Randen (Gebirge)

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Der Randen im Winter: Blick vom Zelgli auf die Alpen

Der Randen ist ein zum grössten Teil im Schweizer Kanton Schaffhausen liegender plateauartiger Höhenzug. Ein kleiner Teil im Norden, der Hohe Randen, der die höchste Erhebung des Randen mit 930 m ü. M. enthält, befindet sich in Baden-Württemberg bei Fützen.

Der "eigentliche Randenberg" ist eine 830 m ü. M. hohe Erhebung, auf der die Ortschaft Randen, ein Ortsteil von Blumberg, liegt. Hier führt die B314 von Fützen über Epfenhofen in Schleifen auf die Höhe nach Kommingen bzw. nach Blumberg. In Epfenhofen quert die Sauschwänzlebahn das Kommental.

Geologie[Bearbeiten]

Der Randen ist Bestandteil der sich zwischen Basel und Coburg erstreckenden Tafeljura-Landschaft und somit Element des sogenannten Südwestdeutschen Schichtstufenlandes.

Der Tafeljura des Randen findet seine Fortsetzung im Süden im Tafeljura von Klettgau, Aargau und Baselbiet, im Norden im Baarjura (Eichberg, Länge u.a.).[1] Der Buchberg bei Blumberg gehört aufgrund seiner Lage südlich der Aitrach eigentlich noch zum Randenkomplex.

Der Randen ist der Westteil einer Weissjura-Schichtstufe. Diese Schichtstufe ist durch Erosion bereits stark zertalt und weist daher kaum noch Stufenflächen auf. Im Bereich der Täler und vor allem im Bereich des westlichen Stufenrandes weist der Randen Traufhöhen von rund 350 Meter (900 m ü. M. bis 550 m ü. M.) auf (vgl. Albtrauf). Die Schichtstufe setzt sich über das grosse Nord-Süd-Tal der Durach (Merishausener Tal), das den Randen teilweise abgrenzt, nach Osten fort, wo der Reiat den Ostteil der Schichtstufe markiert.

Der Randen ist zum Hauptteil aus Malmschichten aufgebaut, dem sogenannten Weissen Jura, was dann auch auf den Hochflächen als weisser Kalkstein sichtbar ist. Die Hänge des Randen sind durch unterschiedlich harte Schichten dieser Malmformation charakterisiert. Während die harten Kalkschichten steil sind und zu einem grösseren Teil bewaldet, weisen die weicheren Mergelschichten auch flache Terrassen auf. Diese können landwirtschaftlich genutzt werden.

Die Hochflächen des Randen sind von Nordwesten nach Südosten leicht abfallend. Weil die geologischen Schichten stärker geneigt sind als die Hochflächen, folgen von Nordwesten nach Südosten geologisch jüngere Schichten in topographisch tieferen Lagen.

Vor 190 Millionen Jahren überflutete das Jurameer das heutige Randengebiet. In diesem flachen Gewässer wurden während Jahrmillionen Kalkschichten abgelagert, die sich zu Jurakalkgesteinen verfestigten. Die Überreste der Meeresbewohner findet man heute noch in grosser Zahl in Form von Fossilien (Versteinerungen).

Geographische Gliederung[Bearbeiten]

Sieben Randen[Bearbeiten]

Durch nach Schaffhausen konvergierende Erosionstäler (Durachtal, Orserental, Hemmentalertal und Eschheimertal) und andere Erosionstäler (Lieblosental, Kurztal, Langtal, Chällen, Dostental und Mühlental), wird der Randen in viele Abschnitte zerlegt und es wird daher auch von sieben verschiedenen Randen gesprochen, wobei es auf vier der Schweizer Randen einen Aussichtsturm hat:

Der höchste schweizerische Punkt des Randen liegt mit 912 m ü. M. auf dem Gebiet der Gemeinde Merishausen in der Nähe des Hagenturms. Alle vier Randentürme bieten Rundsicht in die Schweizer Alpen, den Schwarzwald, in den Klettgau und den Hegau.

Südranden[Bearbeiten]

Als Südranden bezeichnet man in der Schweiz den Höhenzug der im Westen bei Neuhausen am Rheinfall beginnt, über den Lauferberg, Jestetten, den Wannenberg und Rossberg (inklusive Ruine Radegg) führt und im Westen mit dem Hasenberg bei Osterfingen respektive Wilchingen endet. Im Südranden wurde bis zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts Bohnerz gefördert, was heute noch anhand vieler Bohnerzgruben ersichtlich ist.

