Ratenkredit

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Der Ratenkredit ist ein Darlehen über einen bestimmten Geldbetrag, der in gleichbleibenden monatlichen Beträgen (Raten) zu einem zuvor festgelegten Zinssatz in einer vorher festgelegten Anzahl von Monatsraten zurückgezahlt wird. Die Monatsraten enthalten die Kredittilgung, die Zinsen und ggf. die Gebühren des Kreditinstitutes. Ratenkredite werden in der Regel für Darlehensbeträge von 1.000 bis 75.000 Euro vergeben und können unterschiedliche Laufzeit haben.

Begriff[Bearbeiten]

Ratenkredite werden auch als Konsumentenkredit oder als Anschaffungsdarlehen bezeichnet. Ratenkredite werden von Kreditinstituten unter verschiedenen werblichen Namen wie beispielsweise Autokredit oder Kleinkredit (Ratenkredit für Beträge zwischen etwa € 500,-- und € 50.000,--) angeboten. In Österreich werden auch die Bezeichnungen Schalterkredit und Abstattungskredit verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Ratenkredite werden in Deutschland seit den 1950er Jahren angeboten. Zunächst war der Ratenkredit Hauptgeschäft der Teilzahlungsbanken, heute wird er allgemein von Geschäftsbanken angeboten. Insbesondere für die Autobanken stellt der Ratenkredit das wichtigste Produkt dar.

Für Ratenkredite an Privatpersonen galt in Deutschland bis zum Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes 2002 das Verbraucherkreditgesetz.

Konsumenten- und Ratenkreditmarkt in Deutschland
Jahr Konsumentenkredite davon Ratenkredite Anteil der Ratenkredite
2009 228 Mrd. Euro 140,3 Mrd. Euro 61,5 %
2008 224 Mrd. Euro 132,1 Mrd. Euro 59,0 %
2007 224 Mrd. Euro 129,3 Mrd. Euro 57,7 %
2006 228 Mrd. Euro 130,6 Mrd. Euro 57,3 %
2005 234 Mrd. Euro 130,1 Mrd. Euro 55,6 %
2004 237 Mrd. Euro 129,2 Mrd. Euro 54,5 %

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bankenfachverband

Abwicklung[Bearbeiten]

Ratenkredite sind meistens standardisierte Bankprodukte für Privatkunden. Ratenkredite zählen zu den gebräuchlichsten Kreditarten, bewegen sich in einer Höhe von rund 1.000 bis 75.000 Euro und haben eine Laufzeit von maximal 84, manchmal auch 120 Monaten.

Sie werden meist als Blankodarlehen, d. h. ohne die Stellung von Sicherheiten herausgelegt. Lediglich eine Lohn- und Gehaltsabtretung ist typischerweise als Sicherheit im Vertrag vereinbart. Sofern die Bonität des Kreditnehmers nicht ausreicht, kann eine Bürgschaft zusätzlich von der Bank gefordert werden. Bei der Finanzierung von Kraftfahrzeugen ist es üblich, eine Sicherungsübereignung des Autos vorzunehmen. Einige Kreditinstitute verzichten jedoch mittlerweile – im Sinne einer standardisierten und effektiven Bearbeitung – auch bei derartigen Finanzierungen auf die Sicherungsübereignung der Kraftfahrzeuge.

Die Rückzahlung erfolgt in der Regel in gleichen Monatsraten. Diese Monatsraten enthalten die Kredittilgung, die Zinsen und ggf. die Gebühren des Kreditinstitutes. Die Zinsen eines Ratenkredites liegen höher als bei Baufinanzierungen, oftmals aber niedriger als bei Dispositionskrediten. Typischerweise werden einmalige Bearbeitungsgebühren von meist 2 bis 3,5 % der Kreditsumme gefordert.

Die Wirksamkeit einiger AGB-Klauseln zu Bearbeitungsgebühren für Privatkunden ist strittig. Nachdem Bearbeitungsgegebühren von mehreren Oberlandesgerichten für unwirksam erklärt wurden, sollte der BGH über die Revision eines Kreditinstituts gegen ein Urteil des OLG Dresden letztinstanzlich entscheiden.[1]. Die Revision wurde jedoch zurückgenommen, da das Kreditinstitut eine höchstrichterliche Entscheidung scheute.[2]

Oftmals wird mit dem Ratenkreditvertrag eine Restschuldversicherung abgeschlossen, die weitere Kosten verursacht.

Überwiegend werden die Zinssätze heute als bonitätsabhängiger Zinssatz individuell festgelegt. Einige Direktbanken bieten Ratenkredite günstiger als Filialbanken an. Inzwischen ist das Kreditvergabeverfahren auch bei vielen Filialbanken soweit standardisiert und vereinfacht, so dass sich ein Vergleich der Konditionen zur Direktbank lohnen kann. Im Kreditvertrag muss der Effektivzins angegeben werden, um eine leichtere Vergleichbarkeit der Kreditkosten der verschiedenen Kreditgeber sicherzustellen.

Ratenkredite werden typischerweise an die Schufa gemeldet.

Viele Händler, Versicherungsvertreter sowie freie Vermittler bieten als Kreditvermittler Ratenkredite von Banken an.

Kündigung[Bearbeiten]

Kündigung durch den Darlehensnehmer[Bearbeiten]

Der Darlehensnehmer kann den Kredit 6 Monate nach Auszahlung mit Frist von 3 Monaten kündigen. Eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt dann nicht an. Jedoch ist die Bank nicht verpflichtet, die Bearbeitungsgebühr zurückzuzahlen und darf eine angemessene Gebühr für die Bearbeitung der Kündigung berechnen.

