Radków

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Radków
Wappen von Radków (Wünschelburg)
Radków (Polen)
Radków
Radków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kłodzko
Fläche: 15,07 km²
Geographische Lage: 50° 30′ N, 16° 24′ O50.50388888888916.401111111111Koordinaten: 50° 30′ 14″ N, 16° 24′ 4″ O
Höhe: 388 m n.p.m
Einwohner: 2472
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 57-420
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Nowa RudaKudowa-Zdrój
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 13 Ortschaften
Fläche: 139,00 km²
Einwohner: 9313
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0208123
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jan Bednarczyk
Adresse: Rynek 1
57-420 Radków
Webpräsenz: www.radkowklodzki.pl

Radków (deutsch Wünschelburg) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien im Powiat Kłodzki. Die Stadt liegt am Fluss Posna, der weit verzweigt im Stadtgebiet entspringt, sowie am Fuße des Heuscheuergebirges. Sie grenzt im Westen direkt an die Tschechische Republik.

Geschichte[Bearbeiten]

Geographisch gehörte Wünschelburg seit altersher zum Glatzer Land. Seine politische und kirchliche Zugehörigkeit ist deshalb weitgehend identisch mit der Geschichte der Grafschaft Glatz, innerhalb der es den Distrikt Wünschelburg bildete.

Wünschelburg wurde vermutlich vor 1290 gegründet, da für dieses Jahr die Bartholomäuskirche in der Vorstadt erwähnt wird. Urkundlich belegt ist der Ort für das Jahr 1328. 1341 wird er als civitas bezeichnet. Nachdem die Stadt mit einer Mauer und Graben befestigt wurde, erteilte ihr der böhmische König Wenzel IV. 1418 das Privileg einer Immediatstadt.

Während der Hussitenkriege wurde Wünschelburg mehrmals geplündert und niedergebrannt. Weitere Zerstörungen und Schäden wurden 1469 durch die Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus verursacht. Nach dem Wiederaufbau folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, an dem die Tuchmacher und die Leinenweber großen Anteil hatten. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Wünschelburger Tuch bis nach Italien geliefert.

Um 1550 setzte sich auch in Wünschelburg die Reformation durch. 1571–1580 errichtete die evangelische Bürgerschaft eine Pfarrkirche. Im Zuge der Gegenreformation wurde die Kirche in den 1620er Jahren den Katholiken übergeben. Die ältere Bartholomäuskirche in der Vorstadt diente ab dieser Zeit als Begräbniskirche. Sie wurde 1738 abgetragen.

Auch im Dreißigjährigen Krieg musste die Bevölkerung Einquartierungen und Plünderungen erdulden. 1680 sollen 500 Einwohner an der Pest gestorben sein. 1738 brannte fast die ganze Stadt nieder. Weitere Drangsalierungen für die Bevölkerung brachten die Schlesischen Kriege. Von diesen Verheerungen erholte sich die Stadt nur langsam.

Nach den Schlesischen Kriegen kam Wünschelburg zusammen mit der Grafschaft Glatz 1763 mit dem Hubertusburger Frieden an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 zur Provinz Schlesien, die in Landkreise aufgeteilt wurde. 1816–1853 war der Landkreis Glatz, 1854–1932 der Landkreis Neurode zuständig. Nach dessen Auflösung 1933 gehörte Karlsberg bis 1945 wiederum zum Landkreis Glatz.

Die Anlage eines Fußweges nach Karlsberg und von dort auf die Felsenstadt der Heuscheuer im 18. Jahrhundert begünstigte die spätere Entwicklung des Tourismus. Einer der ersten Benutzer dieses Weges war Johann Wolfgang von Goethe, der vom 27. bis 29. August 1790 in Wünschelburg wohnte und am 28. August zur Heuscheuer aufstieg. Um 1830 kam es zum Niedergang der Tuch- und Leinenweberei, stattdessen gewann die Wollweberei an Bedeutung. Der touristische Aufschwung wurde mit der in den Jahren 1867–1870 erbauten Straße von Wünschelburg über Karlsberg nach Bad Kudowa gefördert. Ab 1893 entwickelte sich die Sandsteinindustrie. Aus den bei Wünschelburg angelegten Steinbrüchen wurde Wünschelburger Sandstein für das Reichstagsgebäude und andere Berliner Bauten geliefert. Positiv wirkte sich auf die wirtschaftliche und die touristische Entwicklung die Eisenbahnverbindung aus, die Wünschelburg 1903 von Mittelsteine her erreichte.[2] 1914 wurde das Bahnkraftwerk Mittelsteine errichtet, das die elektrifizierten Bahnstrecken Schlesiens mit Bahnstrom versorgte.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Wünschelburg wie fast ganz Schlesien 1945 an Polen und zugleich in Radków umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, die neu angesiedelten Bewohner waren ihrerseits zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen. 1975–1998 gehörte Karłów zur Woiwodschaft Wałbrzych.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche St. Dorothea (Kościół Św. Doroty) wurde 1570–1580 errichtet und nach dem Brand von 1738 wiederaufgebaut und barockisiert. Die Wandmalereien schuf der Braunauer Maler J. Hausdorf.
  • Die Filialkirche St. Andreas (Kościół Św. Andrzeja) wurde 1905–1906 in Neubarock- und Jugendstilformen als evangelische Kirche errichtet. Seit 1945 dient sie als katholisches Gotteshaus.
  • Das Rathaus wurde etwa um 1550 erbaut und 1609–1628 sowie 1750 erweitert. 1852 und 1882–1885 erfolgten Umbauten.
  • Die Mariensäule auf dem Ring wurde nach der Pestepidemie von 1680 errichtet.
  • Auf dem Ring stehen noch einige alte Barock- und Renaissancehäuser. Mehrere Häuser der Ringbebauung wurden jedoch nach 1945 dem Verfall preisgegeben.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Radków gehören die Ortschaften:

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Paul Nößler (* 1929), deutscher Bergmann, Vertriebenenvertreter und nordrhein-westfälischer Kommunalpolitiker
  • Wolfgang Stumph (* 1946), deutscher Schauspieler und Kabarettist

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 793–794.
  • Peter Güttler: Das Glatzer Land. Ein Reiseführer zu Landschaft, Kunst und Kultur des Glatzer Berglandes/Ziemia Kłodzka in Schlesien. Aktion West-Ost e.V., Düsseldorf 1995, ISBN 3-928508-03-2, S. 119–120.
  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 573–574 (Kröners Taschenausgabe 316).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Radków – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 23. Dezember 2014.
  2. Rafał Wiernicki, Kolej Stołowogórska (polnisch)