RAM-Disk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Ramdisk)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine RAM-Disk (auch Ramdrive) ist ein virtueller und temporärer Datenträger im Arbeitsspeicher (RAM) eines Computers. Sie wird hauptsächlich eingesetzt, wenn andere physische Speichermedien zu langsam oder, während der Rechner neu aufgesetzt wird, nicht verfügbar sind.

Beim Anlegen wird ein gewisser Anteil des Arbeitsspeichers statisch oder auch dynamisch für die RAM-Disk reserviert („abgezweigt“) und dabei wie eine Festplatte oder allgemein wie ein Extra-Laufwerk angesprochen, mit einem Dateisystem formatiert und schließlich eingehängt.

Vorteile[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum direkten Ansprechen des Arbeitsspeichers durch ein Computerprogramm stehen dem Programmierer durch Benutzung einer RAM-Disk die mit der Dateiverwaltung zusammenhängenden Dienste des Betriebssystems zur Verfügung. Für den Anwender ergibt sich der Vorteil, dass durch eine RAM-Disk Computerprogramme ohne Änderungen mit Daten sowohl auf Datenträgern als auch im Arbeitsspeicher arbeiten können. Der Vorteil einer RAM-Disk im Vergleich zur Festplatte ist die Einsparung von Festplattenzugriffen und die damit verbundene deutlich höhere Schreib-/Lese- und Zugriffsgeschwindigkeit[1], was auch die Verwendung in Supercomputern erklärt sowie die Verminderung von Verschleiß.[2] Beispielsweise können beim Startvorgang eines Computers häufig benötigte Kommandos im Arbeitsspeicher abgelegt dafür sorgen, dass die zum Starten benötigte Zeit verringert wird. Da für den Zugriff auf den Arbeitsspeicher weniger Energie benötigt wird, ist für mobile Computer zudem der energiesparende Effekt und die damit verbundene verlängerte Akkulaufzeit von Vorteil. Ähnlich zum gegebenen Beispiel für den Startvorgang wird bei entsprechender Konfiguration auf häufig verwendete Dateien im Arbeitsspeicher zugegriffen, wodurch die interne Festplatte öfter bzw. länger in den Energiesparmodus versetzt werden kann – was die Akkulaufzeit abermals steigert.

Nachteile[Bearbeiten]

Nachteile der RAM-Disk sind, dass der betreffende Speicherplatz dem freien Arbeitsspeicher, also dem Betriebssystem und anderen Programmen zum Zwischenspeichern, nicht mehr zur Verfügung steht. Nach einem Neustart des Systems (z. B. nach einem Absturz) ist der Inhalt der RAM-Disk im Allgemeinen (außer bei resetfesten RAM-Disks) verschwunden. Da Arbeitsspeicher zu den flüchtigen Speichermedien zählt, verschwindet bei Unterbrechung der Stromzufuhr (z. B. beim Abschalten) mit dem Arbeitsspeicher-Inhalt auch der RAM-Disk-Inhalt. Daher sollten auf der RAM-Disk keine wichtigen Daten abgelegt werden, sofern nicht die unterbrechungsfreie Stromversorgung des Computers gewährleistet ist. Weiterhin sollten vor dem Ausschalten des Computers evtl. noch benötigte Dateien gesichert werden (z. B. automatisiert per Skript). Gemessen am Preis je Speichergröße zählt diese Art zu den teureren Speicherverfahren.

Verbreitung[Bearbeiten]

Alle namhaften Betriebssysteme liefern Treiber, um eine RAM-Disk anzulegen (namentlich meist Ramdrive). Trotzdem gibt es zahlreiche gleichzweckige Softwareangebote von Drittanbietern, die um sinnvolle Funktionen ergänzt sind. So kann der Inhalt der RAM-Disk beispielsweise beim Herunterfahren oder im Minutenabstand auf Festplatte gesichert werden. Auch sind hier je nach Version flexiblere RAM-Disk-Größen einstellbar.

Beim Betriebssystem des Amigas von Commodore gibt es im Betriebssystem zwei verschiedene RAM-Disks. Die eine benutzt eine beim Start festzulegende Menge des Arbeitsspeichers, während die andere dynamisch Hauptspeicher anfordert bzw. freigibt und sich so an den Speicherbedarf anpasst. Erstere hat den Vorteil, dass ihr Inhalt einen Computerneustart (Warmstart) überlebt, solange der Speicherbereich nicht durch ein unkontrolliert abstürzendes Computerprogramm überschrieben wurde.

Unter Unix-Betriebssystemen lässt sich die RAM-Disk durch das Verzeichnis /dev/shm (shm für shared memory, gemeinsam genutzter Speicher) verwenden.

Siehe auch[Bearbeiten]

RAM-Disks sind nicht zu verwechseln mit sogenannten RAM-Floppys. Letztere sind ein mehr hardwareseitiger Ersatz für ein Disketten-Laufwerk (z. B. als Steckkarte) bei älteren Rechnersystemen.[3][4] Da hierbei nicht durch Software(-treiber) ein Teil des Arbeitsspeichers benutzt wird, sondern eine Hardware benutzt wird, sind sie physische Datenträger und stellen damit im Prinzip eher Vorläufer der Solid-State-Drives dar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blog vom Karpfenweg: RAMDisk / RAMDrive - Was es bringt und wem es nützt
  2. Siehe dazu auch Solid-State-Drives im Vergleich
  3. RETROPORT: RAM-Floppy 256K (Rex 9680)
  4. Homecomputer DDR: RAM-Floppy RAF2008