Rail Systems

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Siemens Mobility Verwaltungsgebäude am Standort in Krefeld-Uerdingen

Rail Systems (RL) ist eine Division des Siemens-Sektors Infrastructure & Cities. Der Sektor wurde zum 1. Oktober 2011 gegründet, zum gleichen Stichtag erhielt die Division ihre neue Bezeichnung.

Bis Ende September 2011 lautete die Bezeichnung Siemens Mobility; darunter waren noch weitere Geschäftseinheiten eingegliedert. Davor wurde der Geschäftsbereich als Transportation Systems (TS) bezeichnet, davor als Verkehrstechnik (VT). Der neue Sektor ist der Vierte der Siemens AG. RL hat seinen Sitz in Berlin und bündelt das Schienenfahrzeuggeschäft von Siemens.

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Spanischer Velaro
Desiro Classic Baureihe 5022 der ÖBB
Combino-Straßenbahn in Bern
Siemens ES64F4 in Werkslackierung von Siemens Transportation
Triebwagen 8 der FOTG von 1884 im Frankfurter Verkehrsmuseum

Innerhalb der Division gibt es vier Business Units:

  • High Speed and Commuter Rail (Schienenfahrzeuge im Nah-, Regional- und Fernverkehr; Hochgeschwindigkeitstriebzüge; Hauptsitz ist Krefeld)
  • Metro, Coaches and Light Rail (schienengebundene Fahrzeuge für den Personennahverkehr in Städten, Passenger Coaches; Hauptsitz ist Wien)
  • Locomotives and Components (Mehrsystemlokomotiven und schnell fahrende Lokomotiven, Komponenten wie Antriebssysteme, Fahrwerke und Bordnetzversorgung; Hauptsitz ist München-Allach)
  • Customer Service and Transportation Solutions (Service- und Gesamtanlagen über den gesamten Lebenszyklus eines Bahnsystems, Service für die Bahnautomatisierung; Hauptsitz ist Berlin)

Größte Standorte für Vertrieb, Konstruktion und Fertigung:

  • Customer Service and Transportation Solutions

Geschichte[Bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 1996/97 erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von 177 Millionen DM. Der Umsatz war auf 4,1 Milliarden zurückgegangen, der Auftragseingang auf einen Rekordwert von 7,1 Milliarden DM angestiegen[1].

Ab Ende 2000 / Anfang 2001 trat das Unternehmen nur noch unter der Bezeichnung Transportation Systems auf, um die internationale Verständlichkeit zu verbessern. Die Geschäftsgebiete erhielten dabei die Bezeichnungen Automation Railways (Betriebsführungssysteme Fernverkehr), Automation Mass Transit (Betriebsführungssysteme Nahverkehr), Electrification (Bahnelektrifizierung), Turnkey Systems (Gesamtanlagen), Locomotives (Lokomotiven) und Trains (Triebzüge)[2].

Im Geschäftsjahr 2002 erzielte das Unternehmen mit 17.100 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,367 Milliarden Euro. Das EBIT lag bei 247 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag bei 5,247 Milliarden Euro, einschließlich eines Rekordauftrags zu Lieferung von 1.200 Desiro-UK-Regionaltriebzügen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro[3].

Infolge von Garantieansprüchen aus den Combino-Straßenbahn-Fahrzeugen verbuchte die Sparte im zweiten Quartal 2004 einen operativen Verlust von 289 Millionen Euro; die Sonderbelastungen wurden auf insgesamt 364 Millionen Euro beziffert[4].

Vom 1. Januar 2008 bis zum 30. September 2011 war Siemens Mobility ein Teil des Siemens Sektor Industry.

Schienenfahrzeuge[Bearbeiten]

Bereits 1879 präsentierte Werner Siemens auf der Berliner Gewerbeausstellung die erste elektrische Lokomotive. 1881 wurde die von Siemens gebaute, erste elektrische Straßenbahn in Berlin-Lichterfelde eröffnet. Aus diesen Anfängen kristallisierte sich ein selbstständiger Geschäftsbereich heraus.

