ReactOS

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
ReactOS
Logo
Bildschirmfoto
Screenshot
ReactOS 0.3.14 (englisch)
Basisdaten
Entwickler ReactOS-Team & Mitwirkende
Aktuelle Version 0.3.15
(30. Mai 2013)
Abstammung \ ReactOS (NT)
Architekturen x86; AMD64, PowerPC und ARM in Entwicklung
Lizenz Open-Source (u. a. GNU GPL)[1]
Sonstiges Sprachen: Deutsch uvm.
Website www.reactos.org/de

ReactOS (vom englischen react für „reagieren“ und Operating System für „Betriebssystem“), auch kurz ROS genannt, ist ein Softwareprojekt zur Entwicklung eines freien Betriebssystems gleichen Namens. Kennzeichnend ist das Ziel vollständiger Binär-Kompatibilität zu Microsoft Windows.

Inhaltsverzeichnis

Überblick[Bearbeiten]

ReactOS hat das Ziel, zum Kernel von Windows NT kompatibel zu werden, wodurch es möglich ist, Programme und Treiber für Windows NT und dessen Nachfolger wie zum Beispiel XP, Server 2003 und 7 zu verwenden. Dazu wird unter anderem die Programmierschnittstelle Win32 nachgebildet.

Das Betriebssystem ist größtenteils unter der GNU GPL lizenziert worden, einige seiner Bestandteile jedoch unter der LGPL oder BSD-Lizenz.

Ein Problem beim Erreichen der Binärkompatibilität zu Windows ist, dass einige API-Aufrufe, die von vielen Programmen eingesetzt werden, nicht öffentlich dokumentiert sind. Außerdem müssen für ReactOS fast alle Teile neu programmiert werden, da nichts von zum Beispiel Linux oder BSD übernommen oder anderweitig genutzt werden kann. Eine Ausnahme sind jedoch die von Unix unabhängigen Bibliotheken des Wine-Projektes, welche problemlos übernommen werden können.

ReactOS und die Win32-API in verschiedenen Betriebssystemen

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Quellcode von ReactOS ist hauptsächlich in C geschrieben, einige Teile wie der Explorer und die Tonausgabe (englisch sound system) wurden in C++ implementiert. Das Projekt benutzt MinGW zur Kompilierung und arbeitet auch eng mit dessen Entwicklern zusammen.

Abhängigkeiten[Bearbeiten]

ReactOS benutzt, wo dies möglich und sinnvoll ist, den Quellcode anderer Open-Source-Projekte. Dies hilft nicht nur, die Entwicklung zu beschleunigen, sondern auch, ein stabileres System zur Verfügung zu stellen.

Wine[Bearbeiten]

In ReactOS werden Teile des Wine-Projekts benutzt, die die Win32-API implementieren. Wegen Unterschieden in der Architektur (Wine ist auf die Arbeit unter Linux u.a. ausgerichtet) können jedoch nicht alle Wine-Komponenten in ReactOS benutzt werden. Dazu zählen folgende Windows-Komponenten: NTDLL, USER32, KERNEL32, GDI32 und ADVAPI, die neu geschrieben werden müssen.

Netzwerktreiber[Bearbeiten]

Im Rahmen des Google Summer of Codes 2011 entwickelte ein Student einen neuen Netzwerk-Stack auf der Basis von lwIP.[2] Zuvor hatte ReactOS den Netzwerk-Stack von FreeBSD verwendet, dieser stellte sich aber, zumindest in ReactOS, als nicht sehr stabil heraus.

USB[Bearbeiten]

Die USB-Treiber von ReactOS wurden auf Basis von denen des Haiku-Betriebssystems entwickelt.[3] Da USB in Haiku schon weitestgehend implementiert war, konnte der USB-Stack als Referenz für ReactOS dienen.

