Ramsbeck

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51.3091666666678.4005555555556366Koordinaten: 51° 18′ 33″ N, 8° 24′ 2″ O

Ramsbeck
Gemeinde Bestwig
Wappen von Ramsbeck
Höhe: 366 m
Einwohner: 1493 (30. Jun. 2012)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59909
Luftbild (2013)

Luftbild (2013)

Blick auf Ramsbeck
Ortsansicht

Ramsbeck ist ein Ortsteil der Gemeinde Bestwig, Nordrhein-Westfalen, Deutschland und liegt im Valmetal. Am 30. Juni 2012 hatte Ramsbeck 1493 Einwohner.[1] Geprägt war der Ort von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Blei- und Zinkbergbau. Er ist heute ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstanden ist Ramsbeck vermutlich im 9. oder 10. Jahrhundert. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Randsbeke (Ramsbeck) wird unter der Curtis Wedestapel (Haupthof Wehrstapel) erwähnt.[2] [3]

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde Ramsbeck wurde in der Zeit zwischen 1858 und 1871 aus Teilen der Gemeinde Velmede neu gebildet. Am 1. April 1910 wurde Berlar eingemeindet. Auch Teile der Gemeinden Gevelinghausen und Heringhausen wurden eingegliedert.[4] Bei der kommunalen Gebietsreform am 1. Januar 1975 kam die Gemeinde bis auf 0,07 km², die an die neugebildete Stadt Olsberg abgegeben worden sind, zur neugebildeten Gemeinde Bestwig.[5]

Blick auf Genossenschaftssiedlung in Ramsbeck

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der ehemaligen Gemeinde Ramsbeck
Blasonierung

In Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz, überdeckt mit zum Andreaskreuz gestellten, goldgestielten schwarzen Schlägel und Eisen.

Beschreibung

Das schwarze Kreuz und Silber als Grundfarbe sind Ausdruck der früheren Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Köln. Schlägel und Eisen symbolisieren den ortsansässigen Erzbergbau. Die amtliche Genehmigung des Wappens erfolgte am 24. März 1949.[6]

Bergbau[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Bergbau im Sauerland

Erzbergwerk Ramsbeck

Erste archäologische Spuren des Bergbaus bei Ramsbeck stammen aus dem 10./11. Jahrhundert. Die historischen Quellen setzen erst im 16. Jahrhundert ein. Einen gewaltigen Aufschwung nahm er jedoch erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis dahin war Ramsbeck eine kleine Weilersiedlung aus neun Bauernhöfen und einigen Kotten.

Erste Ansätze zu einem Aufschwung des Bergbaus ging von der Ramsbecker Gewerkschaft aus. Der Plan, Ramsbeck zum damals größten Industriekomplex der Metallgewinnung zu machen, führten 1854 zum Ausbau der Betriebsanlagen, von Gruben und Hüttenwerken durch die Stolberger Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation. Lag die Zahl der Beschäftigten 1853 bereits bei 453 Mann, war geplant, diese bis auf 1800 Mann aufzustocken. Erfahrene Bergleute wurden im Erzgebirge und im Königreich Sachsen angeworben. Das Bergbauunternehmen baute zur Unterbringung eine der ersten Bergarbeitersiedlungen im Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen. Neben neuen Gebäuden im Hauptort wurden mehrere Kolonien wie Andreasberg und Heinrichsdorf angelegt. In Ramsbeck entstanden in den beiden ersten Jahren 17 Häuser mit insgesamt 70 Wohnungen, in Andreasberg 35 Gebäude mit 140 Wohnungen, in Heinrichsdorf 9 Häuser mit 30 Wohnungen. Auch in einigen Dörfern der Umgebung wurden Wohnungen gebaut.

Die standardisierten Häuser in Andreasberg waren einstöckige Gruppenbauten mit einer Grundfläche 30,20 m × 8,56 m. Es handelte sich anfangs um Fachwerkbauten in Leichtbauweise, die der Witterung nicht gewachsen waren und bald saniert werden mussten.

Die Krise des Bergbauunternehmens und das Scheitern der großbetrieblichen Pläne kurze Zeit nach der Gründung führten zur Abwanderung zahlreicher Bergleute. Dadurch wurden Wohnungen frei. In der Folge wurden die Wohnflächen durch Zusammenlegung von Wohnungen deutlich vergrößert. Außerdem wurden Stallungen zur Haltung von Ziegen und anderem Vieh angebaut.

Auch wenn die Einwohnerzahl abhängig von der Bergbaukonjunktur schwankte, gehörte Ramsbeck lange Zeit zu dem am dichtesten besiedelten Teilen des Sauerlandes. Bis 1952 blieben die Wohnungen in Werksbesitz und gingen erst danach in den Besitz der bisherigen Mieter über. Neben den Wohnhäusern des Bergbauunternehmens entstanden bis dahin nur wenige Privatbauten.

