Radieschen

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Radieschen
Radieschen (Raphanus sativus var. sativus 'David Welsus')

Radieschen (Raphanus sativus var. sativus 'David Welsus')

Systematik
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Rettiche (Raphanus)
Art: Garten-Rettich (Raphanus sativus)
Unterart: Radieschen
Wissenschaftlicher Name
Raphanus sativus var. sativus
L.
Radieschenblüte
Radieschen (Marktware)

Das Radieschen (lat. radixWurzel‘; wiss. Raphanus sativus var. sativus), auch Radies genannt,[1] ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Die bis zu etwa vier Zentimeter dicke Speicherknolle ist außen weinrot bis rot und schmeckt scharf. Der typische Geschmack des Radieschens wird durch ein Senföl verursacht, das bei Verletzung (durch Bearbeitung oder Anbeißen) aus den in der Pflanze enthaltenen Senfölglycosiden entsteht.

In Europa hat sich das Radieschen erst im 16. Jahrhundert etabliert, seine Herkunft ist allerdings unklar. Es verbreitete sich zuerst langsam in der französischen Küche und dann weiter in ganz Europa.[2]

Anbau[Bearbeiten]

Viele verschiedene Sorten sind als Saatgut im Handel erhältlich. Radieschen können als Zwischensaat oder in zweiter und dritter Tracht gesät werden.

Kompostdüngung entspricht ihren Ansprüchen. Bei Unterdüngung bleiben die Knollen unterentwickelt, auch die Samen von unterversorgten Pflanzen bilden beim Austreiben nur rudimentäre Knollen aus, Trockenheit wirkt sich negativ auf den Geschmack und die Konsistenz aus.

Die Aussaat kann im Freiland ab März im Folientunnel erfolgen. Die Keimzeit beträgt etwa eine Woche. Nach vier bis sechs Wochen kann geerntet werden. Bei warmem Frühlingswetter kann direkt ins Freiland gesät werden. Für Aussaaten ab Mai sollten Sommersorten gewählt werden. Zur ganzjährigen Produktion erfolgen im Erwerbsgartenbau auch Herbst- und Winteraussaaten im Gewächshaus; unter Kurztagsbedingungen (vgl. Photoperiodismus) verlängert sich die Entwicklungszeit aber auf bis zu zehn Wochen.[1]

Der Reihenabstand sollte bei der Aussaat sieben bis zehn Zentimeter, der Pflanzenabstand innerhalb einer Reihe fünf bis sieben Zentimeter betragen, damit die Speicherknolle sich gut entwickeln kann. Die Saat soll flach erfolgen, eine Saattiefe von einem Zentimeter soll nicht überschritten werden, da bei tieferer Saat die Knollenform sich durch Verlängerung verändert. Im Erwerbsgartenbau rechnet man mit 170 bis 180 Stück verkaufsfähiger Radieschen pro m² Anbaufläche.[1] Radieschen können auch zwischen den weiter auseinanderstehenden Reihen anderer Gemüse, mit denen sie eine gute Nachbarschaft bilden, gesät werden.

Wartet man mit der Ernte zu lange, kann die Knolle verholzen und der Geschmack wird unangenehm.

85 Prozent der Radieschenernte von Deutschland wird um Schifferstadt im Rhein-Pfalz-Kreis geerntet.

Nachbarn in der Mischkultur[Bearbeiten]

Radieschen vertragen sich mit unterschiedlichen Nachbarn, die direkt angrenzend wachsen, unterschiedlich gut. Ein wichtiger Faktor hierfür ist die Allelopathie.

Sorten[Bearbeiten]

Weiße zylindrische Radieschen

Man unterscheidet zwischen klassischen frühen Sorten, die zur Frühjahrs- oder Herbstaussaat geeignet sind, und Sommerradieschen, die auch unter Langtagsbedingungen Knollen bilden.

Nicht alle Radieschen sind rot und rund:

  • weiß kegelförmig - die weiße Sorte „Eiszapfen“ erinnert an kleine Bierrettiche und wird häufig gekocht gegessen.
  • weiß zylindrisch - z. B. White Breakfast
  • rot-weiß zylindrisch - z. B. Duett
  • rot-weiß rund - z. B. Isabell
  • gelb rund - z. B. Goldball

Der Riese von Aspern ist eine seltene saisonale Sorte aus der Gegend von Wien mit Durchmesser bis zu 6 cm. Sie ist in die Arche des Geschmacks bei Slow Food aufgenommen worden.[3]

Verzehr[Bearbeiten]

In Scheiben oder Streifen geschnitten oder geraspelt werden die Knollen der Radieschen oder Radieschensprossen roh verzehrt. Sie können Salaten beigemischt werden oder als Brotauflage dienen. Salz mildert den etwas scharfen Geschmack. Weniger populär ist der Verzehr der Blätter roh als Salat oder gekocht zubereitet ähnlich wie Spinat.

Lagerung[Bearbeiten]

Grundsätzlich sollten Radieschen möglichst frisch verzehrt werden. Haben die Wurzeln Dellen oder beginnen die Blätter zu welken, sind sie nicht mehr frisch.

Im Kühlschrank kann man Radieschen mehrere Tage lang frisch halten, wenn man das Laub vollständig entfernt und sie in eine kleine Menge Wasser legt oder in ein feuchtes Tuch einschlägt. Luftdicht verschlossene Behälter sind im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Vollständig vom Laub getrennte Radieschen halten sich im Kühlschrank noch länger, wenn man sie in einen lebensmitteltauglichen, absolut wasser- und luftdichten Plastikbeutel (wie Gefrierbeutel) ohne Lufteinschluss verpackt.

Nährwert[Bearbeiten]

100 g verzehrbarer Anteil enthalten etwa:
Energie 14 kcal bzw. 57–61 kJ Eiweiß 1,1 g
Fett 0,1 g Kohlenhydrate, verwertbar 2,0 g
Ballaststoffe 1,6 g Wasser 94 g
Natrium 17 mg Kalium 225–255 mg
Calcium 34–35 mg Phosphor 28 mg
Magnesium 8 mg Eisen 1,2 mg
Fluor 0,10 mg Vitamin A 4 µg
Vitamin E keine Daten Vitamin B1 0,04 mg
Vitamin B2 0,04 mg Niacin 0,2 mg
Vitamin B6 0,06 mg Vitamin C 27–29 mg
Salicylsäure 1,24 mg    

Symbolik[Bearbeiten]

Die Beschaffenheit von Radieschen wurde von politischen Gegnern oft zur Beschreibung sogenannter Revisionisten innerhalb der Arbeiterbewegung bzw. der Sozialdemokratie herangezogen. In diesem Sinne verwendete auch Kurt Tucholsky dieses Bild zur Beschreibung der SPD in seinem Gedicht Feldfrüchte (1926), in dem es heißt: „... / Hermann Müller, Hilferließchen / blüh’n so harmlos, doof und leis’ / wie bescheidene Radieschen: / außen rot und innen weiß.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Radieschen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Radieschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ulrich Sachweh (Herausgeber): Der Gärtner, Band 3, Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau. 2. Auflage, Ulmer, Stuttgart 1986/1989, ISBN 3-8001-1148-9, S. 225
  2. Ruth Wagner: Radieschen. Auf: ichkoche.at, 10. April 2008, http://www.ichkoche.at/Radieschen/Magazin/Ess-Genuss/Gemuese/index/html/11166, verifiziert am 26. Dezember 2009.
  3. Eintrag in der Arche des Geschmacks