Raum (Philosophie)

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Der Raum (von mhd. rûm „das nicht Ausgefüllte“, „freier Platz“) ist eine grundlegende Komponente der Wirklichkeit. Raum definiert sich als Ausdehnung in Höhe, Länge und Breite. Philosophisch strittig ist, ob der Raum „an sich“, unabhängig von Wahrnehmung und Vorstellung, existiert oder lediglich eine Anschauungsform des wahrnehmenden Subjekts ist, ob also mathematischer Raum, physikalischer Raum und der Raum der Erfahrung zusammenfallen. Mathematisch wird der Raum in der Geometrie und in der Topologie behandelt.

Überblick[Bearbeiten]

Bis ins 5. Jh. v. Chr. herrschten ausschließlich mythische Raumvorstellungen vor. Spätestens seit der griechischen Antike beruht die Raumvorstellung auf der Geometrie, die durch Euklid (ab ca. 550 v. Chr.) formalisiert wurde. Dabei stellte sich die Frage nach der Unendlichkeit und der Unendlichen Teilbarkeit des Raumes.

Durch die Entwicklung der nichteuklidischen Geometrie (ab 1793) durch Carl Friedrich Gauß, in Folge vor allem durch Nikolai Iwanowitsch Lobatschewski (ab 1826) und durch Bernhard Riemann (ab 1854) wurden grundlegende Postulate der der euklidischen Geometrie in Frage gestellt und schließlich als nicht allgemeingültig verworfen.

Auf diesen nicht-euklidischen Geometrien baute die Relativitätstheorie Albert Einsteins (ab 1905) auf, die unsere Vorstellung vom Raum grundlegend veränderte. Sie fügt den drei Raumdimensionen als vierte Dimension die Zeit hinzu und lässt so ein vierdimensionales Raum-Zeit-Kontinuum entstehen.

Philosophische Aspekte[Bearbeiten]

Den Raum im Allgemeinen stellt man sich als „leeren Raum“ vor, der gefüllt ist mit einer Vielheit von ausgedehnten Dingen, die sowohl in den Beziehungen des Auseinanders und des Nebeneinanders stehen, sich in diesem bewegen und selbst Ausdehnung und Räumlichkeit besitzen. Materie ist demnach mit Substanz erfüllter Raum.

Philosophisch lassen sich sehr unterschiedliche Aspekte des Raums betrachten: Die Erkenntnistheorie stellt den Raum als Bedingung der Erfahrung in den Mittelpunkt, Ontologie und Metaphysik untersuchen, was der Raum unabhängig von der Erfahrung ist und was ihn konstituiert, die Phänomenologie erstellt Analysen über die Formen des Erlebens des Raums.

Bei allem Einfluss unterschiedlicher Geometrien lassen sich drei grundlegend verschiedene philosophische Raummodelle unterscheiden:

Absoluter Raum Relationaler Raum Raum-Zeit-Kontinuum
Wird der Raum als ein Behälter gedacht, in den man etwas hineintun kann, dann spricht man von einer absoluten Raumauffassung. Ein absolutistisches Raumverständnis geht also davon aus, dass der Raum nur eine Randbedingung des Inhaltes ist, und basiert daher auf dem Dualismus von Raum und Körper. In Absetzung zu dem absoluten Raumverständnis entwickelt sich ein relationales Raumverständnis. Dem relationalen Verständnis von Raum als Zwischenraum zufolge, ergibt sich der Raum aus der Struktur der relativen Lage der Körper. Eine vierdimensionale, aus den drei Dimensionen des Raums und aus der Zeit als vierter Dimension bestehende Vielfältigkeit der Relativitätstheorie.
Vertreter: Claudius Ptolemäus, Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler, Isaac Newton Vertreter: Nikolaus von Kues, Robert Bellarmin, Gottfried Wilhelm Leibniz, Ernst Mach Vertreter: Albert Einstein

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

Zenon[Bearbeiten]

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Zenon von Elea (ca. 490–430) untersuchte das Kontinuum, insbesondere Raum, Zeit und Bewegung.

Er schrieb in dem Fragment Über die Natur :

"[…] wenn das Seiende keine Größe besitze, es auch nicht vorhanden sei. […] Ist es aber vorhanden, so muss ein jeder seiner einzelnen Teile eine gewisse Größe und Dicke und Abstand vom anderen haben. […] Denn kein derartiger Teil desselben [des Ganzen] wird die äußerste Grenze bilden, und nie wird der eine ohne Beziehung zum anderen sein. Wenn es also viele Dinge gibt, so müssen sie notwendig zugleich klein und groß sein: klein bis zur Nichtigkeit, groß bis zur Unendlichkeit. […] Denn vor jedem einzelnen, das man nimmt, muss stets wieder irgendein anderes stehen wegen der Teilung ins Unendliche."

Aristoteles[Bearbeiten]

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Aristoteles (384-322) beschäftigte sich sowohl in Physik, Metaphysik (2, III.) als auch in De caelo mit dem Raum.

