Real Madrid Castilla

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Real Madrid Castilla
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Ort Madrid, Spanien
Gegründet 21. Juni 1972 (1947)
Vereinsfarben weiß, violett
Stadion Estadio Alfredo di Stéfano
Plätze 8.400
Präsident Florentino Pérez
Trainer Zinédine Zidane
Homepage www.realmadrid.com
Liga Segunda División B
2013/14 20. Platz (Segunda División)
Heim
Auswärts

Real Madrid Castilla ist die zweite Mannschaft des spanischen Fußballklubs Real Madrid. Die Mannschaft, die den Talenten des eigenen Nachwuchses als Sprungbrett zum ersten Team dient, spielt gegenwärtig in der Segunda División B, der dritthöchsten Spielklasse des spanischen Fußballs.

Geschichte[Bearbeiten]

AD Plus Ultra (1947–1972)[Bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der spanische Fußball noch nicht über geregelte Jugendkategorien verfügte, begannen sich befreundete Amateurteams um die renommierten Klubs zu scharen, die zugleich (oft gegen finanzielle Unterstützung) als Talentschmiede dienten.

Im Falle von Real Madrid erfüllten eine Vielzahl von Klubs der spanischen Hauptstadt diese Funktion. Vor dem spanischen Bürgerkrieg waren dies z. B. Deportivo Pardiñas, Primitiva Amistad, Sociedad Recreativa El Cafeto, Stadium FC, Patria Balompié, Imperio FC, Sociedad Deportiva Leganés. Viele dieser Amateurklubs verschwanden im Zuge des bewaffneten Konflikts. Nach dem Krieg dienten vor allem Ferroviaria, Coppel, Mediodía, Girod und Cifesa Real Madrid als Talentschmieden.

Im Jahre 1947 schloss der damalige Präsident Santiago Bernabéu eine Übereinkunft mit der Agrupación Deportiva Plus Ultra, einem 1930 gegründeten Sportverein, der zu dieser Zeit in der Tercera División (damals dritthöchste Spielklasse) spielte und fortan zur Zweitmannschaft von Real Madrid wurde.

Das Abkommen war recht simpel: Der „Mutterklub“ sicherte AD Plus Ultra finanzielle Unterstützung zu und erhielt dafür das Recht, jederzeit auf Spieler des Vereins zurückzugreifen oder sie zu übernehmen. Ab 1952 verpflichtete der spanische Verband alle Profiteams zum Betrieb einer klubeigenen Amateurmannschaft. AD Plus Ultra übernahm nun offiziell diese Rolle bei Real Madrid. (Plus ultra (lat. immer weiter) war das Motto von Kaiser Karl V. und ist seitdem offizielles Motto Spaniens.)

Bereits in der Saison 1948/49 hatte die Mannschaft den ersten Platz in der Tercera División erreicht und war erstmals in die Segunda División aufgestiegen, wo sich das Team, mit Ausnahme der Spielzeiten 1953–1955 sowie 1956/57, bis ins Jahr 1963 halten konnte. Ab diesem Zeitpunkt ging es mit AD Plus Ultra sportlich jedoch zusehends bergab, nicht zuletzt nachdem die gleichnamige Versicherungsgesellschaft ihr Sponsoring beendet hatte. In den Saisons 1970/71 und 1971/72 erreichte die Mannschaft nur den 11. bzw. 10. Tabellenplatz in der Tercera División, deshalb entschloss sich Real Madrid im Sommer 1972 zur Schließung des Vereins. Die Lizenz als Real Madrids Zweitmannschaft ging auf Castilla Club de Fútbol über, einem Verein, der am 21. Juni 1972 von Real Madrid selbst gegründet wurde. Der Name entstand in Anlehnung an einem 1931 aus ehemaligen Fußballern des verschwundenen Racing Club Chamberí hervorgegangenen Klub.

Aus der fruchtbringenden Beziehung zwischen Real Madrid und AD Plus Ultra kamen unter anderem Spieler wie Zárraga, Mateos, Marsal, Casado, Vidal, Serena, Grosso oder Vicente del Bosque sowie Trainer Miguel Muñoz in den Profikader der Königlichen. Auch Luis Aragonés, späterer Star des Lokalrivalen Atlético Madrid, spielte in seiner Jugend für Real Madrids Filialteam.

Castilla CF (1972–1990)[Bearbeiten]

Unter dem Namen Castilla CF sollte die „Reserve“ Real Madrids die erfolgreichste Epoche durchleben. In der Spielzeit 1973/74 stand der spätere Defensivstar Real Madrids sowie des Nationalteams José Antonio Camacho in den Reihen der Mannschaft. In der Saison 1977/78 beendete das Team die neugegründete Segunda División B, die fortan die Tercera División als dritte Spielklasse ablöste, auf dem ersten Rang und stieg in die Segunda División auf. In der Saison 1979/80 erreichte Castilla CF überraschend das Endspiel um den spanischen Pokal (Copa del Rey), nachdem die Mannschaft gegen namhafte Gegner wie Racing Santander und die damaligen Erstdivisionäre Hércules Alicante, Athletic Bilbao, Real Sociedad und Sporting Gijón siegreich blieb. Dort unterlag man dem „Mutterteam“ Real Madrid im Estadio Santiago Bernabéu mit 1:6. Im Kader der Filiale stand auch Ricardo Gallego, der sich in der Folge sowohl in der ersten Mannschaft der Königlichen, als auch in der spanischen Nationalmannschaft einen Namen machte.

