ReactOS

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Reactos)
Wechseln zu: Navigation, Suche
ReactOS
Logo
Bildschirmfoto
Screenshot
ReactOS 0.3.14 (englisch)
Basisdaten
Entwickler ReactOS-Team & Mitwirkende
Aktuelle Version 0.3.16
(6. Februar 2014)
Abstammung \ ReactOS (NT)
Architekturen x86; AMD64, PowerPC und ARM in Entwicklung
Lizenz Open-Source (u. a. GNU GPL)[1]
Sonstiges Sprachen: Deutsch uvm.
Website www.reactos.org

ReactOS (vom englischen react für „reagieren“ und operating system für „Betriebssystem“), auch kurz ROS genannt, ist ein Softwareprojekt zur Entwicklung eines freien Betriebssystems gleichen Namens. Kennzeichnend ist das Ziel vollständiger Binärkompatibilität zu Microsoft Windows.

Überblick[Bearbeiten]

ReactOS hat das Ziel, zum Kernel von Windows NT kompatibel zu werden, wodurch es möglich ist, Programme und Gerätetreiber für Windows NT und dessen Nachfolger wie zum Beispiel XP, Server 2003 und 7 zu verwenden. Dazu wird unter anderem die Programmierschnittstelle Win32 nachgebildet.

Das Betriebssystem ist größtenteils unter der GNU GPL lizenziert worden, einige seiner Bestandteile jedoch unter der LGPL oder unter der BSD-Lizenz.

Ein Problem beim Erreichen der Binärkompatibilität zu Windows ist, dass einige API-Aufrufe, die von vielen Programmen eingesetzt werden, nicht öffentlich dokumentiert sind. Außerdem müssen für ReactOS fast alle Teile neu programmiert werden, da nichts beispielsweise von Linux oder BSD übernommen oder anderweitig genutzt werden kann. Eine Ausnahme sind jedoch die von Unix unabhängigen Bibliotheken des Wine-Projektes, welche übernommen werden können.

ReactOS und die Win32-API in verschiedenen Betriebssystemen

Geschichte[Bearbeiten]

ReactOS Projektkoordinator Alexei Bragin (links) präsentiert Wiktor Alksnis (rechts) ReactOS.
Dmitri Medwedew (links) erhält eine Demonstration von ReactOS.

Das Projekt wurde 1996 als „FreeWin95“ ins Leben gerufen und sollte nur zu Windows-95-Programmen kompatibel sein. Nachdem es in einer längeren Spezifizierungsphase hängen geblieben war, belebte 1998 Jason Filby als Projektkoordinator das Projekt neu, das seither als ReactOS bekannt ist. Dabei wurde die Kompatibilität zu Windows NT als neues Projektziel festgelegt.

Lange Zeit war das ReactOS-Team mit der Entwicklung des Kernels beschäftigt, so dass kaum ein Erfolg sichtbar wurde. Mit dem Erscheinen von Version 0.2 bot ReactOS erstmals eine grafische Benutzeroberfläche. Dadurch wurde die Presse verstärkt auf ReactOS aufmerksam. Die Unterstützung von Java-, OS/2- und DOS-Programmen wurde auf die Agenda gesetzt, bisher jedoch nicht weiter verfolgt. Eine Implementierung der Internetprotokollfamilie, basierend auf dem IP-Stack von FreeBSD, war dagegen bereits benutzbar.

Am 8. Januar 2007 wurde die erste 4.000-Euro-Spendenkampagne gestartet und am 11. Februar 2007 mit einer Summe von 4.450 Euro beendet. Das Geld wird hauptsächlich für die Serverpflege und die Steigerung des Bekanntheitsgrades von ReactOS verwendet. So erhoffen sich die Programmierer, durch ein steigendes öffentliches Interesse am Projekt neue Entwickler und Tester anzulocken.

Das Projekt präsentierte sich am 25. Februar 2007 erstmals beim jährlichen Treffen europäischer Entwickler von freier Software in Brüssel (FOSDEM).

