Rattennest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Rattennest
Originaltitel Kiss Me Deadly
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1955
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Robert Aldrich
Drehbuch A. I. Bezzerides
Produktion Robert Aldrich
Victor Saville
Musik Frank De Vol
Kamera Ernest Laszlo
Schnitt Michael Luciano
Besetzung

Rattennest (Originaltitel: Kiss Me Deadly) ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir des Regisseurs Robert Aldrich aus dem Jahr 1955. Der Film basiert auf Mickey Spillanes Roman Rhapsodie in Blei.

Handlung[Bearbeiten]

Der Privatdetektiv Mike Hammer wird mitten in der Nacht von einer jungen Frau namens Christina angehalten, die sich anscheinend auf der Flucht befindet. Er nimmt sie in seinem Auto mit. An einer Tankstelle gibt Christina dem Tankwart einen Brief, mit der Anweisung, diesen abzuschicken.

Als die beiden weiterfahren, werden sie von einem anderen Auto von der Straße abgedrängt und verschleppt. Christina wird brutal gefoltert. Das einzige, was Mike von ihrem Peiniger erkennen kann, bevor er bewusstlos wird, sind blaue Wildlederschuhe. Als Christina nicht zur Herausgabe ihres Geheimnisses bewegt werden kann, werden sie und Hammer in dessen Auto gesetzt und einen Hang hinuntergerollt. Christina stirbt, doch Hammer überlebt den Unfall und wacht in einem Krankenhaus auf. Er beschließt, die Hintergründe des Mordes aufzuklären und zu erfahren, was Christina wusste. Sein Freund, der Polizist Pat rät ihm davon ab, sich in die Sache einzumischen.

Mike geht zu Christinas ehemaliger Mitbewohnerin Lili Carver. Diese erzählt ihm, Christina habe vor irgendetwas Angst gehabt und sei eines Tages von der Polizei abgeholt worden.

Am nächsten Tag berichtet Mikes Freundin und Assistentin Velda von einem Gespräch zwischen Ray Diker, einem Bekannten Christinas, und einem Kunsthändler. Die beiden unterhielten sich über einen gewissen Dr. Soberin. Bei einem Treffen mit dem Kunsthändler will Velda Näheres über diese Person herausfinden.

Als Mike erfährt, dass Velda bei der Verabredung geschnappt wurde, aber noch am Leben sei, fährt er zu der Tankstelle und fragt den Tankwart nach dem Brief, den dieser von Christina erhalten hatte. Zu seinem Erstaunen erfährt er, dass er an ihn adressiert war. Er fährt nach Hause und findet den Brief in seiner Post. Die Nachricht lautet: "Vergiss mich nicht". Zwei Gangster, die ihm in seiner Wohnung aufgelauert hatten, überwältigen Mike und bringen ihn in ein Strandhaus, in dem er an ein Bett gebunden wird. Der Mann mit den blauen Schuhen verabreicht ihm eine Injektion eines Wahrheitsserums, welches ihn dazu bringen soll, die Wahrheit zu sagen und sein Geheimnis preiszugeben. Mike gelingt es, sich von seinen Fesseln zu befreien und aus dem Fenster zu fliehen.

Wieder zuhause versucht er, hinter die Bedeutung der Worte „Vergiss mich nicht“ zu kommen. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um den Titel eines Gedichts von Christina Rossetti handelt, in dem es heißt: Selbst Todesdunkelheit und bitt'rer Schmerz lässt dir eine Spur von dem, was wir einst dachten. Mike schließt daraus, dass Christina kurz vor ihrem Tod noch etwas verstecken konnte. Im Leichenschauhaus bekommt er, nachdem er den Arzt ohne Erfolg besticht und anschließend die Hand bricht, einen Schlüssel ausgehändigt, den sie verschluckt hatte. Im dazugehörigen Schließfach befindet sich ein kleiner Koffer. Als Mike ihn öffnen will, wird er von einem grellen Licht geblendet. Bei seiner Rückkehr wird Mike von der Polizei erwartet, die den Schlüssel von ihm verlangt. Von seinem Freund Pat erfährt er außerdem, dass die echte Lili Carver bereits seit einer Woche tot sei und dass es sich bei dem Kofferinhalt um atomares Material handele, das im Rahmen des Manhattan-Projekts gestohlen worden sei.

Mike ruft in Dr. Soberins Praxis an. Ihm wird mitgeteilt, dass sich der Doktor in seinem Strandhaus aufhalte. Mike nimmt an, dass es sich dabei um dasselbe Haus handelt, in dem er zuvor festgehalten wurde und fährt dorthin. Dr. Soberin, der sich als der Mann mit den blauen Schuhen entpuppt, befindet sich dort mit seiner Assistentin Gabrielle, die sich zuvor als Lili Carver ausgegeben hatte. Gabrielle weiß nicht, was in dem geheimnisvollen Koffer ist, beansprucht aber den Inhalt für sich. Sie erschießt Dr. Soberin, der sie noch im Sterben ausdrücklich davor warnt, die Kiste zu öffnen.

Mike trifft ein und wird von Gabrielle angeschossen. Sie öffnet den Koffer und geht aufgrund der gewaltigen Strahlung in Flammen auf. Mike begibt sich auf die Suche nach Velda, die im Haus gefangen gehalten wird. Er findet sie und sie fliehen gemeinsam ins Freie. Als sie das Meer erreichen, explodiert das Strandhaus.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Hintergrund[Bearbeiten]

Rattennest basiert auf Mickey Spillanes Roman Kiss Me, Deadly (deutsch: Rhapsodie in Blei) von 1952. Robert Aldrich sagte 1974 in einem Interview, er habe „den Titel genommen und das Buch weggeworfen“.