Dies berechtigte auch zur Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger der Saison 1980/81, ein Erfolg, der unter Filialteams in Europa bis heute einzigartig ist. In der ersten Runde schied die Mannschaft allerdings nach Verlängerung gegen West Ham United aus (HS: 3:1, RS: 1:5 n.V.). In den Reihen von Castilla CF stand damals Verteidiger Miguel Porlan „Chendo“, der von 1982 bis 1998 zahlreiche Erfolge in der ersten Mannschaft feierte.

In der Saison 1983/84 wurde Castilla CF schließlich Meister der Segunda División, durfte aber aufgrund der Regelung, dass Filialteams nicht in derselben Spielklasse wie die erste Mannschaft antreten dürfen, nicht in die erste Liga aufsteigen. Teil des Kaders war die legendäre Quinta del Buitre, ein Jahrgang bestehend den Spielern Emilio Butragueño, Rafael Martín Vázquez, Manolo Sanchís, Míchel und Miguel Pardeza, die zahlreiche Erfolge in der ersten Mannschaft feiern sollten. Auch dem damaligen Torhüter von Castilla CF José Manuel Ochotorena gelang der Sprung ins A-Team.

Weitere berühmte Spieler jener Tage, die sich jedoch als Profis in anderen Mannschaften einen Namen machten, sind beispielsweise der Star von Atlético Madrid und Real Valladolid José Luis Pérez Caminero oder Torhüter Santiago Cañizares, der insbesondere beim FC Valencia zahlreiche Erfolge feierte.

Im Jahr 1990 musste die Zweitmannschaft aufgrund eines Dekrets des spanischen Fußballverbandes in Real Madrid B umbenannt werden. Dieser Akt stieß bei den Fans auf wenig Gegenliebe, weshalb die zweite Mannschaft den Spitznamen el Castilla als die umgangssprachliche Bezeichnung behielt. Zeitgleich erfolgte nach zwölf Saisons in der Segunda División der Abstieg in die dritte Spielklasse.

Real Madrid B (1990–2005)[Bearbeiten]

Bereits unter der Bezeichnung Real Madrid B gelang in der Saison 1990/91 der sofortige Wiederaufstieg in die Segunda División. Dort sollte sich die Mannschaft, mit beachtlichen Resultaten wie Platz vier 1995/96 oder zwei sechsten Rängen 1992/93 und 1993/94, bis 1997 halten. In jener Epoche schafften zahlreiche Spieler über das B-Team den Sprung in den ersten Kader Real Madrids. Beispiele hierfür sind zwei spätere Klublegenden wie Raúl und Guti. Doch auch Alfonso Pérez Muñoz, Dani García Lara, Ismael Urzáiz, Pedro Contreras, Víctor Sánchez und Víctor Fernández sowie der Argentinier Juan Esnáider oder der Nigerianer Mutiu Adepoju, die ihre größten Erfolge bei anderen Vereinen feiern sollten, durchliefen damals die Talentschmiede der Königlichen. In der Saison 1996/97 erfolgte der Abstieg in die dritte Spielklasse obwohl der Kader gespickt mit zahlreichen jungen spanischen und internationalen Talenten war. Der Argentinier Esteban Cambiasso, später Starspieler bei Inter Mailand und seiner Nationalmannschaft, spielte in jener Saison ebenso für Real Madrid B wie die Brasilianer César Luís Prates und Iarley sowie die Spanier García Calvo, Javi Guerrero und Mista. Auch Samuel Eto’o, der seine größten Erfolge beim Erzrivalen FC Barcelona feiern sollte, stand in jener Spielzeit im Kader der Zweitmannschaft, das Reglement des spanischen Verbandes erlaubte jedoch aufgrund seines jugendlichen Alters keinen Einsatz.