Er schloss die Existenz mehrerer Welten aus[1] und schrieb, "dass die Masse keines Körpers außerhalb der Himmel sein oder dort hingelangen kann" und "dass es außerhalb weder Raum, noch Leeres, noch Zeit gibt".[2]

Er widersprach in seiner Kosmologie teilweise der Auffassung seines Lehrers Platon bezüglich der göttlichen Natur der Himmelskörper und stützte sich auch auf Eudoxos von Knidos, aber er nannte sie göttlich und mit Intellekt begabt. Sie bestehen aus dem "fünften Element", dem Äther, und werden von der "ersten Philosophie" erforscht.[3] Die Bewegungen der Himmelskörper und -sphären werden letztlich von einem ersten unbewegten Beweger hervorgerufen. Die Kreisbewegung der Fixsterne ist ein Streben nach Ewigkeit und Kontinuität[4]

Eudoxos[Bearbeiten]

Eudoxos von Knidos (ca. 397-338) leistete Beiträge zur Geometrisierung der Astronomie und entwickelte ein Sphärenmodell, das erstmals die retrograden Schleifenbewegungen der Planeten beschreiben konnte

Euklidische Geometrie (270 v. Chr.)[Bearbeiten]

Lukrez[Bearbeiten]

Die Stoiker und Atomisten bekämpften die Vorstellung Aristoteles und gingen von einem endlosen und leeren Raum aus.

Titus Lucretius Carus (ca. 97-55) schreib in seinem Lehrgedicht „De rerum natura“:

"Wäre der Raum endlich, könnte man sich an sein Ende begeben und von dort aus eine Lanze schleudern. Da es aber keinen vernünftigen Grund dafür geben kann, warum die Bewegung der Lanze am Ende der Welt aufhört, muss es ein unendliches Weltall geben."[5]

Papst Simplicius († 483) greift den Gedanken in seinem De-caelo-Kommentar auf:

"Wäre der Kosmos endlich, könnte man sich an sein Ende begeben und versuchen, die Hand auszustrecken. Stößt man auf einen Widerstand, befindet sich außerhalb ein Körper, dessen Ende man erreichen und von dem aus man seinen Versuch wiederholen kann. Hat man aber die Hand bewegen können, existiert ebenfalls etwas außerhalb des Kosmos, zu dem sich diese Hand streckt. Da sich dieses endlos fortsetzen lässt, muss das Weltall ebenfalls endlos sein."[6]

Ptolemaeus[Bearbeiten]

Claudius Ptolemaeus (ca. 100-175) beschrieb in seinem Almagest ein geozentrisches Weltbild, das mit den meisten Beobachtungen seiner Zeit in Einklang zu bringen war und bis zur Durchsetzung des kopernikanischen Weltbildes allgemein anerkannt wurde.

Kopernikanische Wende (1450)[Bearbeiten]

Cusanus[Bearbeiten]

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Nikolaus von Kues (1401-1464) stellte das ptolemäische Weltbild in Frage und verwarf die Vorstellung eines begrenzten Universums mit einer unbeweglichen Erde im Mittelpunkt.

Er schrieb in De docta ignorantia (II, 12, 162):

"Und da es stets jedem, ob er sich auf der Erde oder der Sonne oder auf einem anderen Stern befindet, so vorkommt, als befinde er sich gleichsam an einem unbeweglichen Mittelpunkt und als bewege sich alles andere, würde jener, wenn er sich auf der Sonne, der Erde, dem Mond, dem Mars, usw. befände, sich sicherlich immer neue Pole bilden. Der Bau der Welt ist deshalb so, als hätte sie überall ihren Mittelpunkt und nirgends ihre Peripherie."

Kopernikus[Bearbeiten]

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Nikolaus Kopernikus (1473-1543) beschrieb in seiner Schrift De revolutionibus orbium coelestium (Buch 1, Kapitel 10):

"In der Mitte aber von allen steht die Sonne. Wer könnte nämlich in diesem schönsten Tempel diese Leuchte an einen anderen besseren Ort setzen, als den, von wo sie das Ganze zugleich erleuchtet kann."

Er beschrieb 1543 darin ein auf Beobachtungen fußendes Universum, das endlich und durch eine materielle Fixsternsphäre begrenzt sei, das allerdings zu groß sei, um das Fehlen einer Fixsternparallaxe zu erklären. Seine Hypothesen verzichteten auf die Sonderstellung der Erde und etablierten das heliozentrische Weltbilds mit kreisförmigen Bahnen der Planeten um die Sonne. Das „kopernikanische Prinzip“ besagt, dass jeder Punkt im Universum jedem anderen physikalisch-kosmoslogisch gleichwertig ist. Es gibt im Weltall weder einen Vorzugsort oder eine Vorzugsrichtung. Auch wir Menschen leben nicht an einer ausgezeichneten, speziellen Stelle des Universums.

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Brahe[Bearbeiten]

Tycho Brahe (1546-1601) beobachtete die Supernova von 1572 und führte den Nachweis, dass ein 1577 beobachteter Komet sich außerhalb der Mondbahn befand. Das führte zur Abkehr vom Weltbild des Aristoteles und Ptolemäus, in dem der Himmel unveränderlich war und sich die Himmelskörper auf undurchdringlichen Sphären bewegten.[7] Tycho entwickelte ein halb-geozentrisches Planetenmodell und steigerte die Präzision der Planetenbeobachtung auf etwa 0,01°.

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Galilei[Bearbeiten]

Galileo Galilei (1564–1642) stützte das kopernikanische System durch seine Entdeckung der Jupitermonde und der Venusphasen, der Beobachtung der Mondoberfläche und seines Nachweises, dass Fixsterne scheinbar punktförmig sind. Weiterhin wird mit Galilei verbunden, daß die Milchstraße aus vielen einzelnen Sternen besteht und kein sublunares Phänomen ist.