Gemeinschaft[Bearbeiten]

Es existieren mehrere IRC-Chats und Diskussionsforen zum Austausch zwischen ReactOS-Nutzern und -Entwicklern. Viele der Benutzer stammen aus dem englisch- bzw. russischsprachigen Raum, doch es hat sich auch eine deutsche Community herausgebildet. Sie wird unter anderem repräsentiert durch ReactOS Deutschland e. V., einen Verein zur Förderung des Projekts. Einige der Entwickler sind regelmäßig auf den Chemnitzer Linux-Tagen oder LinuxTagen in Berlin vertreten. Die Entwickler kommen einmal im Monat zu einer Besprechung zusammen, eine kurze Zusammenfassung des Chatprotokolls wird kurze Zeit später auf der Internetseite veröffentlicht. Man kann sich auch direkt am Entwicklungsprozess beteiligen, indem man Fehlerberichte oder Verbesserungsvorschläge über die Jira-Weboberfläche einreicht.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Projekt wurde 1996 als „FreeWin95“ ins Leben gerufen und sollte nur zu Windows-95-Programmen kompatibel sein. Nachdem es in einer längeren Spezifikationsphase hängen geblieben war, belebte 1998 Jason Filby als Projektkoordinator das Projekt neu, das seither als ReactOS bekannt ist. Dabei wurde die Kompatibilität zu Windows NT als neues Projektziel festgelegt.

Lange Zeit war das ReactOS-Team mit der Entwicklung des Kernels beschäftigt, so dass kaum ein Erfolg sichtbar wurde. Mit dem Erscheinen von Version 0.2 bot ReactOS erstmals eine grafische Benutzeroberfläche, dadurch wurde die Presse verstärkt auf ReactOS aufmerksam. Die Unterstützung von Java-, OS/2- und DOS-Programmen wurde auf die Agenda gesetzt, bisher jedoch nicht weiter verfolgt. Eine Implementierung der Internetprotokollfamilie ist dagegen schon benutzbar, sie basiert auf dem IP-Stack von FreeBSD. Am Einbau der USB- und dazugehörigen Plug-and-Play-Funktionalität wird gearbeitet.

Am 8. Januar 2007 wurde die erste 4.000-Euro-Spendenkampagne gestartet und am 11. Februar 2007 mit einer Summe von 4.450 Euro beendet. Das Geld wird hauptsächlich für die Serverpflege und Steigerung des Bekanntheitsgrades von ReactOS verwendet. So erhoffen sich die Programmierer, durch ein steigendes öffentliches Interesse am Projekt neue Entwickler und Tester anzulocken.

Das Projekt präsentierte sich am 25. Februar 2007 erstmals beim jährlichen Treffen europäischer Entwickler von freier und Open-Source-Software in Brüssel (FOSDEM).

Anfang 2009 wurde der bisherige Entwicklungsplan (Roadmap) von der Website entfernt. Inzwischen liegt eine neue Planung bis Version 0.5 vor.[5] Insbesondere werden nun keine Angaben mehr dazu gemacht, wie hoch die Kompatibilität zu Windows (in Prozentangaben) einzelner kommender ReactOS-Betaversionen sein wird oder welche Anwendungen in konkreten Betaversionen unterstützt werden. Die Entwicklung von freien NTFS-Treibern ist so weit fortgeschritten, dass ein solcher für Version 0.5 angekündigt ist, auch andere Treiber wie ext2fsd für das ext2- und ext3-Dateisystem wurden bereits angekündigt.[6]

Nach dem alten Projektplan sollte bereits Version 0.5 Betastatus bekommen und ReactOS die produktive Arbeit mit den wichtigsten Standardanwendungen unterstützen. Die früheren Kompatibilitätstests und Optimierungen für Mozilla Firefox und OpenOffice.org, die derzeitige Arbeit an einer neuen verbesserten Benutzeroberfläche[7] und das Ziel der Implementierung von Druckdiensten und WDM-Treiberunterstützung in den 0.5-Versionen zeigen, dass an diesem Ziel festgehalten wird. Auch an einer Zusammenführung von Boot-CD (für Installation) und Live-CD (erste Setup-Stufe im grafischen Modus, bereits 0.4) wird offenbar festgehalten.

