Rat für Nachhaltige Entwicklung

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Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der 14. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 2. Juni im bcc Berlin

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die deutsche Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit und soll mit Beiträgen und Projekten die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie fortentwickeln helfen und umsetzen helfen. Eine weitere Aufgabe des RNE ist es innerhalb der Bevölkerung und den Beteiligten deutscher Nachhaltigkeitspolitik die Vorstellung von nachhaltiger Entwicklung und die Debatte darüber zu stärken, Nachhaltigkeit also zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Dem Rat gehören 15 Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Umweltschutz, Landwirtschaft, Sozialpolitik, Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertreter von Gewerkschaften und Kirchen an, die die Bundeskanzlerin für eine Mandatszeit von drei Jahren ernennt. Erstmals berufen wurde der Rat im April 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Seine Geschäftsstelle ist in Berlin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angesiedelt.

Aufgaben[Bearbeiten]

Der Rat entwickelt Beiträge zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, richtet Empfehlungen an die Bundesregierung und benennt konkrete Handlungsfelder und Projekte dazu.[1] Er äußert sich in Stellungnahmen zu aktuellen Themen, gibt wissenschaftliche Studien in Auftrag und trägt dazu bei, Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Der Rat ist in seiner Tätigkeit unabhängig und gibt sich selbst ein Arbeitsprogramm für die aktuelle Mandatsperiode. Diesem folgen weiter konkrete Arbeitsschritte.

Zu den Instrumenten des RNE gehören:

  • der politische Dialog (z.B. Empfehlungen für den Chef des Bundeskanzleramtes)
  • die politische Öffentlichkeit (z.B. Veranstaltung der Jahreskonferenz als politischer Nachhaltigkeitsgipfel)
  • Publikationen (z.B. aktuelle Pressemitteilungen)

Diskussionsbeiträge hat er mit der Studie "Nachhaltig aus der Krise. Analyse möglicher Beiträge einer ökologischen Finanzreform" und der Empfehlung "Konsum und Nachhaltigkeit. Wie Nachhaltigkeit in der Konsumgesellschaft käuflich und (er)lebbar wird" geleistet. 2009 organisierte der Rat die Arbeiten zu einer kritischen Analyse der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, einem internationalen Peer-Review im Auftrag der Bundeskanzlerin. Daraus entstand das Gutachten "Sustainability - Made in Germany. We know you can do it". Ein neues Peer-Review-Verfahren der Nachhaltigkeitsstrategie startete zu Beginn des Jahres 2013. Der Rat hat den "Deutschen Nachhaltigkeitskodex" öffentlich diskutiert und in einer Praxisphase gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Kapitalmarkt getestet und weiterentwickelt. Der neue Transparenzstandard beschreibt in zwanzig Kriterien die Kernanforderungen nachhaltigen Wirtschaftens und macht diese mit einer Auswahl quantifizierter Indikatoren vergleichbar. Die jüngsten politischen Empfehlungen des Rates fordern Verbindlichkeit für Energieeffizienz, eine Stabilisierung der Finanzmärkte, eine am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Agrarwende und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für strategische Rohstoffe sowie eine Stellungnahme zur Flächeninanspruchnahme. Im März 2011 erprobte der Rat mit "Dialoge_Zukunft_Vision2050" ein neues Format für gesellschaftlichen Dialog über Langfristpolitik.

Seit dem Jahr 2010 begleitet er die Initiative Dialog „Nachhaltige Stadt“ zu dem sich über 20 Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern aus deutschen Städten zusammengefunden habenx. Die kommunalen Vertreter setzen sich in besonderem Maße für eine nachhaltige Entwicklung in Ihren Städten ein, tauschen Erfahrungen aus und treffen sich regelmäßig um nachhaltige Stadtentwicklung als politisches Anliegen auch auf Bundesebene zu stärken [2]. Das ebenfalls vom Rat entwickelte Qualitätslabel „Werkstatt N“ zeichnet seit dem Jahr 2010 jährlich rund 100 Projekte aus. Die für außerordentlich und in ihrem Engagement besonders nachhaltigen Projekte dürfen für ein Jahr das Label tragen und werden zusätzlich auf einer Website präsentiert. Der Nachhaltigkeitsrat vergibt den Titel „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit“ und lädt zu wissenschaftlichen Carl-von-Carlowitz-Vorlesungen ein. Im Februar 2013 veranstaltete er eine Jugendkonferenz unter dem Motto „Contemporary Carlowitz“. Im Rahmen der dreitägigen Zusammenkunft 50 Jugendlicher und junger Erwachsene unterschiedlichster Biographien und Interessen, formulierten diese ein Impulspapier mit Forderungen an die Bundesregierung für eine nachhaltige Entwicklung.