Anfang 2009 wurde der bisherige Entwicklungsplan (Roadmap) von der Website entfernt. Inzwischen liegt eine neue Planung vor, allerdings nur bis Version 0.5.[2] Insbesondere werden nun keine Angaben mehr dazu gemacht, wie hoch die Kompatibilität zu Windows (in Prozentangaben) einzelner kommender ReactOS-Betaversionen sein soll oder welche Anwendungen in konkreten Betaversionen unterstützt werden sollen. Die Entwicklung von freien NTFS-Treibern ist so weit fortgeschritten, dass ein solcher für Version 0.5 angekündigt ist. Auch andere Treiber wie ext2fsd für das ext2- und ext3-Dateisystem wurden bereits angekündigt.[3]

Nach dem alten Projektplan sollte bereits Version 0.5 Betastatus bekommen und ReactOS die produktive Arbeit mit den wichtigsten Standardanwendungen unterstützen. Die früheren Kompatibilitätstests und Optimierungen für Mozilla Firefox und OpenOffice.org, die derzeitige Arbeit an einer neuen verbesserten Benutzeroberfläche[4] und das Ziel der Implementierung von Druckdiensten und WDM-Treiberunterstützung in den 0.5-Versionen zeigen, dass an diesem Ziel festgehalten wird. Auch an einer Zusammenführung von Boot-CD (für Installation) und Live-CD (erste Setup-Stufe im grafischen Modus, bereits 0.4) wird offenbar festgehalten.

Bei den nachfolgenden Versionen soll vor allem mit dem Ziel am Kernel gearbeitet werden, die „Beta“-Entwicklungsphase mit einer stabilen 1.0-Version abzuschließen. ReactOS soll dann den Anforderungen an einen produktiven Einsatz als Windows-kompatibles Betriebssystem genügen.

Am 16. Januar 2010 äußerte sich Alexei Bragin,[5] zurzeit Koordinator des Projekts, über konzeptionelle Schwächen des Win32-Subsystems und plant ein alternatives 32-Bit-Subsystem mit dem Ziel, einem funktionsfähigen System näher zu kommen. Demnach soll das Win32-Subsystem, dessen Softwaredesign Windows näher ist als dem von Wine, temporär durch ein neues Subsystem ergänzt werden, das auf aktuellem Wine-Quellcode beruhen soll (im Gegensatz zu den veralteten Versionen, die im derzeitigen Win32-Subsystem verwendet werden), anstatt diese neu zu entwickeln. Das bisherige Subsystem wird bis auf Weiteres parallel im Hintergrund weiterentwickelt.[6][7] Nicht von der Neuerung betroffen ist der bisherige Grafiktreiber, der im Vergleich zu X Window von Wine mit Systemaufrufen zum Kernelmodus Win32k effizientere Grafikaufrufe ermöglicht.

Präsentationen vor politischen Entscheidungsträgern[Bearbeiten]

ReactOS wurde mehrfach Politikern vorgestellt, vor allem aus der Russischen Föderation. 2007 traf sich Viktor Alksnis mit Projektkoordinator Aleksey Bragin, welcher ihm eine Einführung in das Projekt gab und diesem das funktionierende ReactOS mit Total Commander und Mozilla Firefox zeigte.[8] 2011 bekam Dmitri Medwedew, der damalige Präsident Russlands, eine Einführung in ReactOS durch ein Projektmitglied.[9]

Am 31. Juli 2012 präsentierte Marat Karatov, einer der Entwickler des Projekts, ReactOS, während seines Besuchs des Seliger Youth Forum, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.[10] Bei dem Seliger Treffen 2011 gewann das ReactOS-Projekt auch den Preis für die beste Präsentation, dotiert mit 100.000 Rubel.[11]

Google Summer of Code[Bearbeiten]

2006[12] war ReactOS erstmals Teilnehmer am Google Summer of Code (GSoC), danach nahm das Projekt regelmäßig teil. Beim GSoC 2011 konnte ReactOS beispielsweise sechs Projekte platzieren, wovon vier von Studenten fertiggestellt wurden. Dazu zählen ein neuer TCP/IP-Treiber auf der Basis von lwIP (lightweight IP, „leichtgewichtiges IP“),[13][14] ein neuer GDI-Schrifttreiber, eine Testumgebung für den Kernel und die Unterstützung von Windows XP-Desktopmotiven zur visuellen Gestaltung der Benutzeroberfläche.

