Rechnitz

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Dieser Artikel behandelt den Ort in Österreich; für das gleichnamige Theaterstück siehe bei Elfriede Jelinek.
Wappen Karte
Wappen fehlt
Rechnitz (Österreich)
DEC
Rechnitz
Basisdaten
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Bundesland Burgenland
Politischer Bezirk Oberwart (OW)
Fläche 43,8 km²
Koordinaten 47° 18′ N, 16° 26′ O47.30694444444416.438333333333366Koordinaten: 47° 18′ 25″ N, 16° 26′ 18″ O
Höhe 366 m ü. A.
Einwohner 3117 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte 71 Einwohner je km²
Postleitzahl 7471
Gemeindekennziffer 1 09 19
AT113
Adresse der
Gemeindeverwaltung
Marktgemeinde Rechnitz
7471 Rechnitz
Offizielle Website
Politik
Bürgermeister Engelbert Kenyeri (SPÖ)
Gemeinderat (2007)
(23 Mitglieder)
14 SPÖ, 9 ÖVP
Lage der gemeinde Rechnitz
Karte
Die Evangelische Kirche

Rechnitz (ungarisch: Rohonc, kroatisch: Rohunac, Romani: Rochonca) ist eine Marktgemeinde im Burgenland im Bezirk Oberwart in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Die Marktgemeinde Rechnitz liegt am Südhang des Günser Gebirges am Fuße des 884m hohen Geschriebensteins. Das waldreiche Mittelgebirge geht dort in Wein- und Obstgärten über, daran schließen sich die weiten Felder in den Ausläufern des pannonischen Tieflandes.

Der Ort liegt direkt an der Grenze zu Ungarn in der Nähe von Szombathely (Steinamanger). Nachbargemeinden sind Markt Neuhodis und Schachendorf im Süden sowie jenseits des nördlichen Berglandes Lockenhaus.

Sonniges, mildes Klima begünstigt Ackerbau, Forstwirtschaft sowie Wein- und Obstbau, wobei dem Marillenanbau hier besondere Bedeutung zukommt.

Im Zuge der Förderung von Tourismus und Wirtschaft erhielt das Gebiet im Süden von Rechnitz den Namen "Weinidylle Südburgenland".

[Bearbeiten] Tourismus

Ein schön gelegener Badesee, Reitmöglichkeiten, gemütliche Buschenschänken aber auch eine Kartbahn sind nur einige der zahlreichen Freizeitangebote. Der Naturpark Geschriebenstein-Irottkö ist mit seinen Wander- und Ausflugsmöglichkeiten ein beliebtes Erholungs- und Freizeitgebiet.

[Bearbeiten] Vereine

  • SV Rechnitz
  • ASKÖ Tennis-, Fitness- und Freizeitclub Rechnitz
  • Trachtenmusikkapelle
  • Rotes Kreuz Ortstelle
  • Weinbauverein
  • Volkstanzkreis
  • einige Chöre

[Bearbeiten] Geschichte

Der Ort entwickelte sich unter dem Schutz von Schloss Rechnitz. Marktgemeinde ist Rechnitz seit 1348.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Rohonc verwendet werden. Nach Ende des ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Der Ort hatte eine jüdische Gemeinde, die sich wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert hier ansiedelte. Bereits im Jahr 1649 wird eine Synagoge erwähnt, 1718 wurde ein größerer Neubau für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde errichtet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 859 Juden in Rechnitz. Heute erinnern nur noch die „Judengasse“ und der jüdische Friedhof an diese Zeit.[1]

[Bearbeiten] Rechnitz in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Rechnitz an zwei Stellen Zwangsarbeiter untergebracht, im „Lager Wald“ und in den Schlossanlagen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurden mit der Bahn etwa 600 Zwangsarbeiter, vor allem ungarische Juden, nach Burg transportiert, um bei der Errichtung des so genannten Südostwalls Hitlers eingesetzt zu werden. Etwa 200 von ihnen, die erschöpfungs- und krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnten, wurden jedoch bis nach Rechnitz zurücktransportiert und dort am 24. und 25. März 1945 beim Massaker von Rechnitz ermordet.

Am Abend des 29. März 1945 überschritt das 37. Garde-Schützenkorps der 9. sowjetischen Gardearmee die österreichische Grenze bei Rechnitz und eroberte den Ort nach mehrstündigen Gefechten gegen drei Volkssturmbataillone. Am 1. April gelang es dem SS-Panzergrenadierbataillon 11, Rechnitz nach heftigen Kämpfen zurückzuerobern. Der Kommandeur der Einheit, SS-Sturmbannführer Willi Schweitzer, wurde für die Rückeroberung mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Nach fünf Tagen musste sich die Waffen-SS jedoch wieder aus Rechnitz zurückziehen, um nicht eingeschlossen zu werden, worauf der Ort wieder von der Roten Armee besetzt wurde.[2]

[Bearbeiten] Ungarischer Volksaufstand

Während des ungarischen Volksaufstandes kam es am 23. November 1956 bei Rechnitz zum gefährlichsten Vorfall der Grenzüberwachung: Drei russische Soldaten drangen bei der Verfolgung ungarischer Flüchtlinge über die österreichische Staatsgrenze vor und schossen auf eine einschreitende Zollwachpatrouille. Anschließend versuchten sie ein junges Mädchen zu vergewaltigen, wurden jedoch von einer Gendarmeriepatrouille gestellt und zum niederlegen der Waffen aufgefordert. Während einer der Soldaten verhaftet werden konnte, flüchteten die anderen zwei Richtung Grenze; Bei einem anschließenden Schusswechsel wurde einer der Flüchtenden getötet, der andere konnte entkommen. Die Sicherheitsdirektion alarmierte daraufhin das Bundesheer, das daraufhin einen verstärkten Infanteriezug des Infanteriebataillon 2 nach Rechnitz verlegte, um die Bevölkerung zu beruhigen und vor möglichen Übergriffen zu schützen. Am 26. November wurde der Leichnam des erschossenen Soldaten in Anwesenheit des russischen Verteidigungsattachés, Oberst Makowskij, mit militärischen Ehren an die Russen in Ungarn übergeben. Der gefangene russische Soldat wurde erst am 1. Dezember, nach Intervention der sowjetischen Botschaft in Wien, den Russen übergeben. Der Grenzeinsatz wurde erst am 23. April 1957 offiziell beendet.

[Bearbeiten] Politik

Bürgermeister ist Engelbert Kenyeri von der SPÖ.

Die Mandatsverteilung (23 Sitze) in der Gemeindevertretung ist: 14 SPÖ und 9 ÖVP.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Gemeinde

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Rechnitz auf der Website des Österreichischen Jüdischen Museums
  2. Die Kämpfe im Bezirk Oberwart

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Rechnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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