Raoul Villain

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Raoul Villain

Raoul Villain (* 19. September 1885 in Reims; † 14. September 1936 auf Ibiza) war der französische Nationalist, der am 31. Juli 1914, im Laufe der Julikrise und unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, den sozialistischen Politiker und Kriegsgegner Jean Jaurès ermordete.

Gedenktafel am Schauplatz des Attentats „Café du Croissant“, 146 rue Montmartre an der Kreuzung zur rue du Croissant im 2. Arrondissement (Paris)

Villain gehörte zu der nationalistischen Studentengruppe Ligue des jeunes amis de l'Alsace-Lorraine („Liga der jungen Freunde Elsass-Lothringens“). Am Abend des Freitag, 31. Juli, erschoss er durch das Fenster des „Café du Croissant“ den dort sitzenden Jaurès. Der Tod von Jaurès, dem führenden Pazifisten innerhalb der französischen Linken, bewirkte, dass sich dort nun auch die Befürworter von Krieg und Union sacrée durchsetzten.

Nach viereinhalb Jahren Untersuchungshaft während des Krieges, der für Frankreich siegreich endete, wurde er nach einem kurzen Prozess von einem Schwurgericht bei nur einer Gegenstimme freigesprochen. Die Geschworenen waren wohl der Ansicht – noch im Siegestaumel nach dem Ersten Weltkrieg – dass der Attentäter seinem Vaterland einen Dienst erwiesen habe: „Hätte der Kriegsgegner Jaurès sich durchgesetzt, so hätte Frankreich den Krieg nicht gewinnen können“. Zudem musste die Witwe von Jaurès die Prozesskosten tragen.

Nach dem Freispruch, der Protest hervorrief, zog sich Villain auf die spanische Insel Ibiza zurück, wo er bald als „der Irre vom Hafen“ galt. Dort wurde er nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs ermordet aufgefunden. Es wird vermutet, dass ihn Republikaner als vermeintlichen franquistischen Spion töteten.

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