Am 1. Mai 2012 wurde eine 30.000-Euro-Spendenkampagne gestartet[15] und Ende des Jahres mit einer erreichten Spendensumme von 14.392 Euro abgeschlossen.[16] Da damit nicht einmal die Hälfte des gesetzten Ziels erreicht werden konnte, wurde beschlossen, die Spendenaktion bis zum Erreichen der 30.000-Euromarke fortzuführen. Mit dem gesammelten Geld sollen Entwicklerprojekte (ähnlich wie beim Summer of Code) finanziert werden. Die Finanzen werden von ReactOS Deutschland e. V. verwaltet. Als eingetragener Verein ist es aber steuerrechtlich nur schwer möglich, Entwickler für ihre Arbeit zu bezahlen. Zukünftig können sich Studenten bei ReactOS Deutschland e. V. für Stipendien bewerben.

Projekt Thorium Core Cloud Desktop[Bearbeiten]

Im Juni 2013 wurde ReactOS als SourceForge-Projekt des Monats ausgezeichnet, in dem dazugehörigen Interview gab Projektkoordinator Alexei Bragin eine baldige Kampagne auf Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com bekannt.[17] Am 23. Dezember 2013 wurde ein Cloud-Computing-Projekt auf Basis von ReactOS, genannt Thorium Core Cloud Desktop, auf der Kickstarter.com mit dem Ziel 120.000 USD gestartet.[18] Am Ende der zweimonatigen Kampagne waren ca. 40% des gewünschten Betrages erzielt (48.965 $), was jedoch nicht für einen erfolgreichen Projektabschluss ausreichte, da das Kickstartermodell eine mindestens 100% Erreichung erfordert um Geld zu übertragen.

Projekt ReactOS Community Edition[Bearbeiten]

Vom 2. April bis 1. Juni 2014 lief eine zweite Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo zur Finanzierung einer ReactOS Community Edition mit einem angestrebten Spendenziel von 50.000 US-Dollar. Für die jeweils drei am meisten durch die Community gewählten Windows-Anwendungen und Geräte soll mit dem Geld volle Unterstützung und technische Kompatibilität ermöglicht werden. Die ReactOS Community Edition soll auch als Basis für die danach erscheinende ReactOS-Version 0.4 dienen.[19] Die Kampagne wurde als Teilerfolg mit einem Betrag von $25.141 abgeschlossen.[20]

Versionen[Bearbeiten]

Version Veröffentlichung Anmerkungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.1.0 2. Februar 2003 erste von CD installierbare Version, noch ohne Grafische Benutzeroberfläche; einige Kommandozeilenwerkzeuge sind verfügbar; Dateioperationen wie Kopieren und Löschen funktionieren noch nicht zuverlässig
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.0 25. Januar 2004 Beginn der an den Windows-Explorer und die Taskleiste angelehnten grafischen Oberfläche; instabil
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.2 28. April 2004 Verbesserungen an der grafischen Oberfläche und deren Stabilität
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.5 5. Januar 2005 stabilerer Kernel und viele kleine Verbesserungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.6 10. April 2005 neben OpenOffice.org 1.x erstmals auch einige namhafte Spiele (Deus Ex, Unreal Tournament) per Software Rendering startbar
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.7 21. August 2005 Abgleich der Header-Datei-Struktur mit Windows und fast vollständige Lokalisierung; meldet sich zwecks Kompatibilität zu neueren Programmen als Windows 2000 SP4 statt als NT 4.0
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.8 30. Oktober 2005 wichtige, vorbereitende Schritte zu funktionierendem USB, der Installation von Programmen und Behebung einiger Darstellungsfehler der Oberfläche
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.2.9 22. Dezember 2005 verbesserte Hardwareerkennung und ACPI, verbesserte API-Unterstützung
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.0 28. August 2006 verbesserte Unterstützung des Netzwerk-(Internetprotokolls) und Plug and Play (PnP) u.v.m.
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.1 10. März 2007 viele Fehlerbehebungen und Verbesserungen, Winlogon-Implementierung, besserer Bootmanager
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.3 12. September 2007 viele Fehlerbehebungen, Win32-Kernelmodule zum Teil neu geschrieben, umfangreiche Änderungen am DirectX-System; Version 0.3.2 wurde übersprungen, da mehrere komplexe Probleme eine termingerechte Veröffentlichung verhinderten
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.4 22. Januar 2008 Kompatibilität mit NT 5.2 (Windows 2003) verbessert, Usermode-DLLs aus dem aktuellen Wine-Projekt synchronisiert, neuer Remote-Desktop-Client, OpenOffice.org läuft besser, fortschreitende Regionalisierung, neuer PnP-Treiber für Maus und Tastatur, wesentliche Fehlerbereinigungen, v. a. von PnP und im Hinblick auf künftige komplexe Anwendungen, Übersetzungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.5 30. Juni 2008 bessere Integration der Usermode-DLLs und des Win32-Subsystems, Unicode-Portierung aus dem ICU-Projekt, verschiedene Verbesserungen an Sicherheit, Stabilität und Kompatibilität (u. a. von Visual Studio-Kompilierungen)[21] sowie umfangreiche Ergänzungen in der Regionalisierung und in den Übersetzungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.6 6. August 2008 Unterstützung der ARM-Architektur, Beginn der x64-Unterstützung, Kernelverbesserungen (APC, Timer, Memory-Manager), verschiedene Verbesserungen am Win32-Subsystem, Synchronisierung der Usermode-DLLs mit Wine, sowie weitere Verbesserungen im Bereich Speicherverwaltung, Netzwerk und Internationalisierung[22]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.7 4. November 2008 Kernelverbesserungen, Netzwerkstapelspeicher (Stack), Win32-Subsystem und x64-Prozessorarchitektur[23]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.8 4. Februar 2009 Fehlerbereinigung in Kernel-Kerndiensten, Win32-Subsystem-Verbesserungen, Fehlerbehebung in Basis-Gerätetreibern, Synchronisation mit Wine, RTL-Verbesserungen und verschiedene kleinere Fehlerbehebungen und Erweiterungen in Systemanwendungen und im Buildsystem[24]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.9 26. April 2009 Verringerung des Speicherbedarfs (32 MB), Verbesserung von Netzwerkstapel und Geschwindigkeit sowie der Sicherheitsprüfung für den Objektmanager, Treiberkompatibilität erhöht, vorläufige Audiounterstützung durch Kernel-Streaming und Erweiterung des Befehlszeileninterpreters, verschiedene Fehlerbereinigungen (v. a. GDI und Zeichenverarbeitung)[25]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.10 5. Juli 2009 verbesserte Audiounterstützung, SATA-Festplattenunterstützung, erweiterte USB-Unterstützung für Maus und Tastatur, Unterstützung weiterer Netzwerkkarten und ein Zeichenprogramm
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.11 16. Dezember 2009 weitgehend neu entwickelte Speicherverwaltung und verbesserte Windowskompatibilität auf Anwendungs- und Systemebene; Maßstab dafür waren insbesondere Browsen mit Firefox 3 und funktionierendes OpenOffice.org (dieses Ziel wurde erreicht)
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.12 20. Oktober 2010 Viele Fehlerbereinigungen bei Speichermanagement, grundlegenden Hardwarezugriffen und weitere Verbesserungen im Bereich des Systemkernmodus (Kernel Mode), darunter Ersatz oder Verbesserungen an „Legacy Modes“, d. h. an den Standardtreibern, die zum Zweck der Abwärtskompatibilität lediglich die wichtigsten Funktionen an essentieller Hardware unterstützen. Viele Fehler wurden bereinigt, die schon lange existieren, aber erst durch die Entwicklungsarbeit an anderer Stelle entdeckt worden sind.
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.13 22. März 2011 verbesserte Speicher- und Audiomixer-Verwaltung sowie Grafikunterstützung, größere Unterstützung von SATA-Geräten; die Kompatibilität zu Anwendungen wurde erhöht[26][27]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.14 7. Februar 2012 WLAN-Unterstützung (bis zu WEP), Steigerung von Netzwerkdurchsatz und -stabilität über den neuen TCP/IP-Treiber LwIP und Unterstützung von Desktopmotiven; ab dieser Version ist ReactOS mit MSVC erstellbar[28][29]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 0.3.15 30. Mai 2013 erste Version mit USB-2.0-Unterstützung (u. a. mit EHCI) für Eingabegeräte und Massenspeicher;[30] verbesserte SATA-Unterstützung
Aktuelle Version: 0.3.16 6. Februar 2014 Neuimplementierung von CSRSS, integrierter Netzwerkkartentreiber für den RTL8139 Chipsatz, integriertes Theme, Aktualisierung der Wine-Usermode-Bibliotheken auf Version 1.7.1
Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version

