Radoslav Katičić

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Radoslav Katičić (* 3. Juli 1930 in Zagreb) ist ein kroatischer Sprachwissenschaftler und Historiker. Er gilt in Kroatien als eine der wichtigsten Autoritäten für Fragen der kroatischen Sprache und Geschichte.

Werdegang[Bearbeiten]

Katičić studierte an der Universität Zagreb und wurde 1959 ebenda mit einer Arbeit über die indoeuropäische Verbalflexion promoviert. Neben der Indogermanistik beschäftigte er sich u.a. mit Klassischer Philologie, allgemeiner Sprachwissenschaft, Indologie und der Geschichte der kroatischen Sprache. Bis zum Jahre 1977, in welchem er als Ordinarius für Slavische Philologie an die Universität Wien berufen wurde, war Katičić als Hochschullehrer an der Universität Zagreb tätig.

Katičić ist ordentliches Mitglied mehrerer europäischer Akademien.

Werk[Bearbeiten]

Katičićs wissenschaftliche Beiträge können in vier Gebiete unterteilt werden:

  • Allgemeine Sprachwissenschaft und Studien der alten Sprachstufen auf dem Balkan, hauptsächlich auf dem methodischen Ansatz der Transformationsgrammatik beruhend
  • Linguistisch-stilistische Arbeiten über bestimmte Aspekte verschiedener europäischer und außereuropäischer Sprachen
  • Zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der kroatischen Sprache vom Beginn der Schriftlichkeit in Kroatisch-Kirchenslawisch über die volkssprachlich verfassten Werke von Renaissance-Schriftstellern wie Marin Držić oder Marko Marulić bis zur Syntax der modernen kroatischen Standardsprache
  • Synthetische Arbeiten, die die Anfänge der kroatischen Zivilisation mit einem multidisziplinären Ansatz unter Zuhilfenahme von Philologie, Archäologie, Kulturologie, Paläographie und Textkritik analysieren

Einige Aspekte seiner Arbeit werden einer Kritik unterzogen, vor allem seine puristische Herangehensweise an die linguistische Terminologie,[1] die primordialistische Auffassung von Nation[2] und Subjektivität in Artikeln zur Sprachenpolitik.[2] Außerdem ist sein Werk zur Syntax negativ von anderen kroatischen Syntaktikern beurteilt worden.[3][4][5][6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Snježana Kordić: Relativna rečenica [Der Relativsatz] (= Znanstvena biblioteka HFD. Bd. 25). Hrvatsko filološko društvo und Matica hrvatska, Zagreb 1995, ISBN 953-6050-04-8, S. 318–321, LCCN 97154457 -, OCLC 37606491 (PDF-Datei; 1,9 MB, abgerufen am 4. Mai 2010).
  2. a b  Bernhard Gröschel: Das Serbokroatische zwischen Linguistik und Politik. Mit einer Bibliographie zum postjugoslavischen Sprachenstreit (= Lincom Studies in Slavic Linguistics. Bd. 34). Lincom Europa, München 2009, ISBN 978-3-929075-79-3, S. 323, 359, LCCN 2009473660 -, OCLC 428012015.
  3.  Ivo Pranjković: Nekoliko napomena o Sintaksi prof. Katičića. In: Jezik. 36, Nr. 1-2, Zagreb 1988, S. 5–8.
  4.  Snježana Kordić: Relativna rečenica – gramatičke nedoumice. In: Marin Andrijašević, Yvonne Vrhovac (Hrsg.): Strani jezik u dodiru s materinskim. Hrvatsko društvo za primijenjenu lingvistiku, Zagreb 1992, S. 151–152, OCLC 438850199 (PDF-Datei; 657 kB, abgerufen am 8. Januar 2012).
  5.  Dragutin Raguž: Odnosne rečenice s veznikom/relativom što (= Biblioteka Jezikoslovlje. Bd. 7). Hrvatska sveučilišna naklada, Zagreb 1994, ISBN 953-1690-15-4, S. 10, 43, 54, 67, 76–78.
  6.  Snježana Kordić: Pronomina im Antezendenten und Restriktivität/Nicht-Restriktivität von Relativsätzen im Kroatoserbischen und Deutschen. In: Adam Evgen’evič Suprun, Helmut Jachnow (Hrsg.): Slawisch-germanische Sprachparallelen. Slavjano-germanskie jazykovye paralleli (= Sovmestnyj issledovatel’skij sbornik slavistov universitetov v Minske i Bochume). Belorusskij gosudarstvennyj universitet, Minsk 1996, S. 172–174, OCLC 804684708 (PDF-Datei; 2,4 MB, abgerufen am 6. Februar 2013).

Weblinks[Bearbeiten]