Die Dreharbeiten begannen am 21. November 1954 und dauerten nur drei Wochen. Die Produktionskosten des B-Movies beliefen sich auf 410.000 US-Dollar. In seinem Vertrag hatte sich Aldrich die vollständige künstlerische Kontrolle über das Projekt zusichern lassen. Die Schauspielerin Cloris Leachman gab in Rattennest ihr Leinwanddebüt. Die berühmte Schlussszene wurde am Strand von Malibu gedreht.

Der Film feierte seine Premiere am 18. Mai 1955 in Los Angeles und spielte weltweit über 900.000 US-Dollar ein, davon 726.000 US-Dollar in den Vereinigten Staaten. Rattennest stieß wegen seines brutalen Inhalts teilweise auf heftige Kritik. In Deutschland und Großbritannien war er lange Zeit nur in einer gekürzten Fassung zu sehen. In den Vereinigten Staaten bezeichnete die staatliche Kefauver-Kommission den Film 1955 als die größte Bedrohung für die amerikanische Jugend.

Rattennest gilt mittlerweile als ein Klassiker des Film noir, der alle wichtigen Elemente dieser Stilrichtung vereint. Mike Hammer ist der kompromisslose, brutale Antiheld, der durch Zufall in eine verhängnisvolle Lage gerät. Christina übernimmt die Rolle der verführerischen Femme fatale. Die düstere und pessimistische Atmosphäre des Films spiegelt die Paranoia und die Angst vor einem Atomschlag während des Kalten Krieges wider.

Der Drehbuchautor A. I. Bezzerides stand während der McCarthy-Ära auf der Schwarzen Liste des House of Un-American Activities Committee, Robert Aldrich wurde ebenfalls als Kommunisten-Sympathisant verdächtigt. Daher wird der Film häufig auch als ein Kommentar zur damaligen innenpolitischen Situation der Vereinigten Staaten wahrgenommen. In einem Gespräch mit François Truffaut bezeichnete Aldrich die Hauptfigur Mike Hammer als einen zynischen Faschisten mit einer antidemokratischen Gesinnung, den er persönlich verabscheue.

Rattennest gilt darüber hinaus als ein visuelles Meisterwerk, das vor allem durch Ernest Laszlos ungewöhnliche Kameraführung besticht.

1999 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen. Das Motiv des geheimnisvollen Koffers, dessen leuchtenden Inhalt der Zuschauer nie zu Gesicht bekommt, wurde später unter anderem in den Filmen Repoman, Ronin und Pulp Fiction erneut aufgegriffen (siehe auch MacGuffin).

Verschiedene Versionen[Bearbeiten]

Als Rattennest 1955 in die amerikanischen Kinos kam, endete er mit der Explosion des Strandhauses, bei der Mike Hammer und Velda anscheinend ums Leben kommen.

Im Drehbuch war jedoch ein anderes Ende vorgesehen. Die beiden Protagonisten sollten überleben und sich mühsam ins Meer retten. Ein kurzer Ausschnitt dieser Szene war zwar im offiziellen Trailer zu sehen, im fertigen Film jedoch nicht mehr enthalten.

Der Grund für diese Änderung ist nicht bekannt. In weiten Teilen Europas lief der Film in der ungekürzten Fassung.

Das fehlende Filmmaterial, das lange Zeit als verschollen galt, befand sich in Robert Aldrichs Nachlass und wurde nach seinem Tod der Directors Guild of America gestiftet. Die 1997 erschienene DVD enthält das Ende in seiner vollen Länge.

Kritik[Bearbeiten]

  • Ulrich Behrens in der filmzentrale: Die Schlussszene leuchtet uns an, blendet geradezu, brennt uns den Sand aus den Augen, lässt uns wieder sehen, wo wir sind und warum wir im Kino sind. Wie eine Bombe schlägt sie ein und um sich. Und wie Hammer selbst verdutzt ins Pseudo-Inferno schaut, blicken wir ebenso verdutzt auf einen Film, der uns zeigen will, ganz unverblümt und ganz unprätentiös, warum wir Kino brauchen.
  • Die französische Filmzeitschrift Les Cahiers du cinéma bezeichnete Rattennest als den Kriminalfilm von morgen, ungezügelt und losgelöst von seinen eigenen Wurzeln. und nannte Robert Aldrich den ersten Regisseur des atomaren Zeitalters.
  • Der Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader betrachtete den Film als das Meisterwerk des Film noir, für den Kritiker Steven Scheuer stellte er die Apotheose dieser Stilrichtung dar.
  • Raymond Durgnat in SEXUS EROS KINO: In der Tat ist KISS ME DEADLY die größte Kriminal-Phantasie seit Fritz Langs "Testament des Dr. Mabuse". Die Mechanik der Dramaturgie ist ein wenig barock, die Stimmung wenig realistisch. Die Atmosphäre ist steif, frostig. Die Charaktere sind entmenschlicht; sie haben die ominöse Gelassenheit von Schizophrenen ... Die Komposition der Einstellungen entspricht dem Charakter des Helden: sie ist kühn, frigide, ewig rätselhaft. Jedes Bild ist auf Tiefe und Volumen hin konzipiert, zitiert nach Hahn/Jansen, Lexikon des Science Fiction Films

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1999 wurde Rattennest von der Library of Congress in das National Film Registry aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films. 720 Filme von 1902 bis 1983, München (Heyne) 1983, S. 416.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]