Kepler[Bearbeiten]

Johannes Kepler 1610.jpg

Johannes Kepler (1571-1630) bestätigte Kopernikus mathematisch. Er war Assistent von Tycho Brahe und erkannte nach dessen Tod 1601 bei der Auswertung von Mars-Beobachtungen, dass die Planetenbahnen nicht kreisförmig, wie von Kopernikus angenommen, sondern elliptisch sind. Er formulierte die keplerschen Gesetze für die Planetenbewegung und versuchte sie durch magnetische Anziehungskräfte der Sonne zu erklären. Er wandte sich damit einem mechanistischen Bild der Planetenbewegung zu, in dem die Planeten nicht mehr wie bei Ptolemäus beseelt waren. Allerdings glaubte Kepler noch an ein endliches Universum und versuchte dies durch Argumente zu zeigen, die später als olberssches Paradoxon bekannt wurden.

Newton[Bearbeiten]

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Isaac Newton (1643–1727) verknüpfte in seiner Philosophiae Naturalis Principia Mathematica erstmals Gravitation, Kosmologie und Mechanik miteinander. Dadurch brachte er die Physik in die Kosmologie, in der gleiche Gesetze für Planetenbewegung und Schwerkraft galten. Ein wichtiger Schritt hiefür war die vorausgegangene Entwicklung der Mechanik, insbesondere des Trägheitsbegriffes.

Wright[Bearbeiten]

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Thomas Wright (1711-1786) hielt die Sonne für einen Fixstern unter vielen. Er wies die Annahme einer homogenen Sternverteilung zurück und identifizierte die Milchstraße als eine aus Einzelsternen bestehende Scheibe, in deren Ebene sich die Sonne befindet. Er betrachtete die von Astronomen beobachteten Nebel als Galaxien.

Kant[Bearbeiten]

Immanuel Kant

Immanuel Kant (1724–1804) vertritt in der Kritik der reinen Vernunft die Auffassung, dass der Raum eine transzendentale Bedingung der Erkennbarkeit der Dinge, aber nicht als Eigenschaft dieser Dinge oder als absolute Entität erkennbar ist:

„Der Raum ist eine notwendige Vorstellung a priori, die allen äußeren Anschauungen zum Grunde liegt. Man kann sich niemals eine Vorstellung davon machen, daß kein Raum sei, ob man sich gleich ganz wohl denken kann, daß keine Gegenstände darin angetroffen werden. Er wird also als die Bedingung der Möglichkeit der Erscheinungen, und nicht als eine von ihnen abhängende Bestimmung angesehen, und ist eine Vorstellung a priori, die notwendigerweise äußeren Erscheinungen zum Grunde liegt.“

Immanuel Kant: AA III, 52–53[8]

Der Raum wie auch die Zeit seien lediglich als „Formen der Sinnlichkeit“ anzusehen und könnten nicht aus der Erfahrung oder der Wahrnehmung stammen, da diese eine Raumvorstellung voraussetzten. Der Raum beruht Kant zufolge nur auf unserem Anschauungsvermögen, das uns die Erfahrung der äußeren Dinge ermöglicht, und ist für uns „nichts […] so bald wir die Bedingung der Möglichkeit aller Erfahrung weglassen, und ihn als etwas, was den Dingen an sich selbst zum Grunde liegt, annehmen“. Diese Position bezeichnet er als tranzendentale Idealität des Raumes.

Der Raum ist eine notwendige Bedingung für die Erfahrung der äußeren Dinge a priori, d. h. er kann nicht erst aus der Sinneserfahrung gewonnen werden, er ist allgemein gültig und nicht wegdenkbar: Alle Dinge haben eine Ausdehnung und Gestalt, sowie einen Ort im Raum. Der Raum hat somit „objektive Gültigkeit“ für die Erfahrung, Kant spricht auch von der „empirischen Realität des Raumes“.

Die Raumvorstellung gilt demnach nicht für die Dinge an sich, aber sie gilt für die Erscheinungen und somit für die uns mögliche Erfahrung. Indem Kant Raum und Zeit ebenso den Kategorien den Status von Erkenntnisbedingungen a priori verleiht, vermeidet er aber eine naturwissenschaftliche Erklärung des Ursprungs der Raumvorstellung beim Menschen.

In der Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels entwickelte Kant eine Kosmologie ähnlich der von Thomas Wright und eine Kosmogonie, in der eine anfangs chaotisch verteilte Materie sich unter Gravitationswirkung zu den beobachteten Himmelskörpern zusammenballt.

Nichteuklidische Geometrie (1793)[Bearbeiten]

Heidegger[Bearbeiten]

Martin Heidegger (1889-1976), ein Bewunderer Edmund Husserls, vertrat in seinem Werk - Sein und Zeit - (3. Kapitel - "Die Weltlichkeit der Welt", "C. - Das Umhafte der Umwelt und die Räumlichkeit des Daseins") einen ontologischen Ansatz, in dem er schrieb:

"… das Dasein [musste] gegen eine Weise des Seins im Raum abgegrenzt werden, die wir die Inwendigkeit nennen. Dies besagt: ein selbst ausgedehntes Seiendes ist von den ausgedehnten Grenzen eines Ausgedehnten umschlossen. Das inwendig Seiende und das Umschließende sind beide im Raum vorhanden. Die Ablehnung einer solchen Inwendigkeit des Daseins in einem Raumgefäß sollte jedoch nicht grundsätzlich jede Räumlichkeit des Daseins ausschließen, sondern nur den Weg freihalten für das Sehen der dem Dasein wesentlichen Räumlichkeit. Dies muß jetzt herausgestellt werden. Sofern aber das innerweltliche Seiende gleichfalls in Raum ist, wird dessen Räumlichkeit in einem ontologischen Zusammenhang mit der Welt stehen."

