Rama I.

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Porträt von Rama I.

Phra Phutthayotfa Chulalok, (Rama I.), (andere Schreibweise: Phra Buddha Yodfa Chulalok(e), Thai: พระบาทสมเด็จ พระพุทธยอดฟ้าจุฬาโลก [pʰrábàːt sŏmdèt pʰrá pʰúttʰájôtfáː t͡ɕùlaːlôːk]; * 20. März 1737 in Ayutthaya (Thailand) als Thong Duang; † 7. September 1809 in Bangkok) war König von Siam (alter Name für Thailand) und ist der Begründer der noch heute regierenden Chakri-Dynastie.

Name[Bearbeiten]

Wie auch bei anderen hochgestellten Personen im alten Siam änderte sich der Name Ramas I. im Laufe seines Lebens mehrfach, abhängig von der Position, die er jeweils innehatte. Auch noch postum wurde er mit verschiedenen Namen oder Titeln bezeichnet. Sein Geburtsname war Thong Duang, wobei dies ein Name ist, Nachnamen waren noch nicht eingeführt. Als er während der Herrschaft König Suriyamarins von Ayutthaya stellvertretender Gouverneur von Ratchaburi war, trug er den Titel Luang Yokkrabat. Nach dem Untergang Ayutthayas erhielt er vom neuen König Taksin, unter dem er einer der wichtigsten Feldherren war, nacheinander die Titel Phra Ratcharin (Vorsteher der Polizei), Phraya Aphairanarit,[1] Phraya Yommarat, Phraya Chakri und Chaophraya Chakri. Schließlich schuf Taksin für ihn den Titel Somdet Chaophraya Maha Kasatsuek (der vollständige Titel war noch wesentlich länger), ein Adelstitel so hoch wie ihn noch nie zuvor ein Beamter oder Minister getragen hatte und wie er nur noch dreimal in der thailändischen Geschichte vergeben wurde. Damit stand er quasi einem Mitglied der Königsfamilie gleich.

Als er 1782 selbst den Thron bestieg, nahm er den Namen Ramathibodi an, so wie der Gründer des Königreichs Ayutthaya. Der vollständige Name war noch um einiges länger (Phra Borommaratchathirat Ramathibodi Sisinthon Borommaha Chakkraphat Rachathibodin etc.) und sollte, wie bei früheren siamesischen Königen seinen universellen Machtanspruch manifestieren. Nach seinem Tod wurde er vom Volk schlicht als Phaendin Ton („die erste Herrschaft“) bezeichnet, sein Sohn als Phaendin Klang („die mittlere Herrschaft“). Da bei logischer Fortsetzung sein Enkel Rama III. „die letzte Herrschaft“ gewesen wäre, beendete dieser die Praxis. Er stiftete dazu zwei Buddhastatuen, die er im Wat Phra Kaeo aufstellen ließ und von denen er je eine seinem Vater und seinem Großvater widmete. Er wünschte, dass die beiden früheren Könige fortan mit den Namen dieser Buddhastatuen bezeichnet werden sollten. Die dem ersten Chakri-König gewidmete hieß Phraphutthayotfa Chulalok („der Buddha an der Spitze des Himmels und der Krone der Welten“).[2] So wird dieser König bis heute in thailändischen Geschichtsbüchern bezeichnet. Sein Nachfahre Vajiravudh (Rama VI.), der in England studiert hatte, erkannte, dass die meisten siamesischen Königsnamen für westliche Ausländer nur sehr schwer wiederzugeben oder zu merken waren. Er ordnete daher an, dass Ausländer alle Könige der Chakri-Dynastie „Rama“, verbunden mit der jeweiligen Ordnungszahl, nennen sollten. Daher heißt dieser König in der westlichen Literatur „Rama I.“ Im Jahr 1982, 200 Jahre nach seiner Thronbesteigung bekam er auf Kabinettsbeschluss den Beinamen Maharat („der Große“).

Leben[Bearbeiten]

Thong Duang wurde 1737 in der Regierungszeit von König Boromakot in eine alteingesessene Familie von Ayutthaya geboren. Sein Vater hatte den Titel Phra Aksorn Sundorn Smiantra, er war ein mittlerer Beamter im Mahatthai, dem Ministerium der Nordprovinzen. Seine Mutter war die Tochter einer sehr reichen chinesischen Familie (Originalton König Mongkut zu John Bowring: „a beautiful daughter of a Chinese richest family“).

Im Alter von 21 begab er sich traditionsgemäß für drei Monate in ein buddhistisches Kloster. Kurze Zeit später heiratete er Nak (1737–1826, später Königin Amarindra), die Tochter einer wohlhabenden Mon-Familie in Ratchaburi. Sie war mit der mächtigen persischstämmigen Familie Bunnag verwandt. Durch Nebenfrauen und die Heiraten seiner Geschwister verband er sich in den folgenden Jahren mit allen weiteren einflussreichen Familien des Landes.[3] Zunächst erhielt er eine Anstellung beim Gouverneur von Ratchaburi, im Alter von 25 wurde er Stellvertreter des Gouverneurs mit dem Titel Luang Yokkrabat. 1761 wurde er unter König Ekatat selbst zum Gouverneur der Provinz Ratchaburi ernannt. Nach dem Fall Ayutthayas schloss er sich mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder Surasi (Bunma) dem General Taksin an, der den Widerstand gegen die Birmanen organisierte und sich 1768 zum König machte. Als Heerführer war Thong Duang für mehrere von Taksins Eroberungszügen verantwortlich. Als Dank für seine militärischen Erfolge erhielt Thong Duang 1775 den Titel eines Chao Phraya Chakri, einen der höchsten feudalen Titel, abgesehen von der Königsfamilie.