Kleiner Randen[Bearbeiten]

Als Kleinen Randen bezeichnet man in Deutschland den Höhenzug, der im Osten zwischen Kadelburg und Lauchringen bei der Küssaburg beginnt, über den Wannenberg, Birnberg und Kätzler bei Riedern am Sand, Bühl, zum Eichberg bei Bergöschingen und Albführen, Dettighofen, Gnüll, Baltersweil und den Dietenberg nach Balm führt. Das Wangental trennt den Kleinen Randen vom Südranden.

Gewässer[Bearbeiten]

Infolge des kalkigen Untergrunds gilt der Randen als wasserarm und alle kleineren Bäche ausser der Durach führen bei Trockenheit kein Wasser.

  • Durach (Quelle bei Bargen)
  • Hemmentaler Bach (Quelle bei Hemmental)
  • Klusbach (Quelle auf dem Griesbach bei Schaffhausen)
  • Seltenbach (Quelle im Langtal über Siblingen)
  • Chrebsbach/Zwärenbach (Quelle am Fusse des Schleitheimer Schlossrandens)
  • Chällengraben (Quelle bei Beggingen)
  • Mühlbach (Quelle bei Epfenhofen am Hohen Randen)
  • Krebsbach (Quelle bei Randen/Blumberg)
  • Kompromisbach (Quelle bei Kommingen)

Zufahrten[Bearbeiten]

Alle Randengemeinden sind per Bus erreichbar. Die Hochflächen sind jedoch durch den öffentlichen Verkehr nicht erschlossen. Der ganze Randen ist verkehrsfrei. Nur die folgenden Strassen dürfen durch den motorisierten Privatverkehr benutzt werden: Siblingen–Siblinger Randenhaus, Schaffhausen–Beringer Randen (Naturstrasse) und Kistenpass Beringen-Schaffhausen (Naturstrasse).

Randenüberfahrt[Bearbeiten]

Die Randenüberfahrt (Scheitelhöhe von 847 m ü. M.) verbindet Beggingen mit Hemmental und ist 10 km lang. Die Strasse ist nicht durchgängig asphaltiert. Ein rund zwei Kilometer langes Stück oberhalb von Hemmental ist geschottert. Die Strecke darf vom motorisierten Privatverkehr befahren werden und ist im Winter geöffnet.

Gemeinden am Randen[Bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde Hemmental, heute ein Ortsteil von Schaffhausen, befinden sich in einem Randental und ist als einzige Schweizer Ortschaft vollständig vom Randen umgeben. Folgende Gemeinden befinden sich an den Abhängen des Randens (im Uhrzeigersinn von Schaffhausen ausgehend): Schaffhausen, Neuhausen am Rheinfall, Beringen, Löhningen, Siblingen, Schleitheim, Beggingen, Blumberg, Bargen, Merishausen. Das Breite Quartier von Schaffhausen liegt ausserdem vollständig auf einem Ausläufer des Randen.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Randen ist im Frühling, Sommer und Herbst ein beliebtes Wandergebiet mit vielen gut markierten Wanderwegen. Der Schweizer Alpen-Club SAC betreibt auf dem Hasenbuck in der Nähe des Hagens eine Hütte. Auf dem Randen gibt es viele offizielle Feuerstellen. Die bekannteste ist bei der Spiel- und Lagerwiese «Zelgli» (868 m ü. M.) beim Schleitheimer Schlossranden.

Seit 2008 führt die regionale Route 34 Klettgau-Rhein-Weg von Wanderland Schweiz von Hallau nach Schaffhausen. Der Donau-Randen-Pilgerweg führt über den Randen nach Einsiedeln.

Der Randen ist auch für Mountainbike-Fahrer ein schönes Gebiet. So führen auch alljährlich die beiden grossen Mountainbike-Rennen, das lokale Randen Bike Race und der nationale Goldenrace Bike Marathon über die Höhen des Randens.