Die folgenden acht Spielzeiten verbrachte die Mannschaft in der Segunda División B. Dennoch gelangten neben dem späteren Startorhüter Iker Casillas auch Ergänzungspielern wie Raúl Bravo, Francisco Pavón, Álvaro Mejía, Borja Fernández oder Antonio Núñez sukzessive in die erste Mannschaft. Der langersehnte Aufstieg glückte in der Saison 2004/05 als die von Juan Ramón López Caro trainierte Mannschaft die Gruppe I der Segunda B gewinnen konnte und sich im Aufstiegs-Play-off gegen Real Saragossa B und UB Conquense durchsetzte. Das entscheidende Rückspiel gegen Conquense bestritt das Team vor 57.326 Zuschauern im Estadio Santiago Bernabéu, ein neuer Rekord für die dritte Spielklasse in Spanien.[1] In der Mannschaft standen einige Fußballer, die sich später einen Namen als Profis machen sollten, wie Torhüter Diego López oder die Feldspieler Álvaro Arbeloa, Juanfran, Javi García, José Manuel Jurado, Rubén de la Red, Borja Valero und Roberto Soldado. Im Sommer 2005 entschloss sich die Klubführung Real Madrids im Zuge der Euphorie um den Wiederaufstieg in die Segunda División zu einer Namensänderung in Real Madrid Castilla, was der spanische Fußballverband auf Antrag genehmigte.

Real Madrid Castilla (seit 2005)[Bearbeiten]

Das Estadio Alfredo di Stéfano, Heimstätte von Real Madrid Castilla.

Nach einer guten ersten Saison in der zweiten Spielklasse, bei der man am Ende auf dem 11. Platz landete, konnte Real Madrid Castilla die Liga in ihrer zweiten Saison nur auf dem 19. Rang beenden, es erfolgte der Abstieg in die Segunda División B.

In der dritten Liga sollte die Mannschaft fünf Saisonen bleiben. 2010/11 erreichte das Team zwar das Aufstiegs-Play-off, scheiterte dort jedoch in der ersten Runde an CD Alcoyano. In der Saison 2011/12 jedoch gewann Real Madrid Castilla ihre Gruppe überlegen mit 14 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten CD Teneriffa. Im Aufstiegs-Play-off traf die junge Mannschaft auf den Mitfavoriten FC Cádiz, konnte sich jedoch nach Hin- und Rückspiel klar mit 8:1 durchsetzen und stieg somit zur Saison 2012/13 wieder in die Segunda División auf. Darüber hinaus setzte sich Real Madrid Castilla im Aufeinandertreffen um den Meistertitel der Segunda B gegen CD Mirandés sowohl auswärts als auch im Alfredo di Stéfano mit jeweils 3:0 durch.

Bislang schafften die Spanier Álvaro Arbeloa, Rubén de la Red, Juan Mata, Roberto Soldado, Álvaro Negredo, Borja Valero, Javi García und Juanfran sowie der Brasilianer Filipe Luís, der Russe Denis Tscheryschew, der Ungar Ádám Szalai, der Äquatorialguineer Javier Balboa und der Peruaner Cristian Benavente nicht nur den Sprung vom neuen FC Castilla zu einem Erstligisten, sondern debütierten darüber hinaus auch in ihren jeweiligen Nationalmannschaften.

Bekannte ehemalige Spieler[Bearbeiten]

Bekannte ehemalige Trainer[Bearbeiten]

Erfolge[Bearbeiten]

Statistiken[Bearbeiten]

Die Zweitmannschaft Real Madrids ist bislang nie aus der dritten Spielklasse abgestiegen.

Aktueller Kader[Bearbeiten]

Stand: 7. Oktober 2014

Tor Abwehr Mittelfeld Angriff
Alfonso Herrero SpanienSpanien 21.04.1994
Jacob SpanienSpanien 28.08.1991
Rubén Yáñez SpanienSpanien 12.10.1993
AbnerCL BrasilienBrasilien 30.05.1996
Diego Llorente SpanienSpanien 16.08.1993
Javier Noblejas SpanienSpanien 18.03.1993
Derik SpanienSpanien 21.02.1993
Jorge Pulido SpanienSpanien 08.04.1991
Fran SpanienSpanien 22.05.1995
JaimeCL SpanienSpanien 11.03.1995
Dani Suárez SpanienSpanien 07.05.1990
Guillermo VarelaCL UruguayUruguay 24.03.1993
Sergio Aguza SpanienSpanien 02.09.1992
Rubén Belima SpanienSpanien 11.02.1992
Cristian Benavente PeruPeru 19.05.1994
Burgui SpanienSpanien 29.10.1993
Marcos Llorente SpanienSpanien 30.01.1995
Álvaro MedránCL SpanienSpanien 15.03.1994
Gonzalo Melero SpanienSpanien 02.01.1994
Lucas Torró SpanienSpanien 19.07.1994
Mariano Dominikanische RepublikDominikanische Republik 01.08.1993
Kiko Femenía SpanienSpanien 02.02.1991
Eero MarkkanenCL FinnlandFinnland 03.07.1991
Raúl de Tomás SpanienSpanien 17.10.1994
CL Im Kader für die UEFA Champions League
Kader von Real Madrid Castilla (2009)
Betreuerstab
Name, Vorname Funktion
Zidane, Zinédine Cheftrainer

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Real Madrid Castilla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. De récord: casi 60.000 espectadores acuden al Bernabéu para apoyar al Real Madrid B. In: realmadrid.com. 26. Juni 2005, abgerufen am 29. Mai 2012 (spanisch).