Rechlin

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Rechlin. Für weitere Bedeutungen dieses Namens siehe Rechlin (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rechlin
Rechlin
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rechlin hervorgehoben
53.33055555555612.72194444444467Koordinaten: 53° 20′ N, 12° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Mecklenburgische Seenplatte
Amt: Röbel-Müritz
Höhe: 67 m ü. NHN
Fläche: 77,28 km²
Einwohner: 2094 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17248
Vorwahl: 039823
Kfz-Kennzeichen: MSE, AT, DM, MC, MST, MÜR, NZ, RM, WRN
Gemeindeschlüssel: 13 0 71 122
Adresse der Amtsverwaltung: Marktplatz 1
17207 Röbel/Müritz
Webpräsenz: www.amt-roebel-mueritz.de
Bürgermeister: Wolf-Dieter Ringguth (CDU)
Lage der Gemeinde Rechlin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte
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Rechlin ist eine Gemeinde im Süden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde wird vom Amt Röbel-Müritz mit Sitz in der Stadt Röbel/Müritz verwaltet. Rechlin ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie[Bearbeiten]

Die größte Gemeinde im Amt Röbel-Müritz liegt an der Kleinen Müritz, einem mit dem Südteil der Müritz verbundenen Seearm. Über Kanäle und Seen ist Rechlin an die Havel sowie über die Müritz-Elde-Wasserstraße an die Elbe angebunden. Zum Gemeindegebiet zählen neben dem zwölf Kilometer langen Südostufer der Müritz zahlreiche weitere Seen (Woterfitzsee, Leppinsee, Großer Kotzower See). Der Norden des Gemeindegebietes hat einen Anteil am Müritz-Nationalpark.

Zu Rechlin gehören die Ortsteile Amalienhof, Boek, Boeker Mühle, Kotzow, Rechlin Nord, Retzow, Vietzen und Zartwitz.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1256 wurde ein Ritter Johann von Havelberg als Besitzer des Gutes Boek erwähnt. Seit 1841 war es bis zur Entziehung des Eigentums 1920 aufgrund der Ereignisse während des Kapp-Putsches in Waren (Müritz) im Besitz der Familie Le Fort.

Rechlin wurde 1374 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1916 entstand hier die Flieger-Versuchs- und Lehranstalt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die bestehenden Anlagen demontiert.

In der Mitte der 1930er Jahre wurde im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht das Gelände zur Erprobungsstelle Rechlin der deutschen Luftwaffe, die dort neue Flugzeuge, Bomben und technische Ausrüstungen testete.

Von 1943 bis 1945 wurde in Retzow ein Barackenlager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) zu einem Konzentrationslager umgebaut, das zunächst als Auffanglager für das überbelegte KZ Oranienburg diente. Die 1000 bis 1500 männlichen Häftlinge wurden beim Ausbau des Flugplatzes Lärz eingesetzt. Ab Mitte oder Ende 1943 wurde das KZ Retzow als Außenlager des KZ Ravensbrück genutzt und bis Kriegsende mit durchschnittlich 2000 bis 3000 Frauen belegt. Das Lager wurde am 1. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit.[2]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren die meisten Einwohner aus Rechlin geflüchtet. Auf dem Gelände der Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin wurden sowjetische Truppen stationiert und das Gebiet mit einer Mauer umgeben. Offiziell durften Rechliner diesen Teil nicht betreten. Nach dem Abrücken der Truppen wurde ein Teil des Geländes zur Waldsiedlung. Aus den ehemaligen Offiziershäusern der Erprobungsstelle wurden Einfamilien- und Doppelhäuser.

Kirche in Rechlin Nord

Die Kirche Rechlin in Rechlin Nord wurde durch das Engagement des damaligen Standortkommandanten, Olaf Bauer, vom Bundeswehrbesitz wieder in den Besitz der Kirche überführt. Sie ist renoviert worden und neben Gottesdiensten finden dort auch Veranstaltungen statt. Besonders an der Kirche ist, dass ihr Chor nach Westen zeigt, nicht nach Osten, wie sonst im Kirchenbau üblich.

Seit 1991 wurde der historische Ortskern im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert; das Ortsbild hat sich stark verbessert.