Zu den Publikationen des Rates zählen ein zweiwöchentlich erscheinender Newsletter ("News Nachhaltigkeit") und der Einkaufsführer "Der Nachhaltige Warenkorb. Einfach besser einkaufen", der sich mit den alltäglichen Kaufentscheidungen von Individuen befasst und jährlich erscheint. Weiter erscheinen regelmäßig Stellungsnahmen, Empfehlungen und Studien zu Nachhaltigkeitsthemen.

Ratsmitglieder[Bearbeiten]

Derzeitige Mitglieder[Bearbeiten]

Am 26. Juni 2013 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Berufung der Mitglieder für die nächste Amtsperiode bekannt gegeben.[3] Die Mitglieder des Rates werden für drei Jahre berufen.

Dem Gremium gehören an:

  • Gerhard de Haan - kooptiertes Mitglied im Jahr 2014; Professor für Zukunfts- und Bildungsforschung, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade BNE (2005-2014)

Ehemalige Mitglieder[Bearbeiten]

  • Heinrich Graf von Bassewitz - Landwirt, Bundesbeauftragter für ökologischen Landbau des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Mitglied im Präsidium Deutscher Bauernverband
  • Philip Freiherr von dem Bussche - Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) e.V.. Mitglied von April 2001 - April 2002
  • Ursula Eid - Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung a.D.
  • Joachim Faber - Senior Advisor der Allianz SE
  • Jochen Flasbarth - Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) e.V.. Mitglied von April 2001 - Januar 2003
  • Horst Frank - Oberbürgermeister der Stadt Konstanz. Mitglied von Mai 2003 - Mai 2010
  • Wolfgang Franz - Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim. Mitglied von April 2001 - März 2004.
  • Hans Geisler - sächsischer Staatsminister für Soziales, Gesundheit, Jugend und Familie a.D.
  • Rainer Grohe - Ehem. Executivdirektor GALILEO, langjähriger Vorsitzender Umweltausschuss des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Hermann Graf Hatzfeldt - Vorsitzender des Forest Stewardship Council in Deutschland. Mitglied von Mai 2003 - März 2007
  • Volker Hauff - Ehem. Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Bundesminister a.D. Mitglied von April 2001 - Mai 2010
  • Roland Heinisch - Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn Netz AG (DB Netz AG). Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Claus Hipp - GmbH & Co. Vertrieb KG, Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT). Mitglied von April 2001 - Januar 2003
  • Stefan Homburg - Professor für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover, Mitglied der Föderalismus-Kommission. Mitglied von April 2004 - März 2007.
  • Eberhard Jochem - Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe, Center for Energy Policy and Economics (CEPE), Eidgenössische Technische Hochschule (ETH), Zürich. Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Margot Käßmann - Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Kirche Hannover. Mitglied von April 2001 - März 2004
  • Ute Klammer - Professorin für Politikwissenschaften, insbesondere Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen. Mitglied von Juni 2008 - Mai 2010
  • Edward G. Krubasik - Ehem. Zentralvorstand Siemens, Honorarprofessor an der TU München. Mitglied von September 2006 - Mai 2010
  • Thomas Loster - Leiter der Münchener Rück Stiftung. Mitglied von September 2006 - Mai 2010
  • Edda Müller - Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) e.V.. Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Franz-Josef Overbeck - Bischof von Essen. Mitglied von Juni 2010 - Juni 2011
  • Matthias Platzeck - Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Mitglied von April 2001 - Mai 2003
  • Heinz Putzhammer - Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), gestorben am 27. Juni 2006 . Mitglied von April 2001 - Juni 2006
  • Hans-Peter Repnik - Ehem. Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Jurist, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung a.D.. Mitglied von Juni 2010 - Januar 2012
  • Jürgen Rimpau - Vorstandsmitglied der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft e.V., Halberstadt. Mitglied von Mai 2003 - Mai 2010
  • Josef Sayer - Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfwerkes MISEREOR. Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Tobias Schlegl – Moderator. Mitglied von Mai 2004 - März 2007
  • Eric Schweitzer - Vorstandsmitglied ALBA Group plc & Co. KG; Präsident der DIHK
  • Georg Teutsch - Wissenschaftlicher Geschäftsführer Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ. Mitglied von Juni 2007 - Mai 2010
  • Klaus Töpfer - Ehem. Stv. Vorsitzender des Rates, Ehem. Undersecretary General, UN, Ehem. Executive Director des United Nations Environment Programme (UNEP). Mitglied von April 2001 - Mai 2010
  • Holger Tschense - Bürgermeister und Beigeordneter der Stadt Leipzig a.D.. Mitglied von Mai 2003 - Januar 2006
  • Christiane Underberg - Mitinhaberin Underberg KG. Mitglied von Juni 2007 - November 2008
  • Fritz Vahrenholt - Vorstandsvorsitzender der REpower Systems AG. Mitglied von April 2001 - März 2007
  • Eggert Voscherau - Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der BASF AG. Mitglied von Mai 2003 - Januar 2006
  • Susanne Weber-Mosdorf - Stellvertretende Generalsekretärin WHO. Mitglied von Juni 2007 - Dezember 2007
  • Hubert Weinzierl - Ehrenpräsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
  • Ranga Yogeshwar - Fernsehmoderator. Mitglied von Juni 2007 - August 2008
  • Angelika Zahrnt - Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
  • Jochen Zeitz - kooptiertes Mitglied des RNE; Verwaltungsratsvorsitzender von Puma SE; CEO der Sport- und Lifestyle-Gruppe und Chief Sustainability Officer von PPR

