Rassenunruhen in Detroit 1967

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Am 23. Juli 1967 brachen ausgelöst durch eine Polizeirazzia in einer Bar ohne Ausschankgenehmigung die Detroiter Rassenunruhen aus. Sie gingen mit einer Dauer von 5 Tagen, 43 Todesopfern, 1189 Verletzten und über 7000 Verhaftungen als die zweitbrutalsten Rassenunruhen der USA (nur übertroffen von den Rassenunruhen in Los Angeles 1992) in die Geschichte ein.

Ausbruch[Bearbeiten]

Die Bar – ein sogenanntes „Blind Pig“ - befand sich nahe der Kreuzung Clairmount Avenue und 12th Street (heute umbenannt in Rosa Parks), wo heute ein Platz als Mahnmal an die Unruhen erinnern soll. Es gab zu dieser Zeit spezielle Polizeieinheiten aus jeweils vier Beamten, genannt „Tac Squad“ oder „Big 4“, die besonders für solche Einsätze zusammengestellt wurden. Als die Polizei eintraf, erwartete sie etwa ein Dutzend Gäste, fand aber stattdessen 82 Personen vor, die eine Willkommensfeier für zwei Vietnamveteranen veranstalteten. Die Polizisten beschlossen, alle Anwesenden zu verhaften und forderten zu diesem Zweck Verstärkung an. Während sie warteten, bildete sich auf der Straße vor der Bar ein protestierender Mob. Obwohl die Berichterstattung der Detroit Free Press über die Unruhen mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, gibt es Unstimmigkeiten zum genauen Hergang des Ausbruchs.

Eine Version geht davon aus, dass nach dem Abtransport der Verhafteten die protestierenden Menschen in ihrer Wut über die Schließung der einzigen Bar, in die sie in dieser Nacht noch hätten gehen können, anfingen, Schaufenster der umgebenden Geschäfte zu zerbrechen, woran sich weiterer Vandalismus und Brandstiftungen anschlossen. Die Unruhen entwickelten sich also aus ungerichtetem Vandalismus und einer allgemeinen Unzufriedenheit heraus. Solch blinder Vandalismus hat sich mittlerweile in Detroit in Form der Devil’s Night Detroit in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober zu einer alljährlichen Tradition entwickelt.

Die andere Version beschreibt einen gewaltbasierten Ausbruch. Die Rückscheibe des letzten Polizeiautos soll beim Verlassen der Kreuzung mit einem Stein eingeworfen worden sein. Angestachelt durch diesen Angriff und die daran anschließenden Auseinandersetzungen sollen sich die Protestierenden mit Vandalismus und Brandstiftungen zuerst nach Nordwesten bewegt haben und die Unruhen dann auch in den Osten Detroits übergeschlagen haben. In dieser Version sind die Rassenunruhen die Folge einer Auflehnung gegen die vorherrschende Polizeigewalt.

Der Augenzeuge Ronald Hewitt bezeichnet die Unruhen nicht als rassisch motiviert, sondern als eine Auflehnung der Armen und Unterdrückten gegen die Obrigkeit.

Verlauf der Unruhen[Bearbeiten]

Die Unruhen entwickelten sich von anfänglichem Vandalismus schnell zu Plünderungen und einem Heckenkampf mit Scharfschützen und Menschen, die versuchten, ihren Besitz zu verteidigen. Da die Polizei die Unruhen nicht niederschlagen konnte, entschied der Präsident Lyndon B. Johnson, die Nationalgarde zu mobilisieren. Erst nach fünf Tagen schafften es die Nationalgardisten gemeinsam mit der Polizei, die Situation zu beruhigen. Da die Polizeistationen keine ausreichenden Kapazitäten für so viele Gefangene hatten, wurden viele Menschen oft tagelang und gesetzeswidrig in abgesperrten Parkgaragen gefangen gehalten.

Gründe[Bearbeiten]

Laut Umfragen wird als Hauptgrund für die Unruhen die vorherrschende, rassistisch motivierte Polizeigewalt, sowie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Afroamerikaner als Folge von Stadterneuerungsprojekten genannt. Insbesondere in der Gegend um die 12th Street wechselte die Bevölkerung innerhalb nur eines Jahrzehnts von hauptsächlich weißen Bewohnern zu nahezu nur Afroamerikanern. Die Dichte nahm dabei um das Drei- bis Vierfache zu.

Diskussion um den Begriff[Bearbeiten]

Der englische Begriff "riots" (dt. Aufstand) steht im Zusammenhang mit den Unruhen 1976, obwohl er hier meist verwendet wird, zur Diskussion. Verschiedene Bevölkerungsgruppen bezeichnen sie als "riot", "war" (dt. Krieg), "social unrest" (dt. etwa ziviler Ungehorsam) oder "rebellion" (dt. Rebellion). Dies zeigt auch, wie ungeklärt und wie wenig verstanden dieses Ereignis bis heute ist.

Das Mahnmal[Bearbeiten]

Der Platz, der unmittelbar an der Kreuzung Rosa Parks/Clairmount Avenue neben dem ehemaligen Standort der illegalen Bar liegt, ist ein gemeinnütziges Projekt der Anwohner, die ihn pflegen und unterhalten. Er dient als Treffpunkt der Jugendlichen aus dem Viertel und als ein alljährliches Grillfest. Es finden sich dort Sitzgelegenheiten unter Bäumen, die offensichtlich aus verschiedenen Epochen stammen. So gibt es Stühle und Tische aus Beton und Bänke, die aus alten Karosserieteilen zu bestehen scheinen. Seit einer Umgestaltung des Platzes im letzten Jahr durch eine Gruppe um Antoine Butler (ein jugendlicher Anwohner) gibt es auch kombinierte Bänke und Pflanzkübel aus Holz. Eine Stahlskulptur, die zwei dreidimensionale Rauten zeigt, wurde von ursprünglich rot-blau zu violett umgefärbt. Bretterwände, die den Platz auf den der Kreuzung abgewandten Seiten abgrenzen, zeigen bunte Bemalungen. Man sieht dem Platz an, dass er einem ständigen Wandel unterliegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas J. Sugrue: The origins of the urban crisis – race and inequality in postwar Detroit, Princeton, NJ, Princeton University Press, 1996

Weblinks[Bearbeiten]

  • www.suite101.com/content/race-riot-erupts-in-detroit-in-1967-a265028
  • www.67riots.rutgers.edu/d_events.htm
  • info.detnews.com/pix/photogalleries/newsgallery/07192007_67riots/index5.htm