Für Darlehen, die ab dem 11. Juni 2010 abgeschlossen werden oder wurden, gilt eine neue EU-Richtlinie: Kreditnehmer können künftig jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist vom Darlehensvertrag zurücktreten. Banken dürfen allerdings eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, wenn der Kreditnehmer frühzeitig aus seinem Vertrag aussteigt. Die Höhe der Entschädigung ist vom Gesetzgeber genau festgelegt worden: bei Krediten mit mehr als 12 Monaten Restlaufzeit darf sie maximal 1,0 Prozent betragen; bei Krediten mit weniger als 12 Monaten Restlaufzeit sind nicht mehr als 0,5 Prozent des Restsaldos möglich.

Kündigung durch die Bank[Bearbeiten]

Die Bank darf nur kündigen wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • der Darlehensnehmer muss mit mindestens zwei aufeinander folgenden Raten ganz oder teilweise in Verzug sein und
  • es müssen Ratenrückstände von mindestens 10 Prozent (bei Laufzeit des Ratenkredits unter drei Jahren) bzw. 5 Prozent (bei Laufzeit des Ratenkredits über drei Jahren) des Nennbetrags des Darlehens bestehen und
  • die Bank muss in der dritten Mahnung die Kreditkündigung, unter Einhaltung einer zweiwöchigen Frist und mit Verweis auf die Folgen, androhen.

Zinsen[Bearbeiten]

Bei einem Ratenkredit enthält eine monatliche Kreditrate den Zinsanteil für 30 Zinstage. Liegt zwischen der Kreditauszahlung und dem Termin für die erste Rate mehr als ein Monat, werden die anteiligen Zinsen ermittelt und kommen zur ersten Rate hinzu. Diese anteiligen Zinsen nennt man Anlaufzinsen.

Beispiel:

Ein typischer Ratenkredit für Verbraucher mit Warenwert von 127,00 € und Raten über 24 Monate zu je 7,00 €. Der Zinssatz beträgt 28,45 %. Die Rate teilt sich in Tilgung und Zins auf. Die Tilgung vermindert die Restschuld, so dass im folgenden Monat weniger Zins berechnet wird und mehr getilgt wird. Der Zinssatz und die Rate bleiben über die gesamte Laufzeit gleich. Sondertilgungen gibt es ebenfalls nicht.

Monat Restschuld Tilgung Zins Zinssatz monatliche Rate
(Zins + Tilgung)
1 127,00 € 3,99 € 3,01 € 28,45 % 7,00 €
2 123,01 € 4,08 € 2,92 € 28,45 % 7,00 €
3 118,93 € 4,18 € 2,82 € 28,45 % 7,00 €
4 114,75 € 4,28 € 2,72 € 28,45 % 7,00 €
5 110,47 € 4,38 € 2,62 € 28,45 % 7,00 €
6 106,09 € 4,48 € 2,52 € 28,45 % 7,00 €
7 101,60 € 4,59 € 2,41 € 28,45 % 7,00 €
8 97,01 € 4,70 € 2,30 € 28,45 % 7,00 €
9 92,31 € 4,81 € 2,19 € 28,45 % 7,00 €
10 87,50 € 4,93 € 2,07 € 28,45 % 7,00 €
11 82,57 € 5,04 € 1,96 € 28,45 % 7,00 €
12 77,53 € 5,16 € 1,84 € 28,45 % 7,00 €
13 72,37 € 5,28 € 1,72 € 28,45 % 7,00 €
14 67,08 € 5,41 € 1,59 € 28,45 % 7,00 €
15 61,68 € 5,54 € 1,46 € 28,45 % 7,00 €
16 56,14 € 5,67 € 1,33 € 28,45 % 7,00 €
17 50,47 € 5,80 € 1,20 € 28,45 % 7,00 €
18 44,66 € 5,94 € 1,06 € 28,45 % 7,00 €
19 38,72 € 6,08 € 0,92 € 28,45 % 7,00 €
20 32,64 € 6,23 € 0,77 € 28,45 % 7,00 €
21 26,42 € 6,37 € 0,63 € 28,45 % 7,00 €
22 20,04 € 6,52 € 0,48 € 28,45 % 7,00 €
23 13,52 € 6,68 € 0,32 € 28,45 % 7,00 €
24 6,84 € 6,84 € 0,16 € 28,45 % 7,00 €
0,00 €
Summen 127,00 € 41,00 € 168,00 €

Zu beachten ist hier, dass aufgrund der Finanzierung eines verhältnismäßig geringen Betrags verteilt auf viele Raten ein hoher Zinssatz verrechnet wurde (28,45 %), was zu einem Gesamtrückzahlbetrag von 168,00 € bei einem Darlehenswert von 127,00 € führte, d.h., durch die Finanzierung werden 32 % mehr bezahlt als bei einem Direktkauf.

Umschuldung[Bearbeiten]

Wird ein Ratenkredit durch einen neuen Ratenkredit umgeschuldet, so spricht man von einem Kettenkreditvertrag.

Rechtliches[Bearbeiten]

Ratenkredite sind in Deutschland in § 488 BGB geregelt. Ratenkredite an Privatpersonen gelten in Deutschland als Verbraucherdarlehen. Der Kunde hat hierdurch u. a. ein Widerrufsrecht. Binnen 14 Tagen kann er dem Kreditvertrag widersprechen (muss dann aber den Kreditbetrag sofort zurückzahlen). Weiterhin sind Formvorschriften (Schriftform, Angabe des Effektivzinses u. a.) vorgeschrieben. Detaillierte Regelungen zur Kündigung von Ratenkrediten sind in § 489 BGB geregelt, detaillierte Regelungen zum Widerspruch in § 495 BGB.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ratenkredit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handelsblatt vom 6. Mai 2011
  2. Kreditbearbeitungsgebühren: Banken in der Schuld, Meldung von test.de vom 21. September 2012.
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