Reichenbach[Bearbeiten]

Hans Reichenbach (1891-1953) verteidigt in seiner klassischen, empiristischen Behandlung des Raum-Problems in - Philosophie der Raum-Zeit-Lehre - eine Auffassung vom Raum, die vor allem der Relativitätstheorie und der Entdeckung nicht-euklidischer Geometrien Rechnung trägt. Die Form und Art des Raums müssen demnach erst durch Messungen bestimmt werden. Diesen Bestimmungen wohnt aber nach Reichenbach ein nicht vermeidbares, konventionelles Element inne. Wollen wir etwa bestimmen, ob wir in einem euklidischen oder nicht-euklidischen Raum leben, so können wir diese Frage nur dann beantworten, wenn wir vorher eine so genannte Kongruenzdefinition willkürlich festgelegt haben. Erst dadurch erhält die Frage nach der Form des Raumes eine definitive Antwort. In der Folge ist es auch eine Frage der Konvention, was die Wissenschaft als "unseren" physikalischen Raum auszeichnet: Eine Kongruenzdefinition mag etwa die Antwort liefern, dass wir in einem nicht-euklidischen (d.h. gekrümmten) Raum leben, eine andere liefert den euklidischen Raum unter der Annahme, dass unsere Maßstäbe an manchen Stellen des Raums schrumpfen. Nach Reichenbach ist unentscheidbar, welche der Kongruenzdefinition die "wahre" Antwort liefert, weil sie nur eine Definition ist. Diese Theorie führt auf das Problem der äquivalenten empirischen Beschreibungen. Reichenbachs Haltung ist Poincares Konventionalismus verwandt.

Wichtige Beiträge[Bearbeiten]

Folgende Philosophen, Mathematiker, Physiker und Psychologen haben zum Raumverständnis beigetragen:

