Rahel Varnhagen von Ense

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Rahel Varnhagen von Ense

Rahel Varnhagen von Ense (* 19. Mai 1771 in Berlin; † 7. März 1833 ebenda; auch Rahel Levin (Geburtsname), Rahel Robert bzw. Robert-Tornow (angenommener Familienname ab Mitte der 1790er-Jahre), Friedericke Antonie (Taufname, ab 1814) war eine deutsche Schriftstellerin mit jüdischer Abstammung. Rahel Varnhagen gehörte der romantischen Epoche an und vertrat zugleich Positionen der europäischen Aufklärung. Sie trat für die Emanzipation des Judentums und der Frauen ein.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Herkunft und Jugend

Rahel Varnhagen wurde 1771 als älteste Tochter des Kaufmanns Markus Levin und seiner Frau Chaie Levin in Berlin geboren. Sie starb dort 1833 und liegt auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I in Berlin-Kreuzberg begraben. Die Beisetzung erfolgte erst 1867 durch ihre Nichte Ludmilla Assing, weil die Verstorbene verfügt hatte, in einem Doppelsarg mit Sichtfenstern für 20 Jahre nach dem Tod oberirdisch aufgebahrt zu werden. Das im Jahr 2007 durch das Landesdenkmalamt Berlin und die Varnhagen Gesellschaft restaurierte Ehrengrab der Stadt Berlin befindet sich im Feld 2. 1790 bis 1806 führte Rahel einen literarischen Salon (Salon der Rahel Varnhagen), in dem Dichter, Naturforscher, Politiker, Gesellschaftsgrößen und Aristokraten auf einer Ebene miteinander verkehrten. Das Ideal der Geselligkeit förderte somit die Emanzipation. Berühmte Rahel-Gäste waren Jean Paul, Ludwig Tieck, Ernst von Pfuel, Friedrich Schlegel, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Friedrich de la Motte Fouqué, Prinz Louis Ferdinand und dessen Geliebte Pauline Wiesel.

Rahel Varnhagen von Ense
Gedenktafel am Haus Jägerstraße 54-55, in Berlin-Mitte

[Bearbeiten] Privatleben und Beginn ihres Wirkens

Während der Befreiungskriege 1813 organisierte Rahel die Versorgung der Verwundeten aller Kriegsparteien in Prag und sammelte Spenden für die Hinterbliebenen. Nach mehreren unglücklichen Beziehungen ehelichte Rahel am 27. September 1814 den Diplomaten, Historiker und Publizisten Karl August Varnhagen von Ense und konvertierte zum Christentum. Sie begleitete ihren Mann auf verschiedenen Reisen, z. B. nach Wien. Nach seiner Abberufung als Geschäftsträger am badischen Hof kehrte sie mit ihm im Oktober 1819 nach Berlin zurück. Zunächst wohnten sie möbliert, dann in der Mauerstraße Nr. 36. Aber schon bald führte sie ihren „Zweiten Salon“. Ihre Gäste waren unter anderem Mitglieder der Familie Mendelssohn, Heinrich Heine, Eduard Gans, Ludwig Börne und der Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Mehrmals besuchte das Ehepaar Varnhagen Goethe in Weimar.

[Bearbeiten] Tätigkeit als Schriftstellerin

Rahel verstand sich nicht als Schriftstellerin im eigentlichen Sinn und nahm wenig Anteil am Literaturbetrieb. Sie pflegte vor allem die Gattungen Tagebuch, Aphorismus und Brief (rund 6000 Briefe von ihr sind bekannt). Damit ist sie typisch für die im 19. Jahrhundert aufblühende Frauenliteratur, die kleine, intimere Formen bevorzugt. Der Wert ihres Schaffens resultiert jedoch nicht nur aus der Dokumentation historischer und kultureller Vorgänge, sondern aus Rahels brillantem Stil und ihrer politischen Weitsicht.

1812 publizierte Karl August Varnhagen in Cottas Morgenblatt für gebildete Stände Auszüge aus ihren Briefen, die den Roman Wilhelm Meister von Johann Wolfgang von Goethes betrafen und dessen Ruhm als Weimarer Dichterfürst bestärkten.[1] Weitere Veröffentlichungen in Journalen und Almanachen, die Rahel durch ihren Mann, mitunter auch durch ihren Bruder Ludwig Robert einsenden ließ, folgten. Sie blieb anonym, wurde aber in zeitgenössischen Lexikonbeiträgen genannt.[2] Der Großteil ihrer Schriften wurde allerdings postum von ihrem Ehemann und nach dessen Tod von seiner Nichte Ludmilla Assing ediert.

Seit 2007 existiert auch eine Vertonung des Briefwechsels mit Pauline Wiesel in Form eines Musiktheaters: Rahel und Pauline. Briefszenen von Roland Moser, mit einem Nachwort von Imre Kertész (Uraufführung 12. September 2007, Lucerne Festival).

[Bearbeiten] Bibliothek und Nachlass

Rahel Varnhagen von Ense auf einer deutschen Briefmarke der Dauerserie Frauen der deutschen Geschichte
Berliner Ehrengrab des Ehepaars Varnhagen nach der Restaurierung im Jahr 2007

Bibliothek bzw. Nachlass des Ehepaars Varnhagen kamen als Sammlung Varnhagen 1881 in die Königliche Bibliothek in Berlin. Heute gehört die Bibliothek Varnhagen[3] zum Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin. Der handschriftliche Nachlass befindet sich dagegen auf Grund der Kriegsverlagerungen gegenwärtig in der Bibliotheka Jagiellońska[4] in Krakau.

[Bearbeiten] Werke

Von Karl August Varnhagen herausgegebene Editionen:

  • Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde (1833)
  • Galerie von Bildnissen aus Rahels Umgang und Briefwechsel (1836)

Von Ludmilla Assing herausgegebene Editionen:

Neuere Editionen:

  • Rahel Bibliothek. Rahel Varnhagen: Gesammelte Werke. 10 Bände. München, 1983. Herausgegeben von Konrad Feilchenfeldt, Uwe Schweikert und Rahel E. Steiner
  • Rahels erste Liebe. Rahel Levin und Karl Graf von Finckenstein in ihren Briefe. Märkischer Dichtergarten. Berlin 1986. Herausgegeben von Günter de Bruyn.
  • Edition Rahel Levin Varnhagen. Briefwechsel mit Pauline Wiesel. München 1996. Herausgegeben von Barbara Hahn.
  • Edition Rahel Levin Varnhagen. Briefwechsel mit Ludwig Robert. München 2001. Herausgegeben von Consolina Vigliero.
  • Ich will noch leben, wenn man's liest. Journalistische Beiträge aus den Jahren 1812–1829, Frankfurt a. M. u. a. 2001. Herausgegeben von Lieselotte Kinskofer.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. „Ueber Goethe. Bruchstücke aus Briefen“, hrsg. v. Karl August Varnhagen von Ense. In: „Rahel Varnhagen von Ense: Ich will noch leben, wenn man's liest. Journalistische Beiträge aus den Jahren 1812–1829“. Hrsg. v. Lieselotte Kinskofer. Peter Lang, Frankfurt a. M. u. a. 2001, S. 9–22 (Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 5)
  2. Carl Wilhelm Otto August von Schindel: „Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil“, F. A. Brockhaus, Leipzig 1825, S. 383f.
  3. Bibliothek Varnhagen
  4. Bibliotheka Jagiellońska

[Bearbeiten] Weblinks

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