Rappbode-Talsperre

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Rappbodetalsperre
Blick von der Aussichtsplattform der Urania aufStaumauer und Stausee der Rappbodetalsperre
Blick von der Aussichtsplattform der Urania auf
Staumauer und Stausee der Rappbodetalsperre
Lage: Harz, Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt
Zuflüsse: Rappbode; Hassel und kleine Bäche
Abflüsse: Rappbode
Größere Orte in der Nähe: Hasselfelde, Wendefurth
Rappbodetalsperre (Sachsen-Anhalt)
Rappbodetalsperre
Koordinaten 51° 43′ 50″ N, 10° 52′ 38″ O51.73055555555610.877222222222Koordinaten: 51° 43′ 50″ N, 10° 52′ 38″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1952–1959 [1][2]
Höhe über Talsohle: 90 m
Höhe über Gründungssohle: 106,0 m [1]
Höhe der Bauwerkskrone: ca. 427 m ü. NHN [2]
Bauwerksvolumen: 860.000 m³ [1]
Kronenlänge: ca. 415 m [2][3]
Kronenbreite: 12,50 m [4]
Basisbreite: ca. 78 m [2]
Kraftwerksleistung: 5,4 MW [4]
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 423,6 m ü. NHN (Sommer) / 421,5 m ü. NHN (Winter) [2]
Wasseroberfläche 3,9 km² (390 ha) [1]dep1
Gesamtstauraum: 109,08 Mio. m³ [1] oder
113 Mio. m³ [3]
Einzugsgebiet 114,8 / 269,0 km² [1][5]
Rote-Stein-Blick1.jpg
Blick vom Rotestein über den Rappbodestausee zu den mittig im Hintergrund befindlichen Bergen Wurmberg (l) und Brocken (r)
Nahezu vollständig gerade Staumauer der Rappbodetalsperre
Baustab des Wasserverbandes Ostharz, Bauleitung Rappbodetalsperre (Planungsphase 1948)
Tunnel der Landesstraße 96, direkt nordwestlich der Staumauer in der Ostflanke des Nickelsbergs

Die Rappbodetalsperre oder Rappbode-Talsperre ist eine 1952 bis 1959 errichtete, aus Talsperre, Wasserwerk, Wasserkraftwerk und Stausee bestehende Stauanlage im Harz, die besonders im Stadtgebiet von Oberharz am Brocken im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt liegt.

Ihre maximal 106,0 Meter (m) hohe Staumauer, die höchste Deutschlands, staut besonders die Rappbode und deren Zufluss Hassel zum etwa 3,9 Quadratkilometer (km²) großen Rappbodestausee auf, der mit 109,08 oder, anderen Angaben zufolge, 113 Mio. Kubikmetern (m³) der volumenmäßig größte Harzstausee ist.

Die Rappbodetalsperre bildet mit weiteren Tal- und Vorsperren sowie Rückhaltebecken das Rappbode-Talsperrensystem zum Hochwasserschutz im Ostharz, wobei sie die unterhalb ihrer Staumauer besonders an der Rappbode gelegenen Ortschaften schützt und zudem der Trinkwasser- und Stromversorgung vieler naher Ortschaften dient.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Rappbodetalsperre liegt im Unterharz im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt. An der Rappbode befindet sie sich zwischen den jeweils etwas entfernten Ortschaften Elbingerode im Nordwesten, Blankenburg im Nordnordosten, Thale im Ostnordosten und Hasselfelde im Süden.