  • Albert von Sachsen - Acutissime questiones super libros de Physica auscultatione (Venedig 1516)
  • Gustav Johannes von Allesch (1892-1967) - Die Wahrnehmung des Raumes als psychologischer Vorgang (1941)
  • André-Marie Ampère (1775–1836), "Relationsbegriffe wie Raum, Zeit, Zahl, Kausalität haben absolute Gültigkeit"
  • Anaxagoras (499-428 ), Atomist, rationaler kosmologischer Entwurf
  • Anaximander (ca. 610–547) entwarf erstmals eine auf gesetzmäßigen kausalen Zusammenhängen basierten Kosmogonie und ordnete den Himmelsobjekten eine physikalische Natur zu
  • Antonius Andreae (Antonius Andreas oder Antonius Andreä)
  • Apollonios von Perge (ca. 262-190) entwickelte eine Methode der Berechnung von Planetenbahnen
  • Thomas von Aquin (ca. 1225-1274)
  • Aristarchos (ca. 310-230) vertrat ein heliozentrisches Weltmodell und wurde deshalb der Gottlosigkeit beschuldigt, weswegen sich sein Weltmodell nicht durchsetzen konnte. - Über die Größen und Entfernungen der Sonne und des Mondes
  • Aristyllos (ca. 300 v. Chr.) beschrieb die Abweichungen der Planetenbewegungen
  • Augustinus (354-430)
  • Averroës (1126-1198)
  • Avicenna (980-1037)
  • Gaston Bachelard - Poetik des Raumes (1957)
  • Roger Bacon (1214-1293)
  • Robert Bellarmin (1542-1621) entwickelte das relationale Raumverständnis
  • Henri Bergson (1859-1941)
  • Gernot Böhme (*1937) - Protophysik – Für und wider eine konstruktive Wissenschaftstheorie der Physik (1976)
  • Giordano Bruno (1548–1600) verkündete die Unendlichkeit des Universums mit unendlich vielen Sonnen und Planeten, in dem die beobachteten Fixsterne ferne Sonnen sind. Da seine Auffassungen den katholischen Glaubensgrundsätze widersprachen, wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
  • Otto Friedrich Bollnow (1903-1991) - Mensch und Raum (1990)
  • Farkas Wolfgang Bolyai (1775-1856), Mitentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • János Bolyai (1802-1860), Mitentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • Johannes Buridan (ca.1300-1358)
  • Anselm von Canterbury (ca. 1033-1109)
  • Rudolf Carnap (1891-1970), logischer Empirismus und Erkenntnistheorie, Der Raum. Ein Beitrag zur Wissenschaftslehre. (1922)
  • Johannes Chrysostomos (349–407), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Cyril (315–386), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Demokrit (460–371), Atomist, rationaler kosmologischer Entwurf, - "Wahres Sein (Materie) besteht aus unteilbaren Atomen im leeren Raum"
  • René Descartes (1596-1650) - Über die Prinzipien der materiellen Dingen (1644)
  • Thomas Digges (1546-1595) vertrat ein modifiziertes kopernikanisches Weltbild ohne materielle Fixsternsphäre mit unendlichem euklidischen Raum. (A Perfit Description of the Caelestiall Orbes (1576))
  • Hugo Dingler (1881-1954), Ideengeber der Protophysik
  • Diodorus (ca. 394), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Jörg Dünne - Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften (2007)
  • Eratosthenes (ca. 276-194) bestimmte durch Messungen den Umfang der Erde mit großer Genauigkeit
  • Christian von Ehrenfels (1859–1932), Vordenker der Gestalttheorie
  • Albert Einstein (1879-1955), Begründer der Relativitätstheorie
  • Euklid (ca. 360-280 ), Begründer der euklidischen Geometrie
  • Lucius Caecilius Firmianus (ca. 250–320), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Pierre Gassendi (1592–1655) bestätigte als Astronom Berechnungen Keplers
  • Carl Friedrich Gauß (1777-1855), Entwicklung der nichteuklidischen Geometrien
  • Werner Gent - Die Raum-Zeit-Philosophie des 19. Jahrhunderts (1930)
  • Alexander Gosztonyi - Der Raum. Geschichte seiner Probleme in Philosophie und Wissenschaften (1976)
  • Robert Grosseteste (ca. 1170-1253)
  • Adolf Grünbaum (*1923) - Philosophical Problems of Space and Time (1963)
  • Hekataios (ca. 560–480), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831), "Wissenschaft von der reinen, noch nicht entäußerten, raum- und zeitlosen Idee"
  • Wilhelm Herschel (1738-1822) versuchte durch Klassifizierung der Sterne und Galaxien ein chronologisches Entwicklungsschema abzuleiten.
  • Hesiod (* vor 700 v. Chr.) beschrieb in seiner Theogonie die Entstehung der Welt und der Götter
  • Ulf Heuner – u.A. Klassische Texte zum Raum (2006)
  • Hiketas (ca. 400–335), "Die Erde rotiert um ihre Achse"
  • Eckhart von Hochheim (ca. 1260-1328)
  • Thomas Hobbes (1588–1679), "Alle Naturerkenntnis basiert auf Geometrie" und "Philosophie ist die Lehre von der Bewegung der Körper"
  • Christian Hoffstadt (*1972) - Denkräume und Denkbewegungen. Untersuchungen zum metaphorischen Gebrauch der Sprache der Räumlichkeit. (2009)
  • Edmund Husserl (1859-1938), Begründer der Phänomenologie, Ding und Raum
  • Kosmas Indikopleustes (ca. 490–560), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Rüdiger Inhetveen (*1943), Protophysik, Konstruktive Geometrie. Eine formentheoretische Begründung der euklidischen Geometrie (1983)
  • Peter Janich (*1942), Protophysik von Raum, Zeit und Materie
  • Erich Rudolf Jaensch - Über die Wahrnehmung des Raumes (1911)
  • Max Jammer (1915–2010) - Concepts of Space: The history of Theories of Space in Physics
  • Kallippos von Kyzikos (ca. 370-300), Weiterentwickelung des Sphärenmodells von Eudoxos von Knidos
  • Bernulf Kanitscheider (*1939) - Geometrie und Wirklichkeit (1971)
  • Friedrich Kaulbach (1912-1992) - Die Metaphysik des Raumes bei Leibniz und Kant (1960)
  • Richard Kilvington
  • Pierre-Simon Laplace (1749-1827) Vertreter der Theorie, in der eine anfangs chaotisch verteilte Materie sich unter Gravitationswirkung zu den beobachteten Himmelskörpern zusammenballt.
  • Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Vertreter des 'relationalen Raumverständnis, mechanistisches Weltbild
  • Leukipp (ca. 550 v. Chr.), Begründer des Atomismus
  • Nikolai Iwanowitsch Lobatschewski (1792-1856) veröffentlichte 1826 die nichteuklidische Geometrie
  • Paul Lorenzen (1915-1994), konstruktive Mathematik und Protophysik, Das Begründungsproblem der Geometrie als Wissenschaft der räumlichen Ordnung (1961)
  • Ernst Mach (1838–1916), Vertreter des relationalen Raumverständnisses
  • Albertus Magnus (ca. 1200-1280)
  • Maimonides (ca. 1137-1204)
  • Melissos (ca. 490–430), „Das Sein ist nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich unbegrenzt.“
  • Durante von Mende (Guillaume Durant, Bischof von Mende)
  • Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), - Das Auge und der Geist (1961)
  • Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840) entwickelte Methoden zur Bahnbestimmung von Himmelskörpern, entdeckte die Kleinplaneten Pallas und Vesta sowie sechs Kometen und formulierte das Olberssche Paradoxon.
  • Nikolaus von Oresme (1330–1382) hielt heliozentrisches Weltbild für möglich
  • Parmenides (ca 540-475), "Es gibt nur das unendlich Eine und alle Bewegung ist nur Illusion"
  • Philolaos (ca. 470-399), erstes heliozentrische System
  • Platon (ca. 428-347) beschrieb im Timaios die Himmelsobjekte als von personalen, mit Verstand ausgerüstete göttliche Wesen. Die Erde war in seiner Vorstellung eine Kugel, die im Zentrum des Kosmos ruhte.
  • Henri Poincaré (1854-1912), u.A. Weiterentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • Karl Popper (1902–1994), Erkenntnistheorie und Ontologie: Drei Welten
  • Pythagoras von Samos (ca. 570-510), "Die Erde hat Kugelgestalt"
  • Bernhard Riemann, Mitentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • Bertrand Russell (1872-1970)
  • Moritz Schlick (1882-1936) - Naturphilosophie und Erkenntnislehre, Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik (1917)
  • Hermann Schmitz (*1928) - System der Philosophie (1980)
  • Arthur Schopenhauer (1788–1860), "Die Außenwelt ist Erscheinung" und "Vorstellungen in Raum und Zeit sind durch den Willen erzeugt"
  • Duns Scotus (ca. 1266-1308)
  • Severian (ca. 408), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • J. J. C. Smart (*1920) - Problems of Space and Time (1964)
  • Andreas Speer (*1957) - Raum und Raumvorstellung im Mittelalter (1997)
  • Max Steck (1907-1971) - Die Wahrnehmung des Raumes als psychologischer Vorgang (1941)
  • Peter Strawson (1919–2006), "Raumzeitlich bestimmbare Einzeldinge sind real"
  • Elisabeth Ströker (1928-2000) - Philosophische Untersuchungen zum Raum (1965)
  • Suger von Saint-Denis (1081-1151)
  • Franz Taurinus (1794-1874), Mitentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • Thales von Milet (ca. 624-546)
  • Theodor von Mopsuestia (350–428), Vertreter der Theorie der flachen Erde
  • Timocharis von Alexandria (ca.320-260) beschrieb die Abweichungen der Planetenbewegungen
  • Jakob Johann von Uexküll - Gedanken über die Entstehung des Raumes (1930)
  • Friedrich Ludwig Wachter (1792-1817), Mitentwickler der nichteuklidischen Geometrie
  • Margaret Wertheim - Die Himmelstür zum Cyberspace. Eine Geschichte des Raumes von Dante zum Internet. (2002)
  • Hermann Weyl (1885-1955) - Raum, Zeit, Materie (1918) und Das Kontinuum - Kritische Untersuchungen über die Grundlagen der Analysis (1918)
  • A. Wilhelm - Das Raumerlebnis in Naturwissenschaft und Erkenntnistheorie (1949)

