Railteam

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Railteam ist eine Allianz von europäischen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Bereich des internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Europa nach dem Vorbild der Luftfahrtallianzen[1] und wurde im Juli 2007 in Brüssel gegründet.

Mitglieder und Netz[Bearbeiten]

Railteam-Netz
  • Blaue Linien: Linien des Railteam-Netzwerks
  • Große Punkte: Knotenpunkte von Railteam

Es gibt sieben Gründungsmitglieder des Railteams und drei assoziierte Mitglieder. Alle beteiligten Bahnen fungieren als strategische Partner innerhalb des Railteamverbundes und bleiben unternehmerisch eigenständig. In dieser Allianz werden die Hochgeschwindigkeitszüge ICE, TGV, Eurostar, TGV-Lyria, Thalys, Fyra und Railjet gemeinsam betrieben. Das Verkehrsnetz der innerhalb von Railteam angebotenen Fernverkehrszüge umfasst rund 100 Städte in sieben Staaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Österreich und Schweiz), die über ein rund 15.000 Kilometer langes Netz verbunden werden.

Die Mitglieder sind:

  • Alleo (Gemeinschaftsunternehmen von DB und SNCF)
  • Lyria (Tochter von SNCF und SBB)
  • Thalys (Tochterunternehmen von SNCF, NMBS/SNCB und NS)

Italien und Dänemark prüfen einen Beitritt[2].

An ihren fünf Hauptknotenpunkten in Brüssel, Lille, Stuttgart, Köln und Frankfurt (Main) sowie in Amsterdam und München sind mehrsprachige Informationsschalter (so genannte Railteam-Points[3]) geschaffen worden. In Deutschland gibt es Railteam-Points in München, Berlin, Hamburg, Hannover und Karlsruhe.[4]

Am 9. Juni 2013 stellte die Deutsche Bahn den Fahrkartenverkauf für Thalys ein.[5]

Ziele[Bearbeiten]

Mit der Bahnallianz werden drei unterschiedliche Zielsetzungen verfolgt: Zum einen soll der Wettbewerb gegenüber Pkw und Flugverkehr zu Gunsten der Bahn gestärkt werden. Zum anderen sollen die Bahnangebote im internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr vernetzt werden, um dem Kunden in Europa nahtlose Reiseketten von Innenstadt zu Innenstadt zu ermöglichen und einheitliche Service- und Qualitätsstandards zu schaffen. Außerdem soll die Distribution internationaler Tickets vereinfacht und verbessert werden.

Hierzu sollte ab 2009 ein gemeinsame Buchungsseite im Internet gestartet werden, auf welcher Fahrscheine aller Mitglieder erworben werden können. Mit der Entwicklung einer gemeinsamen Buchungssoftware wurde Ende 2007 die SBB-Informatik beauftragt[6]. Das System sollte sich auf ein parallel entwickeltes, gemeinsames Buchungssystem (so genanntes Railteam-Broker) stützen, das die verschiedenen nationalen Buchungssysteme im grenzüberschreitenden Verkehr ersetzen soll.[3] Im Dezember 2009 wurde bekannt, dass das Vorhaben wegen steigender Kosten bei der Entwicklung aufgegeben wurde.[7]

Gesellschaftsform[Bearbeiten]

Das Railteam ist eine Kapitalgesellschaft nach niederländischem Recht, eine so genannte B.V., mit Sitz in Amsterdam und ist ähnlich einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Deutschland. Jede Eisenbahngesellschaft in Europa, die die Kriterien der Allianz erfüllt, kann Mitglied werden. Die Organisationsstruktur ist eine Mischung aus normaler Unternehmensstruktur und Projektstruktur. Die deutsche und die französische Bahn haben je 25 Prozent und die restlichen fünf Gründungsmitglieder – SBB, NMBS/SNCB, ÖBB, NS-highspeed und Eurostar je 10 Prozent an der Railteam-Allianz. Dadurch werden die zwei ständigen Geschäftsführer von den zwei größten Bahnen im Railteam und der dritte Geschäftsführer abwechselnd von einer der anderen Bahnen bestellt. Unter dieser Ebene gibt es fünf Projektgruppen, die je nach Themen und Bedarf von den einzelnen Partnern besetzt werden und in virtuellen Gruppen zusammenarbeiten.

Vielfahrerprogramme[Bearbeiten]

Die einzelnen Mitglieder haben für ihre jeweiligen Vielfahrer unterschiedlich gestaltete Programme aufgelegt. Diese sind:

Als ersten Schritt zu einer Vereinheitlichung wurde eine gegenseitige Anerkennung der Vielfahrerprogramme in Bezug auf den Zugang zu den 36 Lounges[3] an den Bahnhöfen der Mitgliedsgesellschaften vollzogen. Seit dem 1. Juli 2007 dürfen etwa Inhaber einer DB BahnCard mit bahn.comfort Status, einer Vorteilscard Club und Inhaber eines SBB General-Abo 1. Klasse die Lounges der beteiligten Gesellschaften nutzen. Als weiterer Schritt soll es möglich sein, Punkte für die einzelnen Vielfahrerprogramme auch für Tickets der jeweils anderen Gesellschaften zu erhalten. So kann man seit dem 9. Dezember 2007 etwa bei der DB AG Punkte auch für Reisen ins Ausland gutgeschrieben bekommen und Freifahrtprämien auch für Fahrten ins Ausland erworben werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Railway Gazette: "Railteam bids to relaunch international rail travel"
  2. Deutsche Bahn AG (Hrsg.): Deutsche Bahn: Menschen bewegen – Welten verbinden (PDF, 9,2 MB), Berlin 2008, ohne ISBN, S. 34
  3. a b c Railteam weitet den Service aus. In: DB Welt, Ausgabe Juli 2008, S. 7.
  4. Railteam bei tgv-europe.com, abgerufen am 23. Mai 2012
  5.  Railteam – Versprechen und Wirklichkeit. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 7, Juli 2013, ISSN 1421-2811, S. 356.
  6. Meldung SBB sollen Railteam-Software entwickeln. In: Schweizer Eisenbahn-Revue, Ausgabe Januar 2008, ISSN 1022-7113, S. 33
  7. Euro train booking system shelvedBBC-Meldung vom 27. November 2009