Bei den nachfolgenden Versionen soll vor allem mit dem Ziel am Kernel gearbeitet werden, die „Beta“-Entwicklungsphase mit einer stabilen 1.0-Version abzuschließen. ReactOS soll dann den Anforderungen an einen produktiven Einsatz als windowskompatibles Betriebssystem genügen.

Am 16. Januar 2010 äußerte sich Aleksey Bragin,[8] zurzeit Koordinator des Projekts, über konzeptionelle Schwächen des Win32-Subsystems und plant ein alternatives 32-Bit-Subsystem mit dem Ziel, einem funktionsfähigen System näher zu kommen. Demnach soll das Win32-Subsystem, dessen Softwaredesign Windows näher ist als dem von Wine, temporär durch ein neues Subsystem ergänzt werden, das auf aktuellem Wine-Quellcode beruhen soll (im Gegensatz zu den veralteten Versionen, die im derzeitigen Win32-Subsystem verwendet werden), anstatt diese neu zu entwickeln. Das bisherige Subsystem wird bis auf Weiteres parallel im Hintergrund weiterentwickelt.[9][10] Nicht von der Neuerung betroffen ist der bisherige Grafiktreiber, der im Vergleich zu X Window von Wine mit Syscalls zum Kernel Mode Win32k effizientere Grafikaufrufe ermöglicht.

2011 konnte ReactOS am Google Summer of Code teilnehmen. Von den sechs ursprünglich geplanten Projekten wurden nur vier von Studenten fertiggestellt. Dazu zählen ein neuer TCP/IP-Treiber auf der Basis lwIP, ein neuer GDI-Schriftreiber, eine Testumgebung für den Kernel und die Unterstützung von Windows XP-Themes zur visuellen Gestaltung der Benutzeroberfläche.

Am 1. Mai 2012 wurde eine 30.000-Euro-Spendenkampagne gestartet[11] und Ende des Jahres mit einer erreichten Spendensumme von 14.392 Euro abgeschlossen.[12] Da damit nicht einmal die Hälfte des gesetzten Ziels erreicht wurde, wurde beschlossen, die Spendenaktion bis zum Erreichen der 30.000-Euromarke fortzuführen. Mit dem gesammelten Geld sollen Entwicklerprojekte (ähnlich wie beim Summer of Code) finanziert werden. Die Finanzen werden von ReactOS Deutschland e. V. verwaltet. Als eingetragener Verein ist es aber steuerrechtlich nur schwer möglich, Entwickler für ihre Arbeiten zu bezahlen. Die Zahlungen wurden daher eingestellt und es wird nach einer rechtskonformen Lösung gesucht.

Versionen[Bearbeiten]

Version Veröffentlichung Anmerkungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.1.0 2. Februar 2003 erste von CD installierbare Version, noch ohne grafische Oberfläche; einige Kommandozeilenwerkzeuge sind verfügbar; Dateioperationen wie Kopieren und Löschen funktionieren nur unzuverlässig
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.0 25. Januar 2004 Beginn der an den Windows-Explorer und die Taskleiste angelehnten grafischen Oberfläche; sehr instabil
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.2 28. April 2004 Verbesserungen an der grafischen Oberfläche und deren Stabilität
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.5 5. Januar 2005 stabilerer Kernel und viele kleine Verbesserungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.6 10. April 2005 neben OpenOffice.org 1.x erstmals auch namhafte Spiele (Deus Ex, Unreal Tournament) per Software Rendering startbar
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.7 21. August 2005 Abgleich der Header-Datei-Struktur mit Windows und fast vollständige Lokalisierung; meldet sich zwecks Kompatibilität zu neueren Programmen als Windows 2000 SP4 statt NT 4
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.8 30. Oktober 2005 wichtige, vorbereitende Schritte zu funktionierendem USB, der Installation von Programmen und Behebung einiger Darstellungsfehler der Oberfläche
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.9 22. Dezember 2005 verbesserte Hardwareerkennung und ACPI, stark verbesserte API-Unterstützung
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.0 28. August 2006 verbesserte Netzwerk- (Internetprotokoll) und PnP-Unterstützung u.v.m.
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.1 10. März 2007 sehr viele Fehlerbehebungen und Verbesserungen, Winlogon-Implementierung, besserer Bootmanager
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.3 12. September 2007 sehr viele Fehlerbehebungen, Win32-Kernel-Module zum Teil neu geschrieben, umfangreiche Änderungen am DirectX-System; Version 0.3.2 wurde übersprungen, da mehrere komplexe Probleme eine termingerechte Veröffentlichung verhinderten
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.4 22. Januar 2008 Kompatibilität mit NT 5.2 (Windows 2003) verbessert, Usermode-DLLs aus dem aktuellen Wine-Projekt synchronisiert, neuer Remote-Desktop-Client, OpenOffice.org läuft besser, fortschreitende Regionalisierung, neuer PnP-Treiber für Maus und Tastatur, wesentliche Fehlerbereinigungen, v. a. von PnP und im Hinblick auf künftige komplexe Anwendungen, Übersetzungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.5 30. Juni 2008 bessere Integration der Usermode-DLLs und des Win32-Subsystems, Unicode-Portierung aus dem ICU-Projekt, verschiedene Verbesserungen an Sicherheit, Stabilität und Kompatibilität (u. a. von Visual Studio-Kompilierungen)[13] sowie umfangreiche Ergänzungen in der Regionalisierung und in den Übersetzungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.6 6. August 2008 Unterstützung der ARM-Architektur, Beginn der x64-Unterstützung, Kernelverbesserungen (APC, Timer, Memory-Manager), verschiedene Verbesserungen am Win32-Subsystem, Synchronisierung der Usermode-DLLs mit Wine sowie weitere Verbesserungen im Bereich Speicherverwaltung, Netzwerk und Internationalisierung[14]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.7 4. November 2008 Kernelverbesserungen, Netzwerkstapelspeicher (Stack), Win32-Subsystem und x64-Prozessorarchitektur[15]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.8 4. Februar 2009 Fehlerbereinigung in Kernel Kerndiensten, Win32-Subsystem-Verbesserungen, Fehlerbehebung in Basis-Gerätetreibern, Synchronisation mit Wine, RTL-Verbesserungen und verschiedene kleinere Fehlerbehebungen und Erweiterungen in Systemanwendungen und Buildsystem[16]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.9 26. April 2009 Verringerung des Speicherbedarfs (32 MB), Netzwerkstapel und Geschwindigkeit sowie die Sicherheitsprüfung für den Objekt-Manager wurden verbessert, Treiberkompatibilität erhöht, vorläufige Soundunterstützung durch Kernel-Streaming und Erweiterung der Befehlszeile, verschiedene Fehlerbereinigungen (v. a. GDI und Zeichen-Engine)[17]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.10 5. Juli 2009 verbesserte Sound-Unterstützung, SATA-Festplattenunterstützung, erweiterte USB-Unterstützung für Maus und Tastatur, Unterstützung weiterer Netzwerkkarten und ein Zeichenprogramm
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.11 16. Dezember 2009 weitgehend neu entwickelte Speicherverwaltung und verbesserte Windowskompatibilität auf Anwendungs- und Systemebene; Maßstab dafür waren insbesondere Browsen mit Firefox 3 und funktionierendes OpenOffice.org (dieses Ziel wurde erreicht)
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.12 20. Oktober 2010 Viele Fehlerbereinigungen bei Speichermanagement, grundlegenden Hardwarezugriffen und weitere Verbesserungen im Bereich des Systemkernmodus (Kernel Mode), darunter Ersatz oder Verbesserungen an „Legacy Modes“, d. h. an den Standardtreibern, die zum Zweck der Abwärtskompatibilität lediglich die wichtigsten Funktionen an essentieller Hardware unterstützen. Viele Fehler wurden bereinigt, die schon lange existieren, aber erst durch die Entwicklungsarbeit an anderer Stelle entdeckt worden sind.
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.13 22. März 2011 verbesserte Speicher- und Audiomixer-Verwaltung sowie Grafikunterstützung, größere Unterstützung von SATA-Geräten, die Kompatibilität zu Anwendungen wurde erhöht[18][19]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.14 7. Februar 2012 WLAN-Unterstützung (bis zu WEP), Steigerung von Netzwerkdurchsatz und -stabilität über den neuen TCP/IP-Treiber LwIP und Theme-Unterstützung; ab dieser Version ist ReactOS mit MSVC erstellbar[20][21]
Aktuelle Version: 0.3.15 30. Mai 2013 erste Version mit USB-2.0-Unterstützung (u.a. mit EHCI) für Eingabegeräte und Massenspeicher;[22] verbesserte SATA-Unterstützung
Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Anmerkung: Einige Entwicklungsschritte werden regelmäßig mit jedem neuen Freigabe (englisch release) durchgeführt, wie etwa allgemeine Fehlerbereinigungen, Synchronisierung der DLL-Bibliotheken des Wine-Projektes, Treiberaktualisierungen usw.

