Rechnitz

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Dieser Artikel behandelt den Ort in Österreich; für das gleichnamige Theaterstück siehe bei Elfriede Jelinek.
Rechnitz
Wappen von Rechnitz
Rechnitz (Österreich)
Rechnitz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Oberwart
Kfz-Kennzeichen: OW
Fläche: 43,74 km²
Koordinaten: 47° 18′ N, 16° 26′ O47.30694444444416.438333333333366Koordinaten: 47° 18′ 25″ N, 16° 26′ 18″ O
Höhe: 366 m ü. A.
Einwohner: 3.180 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 73 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7471
Gemeindekennziffer: 1 09 19
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktgemeinde Rechnitz
7471 Rechnitz
Website: www.rechnitz.com
Politik
Bürgermeister: Engelbert Kenyeri (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
15
8
15 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der gemeinde Rechnitz im Bezirk Oberwart
Bad Tatzmannsdorf Badersdorf Bernstein Deutsch Schützen-Eisenberg Grafenschachen Großpetersdorf Hannersdorf Jabing Kemeten Kohfidisch Litzelsdorf Loipersdorf-Kitzladen Mariasdorf Markt Allhau Markt Neuhodis Mischendorf Neustift an der Lafnitz Oberdorf im Burgenland Oberschützen Oberwart Pinkafeld Rechnitz Riedlingsdorf Rotenturm an der Pinka Schachendorf Schandorf Stadtschlaining Unterkohlstätten Unterwart Weiden bei Rechnitz Wiesfleck Wolfau BurgenlandLage der Gemeinde Rechnitz im Bezirk Oberwart (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Rechnitz (ungarisch: Rohonc, kroatisch: Rohunac, Romani: Rochonca) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich.

Geografie[Bearbeiten]

Rechnitz im Winter mit Günser Gebirge

Die Marktgemeinde Rechnitz liegt am Südhang des Günser Gebirges am Fuße des 884 m hohen Geschriebensteins. Das waldreiche Mittelgebirge geht dort in Wein- und Obstgärten über, daran schließen sich die weiten Felder in den Ausläufern des pannonischen Tieflandes.

Der Ort liegt direkt an der Grenze zu Ungarn in der Nähe von Szombathely (Steinamanger). Nachbargemeinden sind Markt Neuhodis und Schachendorf im Süden sowie jenseits des nördlichen Berglandes Lockenhaus.

Sonniges, mildes Klima begünstigt Ackerbau, Forstwirtschaft sowie Wein- und Obstbau, wobei dem Marillenanbau hier besondere Bedeutung zukommt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits um 500 v. Chr. war die Ebene südlich des Geschriebensteins besiedelt, was Funde aus der Keltenzeit beweisen. Bedeutende Funde wurde auch aus der Römerzeit gemacht, z. B. ein Strang der römischen Wasserleitung, die die Stadt Savaria mit Quellwasser versorgte.[1]

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts gründeten Slawen die Siedlung Orechovca, was soviel wie „Nusshain“ bedeutet. Dieser Name wurde später von deutschen Siedlern umgewandelt, und 1260 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung. 1348 erhielt Rechnitz das Marktrecht. Der Ort entwickelte sich unter dem Schutz von Schloss Rechnitz das über mehrere Jahrhunderte der Familie Batthyány gehörte.[2] Der aus den zwei Teilen Deutschmarkt und Ungarmarkt zusammengewachsene Ort war Zunftstätte zahlreicher Handwerker wie Stiefelmacher sowie vieler Mühlen. Das noch erhaltene Granarium (Schüttkasten) in der Bahnhofstraße zeugt von der landwirtschaftlichen Bedeutung des Ortes.

Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Rohonc verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Der Ort hatte eine jüdische Gemeinde, die sich wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert hier ansiedelte. Bereits im Jahr 1649 wird eine Synagoge erwähnt, 1718 wurde ein größerer Neubau für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde errichtet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 859 Juden in Rechnitz. Heute erinnern nur noch die „Judengasse“ und der jüdische Friedhof an diese Zeit.[3][4][5][6]

Nach Rechnitz benannt ist der, bislang nicht entzifferte, Codex Rohonczi, welcher in der ungarischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird.

Rechnitz in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Mahnmal Kreuzstadl Rechnitz

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Rechnitz an zwei Stellen Zwangsarbeiter untergebracht, im „Lager Wald“ und in den Schlossanlagen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurden mit der Bahn etwa 600 Zwangsarbeiter, vor allem ungarische Juden, nach Burg transportiert, um bei der Errichtung des so genannten Südostwalls Hitlers eingesetzt zu werden. Etwa 200 von ihnen, die erschöpfungs- und krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnten, wurden jedoch bis nach Rechnitz zurücktransportiert und dort in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 beim Massaker von Rechnitz ermordet.

