Rassismus im Fußball

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Plakataktion der MRAP (Mouvement contre le racisme et pour l'amitié entre les peuples, deutsch: Bewegung gegen Rassismus und für Freundschaft zwischen den Menschen).

Rassismus im Fußball ist ein andauerndes Problem. Er äußert sich zum Beispiel durch Gesänge und Bananenwürfe seitens der Fans, aber auch durch Sprüche der Spieler auf dem Platz.

Ursachen[Bearbeiten]

Die im Alltag latent vorhandene Fremdenfeindlichkeit (die sich auch mal Bahn bricht, zum Beispiel bei der Einrichtung neuer Asylbewerberunterkünfte) tritt im Fußballstadion offen zu Tage.[1] Betroffene bemängeln, dass bisweilen auch Schiedsrichter ihrer Abneigung Ausdruck verleihen, was die negative Stimmung befördern kann.[1] Im Schutz der Masse muss die eigene Aggression nicht unterdrückt werden. Als Ursachen werden speziell auf Fußballfans bezogen die im sozialen Umfeld erlebte oder selbst erlittene Arbeitslosigkeit und die – insbesondere bei unterklassigen Vereinen – Frustration über die Situation ihres traditionsreichen Klubs genannt.[2] Hinzu kommt das gesamtgesellschaftliche Vordringen von rechtsradikalen Parteien, die sich als sozial engagierte Jugendbetreuer hervortun und in Länderparlamente eingezogen sind. Ein betroffener Vereinsvorsitzender: „[Es] werden Sätze plötzlich laut und offen gesagt. Parteien wie die NPD, die in […] den Parlamenten sitzen, scheinen diesen Leuten die Berechtigung zu geben, mit ihrem Hass nicht mehr hinter dem Berg zu halten.“[1]

Absichten[Bearbeiten]

Wegen des hohen gesellschaftlichen Stellenwertes der Sportart Fußball und damit einhergehender Medienpräsenz benutzen Rechtsradikale und Rassisten die Stadien als Bühne für ihre Ansichten. Ein italienischer Stimmungsanheizer: „Wir gehen […] nicht einfach ins Stadion, um ein Fußballspiel zu sehen. Wir wollen dort auch unseren politischen Standpunkt […] vertreten.“[3]

Maßnahmen[Bearbeiten]

Am 14. März 2006 verabschiedete das Europäische Parlament die „Erklärung zur Bekämpfung von Rassismus im Fußball“.[4] 2010 widmeten sich die Vereinten Nationen mit ihrem Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung (International Day for the Elimination of Racial Discrimination, jedes Jahr am 21. März) dem Thema Rassismus im Sport. So stellten sie den Tag in diesem Jahr unter das Motto „Rassismus disqualifizieren!“ (Disqualify Racism).[5] Und auch die UEFA verfolgt einen Null-Tolerance-Standpunkt gegenüber Rassismus.[6][7]

Bei kleineren Vereinen lässt man die durch Schmähungen auffälligen Fangrüppchen meist gewähren, denn es ginge sonst ein wirtschaftlich wichtiger Einnahmeposten verloren.[8]

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Fallbeispiele[Bearbeiten]

