Ralf Otto

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Ralf Otto (* 1956 in Kassel)[1] ist ein deutscher Dirigent und Hochschullehrer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Vokalensemble Frankfurt
Sitz: Frankfurt / Deutschland
Gründung: 1981
Gattung: Vokalensemble
Gründer: Ralf Otto
Leitung: Ralf Otto
Stimmen: (SATB)

Vokalensemble Frankfurt[Bearbeiten]

Noch während des Studiums der Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main gründete Otto 1981 das Vokalensemble Frankfurt. Mit diesem aus jungen, zum Teil professionellen Sängern bestehenden Kammerchor, der sich auf die Erarbeitung anspruchsvoller und selten aufgeführter Werke aller Epochen spezialisierte, errang Otto international bedeutende Wettbewerbserfolge:

Neben der frühzeitigen intensiven Beschäftigung mit Alter Musik und deren Realisierung auf der Basis der historisch informierten Aufführungspraxis war Ottos Arbeitsschwerpunkt mit dem Vokalensemble die zeitgenössische Musik. In diesem Zusammenhang war man regelmäßiger Gast bei den "Frankfurt Festen" mit zahlreichen Uraufführungen, z.B. Präsentation von Werken bedeutender Komponisten wie Messiaen, Huber, Xenakis, Berio, Ferneyhough, Müller-Hornbach, Rihm, Webern und Gielen. Hinzu kam die Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern und den London Sinfonietta Voices sowie den Dirigenten Lothar Zagrosek und Michael Gielen.

Es entstanden zahlreiche Rundfunk- und CD-Koproduktionen für den Hessischen Rundfunk (Auswahl):

Bachchor Mainz[Bearbeiten]

1986 wurde Otto zum Künstlerischen Leiter des Bachchor Mainz berufen. Der von Diethard Hellmann gegründete und seit 1955 in der Leipziger Bachtradition erzogene Chor erfuhr unter Otto eine prägnante Erweiterung seiner künstlerischen Aktivitäten: Spätromantische und zeitgenössische Musik wurde verstärkt in das Repertoire aufgenommen. So erklangen beispielhaft unter Ottos Leitung erstmals in Mainz Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln, Hanns Eislers Deutsche Sinfonie, Brittens War Requiem, sowie Müller-Hornbachs Am Rande der Zeit oder Uraufführungen Thilo Medeks.

Heute arbeitet der renommierte semiprofessionelle Chor in unterschiedlichen, den jeweiligen stilistischen Anforderungen gemäßen Besetzungsgrößen vom großen Gesamtchor bis hin zum solistisch besetzten Kammerensemble. Ottos Ruf als Spezialist auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis bis hin zur Epoche der Romantik, brachte einerseits Produktionen wie Bachs Matthäuspassion in der Fassung Mendelssohns oder Bachs Johannespassion in der Fassung Robert Schumanns als Erstaufführungen in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, andererseits aber auch vielbeachtete Aufführungen von Bachs h-Moll-Messe in solistischer Besetzung.

Gemäß dem Motto: Historisch informiert, aber zeitgemäß interpretiert, dirigiert Otto das Ensemble nicht nur in den Abonnementkonzerten und der regelmäßigen Bachkantatenreihe in der Mainzer Christuskirche, sondern auch in vielen auswärtigen Gastkonzerten. Partner sind dabei u.a. das auf historischen Instrumenten spielende Bachorchester Mainz, das Münchener Barockorchester L’arpa festante und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Tourneen führten den Chor mit Otto nach Frankreich, Spanien, Italien, Luxemburg, die Schweiz und in den Jahren 2003 und 2006 gemeinsam mit der Jungen Deutschen Philharmonie auf zwei große, vom Mozarteum Argentino organisierte Konzertreisen nach Argentinien, Brasilien und Uruguay.

Umfangreiche Aufnahmetätigkeit verbindet Ralf Otto mit dem Südwestrundfunk und verschiedenen Produktionsfirmen:

  • Wolfgang Amadeus Mozart Requiem in der von Robert Levin vollendeten Fassung, (Kleiter, Romberger, Sans, Mertens, L' arpa festante - NCA)
  • Camille Saint-Saëns u.a. Noel - französische Weihnachtsmusik der Romantik, (Saturova, Pätzer, Vondung, Mammel, Boesch, L' arpa festante - SONY, Deutsche Harmonia Mundi)
  • W.F. Bach: Kantaten, (Mields, Romberger, Poplutz, Mertens, L' arpa festante - Carus & Accentus Leipzig) Mit dieser Weltersteinspielung einiger lange verschollener Kantaten auf CD bzw. DVD für Carus und ZDF/Arte aus dem Jahr 2010 leistete das Mainzer Ensemble unter der Leitung Ralf Ottos einen wesentlichen Beitrag zur beginnenden Renaissance der Werke des ältesten Bachsohnes Wilhelm Friedemann.

Professuren[Bearbeiten]

Von 1990 bis April 2006 hatte Ralf Otto eine Professur für Chordirigieren an der Folkwang Hochschule in Essen inne; seit dem Beginn des Sommersemesters 2006 ist er in gleicher Funktion an der Hochschule für Musik in Mainz tätig.

Weitere Engagements[Bearbeiten]

Als Gastdirigent wirkte Otto u. a. bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester, der Jungen Deutschen Philharmonie, den Barockorchestern L’arpa festante und Concerto Köln, dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, der Philharmonia Hungarica, dem Münchener Rundfunkorchester, dem Münchener Bachorchester und der Polnischen Kammerphilharmonie. Von 1998 bis 2000 war er Chefdirigent des Jugendsinfonieorchesters des Landes Hessen. Daneben arbeitete Otto in der Vergangenheit regelmäßig mit dem Münchener Bach-Chor sowie mit den Rundfunkchören des NDR und WDR zusammen und war als Dirigent beim Schleswig-Holstein Musik Festival, den Herbstlichen Musiktagen Bad Urach, den Weilburger Schlosskonzerten und anderen Festivals engagiert.

Aktuelle Projekte[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Eine besondere Würdigung seiner vielseitigen Aktivitäten erfuhr Otto im Dezember 2011, als ihm durch Kultusministerin Doris Ahnen die Peter-Cornelius-Plakette verliehen wurde, die höchste Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz für Verdienste im Bereich der Musik.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.folkwang-hochschule.de/index.php?&c=411