Rauchwaren

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Tierfellen für Pelzzwecke; zu Raucherwaren siehe Tabak; geräucherte Lebensmittel heißen Räucherware, siehe Räuchern.
Leipziger Rauchwarenhandlung um 1900
Anzeige eines Rauchwarenhändlers (1922)

Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete gegerbte, noch nicht zu Pelz verarbeitete Tierfelle. Der Begriff wird insbesondere im Pelzhandel selbst benutzt; die Singularform „Rauchware“ ist wenig gebräuchlich.

Die Bezeichnung leitet sich von dem Adjektiv „rauch, rauh/rau“ ab, das so viel wie „behaart, zottig“ bedeutet. Der Begriff ist in dieser Bedeutung ab dem 16. Jahrhundert nachweisbar, z. B. im Märchen Allerleirauh. In der eigentlichen, damaligen Bedeutung ist Allerleirauh ein aus verschiedenenartigen Fellarten zusammengesetztes Pelzteil, das für Innenfutter und nach außen als Verbrämung genutzt wurde.[1]

In älteren Zeiten unterschied man noch nicht streng zwischen Rauchwaren und den Pelzwaren. Erst später versuchte man, diese beiden Begriffe voneinander zu trennen.[2]

Ein Fell mit dichtem, nicht straff anliegendem Haar wird im Handel als „rauch“ bezeichnet. Die Kürschnerfachsprache kennt daneben Gütebezeichnungen wie überrauch, vollrauch, halbrauch, wenig rauch (etwas flach) und nichtrauch (flach). Diese durchaus weiter nuancierbaren Abstufungen bezeichnen „den Zustand des Haarwuchses beim Entpelzen im Verhältnis zum Zustand der Vollreife innerhalb ein und derselben Art“.[3] Der Überbegriff für die Beschreibung des Haarzustandes ist „Rauche“.

Rauchwaren sind Gegenstand eines weltweiten Handels, Rauchwarenhandel oder im allgemeinen Sprachgebrauch auch Pelzhandel genannt.

Die Rauchwarenzurichtung, heute auch unter dem Sammelbegriff Rauchwarenveredlung, macht die Felle haltbar und für den Kürschner verarbeitungsfähig. Diese Verarbeitung ähnelt der Gerberei, nur dass im Unterschied zu dieser bei der Zurichtung die Haare des Tierfells erhalten bleiben. Die Rauchwaren stellen somit das Ausgangsmaterial für Pelzgegenstände dar. Diese werden ihrerseits gelegentlich noch mit dem Begriff „Rauchwerk“ bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Schier: Zur Geschichte des Wortes „Rauchware“ (Technologisches Pelzfach-Wörterbuch). CB-Verlag Carl Boldt, Berlin 1950, 11 S.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 68. Inhaltsverzeichnis. Sekundärquellen Konrad Bahr: Handel und Verkehr der Deutschen Hanse in Flandern während des 14. Jahrhunderts. Leipzig 1911, S. 139-143. J. Kulischer: Allgemeine Wirtschafts-Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. München, Berlin 1928/1929, 2 Bände. Russische Wirtschaftsgeschichte, Bd. I, S. 276
  2. Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16.-18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 2
  3. Ss: Entstehung und Bedeutung des Wortes Rauchware. In Das Pelzgewerbe, Jahrgang XX, Neue Folge, Nr. 3, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, 1970. S. 29-30