Siemens & Halske baute unter anderem den elektrischen Antrieb der ersten kommerziell betriebenen Straßenbahn-Triebwagen der Lokalbahn Mödling–Hinterbrühl (SB Tw 1–15) und der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft (FOTG) sowie die elektrischen Bestandteile der Streckentechnik. Der mechanische Teil und die Wagenkästen der Triebwagen und Beiwagen der FOTG wurde von der Waggonfabrik P. Herbrand & Cie in Köln-Ehrenfeld hergestellt.

Nahverkehr[Bearbeiten]

Im Bereich Mass Transit werden Stadtbahn- und Straßenbahnzüge (wie CitySprinter, VAL, Combino, Avanto, Avenio und ULF) sowie Fahrzeuge für S-Bahnen und U-Bahnen angeboten. Auch Großkabinen für verschiedene H-Bahn-Systeme gehören zum Produktportfolio.

Lokomotiven[Bearbeiten]

Der Bereich Locomotives stellt beispielsweise Lokomotiven der Baureihen 152 und 189 der DB AG her. Heute werden in Europa vor allem die zwei Lokfamilien EuroSprinter und EuroRunner angeboten, wobei die Produktfamilie EuroSprinter Drehstromlokomotiven in mehreren Varianten umfasst. Der EuroRunner basiert auf einem dieselelektrischem Antrieb. Beide Lokomotivenfamilien werden in mehreren Ländern Europas eingesetzt. Für Asien gibt es den AsiaRunner als eine weitere Variante. Die Weiterentwicklung dieser Lokomotiven werden seit 2010 unter dem Markennamen Vectron vermarktet.

Triebzüge[Bearbeiten]

Der Bereich Trains bietet eine Palette von Triebzügen für den Regional- und Hochgeschwindigkeitsbereich an.

Siemens TS war am Bau der Hochgeschwindigkeitszüge ICE 1 und ICE 2 für die Deutsche Bahn AG beteiligt. Der ICE 3 ist der erste Vertreter der eingetragenen Produktplattform Velaro. Seit 2007 verbindet der im Werk in Krefeld-Uerdingen produzierte Velaro E die spanischen Städte Barcelona und Madrid. Im November 2005 wurde ein Vertrag über die Lieferung von 60 Hochgeschwindigkeitszügen für China unterschrieben. Diese Züge basieren auf der Velaro-Platform und werden ab dem vierten Zug größtenteils in China produziert. Des Weiteren wird seit 2008 eine an die lokalen Gegebenheiten (z. B. Außentemperatur bis −50 °C, Breitspur, höherer Führerstand) angepasste Variante als Siemens Velaro RUS in Russland auf der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau sowie zwischen Moskau und Nishnij Nowgorod eingesetzt.

Ein weiteres eingetragenes Warenzeichen ist der Desiro, der bei verschiedenen britischen Bahngesellschaften wie z. B. bei South West Trains im Einsatz ist. Im Jahr 2006/2007 wurden auch Züge für Suvarnabhumi Airport Rail Link in Bangkok gebaut. In Deutschland verkehrt der Desiro Classic als Baureihe 642 (Dieselversion) bei verschiedenen Bahnverkehrsunternehmen sowie als Desiro Mainline - ein elektrischer Triebzug für den Regionalverkehr. Diese Classic-Version wurde und wird in für die Länder angepassten Versionen hergestellt, z. B. für Österreich, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Griechenland.

Bahninfrastruktursysteme[Bearbeiten]

Bei den Bahninfrastruktursystemen bietet Siemens Mobility als ein führendes Unternehmen ein breites Spektrum an.

Elektrifizierung[Bearbeiten]

Für den Betrieb der Elektrolokomotiven und Straßenbahnen fertigt Siemens Mobility Bahnstromsysteme, liefert Komponenten für Fahrleitungen und bietet deren Montage an.