Themen[Bearbeiten]

Philosophie[Bearbeiten]

Erkenntnistheorie[Bearbeiten]

Erkenntnistheorie oder Epistemologie bezeichnet ein fachübergreifendes Gebiet der Philosophie, welches sich mit Fragen der Art befasst, wie Wissen zustande kommt, welche Erkenntnisprozesse denkbar sind, wie begründet angebliches Wissen unter diesen Voraussetzungen ist, und woran man erkennt, dass es tatsächlich mit Erkenntnis angeboten wird. Von Interesse ist hier vor allem, welche Art von Zweifel an welcher Art von Wissen grundsätzlich bestehen kann.

Ontologie[Bearbeiten]

Mereologie[Bearbeiten]

Die Mereologie ist ein Teilgebiet der Ontologie und der angewandten Logik und befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Teil und Ganzem. Topologische Begriffe wie Rand und Zusammenhang lassen sich mit mereologischen Mitteln untersuchen, woraus die Mereotopologie entsteht. Anwendungen finden sich im Bereich der künstlichen Intelligenz bei der Wissensrepräsentation.

Phänomenologie[Bearbeiten]

Die Phänomenologie ist eine gegenwärtige philosophische Strömung, die von Edmund Husserl geprägt wurde. Phänomenologen sehen den Ursprung der Erkenntnisgewinnung in unmittelbar gegebenen Erscheinungen. Entsprechend untersuchen sie ausschließlich Zusammenhänge zwischen diesen Erscheinungen. Diese formalen Beschreibungen geben grundsätzlich den Anspruch aller phänomenologischen Ansätze wieder, seien es philosophische oder naturwissenschaftliche, literarische oder psychiatrische. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie mit dem unmittelbar Gegebenen umgehen.

Mathematik[Bearbeiten]


Physik[Bearbeiten]

Astronomie[Bearbeiten]

Die Astronomie befasst sich mit dem Universum, also mit dem Raum in seiner maximalen erkennbaren Ausdehnung und der darin vorhandenen großen Objekte.

Weitere:


Psychologie und Medizin[Bearbeiten]

Eine andere Struktur als der mathematisch geordnete euklidische Raum, der ein homogenes Kontinuum bildet, zeigt der Raum, wie er vom Ich konkret erlebt wird. Er ist im Unterschied zu jenem auf den Standort des Ichs bezogen, d.h. er ist “perspektivisch“ gegliedert. Die damit gegebenen Unterschied des Nahen und Fernen, Oben und Unten, Vorne und Hinten, Rechts und Links bedeuten nicht nur örtliche Abweichungen, sondern qualitative Differenzen von hoher Lebensbedeutung. Die Psychologie hat beträchtliche Mühe darauf verwandt, das Zustandekommen dieser lebendigen Raumanschauung zu erklären.

