Rainis

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Sowjetische Briefmarke anlässlich des 100. Geburtstags von Rainis (1965)

Rainis (eigentlich Jānis Pliekšāns, fälschlich oft Jānis Rainis, * 30. Augustjul./ 11. September 1865greg. auf Gut Varslavani bei Jēkabpils; † 12. September 1929 in Majori (Jūrmala)) war ein lettischer Dichter, Dramatiker, Übersetzer und Politiker, der allgemein als wichtigster Schriftsteller seines Landes gilt.

Werke[Bearbeiten]

Rainis’ Œuvre beinhaltet neben zwölf Gedichtbänden zwanzig Dramen wie Uguns un nakts (Feuer und Nacht, 1905), Zelta zirgs (1909, deutsch Das goldene Ross, 1922), Indulis un Ārija (Indulis und Arija, 1911), Pūt, vējiņi! (1914, deutsch Dünawind, 1927), Jāzeps un viņa brāļi (1919, deutsch Joseph und seine Brüder, 1921). Sein Gesamtwerk übte – insbesondere durch seine bahnbrechende Übersetzung von Goethe's Faust – wesentlichen Einfluss auf die lettische Sprache aus. Die volkskundliche Symbolik, die er in seinen wichtigeren Werken verwandte, beeinflusste die Herausbildung der nationalen Identität der Letten.

Seine dramatische Ballade Daugava (1916) enthielt die ausdrückliche Forderung nach lettischer Souveränität: „Land, Land, nach welchem Land verlangt unser Lied? / Land, es ist ein Staat. Die Zensur entfernte diese Zeilen, als das Werk in Moskau erstmals veröffentlicht wurde. Nach der Niederlage der deutsch-russischen Bermondt-Armee im November 1919 wurde diese Ballade im Nationaltheater aufgeführt, um den ersten Jahrestag der lettischen Unabhängigkeitserklärung zu ehren; viele Soldaten trugen diesen Text im Kampf mit sich.

Politik[Bearbeiten]

Neben seiner literarischen Tätigkeit wirkte Rainis auch gesellschaftlich und war ein herausragender Politiker. Er war einer der geistigen Führer der Revolution von 1905 und der „Neuen Strömung“, die dieser vorausging. Nach dem Scheitern der Revolution mussten Rainis und seine Frau Lettland verlassen, sie gingen nach Castagnola bei Lugano in der Schweiz. Dort lebten sie bis zu ihrer triumphalen Rückkehr in die gerade unabhängig gewordene Heimat am 4. April 1920.

Rainis war Mitglied des Zentralkomitees der Lettischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, saß in der verfassunggebenden Versammlung und der Saeima und war von Dezember 1926 bis Januar 1928 Bildungsminister. Rainis strebte danach, lettischer Präsident zu werden und verlor an politischem Einfluss, als ihm dies nicht gelang. Er gründete das fortschrittliche Daile-Theater und wurde dessen erster Direktor, bevor er von 1921 bis 1925 die Direktion des Nationaltheaters übernahm.

Rainis und Aspazija, Gedenktafel in Zürich

Privat[Bearbeiten]

Er war mit Aspazija (eigentlich Elza Pliekšāne, geborene Rozenberga) verheiratet, auch sie lettische Dichterin und Dramatikerin. Rainis’ Schwester Dora war die Ehefrau von Pēteris Stučka.

Andenken[Bearbeiten]

  • Das Denkmal für Rainis auf der Esplanade in Riga ist zu einem Versammlungsort geworden, der die Widersprüche, die sich aus seinem facettenreichen Leben und Schaffen ergeben, deutlich macht. Es ist sowohl ein Mittelpunkt für das jährliche, immer an seinem Geburtstag abgehaltene, nationale Dichterfest wie auch für die Linksparteien von den Sozialdemokraten bis hin zu den radikalen Gegnern der lettischen Bildungsreform (wegen seines Engagements bei der Einrichtung von Schulen für die nationalen Minderheiten).
  • 2006 wurde zum Gedenken an Rainis und Aspazija, die 1912 in Zürich im Exil lebten, eine Gedenktafel an der Usteristrasse 14 enthüllt.

Kritik[Bearbeiten]

Die Kritik an seinem Werk war gleichermaßen oft stark politisch beeinflusst; obgleich die Sowjets seine sozialistische Gesinnung betonten (sein Bild erschien sogar auf einer Rubel-Note), wurden Daugava und andere patriotische Texte in den vor der Unabhängigkeit erschienenen Werkausgaben weggelassen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rainis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien