Radkreuz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu anderen Bedeutungen des Begriffs siehe Radkreuz (Begriffsklärung). Für das Hakenkreuz als Sonnenkreuz siehe Swastika.
Das Radkreuz

Das Radkreuz, auch Sonnenkreuz, ist ein Motiv der Ikonografie der nordischen Vorzeit. Es ist ein kreisrundes Rad, dessen Speichen ein Kreuz bilden, das den Kreis in vier gleich große Bereiche teilt. Das Motiv tritt in Petroglyphen, wie den Felsritzungen von Allinge-Sandvig und auf zumeist bronzezeitlichen Fundstücken auf. Einerseits ist das Radkreuz ein Abbild der Sonne bzw. der Sonnenscheibe, andererseits kann es laut Flemming Kaul als Symbol für den Tag-Nacht-Zyklus sowie den Zyklus der Jahreszeiten interpretiert werden.[1]

Ein Radkreuz befindet sich auf dem Deckstein des Großsteingrabes von Bunsoh in Schleswig-Holstein. Findlinge mit entsprechenden Darstellungen sind auch in Mecklenburg-Vorpommern bei Megalithanlagen in der Region um Rerik belegt. Ein etwa 60 kg schwerer Sandstein (0,54 x 0,49 x 0,26 m) wurde von einem Fossiliensammler etwa 1988 am Ostseestrand bei Börgerende-Rethwisch(Landkreis Rostock) in einem Lesesteinhaufen entdeckt.[2] Der Stein gelangte 2013 in das Museum von Rerik.

Das Radkreuz im Europa der Bronzezeit[Bearbeiten]

Anhänger in Radform, Zürich, ca. 1550-1000 v. Chr. (Urnenfelderkultur), im Landesmuseum Zürich
Felsritzungen von Engelstrup und Herrestrup mit deutlich sichtbarem Radkreuz
Radkreuz mit Schalengruben bei den Felsritzungen von Allinge-Sandvig

Die Darstellung findet sich bei vielen bronzezeitlichen Kultobjekten, so z.B. dem Sonnenwagen von Trundholm oder auf verzierten Rasiermessern aus Bronze, z.B. in Form des Sonnenschiffs.[3]

Radkreuze finden sich besonders in Felsbildern und Steinverzierungen, z.B. auf Bornholm oder Greby. Radsymbole sind nach Schälchen und Schiffen die größte Bildgruppe der Felsritzungen in Skandinavien. Petroglyphe mit vier, seltener mit acht Speichen finden sich in Dänemark und in Schweden.

In Felsritzungen sind Radkreuze oft auf Sockeln (Sonnenstelen) dargestellt. Da Felsbilder vermutlich realistische Darstellungen von Ritualen sind, kann davon ausgegangen werden, dass in den Zeremonien echte Radkreuze verwendet wurden. Solche sind durch Funde belegt, z.B. durch ein Miniatursonnenbild auf einem Ständer (Dänisches Nationalmuseum) sowie einem Stein in Radkreuz-Form mit vier Schalengruben, der 1999 auf Seeland gefunden wurde.[1]

Symbolische Bedeutung[Bearbeiten]

In der freien Interpretation des Radkreuzes als Darstellung des zyklischen Laufs der Sonnenbewegung im Tag-Nacht-Rhythmus, stellt die waagerechte Kreuzstrebe die Erde als Scheibe dar. Der obere Halbkreis zeigt damit die Bahn der Sonne am Tag, vom morgendlichen Sonnenaufgang (linker Schnittpunkt) über den Mittag bis zum abendlichen Sonnenuntergang (rechter Schnittpunkt). Der untere Halbkreis stelt die Bahn der Sonne in der Nacht durch die Unterwelt dar. Bei der Übertragung auf den Zyklus der Jahreszeiten ist der Sonnenaufgang mit dem Frühling, der Mittag mit Sommer, der Sonnenuntergang mit dem Herbst und die Mitternacht mit dem Winter gleichzusetzen.[1]

Das Radkreuz als Symbol in der Gegenwart[Bearbeiten]

In der Gegenwart findet das Radkreuz in Abwandlung weiterhin als Symbol Verwendung, z.B. in Neopaganismus, Esoterik und Okkultismus, aber auch bei Gruppierungen mit rassistischer und neonazistischer Ideologie.