Raum als sinnlich Gegebenes

Eine Erklärung für die Herkunft der Raumidee liefert die empiristische Auffassung vom Raum als Sinneswahrnehmung. Das Gleichgewichtsorgan des Menschen, das wichtigste Organ des Lagesinns und des Gleichgewichtssinns, besteht aus einem Zentrum, um das herum sich drei mit Flüssigkeit gefüllte Ringe (Bogengänge) anordnen, die jeweils genau eine Ebene unserer Vorstellung vom Raum abdecken. Dass wir als Menschen nur den dreidimensionalen Raum denken können, ergibt sich so aus der Anatomie dieses Organs. Diese sinnliche Wahrnehmung ist nach empiristischer Auffassung die Grundlage unserer komplexen objektiven Vorstellungen. Man kann dies auch leicht im Versuch nachvollziehen, in dem man sich für einen kurzen Moment der Schwerelosigkeit hingibt (z.B. durch Springen vom 5-Meter-Brett in einem Schwimmbad) und kurzzeitig tatsächlich den Sinn für den Raum verliert.
Félicie Affolter, eine Schülerin Piagets, hat argumentiert, dass zu den ersten Wahrnehmungen eines Menschen die der "stabilen Unterlage" gehört, die dem Ziehen der Schwerkraft einen Widerstand entgegensetzt. Dann folgen die Erfahrungen mit dem Widerstand der seitlichen Begrenzungen. Ebenfalls grundlegend sind die Erfahrungen des Umfassens und des Umfasstwerdens. Mit wachsender Reife werden diese propriozeptiven Wahrnehmungen mit den visuellen Wahrnehmungen in Verbindung gebracht. Im tausendfachen Spüren des Zusammenspiels von Körper, Schwerkraft und Gegenständen entsteht so, beim Wahrnehmungsgesunden, ein mentales Modell vom Raum.[9]

Gestaltpsychologie

Gestalttheorie ist ein allgemeinerer Begriff für den Ansatz, der Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Bezeichnung Gestaltpsychologie bekannt wurde. Mit dem Begriff Gestalttheorie wird darauf verwiesen, dass es sich zwar um eine psychologische Theorie handelt, dass diese aber für sich in Anspruch nimmt, auch über die Psychologie hinaus für andere Wissenschaftszweige als Metatheorie relevant zu sein. Als Vertreter dieses Ansatzes wäre unter anderem Christian von Ehrenfels zu nennen.

Weitere psychologische Ansätze, die sich mit dem Raum und der Raumwahrnehmung beschäftigen sind

Anthropologie[Bearbeiten]

Die philosophische Anthropologie ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst. Die moderne philosophische Anthropologie ist eine sehr junge philosophische Fachrichtung, die erst im frühen 20. Jahrhundert entstand.

Für Max Scheler haben mensch und Tier Raum und Zeit als organische Sphäre gemeinsam. Der Mensch hat darüber hinaus aber auch die Fähigkeit, gedanklich einen abstrakten Raum zu bilden. Wie schwierig das ist, zeigt die Beschreibung des Demokrit, der diesen abstrakten Raum ein Nichtsein mit wahrer Wirklichkeit nennt. Der abstrakte Raum des Physikers folgt keinen sinnlichen, sondern nur logischen Prinzipien. Die Fähigkeit der abstrakten Symbolsprache ist Voraussetzung für Wissenschaft.

Topische Wende in den Sozialwissenschaften[Bearbeiten]

Als topologische Wende wird seit Ende der 1980er-Jahre ein Paradigmenwechsel in den Kultur- und Sozialwissenschaften bezeichnet, der den Raum bzw. den geographischen Raum als kulturelle Größe wieder wahrnimmt.

Wie besonders gut am virtuellen Raum des Internets ersichtlich, wird hier eine neue Raumauffassung nötig, die den Raum nicht mehr als einen Behälter versteht, in dem sich Menschengruppen und Kulturen befinden. Stattdessen erscheint der Raum nun als das Ergebnis sozialer Beziehungen, das dem Handeln einzelner Menschen oder Gruppen entspringt, der reale Raum wird ergänzt durch die für das Subjekt dominante, sozial und kulturell überformte Raumwahrnehmung bzw. -konstruktion.

Damit die topologische Wende tatsächlich einen Paradigmenwechsel darstellt, genügt es daher nicht, wenn der Raum zum Untersuchungsgegenstand wird. Stattdessen muss vielmehr versucht werden, räumlich zu denken und von Anbeginn der Untersuchung aus sich dem Gegenstand mit räumlichen Kategorien zu nähern. Erst dann wird der Raum zu einer neuen Analysekategorie.[10]

Kitaro Nishidain in Feb. 1943.jpg

Einem relationalen Verständnis von Raum als Zwischenraum zufolge, ergibt sich der Raum aus der Struktur der relativen Lage der Körper. Neben diesem relationalen Raumverständnis, wie es für die westliche Moderne kennzeichnend ist, hat sich in Ostasien und insbesondere in Japan ein topisches Raumverständnis entwickelt (Nishida Kitarō, 1945). Im Unterschied zum rein relationalen Raumverständnis wird der Raum nicht primär als ein Relationsgefüge verstanden, sondern vor allem als ein durch die Raumpunkte aufgespanntes Feld, dem Topos (jap. basho). Im Rahmen der „topologischen Wende“ erlangt diese topische Raumaufassung zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine zunehmende Rezeption auch in der westlichen Philosophie.

