Raizen

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Die Raizen, Raitzen oder Rascier (Raszier) waren eine slawische Ethnie in Ungarn, dessen Ursprung in Südserbien lag. Ebenso stand der Name Raszier als Synonym für die Serben. Im heutigen serbischen Sprachgebrauch steht er in Form von Raschtschani noch für die Bewohner aus dem Gebiet der Region Raschka. Der Fluss Raschka oder die Burg Ras werden als namensgebend vermutet. Im Zuge der Türkenkriege zogen viele der Serbisch-orthodoxe Bewohner Rasziens nach Norden und siedelten im Habsburgerland in Slawonien und dem Banat. Im 18. Jahrhundert stand der Begriff für die Gesamtheit der orthodoxen südslawischen Bewohner Ungarns. Der Budapester Stadtteil Tabán nahe der Burg von Buda trug damals wegen seines hohen südslawischen Anteils den deutschen Namen Raitzenstadt. Unter habsburgischer Herrschaft konvertierte ein Teil der Raitzen zur griechisch-katholischen Kirche. Der größere Teil blieb jedoch orthodox. Heute deuten nur noch Ortsnamen auf ehemalige Dörfer der Raitzen hin.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

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Erstmals wurden die Raitzen im 9. Jahrhundert als kleiner Volksstamm erwähnt.[1] Ihren Hauptort Ras hatten sie im Südwesten Serbiens, an der Stelle des heutigen Novi Pazar. Die dortige Burg Ras, wurde später auch Rassia genannt, bzw. in mittellateinischen byzantinischen Quellen Rascia. Im 12. Jahrhundert entstand dort die Dynastie der Nemanjiden, die über Raszien herrschten. Rastko Nemanja, der jüngste Sohn des Großžupan Stefan Nemanja und seiner Frau Ana, später der Heilige Sava oder Sava von Serbien (Sveti Sava), begründete die serbisch-orthodoxe Kirche. Nach der Eroberung Dalmatiens nannten sie sich auch „Könige des rassischen und des Küstenlandes“. [2] Diese Nemanjiden pflegten engen Kontakt zum byzantinischen Hof in Konstantinopel, wodurch sich der griechisch-orthodoxe Ritus durchsetzte. Der Name der Raitzen wurde zum Synonym für die Serben allgemein, so nennen italienische Quellen dieser Zeit die Serben Rassia, Raxia, Rascia. Im 14. Jahrhundert gerieten sie jedoch unter osmanische Herrschaft.

Türkenkriege[Bearbeiten]

Landkarte aus dem Jahr 1661, Rascia wird in Syrmien lokalisiert, sowie nördlich der Donau

Durch die Türkenkriege veranlasst zogen viele Raitzen nordwärts und gelangten Ende des 17. Jahrhunderts nach Slawonien und in das Banat, damals noch zum Osmanisches Reich gehörend. Unter der Bedingung, dass sie wüstliegende Orte besiedeln, wurden ihnen später von Kaiser Leopold I. die Ansiedlung erlaubt und Religionsfreiheit zugesichert.[3] Dort wurden die Neuankömmlinge wieder als von den dort bereits lebenden Serben unterscheidbare Gruppe wahrgenommen, wodurch das Wort Raitzen zu einem ethnischen Begriff wurde. Diese Raitzen waren anfänglich Händler und Viehzüchter und wurden von den Österreichern von 1703 bis 1711 gegen die aufständischen Kuruzen des Franz II. Rákóczi eingesetzt.[4][5] Nach dem Frieden von Sathmar 1711 waren zahlreiche Regionen Ungarns entvölkert und neue Siedler wurden aktiv gesucht. Neben Magyaren, Schwaben und Slowaken zogen nun auch viele Raitzen über die Drau ins eigentlich Ungarn und siedelten dort im Banat, der Vojvodina und Siebenbürgen. Doch auch nach Budapest kamen zahlreiche Raitzen, wodurch der kleine Stadtteil Tabán damals Raitzenstadt genannt wurde. Das den Ortsnamen in Ungarn häufig vorgesetzte Rácz bezeugt den serbischen Ursprung.

Unter habsburgischer Herrschaft konvertierte ein Teil der Raitzen zur griechisch-katholischen, mit Rom unierten Kirche. Die Altgläubigen, Starowizi genannt, blieben orthodox und unterstanden dem Erzbischof von Karlowitz, dem auch die orthodoxen Rumänen unterstanden. Kirchlich wie politisch blieben die Raitzen im 18. Jahrhundert in Ungarn dadurch weitgehend von den übrigen Bewohnern unterschieden. Erst unter Kaiser Joseph II. erlangten sie die Gleichstellung mit den übrigen Untertanen. Jene, die weiter nördlich siedelten, assimilierten sich auch teilweise zu Ungarn. Im 19. Jahrhundert empfanden gebildete Serben im Königreich Ungarn die Bezeichnung Raitzen als abwertend und als Spottname.[6]

Heutige Spuren der Raitzen finden sich noch in ungarischen Ortsnamen mit der Vorsilbe Rácz, etwa in Ráczmilletics, Rácalmás , Ráckeresztúr und Ráckeve (Ratzenmarkt) oder als Familienname Rácz. Auch der alte deutsche Name von Novi Sad (Ratzenstadt) geht auf die Raitzen zurück, sowie Rájec nad Svitavou (Raitz) in Mähren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus 1837: Raitzen
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905: Raizen
  3. Brockhaus Conversations-Lexikon 1809: Die Raitzen
  4. F. Berlic: Die Freiwillige Theilnahme der Serben und Kroaten an den vier letzten österreichisch-türkischen Kriegen, Kapitel: Kriegshandlungen der Raitzen, Keck & Pierer, 1854, S. 225
  5. Karl-Peter Krauss: Deutsche Auswanderer in Ungarn: Ansiedlung in der Herrschaft Bóly im 18. Jahrhundert; Kapitel 4.2: Die Herrschaft im Kuruzzenkrieg und nach dem Frieden von Sathmar (1711), Franz Steiner Verlag, 2003, ISBN 9783515082211, S. 76-79
  6. Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905: Raizen