfähig, sich untereinander entweder auf gemeinsame Sozial-, Arbeits- und Umwelt-Standards zu einigen, oder aber ihre Wirtschaftsakteure wieder in die nationalen Räume zu binden.

Auch Industrievertreter basieren ihre Argumente gegen strikte Umweltregulierung oft auf vermuteten komparativen Nachteilen im globalen Wettbewerb. Einzelstaatliche Alleingänge seien daher zum Scheitern verurteilt.

Kritiker der These vom race to the bottom wenden ein, dass staatliches Umweltrecht sich zumindest de facto auch auf die Beziehung zu ausländischen Handelspartnern auswirken kann. Der internationale Wettbewerb kann dann dazu führen, dass in weniger entwickelten Nationen die Standards erhöht werden. Gerade bei produktbezogener Regulierung, etwa Emissionsstandards von Autos, müssen sich die Standards an den strengsten Maßstäben orientieren („Race to the Top“). Aufgrund einzelökonomischer Überlegungen kann es z. B. für multinationale Unternehmen ökonomisch vorteilhaft sein, in allen Betriebsstätten weltweit dieselben Standards anzulegen, wenn einzelne Gesetzgeber zur Abwendung so genannter „dreckiger Industrien“ höhere Standards erlassen. Dies wird auch unter dem Begriff California Effekt diskutiert.[1]

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Für einen umfassenden Literaturüberblick über race to the Bottom-Theorien siehe z.B. Hahn, R. (2009): Multinationale Unternehmen und die 'Base of the Pyramid' - Neue Perspektiven von Corporate Citizenship und Nachhaltiger Entwicklung. Gabler, Wiesbaden. ISBN 978-3-8349-1643-3, insbes. S. 118-126.