Der Bergbau wurde 1975 eingestellt. Danach entwickelte sich Ramsbeck von einer Industriesiedlung zum Erholungsort.

Religion[Bearbeiten]

Mit der Zuwanderung von Bergleuten im 19. Jahrhundert kamen auch zahlreiche Protestanten in die ansonsten katholische geprägte Region. Es entstand dort eine der ersten evangelischen Gemeinden im ehemals kurkölnischen Sauerland. Kurz nach dem Bau der Bergarbeiterhäuser wirkte 1855 August Friedrich Georg Disselhoff als Hilfsprediger in Ramsbeck. In Ramsbeck gibt es die Yeni Dami Moschee.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eine Attraktion ist das Erzbergwerk Ramsbeck, das heute ein Erzbergbaumuseum und ein Besucherbergwerk ist. Viele Sehenswürdigkeiten liegen an dem 8,5 Kilometer langen Bergbauwanderweg rund um Ramsbeck.[7] Der Abgaskamin am Bastenberg gilt als Wahrzeichen des Ortes.

Im Freizeitbereich ist das Fort Fun Abenteuerland, das etwa 4,5 Kilometer vom Zentrum entfernt liegt, ein Anziehungspunkt.

Die Ramsbecker Kornmühle wurde erstmals 1685 erwähnt.[8] Sie wurde mit Wasserkraft betrieben, hergestellt wurde u. a. Öl aus Flachs oder Raps. Darüber hinaus wurde Holz gesägt sowie Pumpen und Hammerwerke betrieben.

Das älteste Gebäude im Ort ist der Junkern Hof von 1744.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Bestwig, Liste der Bodendenkmäler in Bestwig

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Personen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Werner Adolph Schupmann (* 19. März 1815 in Borgholz; † 16. März 1879 in Ramsbeck) war erster Pfarrer in Ramsbeck.
  • Hans Max Philipp von Beust (* 25. Mai 1820 Moderwitz; † 1889) war zur Zeit des Bergbaubooms der 1850er Jahre Betriebs- und Fabrikdirektor in Ramsbeck.
  • August Disselhoff (* 25. November 1829 in Soest; † 9. März 1903 in Allstedt) war ein evangelischer Geistlicher und ab 1855 Hilfsprediger in der Gemeinde Ramsbeck-Andreasberg.
  • Wilhelm Seel (* 15. August 1816 in Siegen; † 15. August 1875 in Ramsbeck) war Berg- und Hüttenwerksdirektor in Ramsbeck.
  • Carl Haber (* 8. Januar 1833 in Worbis; † 17. Mai 1914 in Bonn) war Berg- und Hüttenwerksdirektor in Ramsbeck.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Köhne: Die Industriesiedlungen im Ramsbecker Bergland. In: Günther Becker (Hrsg.): Sauerland-Siegerland-Wittgensteiner Land. Jahrestagung der Geographischen Kommission in Olpe 1989. Münster 1989, DNB 900153032, S. 101–111.
  • Martin Straßburger: Archäologie des Ramsbecker Bergbaus. In: Reinhard Köhne, Wilfried Reininghaus, Thomas Stöllner (Hrsg.): Bergbau im Sauerland. Westfälischer Bergbau in der Römerzeit und im Frühmittelalter. Münster 2006, ISBN 3-928052-12-8, S. 58–82. (= Schriften der Historischen Kommission für Westfalen, 20.)
  • Martin Straßburger: Archäologie und Geschichte des Ramsbecker Bergbaus vom Mittelalter bis 1854. In: Der Anschnitt. 59. Jahrgang 2007, Heft 6, S. 182–190.
  • Josef Hollmann: Ramsbeck. Bilder aus dem Leben einer sauerländischen Pfarrgemeinde (1761-1961). Ramsbeck 1961, DNB 452085101.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ramsbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeinde Bestwig: Broschüre Informationen der Gemeinde Bestwig, Ausgabe 2012, Seite 37.
  2. Engelbert Prein: Ramsbeck von gestern bis heute. Ramsbeck 1982.
  3. Stadtarchiv Meschede auf www.meschede.de: Stift Meschede Grundherrschaft (PDF; 326 kB)
  4.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 274.
  5.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  6. Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen. Arnsberg 1986, ISBN 3-87793-017-4, S. 178.
  7. Förderverein Sauerländer Besucherbergwerk Bestwig - Bergbauwanderweg um Ramsbeck (PDF)
  8. Ramsbecker Kornmühle
  9. Die Heimat war Zuflucht: Wilhelmine Lübke †. In: Sauerland. Juni 1981, S. 48. (PDF; 3,2 MB)