Literatur[Bearbeiten]

Lexika[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Aertsen, Andreas Speer, Raum und Raumvorstellung im Mittelalter (Miscellanea Mediaevalia, Band 25), Walter de Gruyter & Co., Berlin 1997, ISBN 3-110-15716-0
  • Félicie Affolter, Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sprache, Neckar-Verlag, 1997 (8. Auflage), ISBN 3-7883-0255-0
  • Aristoteles, Über den Himmel -,(Übersetzung: Alberto Jori), Akademie Verlag GmbH, Berlin 2009, ISBN 9-783-050-04303-6
  • Otto Friedrich Bollnow: Mensch und Raum. Kohlhammer, Stuttgart 1990. ISBN 3-17-018471-7
  • Rudolf Carnap, Der Raum. Ein Beitrag zur Wissenschaftslehre., Berlin 1922 (Kant Studienergänzungshefte 56)
  • Hugo Dingler, Grundlagen der Geometrie, Stuttgart 1933
  • Jörg Dünne et al (Hg.): Raumtheorie : Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007, ISBN 978-3-518-29400-0. (Inhaltsverzeichnis)
  • Carl Friedrich Gauß, Werke 1, XII, Leipzig 1863-1933
  • Werner Gent, Die Raum-Zeit-Philosophie des 19. Jahrhunderts, 1930
  • Alexander Gosztonyi: Der Raum. Geschichte seiner Probleme in Philosophie und Wissenschaften. 2 Bände (Orbis academicus I/14, 1 u. 2). Alber, Freiburg / München 1976 ISBN 3-495-47202-9
  • Adolf Grünbaum: Philosophical Problems of Space and Time, New York 1963
  • Ulf Heuner (Hg.): Klassische Texte zum Raum. Parodos, Berlin 2006 ISBN 3-938880-05-8
  • Christian Hoffstadt: Denkräume und Denkbewegungen. Untersuchungen zum metaphorischen Gebrauch der Sprache der Räumlichkeit. (Dissertation). Europäische Kultur und Ideengeschichte Bd. 3, hrsg. von Bernd Thum u. Hans-Peter Schütt. Universitätsverlag, Karlsruhe 2009. Online-Version (PDF 1,3 MB)
  • Rüdiger Inhetveen, Konstruktive Geometrie. Eine formentheoretische Begründung der euklidischen Geometrie, Bibliographisches Institut, Mannheim 1983
  • Max Jammer, Concepts of Space: The history of Theories of Space in Physics, Dover Publications, New York 1993 (Das Problem des Raumes. Die Entwicklung der Raumtheorien. Übersetzt von Paul Wilpert, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1960), (Vorwort von Albert Einstein)
  • Peter Janich, Eindeutigkeit, Konsistenz und methodische Ordnung, Frankfurt 1973
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. 1. Auflage, "Der transzendentalen Ästhetik, Erster Abschnitt, Von dem Raume", "Der Transzendentalen Analytik, Zweites Hauptstück, Von der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe" (Band 3, Seiten 71 bis 77) Vollständiger Text in der Wikisource
  • Bernulf Kanitscheider, Geometrie und WIrklichkeit, Berlin 1971
  • Friedrich Kaulbach, Die Metaphysik des Raumes bei Leibniz und Kant, Kölner Universitäts-Verlag, Köln 1960
  • Paul Lorenzen, Das Begründungsproblem der Geometrie als Wissenschaft der räumlichen Ordnung, in: Philosophia Naturalis 6, 1961
  • Isaac Newton, Philosophiae Naturalis Principia Mathematica, London 1687 (Minerva 1992, ISBN 3-8102-0939-2)
  • Henri Poincaré, Wissenschaft und Hypothese, 1902 (Xenomos Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-936532-24-9)
  • Hans Reichenbach, Philosophie der Raum-Zeit-Lehre, Verlag Walter de Gruyter, Berlin & Leipzig 1928. (Englisch: The philosophy of space and time (translated by J. Freud & Hans Reichenbach), Dover Publications, New York 1958)
  • Samuel Sambursky, Das physikalische Weltbild der Antike, Artemis Verlag, Zürich 1965
  • Moritz Schlick, Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik, Julius Springer Verlag, Berlin 1917 (4. Auflage 1922)
  • Hermann Schmitz, System der Philosophie, Bonn 1964-1980
  • J. J. C. Smart, Problems of Space and Time, New York 1964 (editor)
  • Elisabeth Ströker: Philosophische Untersuchungen zum Raum, Klostermann, Frankfurt 1965, ISBN 3-465-01249-6
  • Hermann Weyl, Raum, Zeit, Materie, 1918 (8. Auflage: Springer 1993)
  • Margaret Wertheim: Die Himmelstür zum Cyberspace. Eine Geschichte des Raumes von Dante zum Internet., Übersetzt von Ilse Strasmann. Piper, München 2002. ISBN 3-250-10417-5
  • A. Wilhelm, Das Raumerlebnis in Naturwissenschaft und Erkenntnistheorie, 1949

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aristoteles – De caelo (I, 8-9)
  2. Aristoteles – De caelo (Kapitel 9)
  3. Jonathan Barnes – Aristoteles -, Reclam, Stuttgart 1992 (Seiten 40ff und 100ff)
  4. Aristoteles: Metaphysik, XII, 7
  5. S. Sambursky – Das physikalische Weltbild der Antike
  6. Edward Grant – Conceptions
  7. Michael Weichenhan: «Ergo perit coelum ...» Die Supernova des Jahres 1572 und die Überwindung der aristotelischen Kosmologie. Stuttgart 2004, S. 43
  8. Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, AA III, 52–53 / Vollständiger Text in der Wikisource) B 38–39.
  9. Félicie Affolter – Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sprache
  10. Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Artikel spacial turn, S. 665, Stuttgart 2008.