Anmerkung: Einige Entwicklungsschritte werden regelmäßig mit jeder neuen freigegebenen Version (englisch release) durchgeführt, wie etwa allgemeine Fehlerbereinigungen, Synchronisierung der DLL-Bibliotheken des Wine-Projektes, Treiberaktualisierungen usw.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Quellcode von ReactOS ist hauptsächlich in C geschrieben, einige Teile wie der Explorer und die Tonausgabe (englisch sound system) wurden in C++ implementiert. Das Projekt benutzt MinGW zur Kompilierung und arbeitet auch eng mit dessen Entwicklern zusammen.

Abhängigkeiten[Bearbeiten]

ReactOS benutzt, wo dies möglich und sinnvoll ist, den Quellcode anderer Open-Source-Projekte. Dies hilft nicht nur, die Entwicklung zu beschleunigen, sondern auch, ein stabileres System zur Verfügung zu stellen.

Wine[Bearbeiten]

Einbindung und Verwendung von Wine im Betriebssystem

In ReactOS werden Teile des Wine-Projekts benutzt, die die Win32-API implementieren. Wegen Unterschieden an der Architektur (Wine ist auf die Arbeit z. B. unter Linux ausgerichtet) können jedoch nicht alle Wine-Komponenten in ReactOS benutzt werden. Dazu zählen folgende Windows-Komponenten: NTDLL, USER32, KERNEL32, GDI32 und ADVAPI. Sie müssen neu geschrieben werden.

Netzwerktreiber[Bearbeiten]

Im Rahmen des Google Summer of Codes 2011 entwickelte ein Student einen neuen Netzwerk-Stack auf der Basis von lwIP.[31] Zuvor hatte ReactOS den Netzwerk-Stack von FreeBSD verwendet, welcher sich, zumindest in ReactOS, als instabil herausstellte.

USB[Bearbeiten]

Die USB-Treiber von ReactOS wurden auf Basis der Haiku-Betriebssystemtreiber entwickelt.[32] Da USB in Haiku schon weitestgehend implementiert war, konnte der USB-Stack als Referenz für ReactOS dienen.

Gemeinschaft[Bearbeiten]

Es existieren mehrere IRC-Chats und Diskussionsforen zum Austausch zwischen ReactOS-Nutzern und -Entwicklern. Viele der Benutzer stammen aus dem englisch- bzw. russischsprachigen Raum, doch es hat sich auch eine deutsche Online-Community (Gemeinschaft) herausgebildet. Sie wird unter anderem durch ReactOS Deutschland e. V. repräsentiert, einen Verein zur Förderung des Projekts. Einige der Entwickler sind regelmäßig auf den Chemnitzer Linux-Tagen oder LinuxTagen in Berlin vertreten. Die Entwickler kommen einmal im Monat zu einer Besprechung im Chat zusammen, eine kurze Zusammenfassung des Protokolls wird kurze Zeit später auf der Internetseite veröffentlicht. Man kann sich auch direkt am Entwicklungsprozess beteiligen, indem man Fehlerberichte oder Verbesserungsvorschläge über die Jira-Weboberfläche einreicht.[33]