Bahnautomatisierung[Bearbeiten]

Radsensor von Siemens

Das Stammhaus (Sitz der Leitung) des Bereichs Rail Automation ist das Siemens-Werk Braunschweig, das auf die 1873 gegründete Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. zurückgeht. Heute gehören folgende Produkte zu diesem Bereich:

Neben konventioneller Verkehrstechnik gibt es folgende Produkte:

  • Im Konsortium mit ThyssenKrupp: Infrastruktursysteme und Fahrzeuge für die Magnetschwebebahn Transrapid
  • Fahrerlose Züge im öffentlichen Personennahverkehr, z. B. das Produkt „VAL“ (Véhicule automatique léger) von Siemens Mobility Frankreich, oder das U-Bahn-Projekt RUBIN

Infrastruktur Logistik[Bearbeiten]

Dieses Geschäftsgebiet (vormals unter Anderem Industry Solutions, Postal Automation, Airport Logistics) bietet Systeme und Maschinen für Postautomatisierung, Flughafen- und Transportlogistik, sowie die damit verbundenen Dienstleistungen an. In der Postautomatisierung umfasst dies Maschinen für Standard-, Großbrief-(Flats-) und Paket-Sortierung, Systeme für automatisches Lesen und Video- und anderes Codieren, sowie die dazugehörigen Software-Lösungen. In der Flughafen-Logistik sind dies vor Allem die Gepäcksysteme vom Check-In bis zur Gepäckausgabe, für die Fracht-Logistik, sowie die Softwaresysteme im Flughafen-Bereich. Außerdem umfasst es den Service (Ersatzteile, Wartung etc.) für diese Produktlinien.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören Wartungsverträge. Der Bereich Lokvermietung (Dispolok) wurde 2006 an Mitsui & Co. Ltd. verkauft und mit dem Leasinggeschäft von Mitsui Rail Capital Europe zu MRCE Dispolok zusammengelegt. Weiterhin führt Siemens Mobility die Planung und Integration schlüsselfertiger Neubaustrecken durch. Auch Finanzierungen größerer Eisenbahnprojekte können direkt beigesteuert werden. Für Schulungen im Bereich Verkehrstechnik gibt es eine „Rail Automation Academy“ (früher „Schule für Verkehrstechnik“) in Braunschweig und Berlin, so wie und eine „Rolling Stock Academy“, die zusammen als „TS Academy“ interne und teilweise externe Schulungen anbieten. Ersatzteile für das gesamte Produktspektrum werden auf dem Internetmarktplatz Rail Mall angeboten.

Straßenverkehrstechnik[Bearbeiten]

Das Segment Intelligent Traffic Systems (ITS) bietet Produkte und Systeme für den straßengebundenen Verkehr. In den drei Subsegmenten Urban und Interurban und „Electronic Tolling“ bietet Siemens Lösungen für die Verkehrssteuerung und das Verkehrsmanagement von ruhendem und fließendem Verkehr. Dazu gehören z. B. Lichtsignalanlagen (Ampelanlagen), Parkhaustechnik, Parkscheinautomaten, inner- und außerstädtische Steuer- und Leitzentralen (Verkehrsrechner, Netz-, Autobahn-, und Tunnelsteuerung), sowie inner- und außerstädtische Mautlösungen, Umweltmanagement und Detektion. Als Dienstleistungen bietet ITS z. B. Verkehrsplanung, -umsetzung, Wartungsservice und Training an.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung Rote Zahlen bei Siemens Verkehrstechnik. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/1998, S. 103, ISSN 1421-2811
  2. Meldung Siemens: Internationale Firmierung. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2001, S. 57, ISSN 1421-2811
  3. Meldung Jahrespressekonferenz von Siemens Transportation Systems. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2003, S. 36, ISSN 1421-2811
  4. Meldung Siemens spürt Combino-Problem. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2004, S. 324, ISSN 1421-2811