Rainer Hildebrandt
Rainer Hildebrandt (* 14. Dezember 1914 in Stuttgart; † 9. Januar 2004 in Berlin) war ein deutscher Historiker und Publizist, Mitgründer der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit[1] sowie Gründer des Mauermuseums am Checkpoint Charlie in Berlin.
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Leben[Bearbeiten]
Rainer Hildebrandt, Sohn des Kunsthistorikers Hans Hildebrandt und der jüdischen Malerin Lily Hildebrandt,[2] studierte zunächst Physik, später Philosophie und Soziologie an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin und promovierte bei Franz Rupp über ein arbeitspsychologisches Thema. An seiner Hochschule sammelte sich ab 1939/40 ein reger Kreis widerständiger Dozenten und Studenten. Darunter befanden sich neben Harro Schulze-Boysen und Horst Heilmann auch der Professor Albrecht Haushofer und der Student Rainer Hildebrandt. Er hatte Kontakt zum weiteren Kreis der Attentäter gegen Hitler am 20. Juli 1944 und war Angehöriger des Haushofer-Kreises: „Den Weggefährten gilt ein langer Blick. Ich habe meine besten Freunde, Albrecht Haushofer und Horst Heilmann, im Nazi-Reich verloren und war selbst 17 Monate in Haft. Ich habe gelernt, gegen das Unrecht zu kämpfen.“[3] Hildebrandt wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ und Verbindungen zu Widerstandsgruppen inhaftiert.[4]
Nach dem Beginn des Kalten Krieges fungierte Hildebrandt zusammen mit dem Schriftsteller Günther Birkenfeld, dem damaligen Vorsitzenden der Jungen Union Ernst Benda und dem damaligen FDP-Stadtverordneten Herbert Geisler (1921–1986) als Lizenzträger der Alliierten Kommandantur für die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit. Geleitet wurde diese von US-amerikanischen Geheimdiensten finanzierte Gruppe am Anfang von Rainer Hildebrandt, dessen Hauptziel zunächst darin lag, einen Suchdienst zur Fahndung nach den vielen verhafteten und verschwundenen oder verschleppten und vermissten und verstorbenen Personen in der sowjetischen Besatzungszone aufzubauen.
Gegen Rainer Hildebrandt gab es drei Entführungsversuche unter anderem von der DDR-Staatssicherheit. Der erste Entführungsversuch scheiterte nach Hildebrandts Erinnerungen am 24. Juli 1949.
Wegen Differenzen mit Ernst Tillich zog sich Rainer Hildebrandt 1951 aus der Leitung zurück. Ganz verließ er den Verband Mitte 1952, nachdem die KgU zu Sabotageaktionen und Brandanschlägen übergegangen war und Sprengstoffanschläge geplant hatte.[5][6] Er widmete sich überwiegend der Öffentlichkeitsarbeit und der kurze Zeit nach dem Bau der Berliner Mauer gegründeten Arbeitsgemeinschaft 13. August. Ehrenmitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren unter anderem die Grünenpolitiker Petra Kelly und Gert Bastian. Bis zuletzt leitete Hildebrandt das Haus am Checkpoint Charlie (Mauermuseum), das die Geschichte der Maueropfer und Mauerflüchtlinge dokumentiert.
Am 1. Oktober 1992 wurde dem Gründer des Mauermuseums in Berlin der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen, 1994 wurde ihm durch Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen.
Am 9. Januar 2004 starb Rainer Hildebrandt mit 89 Jahren. Sein Wunsch war es, nach seinem Leben neben seinem Freund Albrecht Haushofer beerdigt zu werden. Da der entsprechende Friedhof für die Opfer von Krieg und Militarismus in Berlin-Moabit allerdings seit 1952 für Neubestattungen geschlossen ist, wurde dieser Wunsch vom zuständigen Berliner Bezirksamt nicht erfüllt.[7]
Seine Frau Alexandra Hildebrandt, die Hildebrandt 1995 geheiratet hatte und die heute Leiterin des Mauermuseums und geschäftsführende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft 13. August ist, setzt sich seitdem dafür ein, dass Rainer Hildebrandts letzter Wille doch noch erfüllt wird. Die Urne Hildebrandts mit der Nummer 173126 steht seit der Einäscherung im Krematorium Berlin Ruhleben, da die Witwe sich weigert, einen anderen Beisetzungsort zu akzeptieren.[8] Eigentlich fällige Aufbewahrungsgebühren werden von der Berliner Verwaltung nicht erhoben. Ebenso wurde auf eine amtliche Zwangsbeisetzung verzichtet.
Hildebrandts Witwe initiierte 2004 die „Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille". Der Internationale Menschenrechtspreis wird zum Tag der Menschenrechte an Menschen vergeben, die sich gewaltfrei für Menschenrechte eingesetzt haben.[9]
Werke (Auswahl)[Bearbeiten]
- Rainer Hildebrandt: Ein tragischer Auftakt zur deutschen Teilung und zur Mauer (Neuauflage der 1948 erstmals erschienenen Publikation … die besten Köpfe, die man henkt, ergänzt durch zahlreiche Fotos und Originalunterlagen). Verlag Arbeitsgemeinschaft 13. August, ISBN 978-3-922484-48-6
- Wir sind die Letzten. Neuwied/Berlin 1949 (Über Albrecht Haushofer und seine Freunde)
- Als die Fesseln fielen … Neun Schicksale in einem Aufstand. 2. Auflage. 1969
- Von Gandhi bis Walesa – Gewaltfreier Kampf für Menschenrechte
- Die Mauer spricht
- Es geschah an der Mauer. 22. Auflage. 2006
Literatur[Bearbeiten]
- Alexandra Hildebrandt: Ein Mensch Rainer Hildebrandt – Begegnungen Verl. Haus am Checkpoint Charlie, Berlin 1999, ISBN 3-922484-41-7
- Christine Richter: Der Freiheitskämpfer. In: Berliner Zeitung, 10. Januar 2004, Nachruf
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Rainer Hildebrandt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lebenslauf bei jugendopposition.de
- Nachruf
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Vorsicht bei Gesprächen. In: Der Spiegel. Nr. 25, 1949 (online).
- ↑ Rainer Hildebrandt im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- ↑ Rainer Hildebrandt: Ein tragischer Auftakt zur deutschen Teilung und zur Mauer. buchhandel.de
- ↑ Christine Richter: Der Freiheitskämpfer. In: Berliner Zeitung, 10. Januar 2004, Nachruf
- ↑ Karl Wilhelm Fricke, Roger Engelmann: „Konzentrierte Schläge“: Staatssicherheitsaktionen und politische Prozesse. Schriftenreihe des BStU, 11, S. 87, books.google.de
- ↑ jugendopposition.de
- ↑ Tobias Miller, Anne Vorbringer: Senat gönnt Rainer Hildebrandt keine Ruhe. In: Berliner Zeitung, 3. Juli 2006
- ↑ Kein Friede seiner Asche. In: Tagesspiegel, 1. September 2010
- ↑ mauermuseum.de
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hildebrandt, Rainer |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Historiker, Buchautor, Publizist, Bürgerrechtler und Dissident |
| GEBURTSDATUM | 14. Dezember 1914 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 9. Januar 2004 |
| STERBEORT | Berlin |
- Historiker
- Autor
- Publizist
- Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)
- NS-Opfer
- Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit
- Opfer der Diktatur in der DDR
- Aufarbeitung der SED-Diktatur
- Dissident
- Menschenrechtler
- Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
- Träger des Verdienstordens des Landes Berlin
- Deutscher
- Geboren 1914
- Gestorben 2004
- Mann