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Derzeit werden immer noch grundlegende Systemkomponenten verbessert, um das Zusammenspiel mit Systemkomponenten auf höherer Ebene zu verbessern. Beispielsweise wird im Newsletter Nr. 70 von Ende März 2010 beschrieben, wie problematisch die Timeoutfehler des UniATA-Treibers für die Datenkommunikation mit den angeschlossenen Geräten sind. Für deren Behebung rechnen die Entwickler noch mit erheblicher Entwicklungsarbeit. Weiterhin wird die weitere Entwicklung an Plug-and-Play- und ACPI-Komponenten noch weitere Ergänzungen am eigenen Bootloader nach sich ziehen. Die Entwickler rechnen derzeit noch damit, dass durch Verbesserungen an Systemtreibern und Dienstprogrammen auch weiterhin unentdeckte Fehler in Systemkernkomponenten entdeckt werden.[23]

Anfang Januar 2010 wurde bekannt, dass die USB-Unterstützung neu implementiert wird. Derzeit wird der EHCI-Hostcontroller neu entwickelt, danach der USB-Stack.[24]

Weiterhin wird derzeit die Unterstützung von DVB-T-Fernsehen entwickelt. Funktionierender Fernsehempfang ist trotz des frühen Entwicklungsstadiums sinnvoll, da sich durch diese Anwendung der Praxistest und das Zusammenspiel einer Vielzahl von Video- und Audiokomponenten dokumentieren und analysieren lässt und dadurch die weitere Entwicklung unterstützt wird.[23]

Status[Bearbeiten]

Das Projekt befindet sich zurzeit noch in der Alpha-Phase, weshalb ReactOS noch nicht für den alltäglichen Gebrauch verwendet werden sollte.

  • Bootzeit und Installationszeit – Momentan noch deutlich unter der eines frisch installierten Windows, was auch noch am wesentlich geringeren Funktionsumfang liegt. Die Installation benötigt auf vielen Systemen nur wenige Minuten.
  • Geschwindigkeit – Die Geschwindigkeit des fertigen Systems ist derzeit noch schwer abschätzbar. Durch die noch unvollständige Windows-Funktionalität ist ReactOS zurzeit noch vergleichsweise schnell und kompakt. Trotz allem haben Leistungsoptimierungen in der momentanen Entwicklungsphase nur geringe Priorität.
  • Stabilität – Sie soll der von Windows nicht nachstehen. Dem frühen Alpha-Status des Projekts ist aber auch der Umstand geschuldet, dass die Entwickler ihren Fokus noch nicht auf solche Aspekte lenken. Die Anzahl der Blue-Screens konnte inzwischen deutlich verringert werden, es treten aber vor allem auf neuerer Hardware noch teils häufig Abstürze auf.
  • Sicherheit: Die Herausforderung für die Entwickler liegt darin, trotz angestrebter Kompatibilität keine Sicherheitslücken des Vorbildes „nachzubauen“.
  • Binärkompatibilität: Die Entwicklung grundlegender Systemtreiber ist bereits weit fortgeschritten, auch einige wenige Fremdtreiber der Gerätehersteller sind in der Kompatibilitätsliste als stabil eingetragen. Stabil arbeitende Standardanwendungen sind derzeit unter anderem VLC media player 2.0.5, Softmaker Office 2006 und Firefox 17, sowie grundlegende Dienstprogramme (z. B. 7-Zip) und bereits eine größere Reihe an Spielen, wie etwa Paintball 2, Quake III oder Civilization II[25]
  • Testmöglichkeiten – Wer zum Testen von ReactOS eine Installation vermeiden möchte, findet eine bootbare Live-CD jeder Version vor. Versiertere Tester und Entwickler verwenden aber zumeist eine virtuelle Maschine. Hierzu stehen fertige QEMU-, VirtualBox- und VMware-Images zur Verfügung.
  • Fehlende Hardware-Unterstützung und Sub-Systeme – Derzeit sind ganze Geräteklassen wie Drucker, Scanner oder TV-Karten noch nicht mit ReactOS verwendbar, da deren Unterstützung noch nicht implementiert ist. Auch Software-Subsysteme wie die Speech-API von MS fehlen komplett. Andere, wie z.B. Sound, sind bislang nur teilweise implementiert (z.B. kein MIDI).