Staumauer[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Das Absperrbauwerk der Talsperre steht als Schwergewichtsmauer rund 1,9 Kilometer (km) südöstlich des Rübelander Ortsteils Neuwerk und etwa 2 km westsüdwestlich des Thaler Ortsteils Wendefurth unmittelbar südwestlich des luftseitig gelegenen Stausees Wendefurth (351,9 m ü. NHN). Auf der Mauerkrone verläuft die südöstlich von der nahen Bundesstraße 81 (Wendefurth–Hasselfelde) abzweigende Landesstraße 96, die direkt nordwestlich der Mauer durch einen 219 m langen, 1954 bis 1958 erbauten und 2001/2002 sanierten Tunnel[6] in der Ostflanke des Nickelsbergs (488,2 m) und in Richtung Nordwesten nach Rübeland an der Bundesstraße 27 (Blankenburg–Elbingerode) führt. Auf dem Südostende der Staumauer stehen das Schieber- und Windenhaus mit den Bedieneinrichtungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Überlegungen zum Bau von Talsperren und Hochwasserschutzmauern gab es bereits 1891. Die erste Planung bezog sich auf eine 150 m hohe Staumauer im Tal der Bode oberhalb von Thale, dessen Stausee mit 150 Mio. m³ Fassungsvermögen die Ortschaften Wendefurth, Altenbrak und Treseburg und das sehenswerte Bodetal zum Opfer gefallen wären.[7] Bei der 1938 fertiggestellten Projektplanung verzichtete man auf die Überflutung von Ortschaften, dafür wurden mehrere Staumauern geplant.

Die Bauarbeiten an der Rappbodetalsperre inklusive Aufschluss des Steinbruchs im Möhrental begannen bereits während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945). Dabei wurden die Gründung der Staumauer ausgehoben, Abdichtungsarbeiten im Baugrund und in den Talfeldern vorgenommen (besonders der wasserseitige Dichtungsschleier), die für Zementtransport erforderliche Seilbahn von und nach Hüttenrode errichtet und der zur Umleitung der Rappbode während der Bauzeit und später als Grundablass vorgesehene Umleitungsstollen mit dem Einlaufbauwerk und Schützenschacht bis August 1940 so weit fertiggestellt, dass die Flussumleitung erfolgen konnte. Im Mai 1942 wurden die Arbeiten aus Kriegsgründen eingestellt.[2]

In der Zeit der DDR wurde das Staumauer-Projekt wiederaufgegriffen und um die Trinkwassergewinnung erweitert. Die ursprüngliche Anlagenplanung blieb erhalten; allerdings wurde die Technologie an neue Erkenntnisse im Talsperrenbau angepasst. Die Grundsteinlegung für die Staumauer fand am 1. September 1952[7] statt, dem Tag des Friedens. Die Bauarbeiten wurden unter Beteiligung des westdeutschen Baukonzerns Polensky & Zöllner durchgeführt.

Am 3. Oktober 1959, dem Sonntag vor dem 10. Jahrestag der DDR, wurde die Talsperre ihrer Bestimmung übergeben. Seitdem befinden sich beiderseits des südöstlichen, mauerseitigen Tunnelportals der auch über die Mauer führenden L 96 je eine Inschrift (rechts / links):

Die Rappbode Talsperre – ein Grossbau des Sozialismus. Grundsteinlegung am Tag des Friedens 1952 – übergeben am 3. Oktober 1959 aus Anlass des 10. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik

Die sozialistischen Produktionsverhältnisse unseres Arbeiter- und Bauernstaates/Die grossen Leistungen der am Bau beteiligten Arbeiter, Techniker und Ingenieure waren die Grundlagen der Entstehung dieses Werkes/Anerkennung und Dank den Erbauern

In den Jahren 1995 bis 2009[3] wurde die Talsperre saniert. Hierbei wurde auch der angewitterte Beton der Straße auf der Mauerkrone erneuert und die jeweils direkt oberhalb der vorgenannten Inschriften befindlichen Hoheitszeichen der DDR durch kreisförmige Objekte ersetzt.