Aktuelle Entwicklungsziele[Bearbeiten]

Derzeit werden immer noch grundlegende Systemkomponenten verbessert, um das Zusammenspiel mit Systemkomponenten auf höherer Ebene zu verbessern. Beispielsweise wird im Newsletter Nr. 70 von Ende März 2010 beschrieben, wie problematisch die Timeout-Fehler des UniATA-Treibers für die Datenkommunikation mit den angeschlossenen Geräten sind. Für deren Behebung rechnen die Entwickler noch mit erheblicher Entwicklungsarbeit. Weiterhin wird die weitere Entwicklung an Plug-and-Play- und ACPI-Komponenten noch weitere Ergänzungen am eigenen Bootloader nach sich ziehen. Die Entwickler rechnen derzeit noch damit, dass durch Verbesserungen an Systemtreibern und Dienstprogrammen auch weiterhin unentdeckte Fehler in Systemkernkomponenten entdeckt werden.[34]

Anfang Januar 2010 wurde bekannt, dass die USB-Unterstützung neu implementiert wird. Derzeit wird der EHCI-Hostcontroller neu entwickelt, danach der USB-Stack.[35]

Weiterhin wird derzeit die Unterstützung von DVB-T-Fernsehen entwickelt. Funktionierender Fernsehempfang ist trotz des frühen Entwicklungsstadiums sinnvoll, da sich durch diese Anwendung der Praxistest und das Zusammenspiel einer Vielzahl von Video- und Audiokomponenten dokumentieren und analysieren lässt und dadurch die weitere Entwicklung unterstützt wird.[34]

Status[Bearbeiten]

Das Projekt befindet sich zurzeit noch in der Alpha-Phase, weshalb ReactOS noch nicht für den alltäglichen Gebrauch vorgesehen ist. Derzeit sind ganze Geräteklassen wie Drucker, Scanner oder Fernsehkarten noch nicht mit ReactOS verwendbar, da deren Unterstützung noch nicht implementiert ist. Vor allem auf neuerer Hardware können noch häufig Abstürze auftreten. Auch Software-Subsysteme wie die Speech-API von MS fehlen noch völlig. Andere, wie z. B. Tonausgabe, sind bislang nur teilweise implementiert (z. B. kein MIDI).

Die Entwicklung grundlegender Systemtreiber ist bereits weit fortgeschritten, auch einige wenige Fremdtreiber der Gerätehersteller sind in der Kompatibilitätsliste als stabil eingetragen. Stabil arbeitende Standardanwendungen sind derzeit unter anderem VLC media player, Softmaker Office 2006 und Firefox, sowie grundlegende Dienstprogramme (z. B. 7-Zip) und bereits eine größere Reihe an Spielen, wie etwa Paintball 2, Quake III oder Civilization II.

Eine Herausforderung für die Entwickler liegt darin, trotz angestrebter Kompatibilität keine Sicherheitslücken des Vorbildes „nachzubauen“.

Wer zum Testen von ReactOS eine Installation vermeiden möchte, findet eine bootbare Live-CD jeder Version vor. Versiertere Tester und Entwickler verwenden aber zumeist eine virtuelle Maschine. Hierzu stehen fertige QEMU-, VirtualBox- und VMware-Abbilder zur Verfügung.

Hardwareanforderungen[Bearbeiten]

Die Anforderungen von ReactOS erlauben die Verwendung älterer Hardware. So kommt das System durchaus noch mit Prozessoren der ersten Pentium-Generation zurecht. Der Speicherbedarf wurde durch Behebung einiger Fehler in der Speicherverwaltung auf 32 Megabyte gesenkt.[25][36] Die Funktionsfähigkeit auf realer Hardware ist aufgrund des Alphastatus noch stark eingeschränkt, grundsätzlich funktioniert ältere Hardware besser als neuere. ReactOS bietet IDE- und SATA-Unterstützung. Die noch fehlerhafte USB-Unterstützung umfasst derzeit u. a. Eingabegeräte, Laufwerke (auch zum Booten) und einige Controller.[37]

Einige verwendbare Programme können jedoch höhere Anforderungen an die Hardware stellen.

