Reaktorschnellabschaltung

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Rote SCRAM-Taste (rechts) am Bedienpult des TRIGA-Reaktors am Atominstitut der TU-Wien, Österreich

Die Reaktorschnellabschaltung (kurz RESA oder Scram, engl. für „abhauen“, „Leine ziehen“; auch Reaktortrip, ugs. trippen)[1] ist eine Sicherheitsmaßnahme bei Kernreaktoren. Die RESA kann in Störfällen manuell vom Bedienungspersonal oder automatisch durch ein Reaktorschutzsystem beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte ausgelöst werden.[2] Um Fehlalarme möglichst zu vermeiden, ermittelt das Reaktorschutzsystem Messwerte mehrfach redundant, bevor es die Abschaltung auslöst.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die RESA macht den Reaktor stark unterkritisch, beendet also die Kernspaltungs-Kettenreaktion. Sie dient nicht der gewöhnlichen Reaktorregelung, sondern fährt den Reaktor sofort herunter. Dies geschieht im Allgemeinen durch das Einfallen oder vollständige Einfahren der Steuerstäbe. Als zusätzliche, redundante Abschaltmaßnahme bei Leichtwasserreaktoren kann Borsäure über ein Hochdruckeinspeisesystem in den Reaktorkühlkreislauf eingespeist werden. Durch diese Maßnahmen wird die nukleare Kettenreaktion unterbunden und die Leistung des Reaktors reduziert sich auf die Nachzerfallswärme.

Bei der Katastrophe von Tschernobyl kam es aufgrund konstruktiver Besonderheiten des RBMK-Reaktors nach Auslösung der RESA trotzdem zu einer kurzfristigen Leistungssteigerung, die den Reaktor prompt kritisch machte und so seine Explosion auslöste.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits Enrico Fermi hatte 1942 bei Inbetriebnahme des ersten Kernreaktors, des Chicago Pile, eine Schnellabschaltmöglichkeit vorgesehen. Eine speziell eingewiesene Person sollte im Notfall eine Schnur mit einer Axt durchschlagen. An der Schnur hing ein Cadmiumstab, der die Kernspaltung beim Einfahren in den Reaktor unmittelbar gestoppt hätte.

Das englische Wort to scram bedeutet so viel wie „schnell wegrennen“, „abhauen“, „verduften“; es lässt sich auch als Akronym von Safety Cut Rope Axe Man, also etwa: „Sicherheitsmann, der das Seil mit der Axt durchtrennt“, auffassen.[3][4] Der Begriff Scram für die Reaktorschnellabschaltung ist auch heute im englischen Sprachgebrauch noch üblich.[2]

Als ATWS (Anticipated Transient without Scram) wird ein Ereignis bezeichnet, bei dem durch technisches Versagen eine nötige Schnellabschaltung nicht eintritt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. AKW-Stresstest sinnvoll gegen Restrisiko?, Swissinfo, 19. Mai 2011
  2. a b NRC Glossary: Scram. Nuclear Regulatory Commission, 2. August 2010, abgerufen am 14. März 2011 (englisch).
  3. Tales of Enrico Fermi. Argonne National Laboratory, abgerufen am 14. März 2011 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatScram! - Reactor veteran recalls account of the birth of a key word in the nuclear vernacular. Oak Ridge National Laboratory, September 2000, abgerufen am 14. März 2011 (englisch).