Im Winter werden bei guten Schneeverhältnissen Langlaufspuren von 15 km resp. 7 km mit Start beim Siblinger Randenhaus klassisch, sowie eine Skatingloipe mit 10 km präpariert. Weitere Rundkurse werden im Eschheimertal (3 - 5 km) und bei Bargen (2,5 km) gespurt. Nicht präparierte Aufstiege sind durch das Eschheimertal (10 km) sowie von Hemmental (5 km) signalisiert. Die Loipen werden durch die Langlaufwandergruppe Schaffhausen betreut.

Auf dem Randen gibt es folgende Gasthäuser: Siblinger Randenhaus, Beringer Randenhaus, Schleitheimer Schlossranden (nur im Sommer/Herbst an Wochenenden), SAC Hasenbuck-Hütte, Naturfreundehaus Buchberg, Babental bei Schleitheim. In jeder Talgemeinde befinden sich ebenfalls Gaststätten.

Beliebt ist die Sauschwänzlebahn sie führt von Weizen über Grimmelshofen, Fützen und Epfenhofen mit Kehrtunneln und Viadukten nach Blumberg.

Vegetation und Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die geologischen Eigenheiten sind prägend für das Landschaftsbild: der Randen besteht vor allem aus kargen, fast nicht besiedelten und nur land- und forstwirtschaftlich genutzten Hochflächen. Ein Grossteil des Randen ist bewaldet. Waldföhrenstreifen, die man am Ende des 19. Jahrhunderts auf brachgelegten Äckern anlegte, lassen ihn zuweilen wie einen Park aussehen.

Die Freiflächen werden grösstenteils extensiv bewirtschaftet. Häufig findet man Magerwiesen mit reicher Artenvielfalt mit u.a. in der Schweiz seltenen Orchideen und Steppenpflanzen. Die Bewirtschaftung der Randenhochflächen erfolgt mit wenigen Ausnahmen von den Talgemeinden aus. Das Kalkgestein kann nur wenig Wasser speichern. In trockenen Jahren entsteht Wassermangel.

Klima[Bearbeiten]

Der Randen liegt im «Regenschatten» des Schwarzwaldes und gehört daher zu den trockensten Gebieten der Schweiz. Im langjährigen Mittel fallen hier nur 760–800 mm Niederschlag (= Liter pro m² und Jahr).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Randenhöhen wurden ab dem Frühmittelalter gerodet und mit Einzelhöfen und kleinen Dörfern besiedelt (z.B. Eschheim im heutigen Eschheimer Tal), die ab dem 14. Jahrhundert meist wieder aufgegeben wurden.

Mitte Juni 1067 verlieh der römisch-deutsche König Heinrich IV. dem Gründer des Klosters Allerheiligen und der Stadt Schaffhausen Graf Eberhard VI. von Nellenburg ein grosses Jagdgebiet (Mundat, Wildbann), das grosse Teile des Randengebiets ausgehend vom Roderichstein umschloss. Da der Kanton Schaffhausen Rechtsnachfolger von Stadt und Kloster ist, wird das Jagdgebiet auf dem Randen als Kern des heutigen Kantons Schaffhausen angesehen. Neben Rhein und Klettgau ist der Randen von grosser Bedeutung für die Schaffhauser Identität.

Neben der Landwirtschaft war der Randen bis ins 19. Jahrhundert als Holzlieferant und Gebiet zur Eisenerzgewinnung von Bedeutung, so z.B. für das Eisenwerk Laufen am Rheinfall und die Giesserei von Johann Conrad Fischer. Die Waldnutzung war so stark, dass der Randen im 17. Jahrhundert fast völlig abgeholzt war. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden zur Forstwirtschaft brachgelegte Äcker im grossen Stil wieder aufgeforstet.

Im frühen 20. Jahrhundert entstanden erneut Einzelhofsiedlungen (Griesbachhof, Blashalde, Hägliloo, Siblinger Randenhof).

Während dem Orkan Lothar wurden am 26. Dezember 1999 grosse Waldbestände auf dem Randen zerstört.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Baarjura wird von manchen bereits zur Schwäbischen Alb gezählt, die aber eigentlich erst bei Tuttlingen beginnt.
  2. Hoher Randen auf www.geodatenzentrum.de
  3. Hoher Randen auf swisstopogeodata.ch

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Randen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.7869188.556452924Koordinaten: 47° 47′ 13″ N, 8° 33′ 23″ O; CH1903: 683769 / 293527