Rafael Marques de Morais

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Rafael Marques de Morais (* 31. August 1971 in Luanda, Angola) ist ein angolanischer Menschenrechtsaktivist, Journalist und Schriftsteller. Er wurde mit Berichten über Korruption in der Regierung Angolas und die Diamantindustrie international bekannt. Er betreibt eine Anti-Korruptions Webseite MakaAngola (www.makaangola.org).

Der Lippenstift der Diktatur[Bearbeiten]

Er schrieb den Artikel "Presidência da República: O Epicentro de Corrupção em Angola"[1] (deutsch: Die angolanische Präsidentschaft: Das Epizentrum der Korruption"). Im Jahr 1999 schrieb er den Aufsatz "O Baton da Ditadura" (deutsch: "Der Lippenstift der Diktatur") in dem er Präsident José Eduardo dos Santos scharf kritisierte. Der Titel ist eine Wortspielerei: Einerseits bezeichnet das Wort "Batom" im Portugiesischen den Lippenstift, andererseits meint man mit dem Wort "Baton" den Schlagstock der Polizei.[2][3]

Aufgrund dieser Veröffentlichung wurde Marques de Morais am 13. Oktober 1999 von der DNIC, Direcção Nacional de Investigação Criminal, (deutsch: Nationale Direktion für Kriminaluntersuchungen) befragt und mehrere Stunden festgehalten. Später gab er Rádio Ecclésia ein Interview, indem er seine Kritik an der Regierung dos Santos wiederholte. Am 16. Oktober 1999 verhafteten ihn zwanzig bewaffnete Mitglieder einer Schnellen Eingreiftruppe der Polizei, zusammen mit Aguiar dos Santos (Herausgeber von Agora) und Antonio José Freitas (Agora-Reporter). Der Vorwurf lautete Verleumdung.

Marques de Morais sagt, dos Santos trage die Verantwortung für die "Zerstörung des Landes....sowie Förderung von Inkompetenz, Unterschlagung und Korruption als politische und soziale Werte". Weiter bezeichnet er Präsident dos Santos als "Diktator". Am 31. März 2000 befand ein Gericht in der Hauptstadt Luanda Freitas für unschuldig, Aguiar und Marques de Morais jedoch für schuldig. Das Gericht verurteilte Aguiar zu zwei Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe 6.000 US Dollar. Marques de Morais wurde für die Verletzung gegen Artikel 43, 44, 45 und 46 des Gesetzes Nr. 22/91 für schuldig gesprochen und erhielt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Daraufhin verweigert er für acht Tage die Nahrungsaufnahme, um gegen das Verbot, mit seinem Anwalt Anacleta Perreira sprechen zu dürfen und seine Familie zu treffen, zu protestieren. Die Polizei ließ ihn gegen Kaution am 25. November frei, aber verbot ihm Luanda zu verlassen oder mit Journalisten zu sprechen.[4]

"Für herausragenden Mut" erhielt er im Jahr 2000 von der National Association of Black Journalists in den Vereinigten Staaten den Percy Qoboza Award verliehen. Im Jahr 2006 erhielt er den Preis für Zivilcourage von der "The Train Foundation", ehemals Northcote Parkinson Fund.[5] Er hat auch verschiedene Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Diamantenhandel geschrieben: "Hungerernte auf Angolas Diamantfeldern" (2008), "Operation Kissonde: Die Diamanten des Elends und Erniedrigung" (2006) und "Lunda: Die Steine des Todes" (2005)[6] mitfinanziert von dem Autor Rui Campos.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presidência da República: O Epicentro da Corrupção em Angola esquerda.net, Text von Rafael Marques, veröffentlicht in makaangola.org
  2. Artikel, The Lipstick of Dictatorship (englisch)
  3. Originaltext "O Baton da Ditadura" (portugiesisch)
  4. Marques gets six months for defaming president, Committee to Protect Journalists (englisch)
  5. The Train Foundation: Preis für Zivilcourage (englisch)
  6. Lundas – The stones of death, Human rights abuses in the Lunda provinces, 2004 (englisch)

Siehe auch[Bearbeiten]