Rechtliche Fragen[Bearbeiten]

Infolge einer projektinternen Diskussion wurde die Weiterentwicklung am 26. Januar 2006 kurzzeitig gestoppt. Um sicherzustellen, dass die bei der Entwicklung angewandten Verfahren zur Re-Implementierung undokumentierter Windows-Funktionen durch Reverse Engineering mit dem US-amerikanischen Urheberrecht in Einklang stehen, wurde eine vollständige Durchsicht des Quelltextes – ein so genanntes Code-Audit – begonnen, das erst im Dezember 2007 fertiggestellt wurde. Zu Beginn dieser Durchsicht wurde auf der Projekt-Website ein Zähler platziert, anhand dessen sich Interessierte über den Fortgang der Überprüfung informieren konnten. Der Zähler zeigte an, wie viel Prozent des ReactOS-Quelltextes bereits durchgearbeitet wurden. Diese Statusanzeige schwankte vor Beendigung des Audits mehrere Monate lang um die 96-Prozentmarke. Der Grund dafür war, dass sich die Entwickler die komplexesten Aufgaben bis zuletzt aufgehoben hatten und bei fehlerhaftem Code fallweise sogar entschieden hatten, Teile davon vollkommen neu zu schreiben.[38]

Strittig war, ob und wie während des Audits die Entwicklung des Betriebssystems weitergeführt werden soll. Anfang Februar sprach sich eine deutliche Mehrheit für ein Verfahren aus, bei welchem parallel zum Audit die Entwicklung am alten Code fortgeführt wird. Nach diesem Plan wird erst die übernächste Version 0.4 ausschließlich überprüften Quelltext enthalten. Der von einer kleineren Entwicklergruppe favorisierte Plan sah demgegenüber eine vollständige Sperrung des alten Codes und eine Löschung der ReactOS-Veröffentlichungen von den Download-Servern vor. Die Weiterentwicklung hätte nach diesem Plan ausschließlich am bereits geprüften Code erfolgen dürfen, was zu mehrmonatigen Verzögerungen geführt, jedoch die Rechtssicherheit maximiert hätte.[39]

Im Zuge dieser Phase haben mehrere Entwickler das Projekt verlassen.

Zuvor waren im November 2004 erstmals rechtliche Konflikte mit einem den Quelltext plagiierenden Projekt aufgetreten. Daher wurde die Bildung eines „Legal Defense Fund“ geplant, mit dessen Hilfe die juristischen Interessen von ReactOS vertreten werden sollen.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Captive – Das Projekt verwendet Teile von ReactOS, um Schreibzugriff auf das proprietäre Dateisystem NTFS durch andere Betriebssysteme als Windows zu ermöglichen.
  • E/OS – Eine Linux-Distribution, die sich zum Ziel gesetzt hatte, Programme von Microsoft Windows, Mac OS X, OS/2 und DOS zu unterstützen. Die Entwicklung wurde jedoch eingestellt.
  • FreeDOS – Open-Source-Projekt mit dem Ziel, MS-DOS nachzuprogrammieren
  • Haiku – Open-Source-Projekt mit dem Ziel, das eingestellte Betriebssystem BeOS nachzuprogrammieren

