Rand Daily Mail

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Die Rand Daily Mail (deutsch etwa: Tagespost des Rands) war eine englischsprachige Tageszeitung in Südafrika. Sie erschien in Johannesburg und war für ihre Haltung gegen die Apartheid bekannt.

Geschichte[Bearbeiten]

1902 wurde die Rand Daily Mail von Bertie Charles Forbes in Johannesburg gegründet und nach kurzer Zeit an den Minenbesitzer Abe Bailey verkauft. Bis zu seinem Tod 1940 kontrollierte Bailey die Zeitung, zuletzt über den Verlag The Rand Daily Mail Limited. 1955 wurde der Verlag zur Tochterfirma der South African Associated Newspapers Limited. Die Zustellung in entfernte Gebiete wie Natal und das damalige Rhodesien erfolgte fortan per Flugzeug.[1]

Obwohl die Zeitung überwiegend von Weißen gelesen wurde, befasste sich die Zeitung während der Zeit der Apartheid als erste ihrer Art auch mit Themen der Schwarzen. So berichtete sie 1960 über das Sharpeville-Massaker. 1963 schrieben Journalisten über die Bedingungen in den Gefängnissen sowie über erzwungene Umsiedlungen. In den 1960er Jahren wurden sogenannte Township-Ausgaben für schwarze Leser herausgegeben.[2] 1966 erhielt die Zeitung für ihr Engagement den World Press Achievement Award der American Newspaper Publishers Association (ANPA).[1] Helen Zille, seit 2009 Premierministerin der Provinz Westkap, deckte in der Zeitung die Umstände um den gewaltsamen Tod von Steve Biko auf. Der politische Häftling war nicht, wie von der Regierung behauptet, an einem Hungerstreik, sondern an Verletzungen gestorben.[3]

Am 3. Oktober 1978 erschien in der Rand Daily Mail eine Reportage über die – später so genannte – Muldergate-Affäre. Unter Führung von Cornelius Petrus Mulder hatte die südafrikanische Regierung seit 1973 versucht, mit öffentlichen Geldern in Südafrika und im Ausland ein Netzwerk aus Zeitungen zur Verbesserung des Rufs des Apartheidregimes zu schaffen. Unter anderem war versucht worden, die US-amerikanische Tageszeitung Washington Star zu kaufen. Die Zeitung The Citizen war als Konkurrenzblatt der Rand Daily Mail gegründet worden. Der Konzern Anglo American, Besitzer der Rand Daily Mail, verlangte Anfang der 1980er Jahre, den Kurs des Blattes gegenüber der Regierung zu mäßigen, um mehr zahlungskräftige weiße Leser anzulocken. Diese Strategie führte aber zu Verlusten, so dass die Rand Daily Mail am 30. April 1985 zum letzten Mal erschien.

Einige Redakteure der Rand Daily Mail nutzten ihre Abfindung, um die Wochenzeitung Weekly Mail zu gründen, die ebenfalls gegen die Apartheid Stellung bezog und später in Mail & Guardian umbenannt wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Rand Daily Mail erschien im Broadsheet-Format. Der Schriftzug Rand Daily Mail war in blauer Farbe gehalten.

Redakteure (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Edgar Wallace, 1902–1903 Herausgeber
  • Laurence Gandar, 1957–1965 Chefredakteur
  • Benjamin Pogrund, 1958–1985 Journalist
  • Raymond Louw, 1965–1977 Herausgeber
  • Peter Magubane, Fotojournalist, ab 1967
  • Allister Sparks, Fotojournalist, 1977–1981 Herausgeber
  • Helen Zille, 1974–1982 Journalistin[4]
  • Rex Gibson, 1981–1985 Herausgeber

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Benjamin Poground: War of Words. Memoir of a South African Journalist. David Philip, London 2000, ISBN 978-1888363715
  • Benjamin Poground: Sheer Cussedness. A History of the Rand Daily Mail. David Philip, London 2003, ISBN 978-0864863201
  • Rex Gibson: Final Deadline. The Last Days of the Rand Daily Mail. David Philip, London 2007, ISBN 978-0864867100

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte der Rand Daily Mail bei myfundi.co.za (englisch), abgerufen am 26. Juni 2011
  2. Geschichte der Rand Daily Mail und ihrer Nachfolger bei mg.co.za (englisch), abgerufen am 5. Oktober 2012
  3. Informationen zu Zille und Biko bei oraclesyndicate.twoday.net, abgerufen am 26. Juni 2011
  4. Lebensdaten Zilles (englisch), abgerufen am 26. Juni 2011