Daten[Bearbeiten]

Die von 1952 bis 1959 erbaute und nahezu vollständig gerade Gewichtsstaumauer, die durch ihr Eigengewicht die Rappbode aufstaut, ist etwa 415 m lang,[2][3] an ihrer Krone 12,50 m und an der Basis rund 78 m breit.[2] Über der Talsohle ist sie zirka 90 m[1] und über der Gründungssohle 106,0 m[1] hoch. Ihre Gründungshöhe liegt auf etwa 321 m ü. NHN und die Bauwerkskrone auf rund 427 m ü. NHN.[2] Das Bauwerksvolumen enthält zirka 860.000 m³[1][2] Stahlbeton. Die Mauer besteht aus 30 Segmenten (Feldern) mit 16 m³ maximaler Breite.[2] Die Hochwasserentlastung besteht aus einem freien Mauerkronenüberlauf mit einer Gesamtbreite von 64 m, der durch acht Zwischenpfeiler in neun Felder aufgeteilt ist und bei einer Überströmhöhe von 1,10 m 120 m³ pro Sekunde Wasser ableiten kann.[2]

Wasserwerk und Wasserkraftwerk[Bearbeiten]

Das gestaute Wasser ist vor allem eine Trinkwasserreserve, auf die nordöstlich und östlich des Harzes gelegene Ortschaften zurückgreifen können. Den Transport des Trinkwassers in die Region führt die Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz durch. Deren Druckleitungen verlaufen bis Aschersleben, Halberstadt, Bernburg (Saale), Halle (Saale) und sogar Leipzig. Von der Staumauer führt ein 3,1 km langer, zumeist unterirdischer Wasserstollen zum nahe Wienrode gelegenen Wasserwerk, wo die Trinkwasseraufbereitung stattfindet.[2] Die Wasserqualität ist ausgesprochen gut, die Wasserhärte liegt im Durchschnitt bei 3° deutscher Härte. Damit ist das Wasser besonders gut geeignet für den Einsatz in Dampferzeugungs- und Waschanlagen, hat aber wegen der fehlenden Neigung zur Verkalkung auch erhebliche Vorteile im häuslichen Gebrauch.

Die Talsperre dient im Rahmen ihres Wasserkraftwerks durch eine von E.ON Avacon betriebene Wasserturbine mit einer Leistung von 5,4 MW[4] auch der Stromerzeugung.

Stausee[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Rappbodestausee liegt fast gänzlich im Gebiet der Stadt Oberharz am Brocken; nur ein nahe der Staumauer befindlicher Stauseeteil inklusive des Südostteils der Staumauer gehört zu Thale[8]. Er befindet sich zwischen der Bundesstraße 81 (Wendefurth–Hasselfelde) im Südosten und der etwas entfernten Bundesstraße 27 (Blankenburg–Elbingerode) im Nordwesten, wobei die Landesstraße 96 zwischen beiden Bundesstraßen über die Staumauer und durch den direkt nordwestlich davon befindlichen Tunnel führt. Das gestaute Fließgewässer ist die Rappbode, ein südwestlicher Zufluss der Bode im Einzugsgebiet der Elbe; zudem münden die Hassel, welche die direkt vorgelagerte Hasselvorsperre durchfließt, und viele kleine Bäche, von denen manche aber nicht ganzjährig Wasser führen, in den Stausee. Flussabwärts entlang des nun mit Wasser angestauten Rappbodetals liegen linksseits des Stausees die Bremsenköpfe (492,7 m), die Möncheköpfe (490,7 m) und der Nickelsberg (488,2 m) und rechtsseits die Rabensteine (ca. 510 m), der Gitzhügel (481,8 m), der Eichenberg (ca. 520 m) und der Rotestein (ca. 505 m). Im schmalen Südteil des von Wald gesäumten Stausees erhebt sich in Südufer- und Eichenbergnähe die normalerweise von Wasser umspülte Präzeptorklippe.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Die Stauanlage liegt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Harz (Nr. 38) und in der Haupteinheit Unterharz (naturräumlich auch Unterharz-Hochfläche genannt; 382) in der Untereinheit Hasselfelder Hochfläche (382.2).[9]

Daten[Bearbeiten]