Hardware-Anforderungen[Bearbeiten]

Die Hardware-Anforderungen von ReactOS erlauben die Nutzung auf älterer Hardware. So kommt es durchaus noch mit Prozessoren der ersten Pentium-Generation zurecht. Der Speicherbedarf wurde durch Behebung einiger Fehler in der Speicherverwaltung auf 32 Megabyte gesenkt.[17][26] Die Funktionsfähigkeit auf realer Hardware ist aufgrund des Alphastatus noch stark eingeschränkt, grundsätzlich funktioniert ältere Hardware besser als neuere. ReactOS bietet IDE- und SATA-Unterstützung. Die noch fehlerhafte USB-Unterstützung umfasst derzeit u.a. Eingabegeräte, Laufwerke (auch zum Booten) und einige Controller.[27]

Einige verwendbare Programme können jedoch höhere Anforderungen an die Hardware stellen.

Rechtliche Fragen[Bearbeiten]

Infolge einer projektinternen Diskussion wurde die Weiterentwicklung am 26. Januar 2006 kurzzeitig gestoppt. Um sicherzustellen, dass die bei der Entwicklung angewandten Verfahren zur Re-Implementierung undokumentierter Windows-Funktionen durch Reverse Engineering mit dem US-amerikanischen Urheberrecht in Einklang stehen, wurde eine vollständige Durchsicht des Quelltextes – ein so genanntes Code-Audit – begonnen, das erst im Dezember 2007 fertiggestellt wurde. Zu Beginn des Code-Audits wurde auf der Projekt-Webseite ein Zähler platziert, anhand dessen sich Interessierte über den Fortgang des Code-Audits informieren konnten. Der Zähler zeigte an, wie viel Prozent des ReactOS-Codes bereits durchgearbeitet wurden. Das Audit schwankte vor Beendigung des Audits mehrere Monate lang um die 96-Prozentmarke. Der Grund dafür war, dass sich die Entwickler die komplexesten Aufgaben bis zuletzt aufgehoben hatten und bei fehlerhaftem Code fallweise sogar entschieden hatten, Teile des Codes vollkommen neu zu schreiben.[28]

Strittig war, ob und wie während des Audits die Entwicklung des Betriebssystems weitergeführt werden soll. Anfang Februar sprach sich eine deutliche Mehrheit für ein Verfahren aus, bei welchem parallel zum Audit die Entwicklung am alten Code fortgeführt wird. Nach diesem Plan wird erst die übernächste Version 0.4 ausschließlich überprüften Quelltext enthalten. Der von einer kleineren Entwicklergruppe favorisierte Plan sah demgegenüber eine vollständige Sperrung des alten Codes und eine Löschung der ReactOS-Veröffentlichungen von den Download-Servern vor. Weiterentwicklung hätte nach diesem Plan ausschließlich am bereits geprüften Code erfolgen dürfen, was zu mehrmonatigen Verzögerungen geführt, jedoch die Rechtssicherheit maximiert hätte.[29]

Im Zuge dieser Entwicklung haben mehrere Entwickler das Projekt verlassen.

