Rauher Kulm (Oberpfalz)

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Rauher Kulm
Der Rauhe Kulm

Der Rauhe Kulm

Höhe 682 m
Lage Oberpfalz, Bayern
Koordinaten 49° 49′ 44″ N, 11° 50′ 58″ O49.82888888888911.849444444444682Koordinaten: 49° 49′ 44″ N, 11° 50′ 58″ O
Karte von Rauher Kulm
Typ Kegelberg
Gestein Basalt

Der Rauhe Kulm ist ein markanter Berg bei Neustadt am Kulm in der Oberpfalz, 23 Kilometer südöstlich von Bayreuth und 5 Kilometer südlich von Kemnath.

Geologie[Bearbeiten]

Er ist ein Vulkan, der nie zum Ausbruch kam. Tiefe Risse in der Erdkruste, die im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen entstanden, ermöglichten seine Entstehung. Das dunkle Magma entstammt nicht der Erdkruste sondern kommt aus der oberen Zone des Erdmantels, aus etwa 50 Kilometer Tiefe. Auf dem Weg nach oben erstarrte das Magma, bevor es die Erdoberfläche erreichte. Nachdem die vor allem aus Keuper bestehenden umgebenden Gesteinsschichten wegerodiert waren, zerbrachen die freigelegten Basaltsäulen, was zu einem Trümmerfeld rund um den Gipfel führte. Das Alter des Rauhen Kulms beträgt etwa 21 Millionen Jahre. Die heutige Form des Rauhen Kulms entspricht der eines Stratovulkans. Der Berg ist 682 m hoch und bietet von seinem 25 Meter hohen Aussichtsturm einen eindrucksvollen Rundblick auf das Fichtelgebirge, die Fränkische Alb und die nördliche Oberpfalz.[1]

Der Berg ist einer der imposantesten Basaltberge Bayerns. Er hat eine geologische, naturschutzfachliche, historische und touristische Bedeutung. Am westlichen Fuß des Rauhen Kulms liegt Neustadt am Kulm. Dort befindet sich auch eine Felsformation namens Kleiner Kulm. In entgegengesetzter Richtung befindet sich der zweite Bruder, der Kühhübel. Der Rauhe Kulm ist seit 1949 als Naturdenkmal geschützt und Teil des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Basaltblockhalde sowie die historischen Felsenkeller rund um den Berg bieten Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Dies ist auf folgende Besonderheiten zurückzuführen: Liegt die Umgebungstemperatur im Sommer deutlich über derjenigen im Haldeninneren, tritt am Haldenfuß kalte Luft aus. Umgekehrt kommt es im Winter am Haldenkopf zum Austritt warmer Luft, wenn die Umgebungstemperatur unter derjenigen im Haldeninneren liegt. Diese besonderen mikroklimatischen Bedingungen ermöglichen die Existenz seltener Lebewesen am Rauhen Kulm. Zu den vorkommenden seltenen Pflanzenarten gehören der Tüpfelfarn, das Alpen-Widertonmoos, die Scharlachflechte und Nordischer Streifenfarn. Am Rauhen Kulm beheimatete, allgemein nur noch selten vorkommende und deshalb unter Naturschutz stehende Tierarten, sind beispielsweise gefährdete Fledermausgruppen wie das Braune Langohr und die Fransenfledermaus aber auch die Wolfspinne (Acantholycosa norvegica-sudetica) und die Alpenspitzmaus.[2]

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Auch in geschichtlicher Hinsicht ist der Rauhe Kulm interessant. Er ist der natürliche Mittelpunkt der Flednitz, der slawischen beziehungsweise naabwendischen Siedlungskammer.[3] Knapp unterhalb des Basaltfeldes ist der Kegel von einem Ringwall umgeben. Dieser ist nur noch in Resten erhalten, wesentliche Teile des Walls wurden durch den Basaltabbau im späten 19. Jahrhundert zerstört. Archäologische Grabungen in den Jahren 2004 bis 2007 ergaben, dass der Wall ursprünglich als Mauer aufgeschichtet war. Der Berg wurde bereits lange vor der Ansiedlung der Slawen, während der Keltenzeit, um 500 v. Chr. besiedelt. Eine Pfostenschlitzmauer könnte dieser Zeit angehören. Auch im frühen Mittelalter, als Slawen die Region um den Berg bewohnten, war die Höhe befestigt. Allerdings ist die Abfolge der Wälle und Mauern schwer zu ermitteln, da ab dem 8. Jahrhundert eine gewaltige Burganlage entstand, die auch Steine früherer Wälle mit einbezog. Während der Ungarneinfälle im 10. Jahrhundert wurde die Wallanlage offenbar verstärkt. Als besonders auffälliger Fund trat ein kleines Missionskreuz des frühen Mittelalters (8. bis 10. Jahrhundert) zutage, dass man durch ein Loch an einer Schnur befestigen konnte.