Die Oberfläche des Stausees ist etwa 3,9 km²[1] groß. Der Stausee erstreckt sich in Südwest-Nordost-Richtung auf etwa 9 km[10] Länge und ist meist nur wenige Hundert Meter breit. Unterschiedlichen Angaben zufolge hat er 109,08[1] oder 113 Mio. m³[3] Gesamtstauraum. Sein Stauziel liegt auf 423,6 m ü. NHN im Sommer und 418,32 m ü. NHN[1] im Winter und sein höchstes Stauziel, für ein 1000-jähriges Hochwasser veranschlagt, auf 424,68 m ü. NHN[1]. Das Einzugsgebiet des Stausees ist im Rahmen von jenem der Rappbode 114,8 km²[1][5] und aufgrund des 1.795 m langen Überleitungsstollen, der durch den langgestreckten Trogfurter Berg führt, zusammen mit dem Einzugsgebiet des Stausees Königshütte an der Bode 269,0 km²[1][5] groß, woraus sich 154,2 km² zusätzliches Einzugsgebiet ergeben. Die mittlere Zuflussmenge beträgt 1,49 m³/s, die Jahresüberleitungsmenge (aus dem Stausee Königshütte) maximal 45 Mio. m³ und der Jahresabfluss 47 Mio. m³.[1]

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Am Südufer vom Mittelteil des Rappbodestausees liegt das Naturschutzgebiet (NSG) Eichenberg (CDDA-Nr. 318327; 2000 ausgewiesen; 57 ha groß). Im Westen reicht bis an das Ufer nahe dem Einfluss der Rappbode in den Stausees ein östlicher Teil des NSG Harzer Bachtäler (CDDA-Nr. 318505; 1998; 11,04 km²). Der Stausee befindet sich komplett im Landschaftsschutzgebiet Harz und Vorländer (CDDA-Nr. 20784; 1968; 1587,86 km²). Bis an das Südufer reichen Teile des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Bodetal und Laubwälder des Harzrandes bei Thale (FFH-Nr. 4231-303; 57,73 km²) und bis an die Süd- und Ostufer solche des Vogelschutzgebiets Nordöstlicher Unterharz (VSG-Nr. 4232-401; 169,88 km²).[10]

Fischfauna[Bearbeiten]

Im Rappbodestausee kommen überwiegend Bachforellen, Regenbogenforellen, Hechte, Flussbarsche, Zander, Aale, Maränen, Karpfen, Schleie und zahlreiche Weißfische vor. Vor allem Hechte und Karpfen können dort teilweise kapitale Gewichte erreichen.[11]

Galerie[Bearbeiten]

Vor- und nachgeschaltete Sperren[Bearbeiten]

Der Rappbodetalsperre sind diese Sperren vor- oder nachgeschaltet:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Informationstafel Die Rappbode-Talsperre, mit Infos und Fotos, auf 2.bp.blogspot.com
  2. a b c d e f g h i j k l m Talsperrenmeisterei des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Talsperren in Sachsen-Anhalt, Selbstverlag Talsperrenmeisterei LSA, Blankenburg, 1994
  3. a b c d e Rappbodetalsperre … (und andere Talsperren) in Gebietsstaubereich Nord, mit Infos und Foto, auf talsperren-lsa.de
  4. a b c Pressemitteilung Die Rappbodetalsperre: Besuchermagnet auch nach 50 Jahren auf asp.sachsen-anhalt.de
  5. a b c Einzugsgebiet der Rappbodetalsperre ohne (114,8 km²) und mit (269,0 km²) Überleitung aus der Talsperre Königshütte an der Bode
  6. Tunnel an der Rappbodetalsperre, auf dup-bs.de
  7. a b Die Entstehungsgeschichte des Systems der "Bode-Talsperren mit Infos und Fotos, auf harzkaleidoskop.de
  8. Anmerkung zum früheren Grenzverlauf im Stausee: Bis zum 31. Dezember 2009 verlief die Grenze der ehemaligen Städte und nun zu Oberharz am Brocken gehörenden Ortschaften Elbingerode und Hasselfelde von der Einmündung der Rappbode bis zur Staumauer durch den Rappbodestausee
  9. Jürgen Spönemann: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 100 – Halberstadt, Bad Godesberg, 1970
  10. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  11. Angeln an den Bodetalsperren, auf harz-paradies.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rappbode-Talsperre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien