Raf Simons

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Raf Jan Simons (* 12. Januar 1968 in Neerpelt, Belgien) ist ein international bekannter belgischer Industrie- und Modedesigner.

Simons ist seit 1995 Designer seiner eigenen Herrenmode-Marke Raf Simons und war von 2005 bis 2012 Kreativdirektor der Jil Sander AG. Seit 2012 ist er als Nachfolger von John Galliano künstlerischer Direktor der Damenkollektionen von Christian Dior.[1]

Werdegang[Bearbeiten]

Simons wurde 1968 im belgischen Neerpelt in Limburg, Flandern geboren. Nach dem Studium des Industriedesigns in Genk 1991 absolvierte er bei dem belgischen Modedesigner Walter Van Beirendonck ein Praktikum, wo er unter anderem Showrooms gestaltete, und begann schließlich als Möbeldesigner für Galerien und private Auftraggeber zu arbeiten.[2] Auf Anraten der damaligen Leiterin der Modeschule der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen und ohne diesbezügliche Ausbildung wechselte er nach wenigen Jahren in die Modebranche und brachte 1995 in Antwerpen seine erste Modelinie für Herren unter dem Namen Raf Simons heraus.[3] Die erste Kollektion zeichnete sich durch schmale, lineare Silhouetten mit Zitaten aus Punk und Gothic aus. In der New York Times wurde Simons in der Tradition Helmut Langs als Erfinder der betont schmalen Männer-Silhouette, die sich ab den späten 1990er Jahren immer mehr in der Männermode verbreitete und mit der schließlich der Designer Hedi Slimane bei Dior Homme besonders bekannt wurde, gewürdigt.[4][5] Simons' minimalistische Mode ist bis heute u.a. geprägt von schmal geschnittenen Anzügen, von kurzen Jacketts, von dekonstruierten Schnitten, von innovativen Formen, vom Lagen-Look oder von futuristischen Einflüssen.[6] Das Logo der Raf Simons Hauptlinie ist ein geschwungenes 'R', das bspw. auf ausgewählten Oberteilen aufgestickt ist.

Ab März 2000 nahm sich Simons eine einjährige Auszeit, in der er sein Mode-Label ruhen ließ. Seine Entwürfe lässt Simons bei den in Paris abgehaltenen Modenschauen ausschließlich von nichtprofessionellen Models vorführen, die er in den Vorstädten auf der Straße rekrutiert. Durch seine provokante Konzeption von vermummten Jungs in Overalls und Kapuzenpullover brachte er sich 2001 zwei Monate vor dem Angriff auf die Twintowers das Attribut des "modischen Terroristen" ein. 2005 kam die jugendliche Zweitlinie RAF by Raf Simons, bei welcher oftmals der Vorname RAF als sichtbares Logo die Kleidungsstücke ziert, zum Portfolio hinzu. Für die Marke Raf Simons bestehen in Tokio und Ōsaka 2008 eröffnete eigene Boutiquen.

Raf Simons lehrte von 2000 bis 2005 an der Universität für angewandte Kunst Wien und leitete die Modeklasse. Seine Vorgänger dort waren das niederländische Designer-Duo Viktor & Rolf (1999 bis 2000); seine Nachfolgerin war die belgische Designerin Veronique Branquinho (2005 bis 2009). Branquinho (* 1973) und Simons waren von 1995 bis 2000 liiert.[7]

Simons wird spätestens seit Ende der 1990er Jahre international als einflussreicher Modedesigner angesehen. Er lebt in Antwerpen und arbeitet in Antwerpen (für Raf Simons) und Paris (für Dior) und bis 2012 auch in Mailand (für Jil Sander). Simons gilt als scheu und sensibel.[8][9]

Jil Sander[Bearbeiten]

Simons wurde 2005 mit seinem Team vom Chef der Prada-Gruppe, Patrizio Bertelli, verpflichtet und übernahm am 1. Juli des gleichen Jahres als Kreativdirektor das Designteam der damaligen Prada-Tochter, Jil Sander AG. Seine erste Schau wurde Anfang 2006 in Mailand präsentiert. Bis zu seinem Engagement bei Jil Sander hatte Simons keine Damenmode entworfen. Nach dem Verkauf von Jil Sander durch Prada wurde Raf Simons von den nachfolgenden Eigentümern der Marke Jil Sander als Designer der Damen- und Herrenkollektionen behalten. Seine zum Teil avantgardistischen Entwürfe wurden in der Folge von der internationalen Presse hoch gelobt.

