Radio DDR I

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Radio DDR I (ursprüngliche Namen Radio DDR und Berlin 2. Programm) war eines der Hörfunkprogramme des Rundfunks der DDR. Ein gemischtes Programm aus Information und Unterhaltung, dessen Schwerpunkt auf dem Geschehen in der DDR beruhte. Die Sendungen waren hauptsächlich deutschsprachig, ergänzt mit Beiträgen in Sorbisch. Es was das erste Programm in Deutschland, welches regelmäßig Hörfunksendungen in beiden Sorbischen Sprachen enthielt. Dies begann Mitte der 1950er Jahre und wird durch den ORB bzw. RBB und MDR bis heute fortgesetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Im August 1953 führte die DDR eine Rundfunkreform durch. Aus den bisherigen Programmen entstanden 3 neue. Der Deutschlandsender und Berlin 1. Programm und Radio DDR I, das jedoch diese Bezeichnung noch nicht trug. Anfänglich bestanden wechselnde Namen wie z.B. Berlin 2. Programm oder Berlin II, im Gegensatz zu Berlin 1. Programm (dem späteren Berliner Rundfunk).

Ab dem 25. September 1955 bekam das Programm den Namen Radio DDR.[1][2]

Mitte der 1950er Jahre wurde Radio DDR über die Sender Cottbus, Dresden, Leipzig, Weimar und Schwerin verbreitet, wobei alle auch ein eigenes regionales Programm sendeten.

Sender Cottbus[Bearbeiten]

Ab 1953 gab es den Sender Görlitz mit einem Programm in Obersorbisch und 1956 begann der Sender Cottbus von Radio DDR ein Programm in Niedersorbisch auszustrahlen. Zum Jahreswechsel 1956/1957 zog das sorbische Studio nach Cottbus um, das zuvor in Görlitz gegründet wurde. In der Cottbusser Redaktion und dem dazugehörigen Studio, wurden fortan bis zum Ende von DDR I, die Sendungen in beiden sorbischen Sprachen produziert. ( ↑ siehe auch Sorbischer Rundfunk.)[3][4][5]

Radio DDR I und II[Bearbeiten]

Im Oktober 1958 folgte Radio DDR II, das nur über UKW sendete. Radio DDR bzw. das dann in Radio DDR I umbenannte Programm sendete bis 1991 und wurde über Mittelwelle (531, 558, 576, 603, 729, 882 und 1044 kHz) und auch UKW ausgestrahlt.

Programm[Bearbeiten]

In der Sportredaktion von Radio DDR I arbeiteten bekannte und beliebte Journalisten wie Heinz Florian Oertel, Hubert Knobloch, Wolfgang Hempel, Herbert Küttner, Werner Eberhardt, Waldefried Vorkefeld, Thomas Schwarz, Klaus-Jürgen Alde, Heinz-Günter Otto und Helmut Schulze, die zum Teil auch noch heute aktiv sind. Leitender Redakteur bis zur Übernahme war Werner Arendt und Stellvertreter Horst Bräunlich. Die Sportredaktion berichtete von zahlreichen Olympischen Spielen sowie Fußball-Welt- und -Europameisterschaften.

Die wöchentlich ausgestrahlte Schlagerrevue mit Heinz Quermann wurde mit 36 Jahren die am längsten in Folge gesendete Rundfunk-Hitparade der Welt. Redakteur der Sendung war von 1963 bis 1988 der Komponist, Texter, Arrangeur, Sänger und Orchesterleiter Siegfried Jordan. Im Unterhaltungsbereich wirkten bekannte Moderatoren wie Manfred Uhlig, Reinhard Mirmseker, Peter Niedziella, Klaus-Peter Wagner, Hans Misersky, Ilona Thäsler, die auch noch heute in zahlreichen ostdeutschen Landesrundfunkanstalten der ARD arbeiten und eine hohe Popularität genießen.

Das Programm von Radio DDR I galt lange Zeit als das beliebteste Programm des DDR-Rundfunks, da es nicht so vordergründig politisch war wie Stimme der DDR und nicht so Berlin-zentriert wie der Berliner Rundfunk, sondern auch Unterhaltungs- und Sportelemente in sein Programm aufnahm. Außerdem wurden in das Programm auch Hörspiele wie die Waldstraße Nr. 7 aufgenommen.

Mit der Wendezeit wurde die von der SED-Linie bestimmte politische Berichterstattung des Senders aufgehoben. Es wurden viele Streitgespräche (u.a. mit Alfred Eichhorn) durchgeführt, Volkskammersitzungen live übertragen. Radio DDR 1 leistete damit 1990 einen wichtigen Beitrag zur Wiedereinführung der Demokratie in den neuen Bundesländern.

Im April 1990 wurde Radio DDR I in Radio Aktuell umbenannt. Letzter Chefredakteur wurde Alfred Eichhorn, der heute beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) tätig ist. Das Programm sendete dann erstmals auch Werbeblöcke. Nach Gründung der eigenständigen Landesrundfunkanstalten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (MDR, ORB) und dem Beitritt Mecklenburg-Vorpommerns zum Sendegebiet des NDR übernahmen diese ab 1. Januar 1992 die Sendefrequenzen von Radio Aktuell. Die Frequenz 89,0 MHz des Senders Brocken, die stärkste UKW-Frequenz Deutschlands ging dagegen an den neu gegründeten Privatsender Radio Brocken und wird heute von 89.0 RTL belegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Walther: Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Deutscher Bundes-Verlag. Bonn, 1961. S. 111.
  2. Deutschland Archiv, Band 31. Zeitschrift für Fragen der DDR und der Deutschlandpolitik. Verlag Wissenschaft und Politik. Köln, 1998. S. 411.
  3. Rudolf Urban: Die sorbische Volksgruppe in der Lausitz. J.G. Herder-Institut. Leipzig, 1980. S. 260.
  4. Elka Tschernokshewa Pomału je na času. Bericht der unabhängigen Expertenkommission zu den kulturellen Perspektiven der Sorben in Deutschland. ARCult Media. Köln, 1994. S. 129. ISBN 978-39303-9505-7.
  5. Statistisches Jahrbuch der DDR 1956. Verlag Die Wirtschaft. Berlin, 1956. S. 308