Organisation[Bearbeiten]

Die Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt den RNE inhaltlich und organisatorisch. Sie besteht aus einem Generalsekretär, einer Sekretärin, einer Medienreferentin und mehreren wissenschaftlichen Referentinnen und Referenten. Der Generalsekretär hält direkten Kontakt zur Bundesregierung, insbesondere zum Staatssekretärausschuss für Nachhaltige Entwicklung, zu den Ministerien und Behörden, zum Parlament, zur Wirtschaft, Wissenschaft und gesellschaftlichen Gruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Rahmen der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro (1992) beschlossen damals 178 Staaten die Agenda 21, ein Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung für das 21. Jahrhundert. Als Reaktion auf nationaler Ebene ruf die damalige Bundesregierung damals den RNE ins Leben und ernannte erstmals seine Mitglieder im Februar 2001. Am 4. April 2001 wurde unter Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin der Rat offiziell eingesetzt,[4] um die Regierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zu beraten. Diese veröffentlichte die Bundesregierung ein Jahr später in 2002. Als zentrales Steuerungsgremium gilt der Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung. Zusätzlich dazu begleitet der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung (PBNE) die deutsche sowie europäische Nachhaltigkeitsstrategie parlamentarisch und durch Empfehlungen. Der PBNE besteht aus 22 Mitgliedern und konstituierte sich am 21. Januar 2010, nachdem der Bundestag am 17. Dezember 2009 seine Einsetzung beschlossen hatte (17/245).

Nach einer Auftaktveranstaltung am 28. September 2001 werden regelmäßig Jahreskonferenzen abgehalten. [5] Besuchten 2002 noch rund 600 Teilnehmer die Veranstaltung hat sich die Anzahl mittlerweile weitaus mehr als verdoppelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rat für Nachhaltige Entwicklung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handlungsfelder des Reat für Nachhaltige Entwicklung im Lexikon der Nachhaltigkeit
  2. http://www.nachhaltigkeitsrat.de/projekte/eigene-projekte/nachhaltige-stadt/?blstr=0
  3. Pressemitteilung der Bundesregierung vom 26. Juni 2013
  4. Manager-Magazin.de vom 12. Dezember 2001: Die Ereignisse im April, abgefragt am 2. Juni 2011
  5. [1], abgefragt am 12. Mai 2013