Zuvor waren im November 2004 erstmals rechtliche Konflikte mit einem den Quelltext plagiierenden Projekt aufgetreten. Daher wurde die Bildung eines „Legal Defense Fund“ geplant, mit dessen Hilfe die juristischen Interessen von ReactOS vertreten werden sollen.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Captive – Das Projekt verwendet Teile von ReactOS, um Schreibzugriff auf das proprietäre Dateisystem NTFS durch andere Betriebssysteme als Windows zu ermöglichen.
  • E/OS – Eine Linux-Distribution, die sich zum Ziel gesetzt hatte, Programme von Microsoft Windows, Mac OS X, OS/2 und DOS zu unterstützen. Die Entwicklung wurde jedoch eingestellt.
  • FreeDOS – Open-Source-Projekt mit dem Ziel, MS-DOS nachzuprogrammieren
  • Haiku – Open-Source-Projekt mit dem Ziel, das eingestellte Betriebssystem BeOS nachzuprogrammieren

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ReactOS – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ReactOS Lizenz, abgerufen am 4. März 2012
  2. TCP/IP diriver replacement for ReactOS, using lwIP (englisch), abgerufen am 4. April 2013
  3. ReactOS gets USB Stack, with Help from Us (englisch), abgerufen am 4. April 2013
  4. ReactOS JIRA, abgerufen am 15. April 2013
  5. Roadmap des Projekts (englisch)
  6. Entwickler-FAQ auf der Projektseite (abgerufen am 13. Dezember 2009)
  7. Newsletter Nr. 67 vom 9. Dezember 2009
  8. Arwinss presentation (englisch) – Vorstellung des Projektkoordinator Aleksey Bragin, vom 16.1.2010, abgerufen am 6. Juni 2013
  9. ARWINSS – The new Windows subsystem for ReactOS/Windows – Präsentation über Arwinss (PDF-Datei; 900 kB; englisch)
  10. Newsletter Nr. 68 vom 22. Januar 2010
  11. A personal appeal from ReactOS Project Coordinator Aleksey Bragin (englisch), abgerufen am 15. April 2013
  12. Spenderliste Stand: 24. Dezember 2012, abgerufen am 15. April 2013
  13. Newsletter Nr. 41 vom 15. Mai 2008
  14. Newsletter Nr. 44 vom 6. August 2008
  15. Angaben des Newsletters vom 4. November 2008
  16. Angaben der News vom 4. Februar 2009
  17. a b Angaben der News vom 26. April 2009
  18. ReactOS 0.3.13 veröffentlicht – Meldung bei ReactOS, vom 22. März 2011
  19. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.13 verbessert Grafikunterstützung – Artikel bei Golem.de, vom 28.3.2011, abgerufen am 6. Juni 2013
  20. ReactOS 0.3.14 veröffentlicht – öffentliche Meldung von ReactOS, vom 7. Februar 2012
  21. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.14 erhält neuen Netzwerkstack und WLAN – Artikel bei Golem.de, vom 8. Februar 2012, abgerufen am 6. Juni 2013
  22. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.15 unterstützt USB-Geräte – Artikel bei Golem.de vom 31. Mai 2013, abgerufen am 6. Juni 2013
  23. a b Newsletter Nr. 70 von Z98 vom 31. März 2010, (englisch)
  24. ReactOS-Entwicklerwiki: USB Stack (Statusangabe: 8. Januar 2010), (englisch)
  25. ReactOS Kompatibilitätsliste (englisch)
  26. Installing ReactOS
  27. ReactOS-Newsletter Nr. 91 vom 28. Februar 2012
  28. FOSDEM-Interview mit Aleksey Bragin
  29. ReactOS Newsletter Nr. 11 vom 2. Februar 2006