Raptio

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Raptio (lateinisch „Entführung“), traditionell als „Frauenraub“ bezeichnet, ist ein Fachbegriff des katholischen Kirchenrechts für das Ehehindernis, welches aus der gewaltsamen Entführung einer Frau entsteht (zu anderen Bedeutungen siehe Brautraub).

Das Ehehindernis entsteht, wenn eine Frau gewaltsam entführt oder zumindest gefangengehalten wird, um sie zu einer Eheschließung mit einem bestimmten Partner zu bewegen, unabhängig davon, ob der mögliche Partner oder ein Dritter der Entführer ist und ob die Frau auch aus freien Stücken die Ehe eingegangen wäre. Eine Ehe zwischen der entführten Frau und diesem Mann kann erst dann gültig werden, wenn die Frau getrennt vom Entführer an einem sicheren Ort die Heirat aus freiem Willen wünscht (vergleiche den Canon 1089 des Codex Iuris Canonici 1983).

Dieses Ehehindernis gilt aber nicht für einen entführten Mann. Dies hat seinen Ursprung vermutlich darin, dass das katholische Kirchenrecht bis 1917 nicht systematisch geordnet war, sondern aus verschiedenen Rechtssammlungen und Rechtsentscheiden bestand. Es ist wohl nie ein Fall relevant geworden, in dem ein entführter Mann zur Ehe gezwungen worden wäre. Allerdings bedeutet das nicht, dass ein Mann durch Entführung zur Ehe gezwungen werden könnte: In einem solchen Fall läge zwar kein Ehehindernis vor, es könnte aber aufgrund von Zwang oder Furcht kein Ehekonsens zustande kommen (siehe auch Zwangsheirat).