Das Unternehmen Jil Sander verkündete am 23. Februar 2012, dass die Zusammenarbeit mit Simons in gegenseitigem Einvernehmen zum 27. Februar beendet werde.[10] Tagsdarauf erklärte das Unternehmen, dass die Firmengründerin, Jil Sander, am 28. Februar 2012 zu ihrem Unternehmen als Designerin zurückkehre und somit Simons' Nachfolge antrete.[11] Am 25. Februar 2012 fand bei den Mailänder Modenschauen bei der Präsentation der Jil Sander Damenkollektion für Herbst/Winter 2012/13 der letzte Auftritt von Raf Simons als Kreativdirektor von Jil Sander statt, bei dem er sich auf dem Laufsteg unter Tränen von den Zuschauern verabschiedete.[12]

Dior[Bearbeiten]

Am 9. April 2012 wurde Simons nach langen Spekulationen vom französischen Modeunternehmen Christian Dior zum Chefdesigner der Damenkollektionen (Prêt-à-porter und Haute Couture) ernannt.[13] Simons hatte bis dahin keine Haute Couture Mode entworfen. Seine erste Haute Couture Kollektion für Dior wurde am 2. Juli 2012 im Kulturzentrum Centre Culturel Calouste Gulbenkian in Paris präsentiert und von der Presse hoch gelobt.[14][15] Simons' erste Prêt-à-porter-Kollektion für Dior wurde Ende September 2012 in Paris gezeigt und ebenso positiv aufgenommen.[16][17]

Kollektionen[Bearbeiten]

Etikett der Kooperation mit Fred Perry

Raf Simons[Bearbeiten]

  • Raf Simons - Herren-Konfektionsmode im oberen Preissegment, seit 1995
  • RAF by Raf Simons - Zweitlinie für Herren im oberen Mittelpreissegment, seit Juni 2005

Kooperationen

  • Raf Simons Fred Perry - Herren-Sportswearkollektion in Zusammenarbeit mit der Marke Fred Perry im oberen Mittelpreissegment, seit 2008
  • RAF by Raf Simons Eastpak - Gepäckserie in Zusammenarbeit mit Eastpak, von 2007 bis 2008

Christian Dior[Bearbeiten]

  • Prêt-à-porter - Damen-Konfektionsmode im oberen Preissegment, ab 2012
  • Haute Couture - Damen-Maßschneiderei-Kollektion im obersten Preissegment, ab 2012

Jil Sander[Bearbeiten]

  • Jil Sander - Damen- und Herrenkonfektionsmode im oberen Preissegment, von Juli 2005 bis Februar 2012
  • Jil Sander Navy - hochpreisige Zweitlinie für Damen, von 2010 bis 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Raf Simons wird Chefdesigner von Dior, vogue.de, 9. April 2012
  2. GQ Starportrait: Raf Simons, gq-magazin.de, abgerufen: 6. Februar 2013
  3. Raf Simons: Curriculum, rafsimons.com, abgerufen: 6. Februar 2013
  4. Konkurrenz, Streit und Rache - Designer-Duell an der Seine, tagesspiegel.de, 5. Oktober 2012
  5. Saint Laurent: Back at the Chateau Marmont, nytimes.com, 2. Oktober 2012
  6. Jenseits der Kaschmir-Blazer, faz.net, 30. Juni 2009
  7. Raf, nytimes.com, 18. September 2005
  8. Der scheue Designer zeigt nun Gesicht, welt.de, 23. August 2007
  9. Raf, nytimes.com, 18. September 2005
  10. Jil Sander ist zurück Dior hoch zwei, faz.net, 23. Februar 2012
  11. Rückkehr einer Designerin Das Comeback von Jil Sander in Mailand - "Halleluja!", stern.de, 27. Februar 2012
  12. Jil Sander: Tränen bei Raf Simons' letzter Show, kurier.at, 26. Februar 2012
  13. Raf Simons wird Chefdesigner - Dior verkündet Nachfolge von Galliano, stern.de, 10. April 2012
  14. Exklusiver geht’s nimmer, zeit.de, 7. Juli 2012
  15. Raf Simons kann Couture - Karl bleibt cool, stern.de, 3. Juli 2012
  16. Punktlandung: Raf Simons führt Dior in die Zukunft, kleinezeitung.at, 29. September 2012
  17. Raf Simons and the Remapping of Dior, nytimes.com, 28. September 2012

Literatur[Bearbeiten]