Rape-and-Revenge-Film

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Ein Rape-and-Revenge-Film (alternativ rape/revenge, rape-revenge) ist ein Film, der zum Subgenre der sogenannten Exploitationfilme gehört. Diese Art von Filmen, deren Übersetzung Vergewaltigung-und-Rache-Film lautet, war in 1970er Jahren populär. Derartige Filme folgen im Wesentlichen einem dreiaktigen Handlungsmuster:

  • Akt I: Eine Frau wird vergewaltigt und/oder gefoltert und liegengelassen (der oder die Täter halten sie für tot).
  • Akt II: Die Frau überlebt und kommt wieder zu sich.
  • Akt III: Die Frau nimmt Rache und tötet ihre(n) Vergewaltiger.

Beschreibung[Bearbeiten]

In einigen Fällen wird die Frau am Ende des ersten Aktes getötet, und die Rache wird von ihrer Familie durchgeführt. Die Jungfrauenquelle (Jungfrukällan) ist ein besonders bemerkenswerter Film, der als erster Film dieses Genres gilt und vom gefeierten Regisseur Ingmar Bergman stammt. In Ausnahmefällen, wie dem Film Open Season – Jagdzeit, rächt der Täter nicht nur eine ihm bekannte Person, sondern beseitigt die Vergewaltiger auch zum Wohle der Allgemeinheit.

Im Jahr 2006 schloss Rogue Pictures einen Deal mit Wes Craven über ein Remake von The Last House on the Left. Dieser Film war einer der einflussreichsten Horrorfilme der 1970er Jahre gewesen. 2010 kam der umstrittenene Film I Spit on Your Grave heraus. Er wurde von CineTel Films produziert und weltweit veröffentlicht.

In Gaspar Noés Film Irréversible (2002) wurde die klassische Struktur aufgelöst, wobei der erste Akt der Darstellung der Rache gewidmet ist und erst die Rückverfolgung die Ereignisse zeigt, die zu diesem Punkt geführt haben. Roger Ebert argumentierte, dass der Film daher nicht als Exploitationfilm gelten könne, da hier keine Ausbeutung („Exploitation“) des Themas stattfinden würde.[1]

Das Genre hat die Aufmerksamkeit von Filmkritikern auf sich gezogen.[2][3][4][5] Ein Großteil dieser kritischen Aufmerksamkeit kommt von feministischen Kritikerinnen, die die komplexe Politik in diesem Genre und ihre Auswirkungen auf das Kino im Allgemeinen untersuchen. Im Buch Rape-Revenge Films: A Critical Study von Alexandra Heller-Nicholas wurde eine Analyse der Rape-and-Revenge-Filme vorgenommen und veröffentlicht. Das Buch wendet sich gegen eine vereinfachende Verwendung des Begriffs Rape-Revenge, da es in einigen Filmen oft auch ernsthaft um die Frage der Moralität der Rache gehe.[6] Im Spielfilm Sleepers zum Beispiel ist die Vergewaltigung (ausnahmsweise von Männern) eher ein zweitrangiges Thema. Soziale Verhältnisse, Freundschaft und Loyalität umrahmen hier die Rachegeschichte. Das Gleiche gilt für die Filme Dirty Harry kommt zurück und Für ein paar Dollar mehr.

Neben US-amerikanischen und französischen Filmen werden außerdem in Japan (z. B. Takashi Ishiis Freeze Me), Finnland, Russland, Argentinien (z. B. I'll Never Die Alone (2008)) und Norwegen (z. B. The Whore (2009)) Rape-and-Revenge-Filme produziert.

Beispiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Julia Reifenberger: Girls with Guns. Rape & Revenge Movies: Radikalfeministische Ermächtigungsfantasien? Bertz + Fischer, Berlin 2013, ISBN 978-3-86505-721-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roger Ebert: Irreversible :: rogerebert.com :: Reviews. Rogerebert.suntimes.com. Abgerufen am 25. Januar 2010.
  2. Carol J. Clover: Men, Women, and Chainsaws: Gender in the Modern Horror Film. Princeton University Press, Princeton, NJ 1992, ISBN 0-691-00620-2.
  3. B. Creed: The Monstrous-Feminine: Film, Feminism, Psychoanalysis. Routledge, New York 1993, ISBN 0-415-05259-9.
  4. Claire Sisco King: „Review von Thelma & Louise von Marita Sturken und von The New Avengers: Feminism, Femininity, and the Rape-Revenge Cycle von Jacinda Read.“ http://www.scope.nottingham.ac.uk/bookreview.php?issue=aug2003&id=437&section=book_rev (2003, abgerufen am 6. Oktober 2007)
  5. Jacinda Read: The New Avengers: Feminism, Femininity, and the Rape-Revenge Cycle. Manchester University Press, Manchester 2000, ISBN 0-7190-5905-4.
  6. Alexandra Heller-Nicholas: Rape-Revenge Film:. A Critical Study. McFarland, New York 2011, ISBN 978 -0-7864-4961-3.
  7. a b c d e Rikke Schubart: Super Bitches and Action Babes. McFarland and Company Inc., Publishers, 2007, ISBN 9780786429240, S. 83-104.