Rappenlochschlucht

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Rappenlochschlucht vor dem Brückeneinsturz 2011
Verschütteter Teil der Rappenlochschlucht

Die Rappenlochschlucht liegt etwa fünf Kilometer südöstlich des Dornbirner Stadtzentrums im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Sie ist eine der größten Schluchten Mitteleuropas, entstand durch den Durchbruch der Ebniter- bzw. Dornbirner Ache durch die Kalk-Mergelberge des vorderen Bregenzerwaldes und liegt am Zugang zur Walsersiedlung Ebnit, etwas oberhalb der alten Industrieansiedlung Gütle. Ursprünglich seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch Stege erschlossen, kann die Schlucht aufgrund eines gewaltigen Felssturzes, der auch die Rappenloch-Brücke mit in die Tiefe riss (diese überquerte vorher als Bogenbrücke die Schlucht an ihrer markantesten Stelle), seit 10. Mai 2011 nicht mehr durchgängig begangen werden. Über Umwege sind jedoch alle interessanten Bereiche erlebbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Staufensee

Am Ausgang der Rappenlochschlucht befindet sich der Staufensee mit dem über 100 Jahre alten Wasserkraftwerk Ebensand, dessen Energie die Spinnmaschinen in der Textilfabrik Hämmerle in Gütle betrieb sowie zum Betrieb der Elektrischen Bahn Dornbirn–Lustenau, einer der ersten voll elektrifizierten Bahnstrecken Mitteleuropas, verwendet wurde. Heute wird der im Kraftwerk Ebensand erzeugte Strom ins Vorarlberger Verbundnetz eingespeist.

Ein zweites Turbinenhaus wurde im Gütle selbst errichtet, dessen Turbinen durch Wasser aus einer genieteten Druckrohrleitung, die direkt durch die Rappenlochschlucht geführt wurde, angetrieben wurde. Da diese Druckrohrleitung inspiziert und gewartet werden musste, entstanden die ersten Stege und Steige durch die Schlucht. Vor allem der Textilfabrikant Franz Martin Hämmerle, der Inhaber der gleichnamigen, heute stillgelegten Spinnerei in Gütle, machte sich um den Ausbau der Klammwege verdient. 1902 wurde schließlich die Begehung der Schlucht dem allgemeinen Publikum möglich gemacht.

Die Namensherleitung ist unklar und umstritten. Möglicherweise geht der Name auf den Waldrapp zurück, einer im späten Mittelalter in den Alpengebieten ausgestorbenen Ibisart, die in solch engen Felsschluchten ihre letzten Kolonien hatte.

Die beeindruckende Kulisse der Schlucht wird auch immer wieder für diverse Events und Kunstaktionen genutzt. Besonderes Aufsehen erregte dabei eine Aktion des aus Dornbirn stammenden Künstlers Martin E. Greil, der am Eingang der Schlucht eine Drahtskulptur in Form eines Riesenpenis aufstellen ließ.

Am Eingang der Schlucht befindet sich die Parzelle Gütle mit dem Rolls-Royce Museum und dem mittlerweile stillgelegten ehemals höchsten Springbrunnen Europas, der mit Überschusswasser aus der Druckrohrleitung gespeist wurde. Der Brunnenbetrieb führte zu Pilzentwicklung in den umliegenden Wohnhäusern, weshalb er zu einem normalen Springbrunnen degradiert wurde. Am anderen Ende der Rappenlochschlucht ist noch die Alplochschlucht zu erwähnen, die durchaus sehenswert ist. Kehrt man dann zur Rappenlochschlucht zurück, bietet sich die Gelegenheit, als Bergwanderer zu Fuß auf den Karren zu steigen.

Nach dem 10. Mai 2011 konnte die Rappenlochschlucht für über zwei Jahre nicht mehr zu Fuß durchwandert werden. An diesem Tag ereignete sich gegen 13.00 Uhr Ortszeit ein gewaltiger Felssturz, der auch die Rappenlochbrücke, die die Schlucht an ihrer engsten und zugleich spektakulärsten Stelle überquerte, mit in die Tiefe riss. Die Rappenlochbrücke war seit dem Jahr 1955 als Teil der Ebniter Straße die Hauptverbindung von Dornbirn ins Bergdorf Ebnit und als solche viel befahren. Zum Zeitpunkt des Einsturzes befanden sich weder Fahrzeuge auf der Brücke noch Spaziergänger unterhalb der Felssturzmasse in der Schlucht. Seitdem waren die Wege in der Schlucht zum einen verschüttet und zum anderen offiziell wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Ein Zugang vom Gütle her über den Wassermannsteig war zwar bis kurz vor die Einsturzstelle wieder frei begehbar, eine Durchquerung der Schlucht aber nicht mehr möglich.

Für den Frühling 2013 wurde dann die Wiedereröffnung des Weges durch eine neue Brückenkonstruktion an höherer Stelle vorgesehen. Der Stadtrat Dornbirn hat am 3. Oktober 2012 die Detailplanung und die Ausschreibung für eine Steganlage beschlossen.[1]

Die Weg- und Steganlage der Rappenlochschlucht wurde in zwei Etappen errichtet. Im Sommer 2013 wurde der erste Teil des Weges freigegeben. Seit dem 24. August 2013 sind der gesamte Weg und die Steganlage ungehindert begehbar. Die neue Steganlage führt die Wanderer an einer Schluchtwand vorbei und geht oberhalb des Felssturzes fast frei schwebend weiter und führt dann unterhalb der Schluchtbrücke hindurch. Ein einmaliges Erlebnis ist dabei der Blick auf den spektakulären Felssturz. [2]

Rappenlochschluchtsperre[Bearbeiten]

Am unteren Ausgang der Schlucht befindet sich eine der ältesten Gewölbebogensperren in Vorarlberg. Die 1829 von Franz Alois Negrelli in seiner Zeit als Vorarlberger Kreiswasserbauadjunkt geplante und gebaute „Rappenlochschluchtsperre“ wurde 1862 erhöht und in den Jahren 1989 bis 1991 erweitert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rappenlochschlucht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.3833333333339.7791666666667Koordinaten: 47° 23′ 0″ N, 9° 46′ 45″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rappenlochschlucht: Steg statt Tunnel: ORF Vorarlberg: Artikel vom 3. Oktober 2012.
  2. Rappenlochschlucht uneingeschränkt begehbar: Karren Dornbirn Online. Artikel vom 22. August 2013. (abgerufen am 29. Oktober 2013)