Im Jahre 1778 gelang es Chao Phraya Chakri, Vientiane nach einer kurzen Belagerung einzunehmen. Seine Kriegsbeute aus Vientiane, den Smaragd-Buddha, brachte er in einem Triumphzug in die neue Hauptstadt Thonburi. Dieser wurde zunächst im Haupt-Tempel Wat Arun untergebracht, der direkt neben dem Palast von König Taksin lag. Außerdem verschleppten die Sieger hunderte laotischer Familien in das zentralthailändische Tiefland.[4]

1781 schlug Chao Phraya Chakri einen Aufstand in Kambodscha nieder. Zur gleichen Zeit verwirrte sich der Geisteszustand von König Taksin zunehmend, unter anderem ließ er seine Frauen und Kinder hinrichten und sich als Gott verehren. Er wurde in einer Palastrevolte abgesetzt und getötet, wie es einer königlichen Person zukommt: eingebunden in einen Samtsack wurde er mit einem Sandelholz-Stock zu Tode geprügelt. Man bot Chao Phraya Chakri, der bestens mit allen einflussreichen Familien des Landes vernetzt war, den nunmehr verwaisten Thron an.

Regierungszeit[Bearbeiten]

Statue des Königs Phra Phutthayotfa Chulalok an der Memorial Bridge, Bangkok

Am 6. April 1782, der noch heute gesetzlicher Feiertag ist, übernahm Chakri als Phra Phutthayotfa Chulalok (später kurz Rama I. genannt) den Thron Siams und begründete damit die Dynastie der Chakri, deren heutiger Vertreter als Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) regiert.

Da der alte Palast in Thonburi zu nahe am Ufer des Chao-Phraya-Flusses stand und durch Hochwasser gefährdet war, beschloss König Phra Phutthayotfa Chulalok, die Hauptstadt auf die Rattanakosin-Insel (das historische Zentrum der heutigen Hauptstadt Bangkok) zu verlegen. Damit begann die bis heute andauernde „Rattanakosin-Periode“. Gleich nach der Errichtung des Stadtpfeilers, welcher noch heute das geographische Zentrum der neuen Hauptstadt darstellt, ließ er den Großen Palast bauen und fügte großzügige Nebengebäude und eine Tempelanlage hinzu, den Wat Phra Kaeo. Hier fand dann der Smaragd-Buddha seine neue Heimat, der das Symbol der neuen Regentschaft darstellte. Zahlreiche weitere Tempel wurden restauriert, neu gegründet oder in den königlichen Rang („Wat Luang“) erhoben wie z. B. der Wat Pho.

Die neue Hauptstadt lag näher am Golf von Thailand, dem wichtigsten Transportweg von und zum Kaiserreich China. König Phra Phutthayotfa Chulalok konnte auch weiterhin von den guten Beziehungen seines Vorgängers mit den chinesischen Händlern in Siam profitieren.

Phra Phutthayotfa Chulalok starb am 7. September 1809 in Bangkok und wurde dort nach buddhistischem Ritus eingeäschert.

Phra Phutthayotfa Chulalok als Autor[Bearbeiten]

Der Anfang der Regierungszeit war immer noch belastet durch den nahezu vollständigen Verlust der Literatur und der Gesetzestexte von Ayutthaya. König Phra Phutthayotfa Chulalok ließ deshalb die Gesetze neu fassen, konnte so eine gewisse Modernisierung vornehmen. Er war selbst sehr an der Literatur interessiert und verfasste das Ramakien, die thailändische Version des indischen Ramayana.

Wirkung[Bearbeiten]

Eine Statue von König Phra Phutthayotfa Chulalok wurde auf Anordnung von König Prajadhipok (Rama VII.) errichtet. Sie steht auf dem östlichen Ufer des Maenam Chao Phraya am Fuße der Phra Phutthayotfa-Brücke. Die Statue wurde von Prinz Narit entworfen und von Professor Silpa Bhirasri angefertigt. Die Statue konnte am 6. April 1932 (also 150 Jahre nach der Inthronisierung von König Phutthayotfa Chulalok) der Öffentlichkeit übergeben werden. Seit diesem Tag gilt der 6. April als Chakri-Tag und ist offizieller Feiertag. Anlässlich des 200. Jubiläums seiner Thronbesteigung wurde ihm 1982 der Beiname „der Große“ verliehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Prince Chula Chakrabongse of Thailand: Lords Of Life, The Paternal Monarchy Of Bangkok. Alvin Redman Ltd., London 1960 (ohne ISBN).
  • David K. Wyatt: Thailand – A Short History. Silkworm Books, Chiang Mai 1984, ISBN 974-7047-44-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rama I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Wenk: The restoration of Thailand under Rama I, 1782-1809. The University of Arizona Press, Tucson 1968, S. 3.
  2. Sulak Sivaraksa: Siamese Resurgence. A Thai Buddhist Voice on Asia and a World of Change. Asian Cultural Forum on Development, Bangkok 1985, S. 175
  3. David K. Wyatt: Thailand. A Short History. 2. Auflage. Yale University Press, 2003, ISBN 0-300-08475-7, S. 125.
  4. Wyatt: Thailand. 2003, S. 126.