Später befand sich auf dem Berg eine Burg, die 1281 Burggraf Friedrich III. von Nürnberg einschließlich der dazugehörenden Orte von den Landgrafen von Leuchtenberg erwarb. Im so genannten Zweiten Markgrafenkrieg wurde sie nach längerer Belagerung von Truppen der Reichstadt Nürnberg zerstört. Genauere Informationen bietet der

Aussichtstürme[Bearbeiten]

Im Laufe der Geschichte des Rauhen Kulms wurden auf dem Gipfel des Berges verschiedene Aussichtstürme installiert. Bereits im Jahr 1807 schuf Nicolaus Apel einen hölzernen Aussichtsturm. Darin befand sich über einem Saal eine bewegliche vergoldete Sonne, weshalb der Turm auch Sonnentempel genannt wurde. Apels Turm existierte bis ins Jahr 1895. Noch im selben Jahr wurde die baufällig gewordene Konstruktion durch einen neuen Turm ersetzt. Dieser zweite Turm wurde 1937 durch einen dritten, 6 Meter höheren, Turm ersetzt. Aufgrund von Witterungseinflüssen musste diese Plattform bereits 1962 durch eine neue ersetzt werden: Fortan thronte eine 25 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Lärchenholzverkleidung über der Stadt Neustadt am Kulm.[4]

Am 30. Juni 1984 brannte dieser vierte Turm nach Brandstiftung innerhalb einer halben Stunde ab. Der Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden. In den folgenden Jahren wurde ein fünfter, bis heute existierender Turm errichtet. Die Gesamtmasse des Turms mit seinen 110 Stufen beträgt 85 Tonnen. Die Einweihung fand am 1. Juli 1987 unter Bürgermeister Karl Pühl statt, der eine der treibenden Kräfte in Bezug auf den Wiederaufbau war. Die Baukosten beliefen sich damals auf rund 850.000 Deutsche Mark.[4]

Eine detaillierte Darstellung bietet der

Dichtung zum Rauhen Kulm (Auswahl)[Bearbeiten]

An den Rauhen Kulm (An Fräulein Charlotte v. A.)

Alter Vulkanus! dass Du die flammende Werkstatt verlassen,
Wo Du Jahrtausende wohl, triebest Dein fürchterlich Werk,
Siehe - das danket mein Herz Dir hier in dem friedlichen Thale,
Welches nun Anmuth bewohnt. Aber Du schmiedetest noch;
Hätte Zithera nicht einst Dich unwiderstehlich, gebeten,
Ihr zu der Grazien Siz, diese Gefilde zu weih'n.

von Justus Friedrich Zehelein: in Vermischte Gedichte (1787)[5]

Wo auf den ergrauten Höhen

Wo auf den ergrauten Höhen
Grün bemooßt Ruinen stehen,
Wo die Geister tapf'rer Ahnen
Aus zerfallnen Burgen mahnen,
Schwebe nieder Freiheits-Schwinge
Säusle, rausche, rauschend bringe
Stärkung der gesuntnen Zeit,
Daß an Herz und Sinn erneut,
Zu verjüngtem Thaten-Leben
Sich der Enkel mög' erheben!

von Johann Nicolaus Apel: in Der rauhe Kulm und seine Umgebungen [...] (1811)[6]

Sonstiges[Bearbeiten]

In Erinnerung an seine Herkunft aus der nördlichen Oberpfalz formulierte der Historiker, Geograf, Theologe und Professor Georg Horn in seinem Werk Orbis Politicus im Jahr 1667 über den Rauhen Kulm: Im Mittelpunkt Deutschlands steht er, alle Berge weit und breit überragend, gewissermaßen ein Weltwunder und fährt in Bezug auf den Kleinen Kulm und den Rauhen Kulm fort, dass sie nur in Arabien, im Sinai und Horeb ihresgleichen finden.[7]

Der Rauhe Kulm wurde bei einer Umfrage der Heinz Sielmann Stiftung EUROPARC Deutschland e.V. zu Deutschlands schönstem Naturwunder des Jahres 2013 gewählt. Zur Auswahl standen 21 Naturdenkmale aus den Nationalen Naturlandschaften und anderen Regionen Deutschlands.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Strunz, H. 1975: Die Basalte der Oberpfalz und ihre Mineralien in: Der Aufschluß Sonderband 26 (Oberpfalz), S. 329-342, Heidelberg
  2. Homepage der Stadt Neustadt am Kulm
  3. Hans Losert: „Archäologische Untersuchungen am Rauhen Kulm in der Flednitz“ 2. Teil; 2007; online abrufbar unter: http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Ausgrab/Aus-R_Kulm-3.htm abgerufen am 25. September 2011
  4. a b Nordbayerischer Kurier vom 31. Juli 2008; online abrufbar unter: http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1273741/details_341.htm abgerufen am 25. September 2011
  5. Justus Friedrich Zehelein: Vermischte Gedichte, S. 70-71, Bayreuth 1787, ISBN 3598532539
  6. Apel, Johann Nicolaus: Der rauhe Kulm und seine Umgebungen nebst einer Geschichte und Topographie von Neustadt an den Kulmen im Mainkreise. Bayreuth 1811.
  7. Georgius Hornius:Georgi Horni orbie politious, imperiorum, regnorum, principatuum rerumpublicarum. 1668
  8. Heinz Sielmann Stiftung: Naturwunder des Jahres 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Keck, E.: Zwei neue Harmotomvorkommen aus dem Kemnather Vulkanfeld in der Oberpfalz. Aufschluss 61. S. 261-269. 2010.
  • Alfred Rittmann: Vulkane und ihre Tätigkeit. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 3-432-87793-5.
  • Dr. Hans Vollet und Kathrin Heckel: Die Ruinenzeichnungen des Plassenburgkartographen Johann Christoph Stierlein. 1987.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rauher Kulm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien