Rajiv Gandhi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gandhi 1989

Rajiv Gandhi (Hindi: राजीव गाँधी Rājīv Gāndhī; * 20. August 1944 in Bombay, heute Mumbai; † 21. Mai 1991 in Sriperumbudur, Tamil Nadu) war ein indischer Politiker. Von 1984 bis 1989 war er Premierminister Indiens. Ebenso wie seine Mutter Indira Gandhi, die bereits von 1966 bis 1977 und 1980 bis 1984 Premierministerin war, starb er durch ein Attentat. Sein Vater Feroze Gandhi war Parse.

Leben[Bearbeiten]

Politiker[Bearbeiten]

Rajiv Gandhi Gedenkstein

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder ging er in Dehradun und England zur Schule. Er studierte danach am renommierten Imperial College London. Gandhi hielt sich erst aus der Politik fern und wurde Pilot der staatlichen Fluggesellschaft Indian Airlines. Als sein jüngerer Bruder Sanjay, der das politische Erbe der Familie bereits angetreten hatte, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, wurde Rajiv statt seiner in der Politik aktiv. 1983 wurde er von seiner Mutter zum Generalsekretär der Kongresspartei ernannt. Seine von ihm initiierten innerparteilichen Reformen, die er sogleich in Angriff nahm, und sein Kampf gegen die Korruption brachten ihm schnell den Beinamen Mr. Clean („Saubermann”) ein. Eine seiner heftigsten Kritikerinnen war seine Schwägerin Maneka Gandhi.

Nach dem Tod seiner Mutter 1984 drängten ihn führende Politiker der Kongresspartei und auch Präsident Zail Singh, sich zum Premierminister wählen zu lassen. Zwei Monate nach seiner Ernennung gewann er auch die allgemeinen Wahlen mit einem Erdrutschsieg, der seiner Partei und ihm 401 von 506 Sitzen des Unterhauses einbrachte. Auch wurde er daraufhin Vorsitzender der Kongresspartei.

In seine Amtszeit fielen die ersten Friedensgespräche mit Pakistan, erste Annäherungen an die Rotchina unter Deng Xiaoping und ein Aussöhnungsversuch mit den Rebellen auf Sri Lanka. Ebenfalls intervenierte er 1988 bei einem Putschversuch auf den Malediven militärisch erfolgreich. Er fiel durch seinen liberalen Stil auf, der im Gegensatz zu seiner Mutter stand, und durch seine Sicherheit auf dem diplomatischen Parkett, die ihn im Ausland sehr beliebt machte.

Auf ihn wurde zu dieser Zeit als Premierminister Indiens von einem Mitglied des Wachbataillons beim Abschreiten der Ehrenformation ein Anschlag verübt, wobei der Gardesoldat mit dem Gewehrkolben auf Gandhi einschlug. Er verfehlte den Kopf und traf nur die Schulter, die durch eine kugelsichere Weste zusätzlich gepolstert war, so dass Gandhi dieses Attentat fast unverletzt überstand.

Bei den Wahlen von 1989 unterlag er, da er die von ihm gegebenen Versprechungen nicht einzulösen vermochte, denn gleichzeitig musste er gegen eine zu hohe Inflation kämpfen, den Vorwurf mangelnder Volksnähe verkraften und einen Bestechungsskandal innerhalb der Kongresspartei verarbeiten, der durch den schwedischen Rüstungskonzern Bofors entstanden war. Er versuchte aber weiterhin, als Vorsitzender der Kongresspartei Einfluss auf den Kurs der indischen Politik zu nehmen. So unterstützte er kurzzeitig den Premierminister Chandra Shekhar, der eine Minderheitsregierung unter der Duldung der Kongresspartei führte, den seine Mutter jedoch früher noch bekämpft hatte.

Tod[Bearbeiten]

Am 21. Mai 1991 wurde er von einer Selbstmordattentäterin, die der LTTE zugerechnet wurde, mit einem Sprengstoffgürtel bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt Sriperumbudur nahe Madras ermordet. Bei dem Anschlag fanden neben der Attentäterin und Gandhi weitere 16 Menschen den Tod. Gandhis Kopf wurde bei diesem Anschlag vom Rest des Körpers abgetrennt. Knapp sieben Jahre nach dem Attentat wurden im Januar 1998 zehn Inder und 16 Sri-Lanker wegen des Mordes an Rajiv Gandhi zum Tode verurteilt. Im Mai 1999 hob das Oberste Gericht Indiens die Todesstrafe gegen 22 der Angeklagten auf; die Hinrichtung der vier verbliebenen Verurteilten wurde ausgesetzt.

Privat[Bearbeiten]

Rajiv Gandhi war mit Sonia Gandhi verheiratet, die sich später ebenfalls politisch engagierte und noch heute engagiert. Sie hatten sich auf einer Sprachschule in Cambridge kennen gelernt und 1968 geheiratet. Sie war ursprünglich dagegen, dass Rajiv nach dem Unfalltod seines jüngeren Bruders der Spitzenpolitiker Indiens wurde. Als Frau des Premierministers unterstützte sie Rajiv unter Berücksichtigung der Hindu-Sitten. Sie soll auf ihn und seine Entscheidungen einen nicht unerheblichen Einfluss gehabt haben.

Sie hatten zusammen zwei Kinder, Rahul und Priyanka. Ihre Ehe galt als vorbildlich und glücklich.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Ein nach Rajiv Gandhi benannter internationaler Flughafen wurde im März 2008 in Hyderabad (Andhra Pradesh) eröffnet.
  • Der Rajiv Gandhi Khel Ratna ist der höchste indische Nationalpreis für Sportler.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rajiv Gandhi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien