Rechen (Werkzeug)
Der Rechen und die nördliche Harke (tw. synonym) sind Handwerkzeuge mit einem Stiel, einem quer dazu angesetzten Stab, dem „Holm“ oder „Rechenbalken“, und mehreren kurzen Fortsätzen, den „Zinken“. Das Gerät dient je nach Ausführung zum Zusammenziehen von lockerem Material (Laub, Grasschnitt oder Heu), Furchenziehen für Saatgut oder zum Bearbeiten des Bodens (Lockern, Reinigen von Pflanzenresten und Steinen, Ebenen und Verteilen). Anwendung findet es in der Landwirtschaft, im Gartenbau und im Baugewerbe.
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[Bearbeiten] Art und Bestand
Ein Rechen wird meistens aus Metall oder Holz gefertigt. Kunststoff kommt seltener zum Einsatz, da die Stabilität für die Anforderungen oft nicht ausreicht. Manchmal ist aber eine schonende Behandlung des Untergrundes gewünscht.
Die Stammform ist der Heurechen, der für die Heuernte (und den späteren Weitertransport) schon in der Römerzeit entwickelt wurde. Dieser Rechen entspricht physiologisch den gespreizten Fingern, die er in ihrem Funktionsumfang erweitert. Für jene Norddeutschen, die unterscheiden ist dieser Holzrechen mit tendenziell längerem Stiel von etwa 2 m der eigentliche Rechen.[1] Es gibt auch Heurechen aus leichtem Metall.
Schwere Rechen mit Holm und Zinken aus stabilem Metall und tendenziell kürzeren Stielen werden als Erdrechen bezeichnet und dienen dem Einebnen (Planieren) von lockerer Erde, Sand, Kies und Ähnlichem. Sie sind die Kleinausführung der Egge. Für manche Norddeutschen ist sie die eigentliche Harke.[1]
Oft fälschlicherweise als Rechen bezeichnet werden Federbesen. Diese auch Laubbesen, Laubrechen, Fächerbesen oder Fächerrechen genannte Konstruktion wird primär zum Zusammenkehren von Laub verwendet. Durch seine fächerartige, oft in der Breite verstellbare Konstruktion in Verbindung mit den nachfedernden Zinken wird es dem Nutzer ermöglicht, mit vergleichsweise viel Druck auf dem Boden zu arbeiten. Dabei er so gut wie nie stecken, da seine meist recht breiten Blechzinken in einem vergleichsweise flachen Winkel über den Boden gezogen werden.
[Bearbeiten] Verwendung
- Für die Bearbeitung von gepflegten Rasenflächen sind engzinkige Rechen aus Metall geeigneter, da sie auch kleine Bestandteile aufsammeln können und gleichzeitig den Rasen vertikutieren.
- In dichten, verfilzten und verwucherten Flächen ist ein weitzinkiger Rechen aus Holz besser geeignet, weil dieser nicht so leicht „stecken bleibt“. So hat dieser Rechen durchaus auch noch heute seine Daseinsberechtigung, auch wenn er oft für ein Museumsstück gehalten wird.
- Eine Sonderform war früher ein spezieller Ährenrechen mit besonders eng stehenden und gebogenen, dünnen Zinken. Diese Bauform aus Metall ist auch als (metallener) Heurechen bekannt.
- Der Rechen ist wichtigstes Werkzeug zum Anlegen eines Kare-san-sui, einer Form des japanischen Gartens.
[Bearbeiten] Sprachliches
Die Trennlinie der synonymen Oberbegriffe Rechen und Harke verläuft im Westen etwa bei der Benrather Linie, im Osten etwas südlicher, nördlich von Dresden, leicht nach Nordost weiterlaufend.[2] Im Norden wird stellenweise zwischen den beiden Begriffen bedeutungsmäßig unterschieden. Harke ist dabei der Erdrechen zum Glätten der Gartenbeete und Wege, und Rechen ist der Heurechen zum zusammenrechen von Laub und Gras.[1] Das dazugehörige Verbum lautet im Norden harken und im Süden rechen.[3] So wird auch bei jenen Norddeutschen, die zwischen den Arbeitsgeräten unterscheiden, die Formulierung „Laub harken“ nicht als falsch empfunden.[1]
Vereinzelt und missverständlich ist in Norddeutschland die Bezeichnung Forke belegt,[3] einem ebenfalls mit Zinken versehen Gerät welches unter anderem für ähnliche Aufgaben wie der Rechen verwendet wird. Der Kamm wird scherzhaft auch als Läuserechen bzw. Läuseharke bezeichnet.[3] Im Süddeutschen Raum wird die Bezeichnung Harke für eine Art von Hacke mit quergestelltem Blatt für die Bodenbearbeitung verwendet.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d Jürgen Eichhoff: Wortatlas der deutschen Umgangssprachen, Band 1, Saur, 1977, ISBN 9783772013379, Seite 23
- ↑ dtv-Atlas zur deutschen Sprache (1. Auflage 1978) S. 237
- ↑ a b c Helmut Protze: Wortatlas der städtischen Umgangssprache (Band 114 von Mitteldeutsche Forschungen), Böhlau, 1997, ISBN 9783412142964, S. 63