Seit dem Sommer 2010 sind Rechlin sowie der Ortsteil Boek als staatliche Erholungsorte anerkannt.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 5. November 1990 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 1 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Rot vier schräglinks endende silberne Seitenkeile und drei schräglinks gestellte blaue Pfeilspitzen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Luftfahrttechnisches Museum in Rechlin Nord
Dorfkirche in Boek

Museen[Bearbeiten]

  • Luftfahrttechnisches Museum Rechlin
  • Rechlin-Lärz-Luftfahrtmuseum
  • Zinnfigurenmuseum Gutshaus Boek

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Rechlin

Die neugotische St. Johanniskirche wurde 1847 von Peter von le Fort gebaut. Dieser war der Großvater der Schriftstellerin Gertrud von le Fort. In der Boeker Kirche steht die älteste erhaltene Orgel des Orgelbaumeisters Wilhelm Sauer von 1853. Durch eine private Spende konnte die Orgel 2003 restauriert werden und spielt wieder. Alle notwendigen Sanierungsarbeiten an der Kirche werden durch einen Förderverein finanziert. Im Sommer finden regelmäßig Konzerte und Ausstellungen statt.
  • Bolter Mühle: Eine 1665 vom Johanniterorden Mirow gegründete alte Wassermühle, die heute als Gästehaus, Kultur- und Ausflugsstätte genutzt wird
Bolter Mühle

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Durch die Lage an der Müritz und dem südlichen Eingang zum Nationalpark Müritz im Ortsteil Boek begünstigt, ist der Tourismus in Rechlin und der Umgebung ein wichtiger Erwerbszweig. Es gibt Ferienanlagen, Gästehäuser, Campingplätze, Surfschule, Hotels und andere touristische Einrichtungen. Viele Rechliner vermieten Ferienwohnungen in ihren Häusern oder Bootshäusern.

Mit Haus- und Freizeitbooten ist Rechlin aus mehreren Richtungen erreichbar. Fahrradwege durch den Naturpark sind gepflegt und gut ausgeschildert.

Linienbusse (mit Fahrradtransportanhängern) verbinden mit zahlreichen Haltestellen im Naturpark und dessen Nordeingang.

Der Zug der Wildgänse und Kraniche zieht im Herbst besonders viele Naturkundler an.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die größten Arbeitgeber des Ortes befinden sich im Ortsteil Rechlin Nord: Ein Folienhersteller, ein Bundeswehrdepot und als größter privater Arbeitgeber der Gemeinde ein Charterunternehmen mit angeschlossenener Werft. Im Gewerbegebiet im Süden Rechlins haben sich Unternehmen angesiedelt, die hauptsächlich im Bereich der Marinetechnik tätig sind.

Der VEB Schiffswerft Rechlin (im Kombinat Schiffbau) stellte zu DDR-Zeiten unter anderem Sport- und Rettungsboote her. Als Teil der Konsumgüterproduktion in der DDR wurden in den sechziger Jahren auch Nagetusch-Wohnwagen in Lizenz gefertigt. Nach missglückter Privatisierung des Betriebs nach der Wende wurde das Gelände versteigert. Im Anschluss wurden viele der alten Produktionshallen abgerissen und Altlasten entsorgt. Seit 1998 wurde die Feriensiedlung „Hafendorf Müritz“ errichtet. Im April 2010 standen 99 Ferienhäuser zur Verfügung, weitere sind im Bau.

Ein Teil des Werftgeländes wird weiter für den Schiffbau genutzt. Hier werden Hausboote gebaut. Inzwischen sind hier etwa 90 neue Arbeitsplätze entstanden.

Verkehr[Bearbeiten]

Über die Bundesstraße 198 ist Rechlin mit der Bundesautobahn 19 (BerlinRostock) sowie den in der Nähe gelegenen Städten Neustrelitz und Mirow verbunden. Über Landesstraßen erreicht man Röbel/Müritz und Waren (Müritz). Der Regionalflugplatz und zwei Yachthäfen (Marinas) komplettieren die gut ausgebaute Infrastruktur Rechlins. Rechlin liegt an der Verbindung von Müritz-Elde-Wasserstraße und Müritz-Havel-Wasserstraße und kann auf dem Wasserweg sowohl von Hamburg, als auch von Berlin und der südlichen Ostsee (Stettiner Haff) angelaufen werden.

Im Süden des Gemeindegebietes befinden sich Teile des Flugplatzes Rechlin-Lärz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhild Meßner: Gutsdörfer rund um die Müritz. Schwerin 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rechlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Vgl. Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 4, München 2006, S. 592–593
  3. Mitteilung vom Amt Röbel (PDF; 927 kB)