Rathausstraße (Wien)

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Straßentafel Rathausstraße
Die Rathausstraße bei der Doblhoffgasse Richtung Norden
Rathausstraße 1 (1976–80), Amtshaus von Harry Glück
Rathausstraße 4 (1886/87) von Ladislaus Boguslawski
Rathausstraße 4 (1886/87) von Ladislaus Boguslawski, Einfahrt
Rathausstraße 15–17 (1881) von Wilhelm Stiassny
Rathausstraße 19 (1881/82) von Ludwig Richter
Rathausstraße 20 (1885/86) von Ladislaus Boguslawski
Rathausstraße 21 (1880/81) von Anton Adametz
Rathausstraße 21, Brunnenfigur im Haus

Die Rathausstraße befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Sie wurde nach dem Wiener Rathaus benannt, an dessen Rückseite sie verläuft.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Rathausstraße befindet sich inmitten des sogenannten Rathausviertels, das von Schmerlingplatz, Landesgerichtsstraße, Universitätsstraße und Ringstraße begrenzt wird und an Stelle eines ehemaligen Exerzier- und Paradeplatzes ab 1870 angelegt wurde. In der Mitte des Viertels liegt das Wiener Rathaus. Während der Planungsphase trug zunächst die heutige Landesgerichtsstraße den Namen Rathausstraße (von 1872 bis 1876). Nachdem man 1873 mit dem Bau des Neuen Rathauses begonnen hatte, nannte man die parallel zur Landesgerichtsstraße verlaufende und unmittelbar die Rückseite des Rathauses tangierende Straße Rathausstraße. Seit 1907 wird sie durch den Friedrich-Schmidt-Platz unterbrochen, der zwischen Rathaus und Landesgerichtsstraße liegt.

Verlauf und Charakteristik[Bearbeiten]

Die Rathausstraße beginnt bei der Doblhoffgasse im Süden und verläuft parallel zur Ringstraße bis zur Universitätsstraße im Norden. Unterbrochen wird sie durch den Friedrich-Schmidt-Platz beim Rathaus. Die Straße besitzt, wie das gesamte Rathausviertel, einen einheitlichen Charakter, der auf die Gesamtplanung des Gebietes durch Franz von Neumann zurückzuführen ist, obwohl die einzelnen Gebäude von verschiedenen Architekten geplant wurden. Die Gebäude sind durchwegs im historistischen Stil in den 1880er Jahren entstanden. Zurückgehend auf Kriegsschäden im Zweiten Weltkrieg gibt es lediglich am Beginn und am Ende der Straße Ausnahmen in Gestalt von Neubauten, die das Ensemble stören.

Die Rathausstraße wird als Einbahnstraße geführt und ist am Beginn zwischen Doblhoffgasse und Stadiongasse als Fußgängerzone für den Verkehr gesperrt. Es gibt keinerlei öffentlichen Verkehr auf diesem Straßenabschnitt. In der ruhigen Straße befinden sich hauptsächlich repräsentative Amtsgebäude der Stadt Wien, von der Universität Wien genutzte Bauten, Kanzleien und auch Wohnungen, hingegen fast keine Geschäftslokale.

Bemerkenswerte Gebäude[Bearbeiten]

Nummer 1 Amtshaus[Bearbeiten]

Dieses Gebäude aus den Jahren 1976–80 bildet den auffälligsten Fremdkörper im historistischen Ensemble der Rathausstraße. Es wurde von den Architekten Harry Glück, Werner Höfer und Tadeusz Spychała geplant. Das Amtshaus der Stadt Wien nimmt den gesamten Häuserblock zwischen Rathausstraße, Doblhoffgasse, Auerspergstraße und Stadiongasse ein. Es handelt sich um einen Stahlbetonbau, der mit rosa Granit verkleidet ist und ringsum eine getönte Glasfassade besitzt. Bis 2013 beherbergte das Gebäude das Rechenzentrum der Stadt Wien. Es soll Anfang 2015 abgerissen und bis Mitte 2017 durch einen Neubau ersetzt werden. Der ursprüngliche Entwurf für den Neubau musste angepasst werden, nachdem sich Anrainer um die Sichtachse von der Josefstädter Straße zum Stephansdom sorgten.[1][2]

Nummer 2[Bearbeiten]

Das Eckhaus gegenüber wurde 1887/88 von Ludwig Zatzka geplant. Es ist späthistoristisch und in Formen der Neorenaissance erbaut. Das klar und einfach gegliederte Haus weist lediglich einen Eckrisalit mit Riesenpilastern auf, sowie an den Gesimskonsolen Fratzenköpfe.

Nummer 3[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1880 von Otto Wagner erbaut und liegt an der Stadiongasse 10.

Nummer 4[Bearbeiten]

Nur knapp vor Nummer 2 entstand 1886/87 dieses strenghistoristische Gebäude nach Plänen von Ladislaus Boguslawski. Seine Formen entsprechen der Neu-Wiener Renaissance. Es besitzt einen Eckrisalit und ein bemerkenswertes Portal, das durch Pilaster gerahmt ist und Karyatidhermen auf Konsolen. Die Einfahrt ist durch Pilaster gegliedert und besitzt eine Pendentifkuppel zwischen Tonnengewölben, die durch Groteskenmalerei geschmückt ist. Die Hofeinfahrt ziert ein polychrom bemaltes Lünettenfenster und Ätzglasverzierungen.

Nummer 5[Bearbeiten]

Dieses Haus wurde 1882/83 von Hermann Krackowizer erbaut und liegt an der Landesgerichtsstraße 6.

