Ralph Baer

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Ralph Baer auf dem Lara-Games-Award 2009 in Köln

Ralph Henry Baer (* 8. März 1922 in Rodalben, Südwestpfalz, Deutschland; † 6. Dezember 2014 in Manchester, New Hampshire, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-US-amerikanischer Spieleentwickler. Er entwickelte 1969 in Eigenregie die erste für den Heimbedarf gedachte Spielkonsole, die Odyssey.

Leben[Bearbeiten]

Ralph Baer war zum Teil Autodidakt, da er im Alter von 14 Jahren seine Schule verlassen musste, weil er aus einer jüdischen Familie war. Zwei Monate vor der Reichspogromnacht (9. November 1938) flüchtete er mit seiner Familie in die USA, wo er per Fernkurs vom National Radio Institute in der Radio- und Fernsehwartung ausgebildet wurde.[1] Nachdem er der Armee beigetreten war und am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte, wurde er in Großbritannien, wo er stationiert war, in der Algebra ausgebildet. Ein Jahr, nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war, schrieb er sich am American Television Institute of Technology (Chicago) ein. Dort setzte er seine Ausbildung fort und erhielt einen Bachelor-Grad in Fernsehtechnik. Ab 1951 arbeitete er bei der Loral Corporation, wo er unter anderem neue Fernseh-Empfangsgeräte entwickelte. Seit 1955 war er beim Militärzulieferer Sanders Associates angestellt. Dort arbeitete er 30 Jahre lang, wobei er sich die ersten 15 Jahre um Militärprojekte kümmerte. Dabei beschäftigte er sich auch mit Transistoren und Mikroprozessoren.

Im August 1966 kam Baer erstmals auf die Idee einer Heimspielekonsole, als er über den Gebrauch von Fernsehgeräten nachdachte. Da er Leiter einer Abteilung bei Sanders war, konnte er seine Idee verwirklichen. Er plante, ein solches Gerät zu entwickeln und für 19,95 USD zu vermarkten. Bei der Entwicklung arbeitete er zusammen mit Bill Harrison. Sie entwickelten einen Mechanismus, der das Bild steuern konnte, das der Fernseher anzeigte. Ihre ersten Erfindungen dienten aber noch nicht der Unterhaltung; das erste Spielzeug, das sie entwarfen, war ein Hebel. Wurde dieser gedrückt, wurde eine auf dem Fernseher angezeigte rote Box in eine blaue umgefärbt. Als Baer diese Erfindung dem Firmenvorstand vorstellte, meinte dieser, Baer verschwende nur die Zeit der Firma.

Seit 1967 arbeitete außerdem Bill Rusch mit Baer und Harrison zusammen. Sie entwickelten das Projekt weiter und stellten ein Zweispieler-Spiel fertig, in dem ein Spieler einen anderen in einem Labyrinth jagte. Schließlich entwarfen sie ein System, das sich bewegende Punkte auf dem Bildschirm einblendete, und die Aufgabe des Spielers war es, einen weiteren Punkt zu steuern, der den anderen fangen sollte. Am Ende entstand daraus eine Ping-Pong-Simulation. Baer wollte sein System vermarkten, aber Sanders war als Firma dazu nicht geeignet, weil die Mitarbeiterzahl sank und sie als Militärzulieferer nicht im Spielzeugmarkt operieren konnte. Danach traten als Interessenten ein Kabel-Produzent, General Electric, Zenith Electronics Corporation und Sylvania auf, schließlich auch RCA; Verträge wurden schon verfasst, wurden aber nie unterschrieben. Ein ehemals bei RCA angestellter Mitarbeiter von Magnavox weckte bei seiner Firma für das Spielsystem Interesse. Da sie es für eine gute Investition hielt, wurde das System etwas überarbeitet und ab 1972 produzierte Magnavox Odyssey. Das Gerät kam für 100 USD auf den Markt.

Ralph Baer erhält von US-Präsident Bush die National Medal of Technology

In der Folgezeit fiel Baer in Depressionen, weil die Militärfirma finanzielle Probleme hatte und er am Wert seiner Spielekonsole zweifelte. Er kam zur Meinung, der Sanders-Vorstand hätte recht gehabt, als er urteilte, Baers Projekt sei Zeitverschwendung gewesen.

Im Januar 2006 wurde Baer von US-Präsident Bush für seine Leistung im Bereich der Videospiele mit dem Orden „National Medal of Technology“ geehrt, der als höchste US-Auszeichnung im Bereich Wissenschaft und Technik gilt. Im Jahr 2008 erhielt er den IEEE Masaru Ibuka Consumer Electronics Award. Für 2014 wurde ihm die IEEE Edison Medal zugesprochen. Baer starb am 6. Dezember 2014 in seinem Zuhause in Manchester, New Hampshire, im Alter von 92 Jahren.[2]

Steven L. Kent nennt Baer zusammen mit Steve Russel, dem Erfinder von Spacewar!, die „vergessenen Väter der Videospiele“.

Erfindungen[Bearbeiten]

  • Der rechteckige Holzklotz arbeitete im Inneren noch nicht mit Computertechnik, sondern mit Transistoren und Schaltern, wobei man für das Benutzen von Spielen eine dazu passende, mit einem Spielfeld bedruckte Plastikscheibe auf den TV-Bildschirm befestigen musste, da die Konsole selbst nur einfachste Grafikelemente darstellen konnte. Mit zwei Drehreglern an beiden Seiten, einer für die Vertikal-, der andere für die Horizontalachse gedacht, bediente man seine Spielfigur oder ein Raumschiff usw. Das Ganze war noch eher wie ein Brettspiel für mehrere Personen mit Konsolenhilfe aufgebaut; die meisten Spielvarianten erforderten weitere mitgelieferte nicht-elektronische Hilfsmittel wie Ereigniskarten usw. Dieses Gerät stellte Baer im selben Jahr noch dem damaligen Elektroriesen Magnavox vor, der schließlich 1972 die Konsole als Magnavox Odyssey in den USA in den Handel brachte. Und dieses mit respektablem Erfolg. Rund 100.000 Stück verkaufte man. Damit war dem Nachfolgegerät Odyssey 2 – und insgesamt den Spielkonsolen – auf dem Markt der Weg bereitet.
  • Eine weitere Entwicklung Baers ist Senso (englisch Simon), ein bekanntes elektronisches Musikspielzeug, welches das Gedächtnis auf die Probe stellt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Steven L. Kent: The Ultimate History of Video Games. From Pong to Pokémon and Beyond – The Story Behind the Craze That Touched Our Lives and Changed the World. Prima & Three Rivers, Roseville, New York 2001, ISBN 0-7615-3643-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Luke Plunkett: The Father Of Video Games Fled The Nazis, Fought Them Then Took All Their Guns. In: kotaku.com. 5. März 2011, abgerufen am 15. Dezember 2014 (englisch).
  2. Douglas Martin: Ralph H. Baer, Inventor of First System for Home Video Games, Is Dead at 92. In: The New York Times. 7. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014 (englisch).