Radlader

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Großer Radlader
Kleiner Radlader
US-Militärversion eines Radladers bzw. Baggers, High Mobility Engineer Excavator (HMEE)

Ein Radlader (in Schweizerdeutsch: Trax) ist eine Baumaschine zum Laden und Transportieren von Gütern über kurze Strecken. Ausgerüstet mit einer Schaufel ist ein Radlader für Erdbewegungsarbeiten geeignet. Es gibt Radlader mit einem Gewicht von weniger als 2 t und bis zu einem Gewicht über 200 t.

Mit Radladern eng verwandt sind Frontlader. Grundgeräte hierbei sind meistens Traktoren oder Unimogs, die mit einer Schwinge versehen sind. Diese Maschinen werden auch Frontlader-Traktoren genannt.

Eine kleinere Bauart des Radladers ist der Kompaktlader. Er zeichnet sich durch geringere Abmessungen und durch hohe Wendigkeit aus.

Eine Sonderbauart der Radlader sind die im Untertagebau eingesetzten Fahrlader, die sich durch geringe Bauhöhe auszeichnen.

Radlader können mit einer Waage ausgestattet sein, um beim Laden direkt die Masse der Ladung zu ermitteln.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Radlader entstanden in den 1920er und 1930er Jahren aus landwirtschaftlichen Traktoren, die seilbetätigte Ladeschaufeln erhielten. Daraus entwickelten sich in den 1940er und 1950er Jahren eigenständige Baumaschinen, die bald schon von vielen in- und ausländischen Herstellern in Serie produziert wurden. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich gegenüber der Hinterrad- und Allradlenkung die Knicklenkung der nun in Vorder- und Hinterwagen geteilten Rahmenhälften durch.

Komponenten[Bearbeiten]

Schema Radlader
180-Pf-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost (12. Juni 1979)

Ein Radlader besteht im Wesentlichen aus diesen Komponenten:

  1. Knickgelenk (falls vorhanden)
  2. Hubrahmen mit Z-Kinematik
  3. Anbaugerät vorne (Ladeschaufel)
  4. Motor
  5. Fahrerkabine

Kenngrößen[Bearbeiten]

Das Kenngrößenspektrum ist bei Radladern sehr weitreichend, da es viele verschiedene Baugrößen gibt. So besitzen Kleinlader eine Leistung zwischen 20 und 60 kW und Großlader eine Leistung zwischen 70 und 590 kW. Das Betriebsgewicht kann bei den kleinen Geräten bis zu 7,5 t, bei den größeren Maschinen bis zu 90 t betragen. Die Ladeschaufel fasst zwischen 0,8 und 10,5 m³. Im Ladebetrieb liegt die Höchstgeschwindigkeit je nach Modell bei 15 km/h, bei Leerfahrt erreicht der Radlader bis zu 40 km/h.

Anbaugeräte[Bearbeiten]

  • Standardschaufel für Schüttgüter, wie Kies oder Mutterboden
  • Leichtgutschaufel mit größerem Volumen für leichte Güter, wie Getreide
  • Kombi-/Klappschaufel mit hydraulischer Frontklappe zur einfacheren Aufnahme von Gütern
  • Paletten-/Ladegabel für palettierte Güter
  • Kehrmaschine zur Reinigung von Straßen
  • Mischkübel zum Mischen von Beton
  • Steingabel zum Aufnehmen von Steinen
  • Schneeschild (hydraulisch) zum Räumen starkt verschneiter Straßen und Wege
  • Schneefräse
  • Ballenstecher zum Ausstechen größerer Pflanzen

Rekorde[Bearbeiten]

Der größte Radlader der Welt ist im Moment der LeTourneau L-2350 mit einem Einsatzgewicht von 262,174 t und einer Nutzlast von 72,574 t, einer Motorleistung von 2300 PS und einem standardmäßigen Schaufelinhalt von 40,52 m³.[1]

Dieser Radlader wird im Tagebau in der Triton North Rochelle Mine im US-amerikanischen Gillette eingesetzt. Die LeTourneau-Maschinen sind dieselelektrisch angetrieben, was eine Besonderheit für Radlader darstellt.

Lenkung[Bearbeiten]

Ein knickgelenkter Radlader verlädt Paletten

Die Lenkung bei Radladern erfolgt meist durch Knicklenkung. Das Gelenk befindet sich etwa in der Mitte der Maschine und wird hydraulisch angetrieben. Der Fahrer sitzt meist auf dem Hinterwagen, seltener auf dem Vorderwagen. Das Fahrgefühl ist jeweils ganz anders.

Radlader von Kramer haben keine Knicklenkung, sondern die Lenkung erfolgt über eine Allrad-Achsschenkellenkung. Dieses Prinzip zeichnet sich durch eine höhere Standsicherheit im eingelenkten Zustand aus, hat aber den Nachteil, dass sich die Lenkbewegung nur während der Fahrt auswirkt. Beim Knicklenker kann man auch im Stand den Löffel seitlich ausrichten. Ein weiterer Nachteil der Allrad-Lenkung ist, dass die Radlader-Schwinge bei Kurvenfahrt vorne aus dem Wendekreis ausschert, wohingegen sich ein Radlader mit Knicklenkung gewissermaßen „um die Kurve biegt“, was vor allem die Arbeit unter beengten Verhältnissen enorm erleichtert, wobei allradgelenkte Radlader einen kleineren Wendekreis besitzen.

Die Stereolenkung von Liebherr verbindet beide Prinzipien.

Die Panzerlenkung der Kompaktlader hat den Nachteil, dass die Geräte bei Richtungsänderungen den Untergrund aufwühlen. Ihr Einsatz sollte daher auf befestigte Flächen begrenzt sein, dort können sie keinen Schaden anrichten und drehen leichter. Allerdings muss man dann einen recht hohen Reifenabrieb in Kauf nehmen.

Sicherheit[Bearbeiten]

  • In Deutschland ist für Radlader eine jährliche U-VV-Überprüfung nach Richtlinien der Berufsgenossenschaften vorgeschrieben.
  • Ein Befähigungsnachweis (Fahrausweis) zum Führen von Baumaschinen-Radladern ist in Deutschland die Voraussetzung zur ordnungsgemäßen Benutzung aller kraftbetriebenen Baumaschinen gemäß den Richtlinien der Berufsgenossenschaften.

Hersteller[Bearbeiten]

Radlader werden von einer Vielzahl von Unternehmen weltweit gefertigt. Darunter sind Hersteller, die sich auf den Bau und die Entwicklung von besonderen Radladerkonstruktionen spezialisiert haben. Zu den Unternehmen, die Radlader fertigen, zählen etwa Gehl, Kramer, Caterpillar, Paus, Liebherr, Volvo, Atlas Weyhausen, Terex, Komatsu, Hitachi, Orenstein & Koppel, Wacker Neuson, Weidemann, Case oder BelAZ.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Datenblatt (PDF; 615 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Radlader – Sammlung von Bildern