  • Ende Februar 2006 wurde Samuel Eto'o bereits zum zweiten Mal beim Spiel seines FC Barcelona in Saragossa mit Affengekreisch bedacht. In der Vorsaison hielt Eto'o dem eine Affen-Pantomime entgegen, diesmal erklärte er, nachdem der Schiedsrichter eine Stadiondurchsage erzwungen hatte, die das Gegenteil, nämlich noch lauteres Gekreische, bewirkte: „No juego más“ (Ich spiele nicht weiter). Nach gutem Zureden blieb Eto'o auf dem Platz. Saragossa kam mit einer 600-Euro-Strafe davon.[9]
  • Am 25. März 2006 wurde der für den FC Sachsen Leipzig spielende Adebowale Ogungbure, der sich regelmäßig herabwürdigenden Zuschauerreaktionen ausgesetzt sah, nach dem Abpfiff von auf das Spielfeld laufenden Anhängern des Halleschen FC bespuckt, geschlagen und gewürgt, während es von der Haupttribüne „Nigger raus“ schallte. Halle wurde zu 600 Euro Strafe verurteilt, jedoch nur wegen Abbrennens von Feuerwerkskörpern.[2]
  • Im DFB-Pokalspiel Hansa Rostock II gegen Schalke 04 am 9. September 2006 wurden nach Gerald Asamoahs Tor zum 0:2 rassistische Sprechchöre laut, die vom DFB gemäß der verschärften Statuten mit 20.000 Euro Geldstrafe und einem Geisterspiel geahndet wurden.[10]
  • Antisemitische Übergriffe gegen den TuS Makkabi Berlin II und der daraus resultierende Spielabbruch lösten im Oktober 2006 eine Berichterstattungslawine aus. Die Gegnermannschaft von der VSG Altglienicke II soll damals als Beschwichtigung vorgebracht haben, türkische Mannschaften würden ähnlich behandelt.[11] Zwei Monate zuvor hatten die türkischstämmigen Zwillinge Hamit und Halil Altintop, damals beide für den FC Schalke 04 spielend, in einem Interview, das weite Verbreitung fand, bestätigt, dass das Beschimpftwerden durch Gegenspieler an der Tagesordnung sei.[12]
  • Der Fußballer Luis Suarez aus Uruguay wurde wegen rassistischer Äußerungen auf dem Spielfeld gegenüber Patrice Evra für acht Spiele gesperrt.
  • Im Februar 2012 musste John Terry sein Amt als Kapitän der Nationalmannschaft wegen gegen ihn erhobener Rassismusvorwürfe aufgeben. Terry wurde freigesprochen.
  • Kevin-Prince Boateng verließ bei einem Freundschaftsspiel gegen den Viertligisten Pro Patria vorzeitig das Spielfeld, nachdem er und Teamkollegen von gegnerischen Fans rassistisch beleidigt worden waren. Das Team solidarisierte sich, das Spiel musste abgebrochen werden. Die UNO lud Boateng ein, über das Thema „Rassismus und Sport“ am 21. März 2013 in Genf zu berichten. Er verglich Rassismus mit der Malaria, die an ihren Ursachen, den Mückenteichen, gepackt und nicht später mittels Impfungen begrenzt werden müsse.[13]
  • Im Mai 2013 wurde eine Partie wegen rassistischer Gesänge gegen Mario Balotelli unterbrochen.
  • Kevin Constant verließ ebenfalls nach rassistischen Gesängen bei einem Vorbereitungsturnier den Platz. Das Spiel ging weiter, der Schiedsrichter ließ in dem Spiel Mario Piccinocchi als Ersatz auf den Platz.
  • Dani Alves konterte die Rassisten aus: er nahm die auf ihn geworfene Banane und aß davon. Alves zeigte Humor: "Ich weiß nicht, wer die Banane geworfen hat, aber ich möchte ihm danken. Er schenkte mir Energie für zwei weitere Ecken, die zu einem Tor führten". Gary Lineker lobte Alves: "Großartige Reaktion von Alves. Behandelt die rassistischen Dummköpfe mit Missachtung", twitterte Lineker.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Ronny Blaschke: „Wie die Affen im Zoo“. Ein Gespräch über Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung auf Fußballplätzen in Berlin und Brandenburg. In: Berliner Zeitung. Nr. 280, 30. November 2006, Sport, S. 20.
  2. a b  Michael Kraske: Als die Wahrheit auf den Platz kam. Von den Rängen rufen sie: Nigger, Bimbo. Und einmal ist Adebowale Ogungbure noch Schlimmeres passiert. In: Der Tagesspiegel. 19. Mai 2006, Die dritte Seite, S. 3.
  3.  Birgit Schönau: Tore für den Duce. Der Fußballklub Lazio Rom hat sich zu einer Hochburg der Rechtsextremen entwickelt: Fans, Spieler und Vereinsführung peitschen sich gegenseitig auf. In: Die Zeit. Nr. 8, 17. Februar 2005, Leben, S. 61.
  4. Erklärung des Europäischen Parlaments zur Bekämpfung von Rassismus im Fußball auf www.europarl.europa.eu, 14. März 2006.
  5. Navanethem Pillay in der US-Vertretung in Genf
  6. UEFA platform for anti-racism campaign, englisch, auf www.uefa.org, 18. Oktober 2013, abgerufen April 2014.
  7. IX. Resolution: European Football united against racism, englisch, pdf, auf www.uefa.org, abgerufen April 2014.
  8.  Daniel Pontzen: Feste druff. Früher schlug sich Steffen Kubald für seinen Verein, als Vorsitzender muss er Lok Leipzig nun von rechten Gewalttätern befreien, wenn der Club überleben will. In: Der Spiegel. Nr. 12/2007, 19. März 2007, Sport, S. 146 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50910361.html).
  9.  Phil Ball: „Ich spiele nicht weiter“. Barcelonas Star Samuel Eto'o hat in Spanien endlich eine Debatte über Rassismus ausgelöst, als er drohte, wegen übler Schmähungen den Platz zu verlassen. In: Der Tagesspiegel. 5. März 2006 (übersetzt von Markus Hesselmann), S. ?.
  10.  Mathias Klappenbach, Lars Spannagel: Hetze am Spielfeldrand. Lange haben sich Rassisten und Antisemiten beim Fußball unbehelligt breit gemacht – jetzt soll es härtere Strafen geben. In: Der Tagesspiegel. 5. Oktober 2006, S. ?.
  11.  Lars Spannagel: Verband will gegen Hetze vorgehen. Nach antisemitischen Pöbeleien beim Fußball. In: Der Tagesspiegel. 6. Oktober 2006, S. 24.
  12.  Tsp: „Scheißtürke ist noch das Harmloseste“. Die Altintop-Brüder über Rassismus im Fußball. In: Der Tagesspiegel. 3. August 2006, S. 19 (Basiert auf einem Interview mit der Zeit, Ausgabe 32/2006.).
  13. Anja Schramm: Botschafter Boateng – „Rassismus ist wie Malaria“. In: welt.de. 21. März 2013, abgerufen am 29. Juni 2014.

Weblinks[Bearbeiten]