Nummer 7[Bearbeiten]

Dieses Haus wurde 1882 von Dionys Milch und Heinrich Hellin erbaut und liegt am Friedrich-Schmidt-Platz 2.

Nummer 8[Bearbeiten]

Nummer 8 ist ein strenghistoristisches Durchhaus, das 1880–83 von Johann Schieder erbaut wurde. Auch hier finden wir bereits Formen der Neu-Wiener Renaissance mit additiven Ädikulafenstern und einem Balkon auf Konsolen über einem mächtigen Säulenportal.

Nummer 9 Ehemaliges Obentraut-Palais[Bearbeiten]

Dieses Gebäude wurde 1882/83 von Ladislaus Boguslawski erbaut und liegt am Friedrich-Schmidt-Platz 8–9.

Nummer 11[Bearbeiten]

Dieses Gebäude, 1882/83 von Ladislaus Boguslawski errichtet, besticht vor allem durch sein hohes Ädikulaportal, das eine Oberlichte und einen gesprengten Giebelaufsatz mit Kartusche besitzt. Die Einfahrt ist pilastergegliedert. In ihr finden sich Kuppel- und Tonnengewölbe, die Seiten sind durch Büsten und Reliefmedaillons geschmückt, der Stiegenaufgang ist stuckiert.

Nummer 12 Rathaus[Bearbeiten]

Hier liegt die Rückseite des 1872–83 von Friedrich von Schmidt erbauten Wiener Rathauses.

Nummer 13[Bearbeiten]

Das Eckhaus zur Grillparzerstraße wurde 1881/82 von Wilhelm Stiassny errichtet. Der strenghistoristische Stil ist heute nur mehr bis zum 1. Stock erkennbar, darüber wurde das Haus nach dem Krieg abfassadiert. Noch erhalten ist das Halbsäulenportal und die stuckierte Einfahrt mit Pilastergliederung. Darin befinden sich Ädikulen mit Büsten, Puttenmedaillons, ein kassettiertes Tonnengewölbe mit Rosetten und eine Pendentifkuppel. Eine Gedenktafel erinnert an den Arzt Constantin von Economo.

Nummer 14–16 Städtisches Amtshaus[Bearbeiten]

Dieses Gebäude wurde 1913–18 von August Kirstein erbaut und liegt an der Felderstraße 6–8.

Nummer 15–17 Ehemaliges Haus Königswarter[Bearbeiten]

Das repräsentativste Gebäude in der Rathausstraße ist das 1881 von Wilhelm Stiassny erbaute palaisartige Doppelhaus für den Bankier Freiherrn Moritz von Königswarter. Es nimmt die gesamte Länge des Häuserblocks in der Rathausstraße ein und ist somit nach 3 Seiten freistehend. Wie die meisten Gebäude hier wurde es in Formen der Neu-Wiener Renaissance errichtet. Es finden sich dreigeschossige Erker auf Hermen und toskanische Säulenportale mit Spandrillenfiguren. Die Foyers sind stuckiert sowie pilaster- und arkadengegliedert und zeigen ebenfalls Spandrillenfiguren. Auf Nummer 17 ist heute ein Hotel untergebracht.

Nummer 19[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1881/82 von Ludwig Richter erbaut und liegt an der Liebiggasse 8.

Nummer 20[Bearbeiten]

Das Eckhaus zur Grillparzerstraße wurde 1885/86 von Ladislaus Boguslawski im Stil der Neu-Wiener Renaissance errichtet. Es besitzt seichte Seitenrisalite und eine hohe gebänderte Sockelzone. Das toskanische Halbsäulenportal ist ebenfalls gebändert, das Foyer dahinter stuckiert, pilaster- und arkadengegliedert mit Ädikulen.

Nummer 21[Bearbeiten]

Das Eckhaus zur Universitätsstraße stammt von Anton Adametz und wurde 1880/81 als eines der ersten Häuser der Rathausstraße errichtet. Wie auch die späteren Gebäude ist es im Stil der Neu-Wiener Renaissance gestaltet. Es besitzt einen Eckrisalit und ein ionisches Säulenportal mit Spandrillenfiguren. Im Hof befindet sich ein Brunnen mit einer Ädikulanische und der Figur eines Mädchens mit Amphore. Die Einfahrt ist pilastergegliedert, die Ädikulanischen sind mit Stuckmarmor verkleidet, das Vestibül weist ionische Stuckmarmorsäulen auf. Am Haus ist eine Gedenktafel für die Orthopäden Adolf Lorenz und Albert Lorenz angebracht, im Haus befindet sich ein Gedenkraum.

Nummer 22[Bearbeiten]

Das Gebäude liegt an der Liebiggasse 5, stammt von Emanuel Trojan von Bylanow (1882/83) und beherbergte ehemals das Ackerbauministerium, heute die Fakultät für Psychologie der Universität Wien.

Eine Nummer 23 wurde nicht vergeben.

Nummer 24[Bearbeiten]

Gegenüber der Rathausstraße befand sich von den 1870er-Jahren bis Ende der 1950er-Jahre das Korpskommandogebäude Wien, seit Beginn der 1960er-Jahre das Neue Institutsgebäude der Universität Wien (NIG), erbaut 1960–62 von Adolf Dreier und Otto Nobis an der Universitätsstraße 7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt. Verlag Berger: Horn, 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rathausstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung.at vom 11. Dezember 2013, eingesehen 11. Februar 2014
  2. derStandard.at - Abriss von Harry Glücks "Glaspalast" Anfang 2015. Artikel vom 25. November 2014, abgerufen am 26. November 2014.

48.20969444444416.356055555556Koordinaten: 48° 12′ 35″ N, 16° 21′ 22″ O