Religiöses Symbol[Bearbeiten]

Wie die Swastika wird das Radkreuz als Sonnenkreuz von neuheidnischen Gruppen und Organisationen als Repräsentation der Sonne und des Jahreskreislaufs genutzt. So existiert in der Wicca-Religion ein Jahresrad mit vier solaren Festen. In verschiedenen Feuerbräuchen werden Feuerräder, d.h. Radkreuze aus Stroh verwendet.

Der neuheidnische Verein Germanische Glaubens-Gemeinschaft verwendet als Symbol einen Thorhammer vor goldenem Radkreuz auf blauem Grund.

Im Christentum findet es sich als Weihe- oder Apostelkreuz in diversen Kirchen. Veraltet wird es auch als Päpstliches Kreuz bezeichnet, da es bis zur Reformation auch als päpstliches Hoheitszeichen diente. Das heutige Papstkreuz hat jedoch eine andere Form. Im Kloster Memleben (Sterbeort Kaiser Otto des Großen) findet man ein Radkreuz in der Mauer des Ostflügels der Klausur.

Politisches Symbol[Bearbeiten]

Flagge der Paneuropa-Union

Die schwedische Neonazi-Partei Nordiska rikspartiet verwendete das schwarze Radkreuz auf roter Flagge. Die norwegische faschistische Partei Nasjonal Samling nutzte ein goldenes Sonnenkreuz auf rotem Hintergrund als offizielles Symbol. Auch das Symbol des rassistischen Geheimbunds Ku-Klux-Klan, ein weißes Kreuz auf rotem Hintergrund, ist an die Symbolik angelehnt.

Die europäisch föderalistische Paneuropa-Union verwendet ein rotes Radkreuz (Symbol für die Menschlichkeit) mit gelbem Hintergrund (Symbol für die Aufklärung) in einer blauen Flagge.[4] Nach der Gründung von Europarat und Europäischer Union wurde ein Kreis aus zwölf Sternen hinzugefügt.

Wissenschaftliches Symbol[Bearbeiten]

In der Astronomie und Astrologie ist Erde ein mögliches Symbol für die Erde. Das Kreuz im Kreis steht hierbei für den Äquator und den Nullmeridian, astrologisch symbolisiert es zusätzlich in der Horoskopzeichnung den Glückspunkt (Pars Fortuna). Allerdings wird das andere Erdsymbol, die Glyphe , immer häufiger verwendet.

In der Mathematik ist \oplus ein Verknüpfungszeichen für die vektorielle Direkte Summe sowie die logische Kontravalenz. Das Radkreuz wird in Unicode mit U+1F728 codiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Flemming Kaul: Der Mythos von der Reise der Sonne. Darstellungen auf Bronzegegenständen der späten Bronzezeit. In: Gold und Kult der Bronzezeit. (Ausstellungskatalog). Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2003. ISBN 3-926982-95-0
  • Peter Vilhelm Glob: Helleristninger i Danmark (= Jysk Arkæologisk Selskabs skrifter. Bd. 7). Jysk Arkæologisk Selskab, Højbjerg 1969. ISSN 70107-2854

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Radkreuze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Flemming Kaul: Der Mythos von der Reise der Sonne. Darstellungen auf Bronzegegenständen der späten Bronzezeit. In: Gold und Kult der Bronzezeit. (Ausstellungskatalog). Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2003, S. 41–45.
  2. Dr. C. Michael Schirren (1. August 2013): Heilige Zeichen … Ein neu entdeckter Stein mit Radkreuz. In: Landesarchäologie Schleswig-Holstein.
  3. Flemming Kaul: Der Mythos von der Reise der Sonne. Darstellungen auf Bronzegegenständen der späten Bronzezeit. In: Gold und Kult der Bronzezeit. (Ausstellungskatalog). Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 2003, S. 17–44.
  4. Paneuropäisches Manifest, Seite 7 (PDF; 359 kB)