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ReactOS – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: ReactOS-Screenshots – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ReactOS Lizenz, abgerufen am 4. März 2012
  2. Roadmap des Projekts (englisch)
  3. Entwickler-FAQ auf der Projektseite (abgerufen am 13. Dezember 2009)
  4. Newsletter Nr. 67 vom 9. Dezember 2009
  5. Arwinss presentation (englisch) – Vorstellung des Projektkoordinators Aleksey Bragin, vom 16. Januar 2010, abgerufen am 6. Juni 2013
  6. ARWINSS – The new Windows subsystem for ReactOS/Windows – Präsentation über Arwinss (PDF-Datei; 900 kB; englisch)
  7. Newsletter Nr. 68 vom 22. Januar 2010
  8. Viktor Alksnis: Виктор Имантович Алкснис – Знакомство с проектом ReactOS (russian) 6. Juni 2007. Abgerufen am 11. Dezember 2009.
  9. Russian President Medvedev asked to fund Windows clone (englisch), BBC. 13. September 2011. Abgerufen am 14. September 2011. 
  10. Z98: ReactOS Presented to President Putin ReactOS Presented to President Putin. In: ReactOS News. 5. August 2012. Abgerufen am 23. Juni 2013.
  11. Russian president asked to Fund Windows Open Source Clone. Jordan Open Source Association. 12. September 2011. Abgerufen am 18. Juni 2013: „At the forum, ReactOS won "The Best Presentation" award and a grant of 100000 rubles (approximately 2400 JDs). In addition, around twenty large investors became interested in the project.
  12. Google Summer of Code 2006. Abgerufen am 18. Oktober 2013: „This is a page lists the students and organizations that participated in the Google Summer of Code 2006 program. [...] ReactOS
  13. TCP/IP driver replacement for ReactOS, using lwIP. Google. Abgerufen am 9. August 2011.
  14. Cameron Gutman: ReactOS is now using lwIP for TCP. 7. August 2011. Abgerufen am 9. August 2011.
  15. A personal appeal from ReactOS Project Coordinator Aleksey Bragin (englisch), abgerufen am 15. April 2013
  16. Spenderliste Stand: 24. Dezember 2012, abgerufen am 15. April 2013
  17. Sourceforge POTM June 2013. Sourceforge. 17. Juni 2013. Abgerufen am 17. Juni 2013: „Well I don’t want to spread too many rumors, but I can say that we do have something in the works. If all goes well, it’s going to be announced within a week. While I cannot go into too many details, I can say that it involves Kickstarter and what we believe to be a viable commercial product based off of ReactOS.
  18. Aleksey Bragin/Steven Edwards: Thorium Core Cloud Desktop (englisch) Kickstarter.com. 23. Dezember 2013. Abgerufen am 24. Dezember 2013.
  19. http://www.heise.de/open/meldung/ReactOS-Der-freie-Windows-XP-Nachbau-erfuellt-Anwenderwuensche-2161019.html
  20. reactos-community-edition auf indiegogo (englisch, 1. Juni 2014)
  21. Newsletter Nr. 41 vom 15. Mai 2008
  22. Newsletter Nr. 44 vom 6. August 2008
  23. Angaben des Newsletters vom 4. November 2008
  24. Angaben der News vom 4. Februar 2009
  25. a b Angaben der News vom 26. April 2009
  26. ReactOS 0.3.13 veröffentlicht – Meldung bei ReactOS, vom 22. März 2011
  27. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.13 verbessert Grafikunterstützung – Artikel bei Golem.de, vom 28. März 2011, abgerufen am 6. Juni 2013
  28. ReactOS 0.3.14 veröffentlicht – öffentliche Meldung von ReactOS, vom 7. Februar 2012
  29. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.14 erhält neuen Netzwerkstack und WLAN – Artikel bei Golem.de, vom 8. Februar 2012, abgerufen am 6. Juni 2013
  30. Windows-Nachbau: ReactOS 0.3.15 unterstützt USB-Geräte – Artikel bei Golem.de vom 31. Mai 2013, abgerufen am 6. Juni 2013
  31. TCP/IP driver replacement for ReactOS, using lwIP (englisch), abgerufen am 4. April 2013
  32. ReactOS gets USB Stack, with Help from Us (englisch), abgerufen am 4. April 2013
  33. ReactOS JIRA, abgerufen am 15. April 2013
  34. a b Newsletter Nr. 70 von Z98 vom 31. März 2010, (englisch)
  35. ReactOS-Entwicklerwiki: USB Stack (Statusangabe: 8. Januar 2010), (englisch)
  36. Installing ReactOS
  37. ReactOS-Newsletter Nr. 91 vom 28. Februar 2012
  38. FOSDEM-Interview mit Aleksey Bragin (2007, englisch)
  39. ReactOS Newsletter Nr. 11 vom 2. Februar 2006