Am Abend des 29. März 1945 überschritt das 37. Garde-Schützenkorps der 9. sowjetischen Gardearmee die österreichische Grenze bei Rechnitz und eroberte den Ort nach mehrstündigen Gefechten gegen drei Volkssturmbataillone.[7] Am 1. April gelang es dem SS-Panzergrenadier Ersatz- und Ausbildungsbataillon 11, Rechnitz nach heftigen Kämpfen zurückzuerobern. Der Kommandeur der Einheit, die vorwiegend aus jungen holländischen Freiwilligen bestand, SS-Sturmbannführer Willi Schweitzer, wurde für die Rückeroberung mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Nach fünf Tagen musste sich die Waffen-SS jedoch wieder aus Rechnitz zurückziehen, um nicht eingeschlossen zu werden, worauf der Ort wieder von der Roten Armee besetzt wurde.[8] Bei diesen Kampfhandlungen wurde das Schloss Rechnitz fast völlig zerstört und anschließend abgetragen.[9]

Rechnitz während des Ungarischen Volksaufstandes 1956[Bearbeiten]

Während des ungarischen Volksaufstandes kam es am 23. November 1956 bei Rechnitz zum gefährlichsten Vorfall der Grenzüberwachung: Drei russische Soldaten drangen bei der Verfolgung ungarischer Flüchtlinge über die österreichische Staatsgrenze vor und schossen auf eine einschreitende Zollwachpatrouille. Anschließend versuchten sie ein junges Mädchen zu vergewaltigen, wurden jedoch von einer Gendarmeriepatrouille gestellt und zum Niederlegen der Waffen aufgefordert. Während einer der Soldaten verhaftet werden konnte, flüchteten die anderen zwei Richtung Grenze; bei einem anschließenden Schusswechsel wurde einer der Flüchtenden getötet, der andere konnte entkommen. Die Sicherheitsdirektion alarmierte daraufhin das Bundesheer, das einen verstärkten Infanteriezug des Infanteriebataillons 2 nach Rechnitz verlegte, um die Bevölkerung zu beruhigen und vor möglichen Übergriffen zu schützen. Am 26. November wurde der Leichnam des erschossenen Soldaten in Anwesenheit des russischen Verteidigungsattachés, Oberst Makowskij, mit militärischen Ehren an die Russen in Ungarn übergeben. Der gefangene russische Soldat wurde erst am 1. Dezember, nach Intervention der sowjetischen Botschaft in Wien, den Russen übergeben. Der Grenzeinsatz wurde erst am 23. April 1957 offiziell beendet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Engelbert Kenyeri von der SPÖ.

Die Mandatsverteilung (23 Sitze) in der Gemeindevertretung ist: 15 SPÖ und 9 ÖVP.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptplatz Rechnitz mit kath. Kirche
Die evangelische Kirche
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Rechnitz

Tourismus[Bearbeiten]

Im Ort gibt es einen durch Aufstauen des Rechnitzbaches entstandenen Badesee und eine Kartbahn. Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő ist mit seinen Wander- und Ausflugsmöglichkeiten ein beliebtes Erholungsgebiet. Im Zuge der Förderung von Tourismus und Wirtschaft erhielt das Gebiet im Süden von Rechnitz den Namen Weinidylle Südburgenland.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

  • SV Rechnitz
  • ASKÖ Tennis-, Fitness- und Freizeitclub Rechnitz
  • Trachtenmusikkapelle
  • Rotes Kreuz Ortstelle
  • Weinbauverein
  • Volkstanzkreis
  • einige Chöre

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Personen mit Beziehung zum Ort[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rechnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Péter Kiss, Réka Mladoniczki, Jörg Scheuerbrandt, Eszter Harsányi: Die Colonia Claudia Savaria von der Mitte des 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. Colonia Claudia Savaria a Kr. u. 1. sz. közepe és a 3. sz. között. In: Im Auftrag des Adlers. A római sas szolgálatában. Publius Ferrasius Avitus. Begleitbuch zur Deutsch-ungarischen Sonderausstellung. Römermuseum, Osterburken 2012, ISBN 978-3-00-037759-4, S. 50.
  2. http://www.batthyany.at/
  3. Rechnitz auf der Website des Österreichischen Jüdischen Museums
  4. http://mibt-szombathely.hu/pages/konyv_tartalom.php?de#Rechnitz Jüdische Erinnerungen in der West-Pannonischen Region – Balázs Edit, Szombathely 2008, ISBN 978-963-06-4708-3
  5. http://www.vhs-burgenland.at/home/Geschichte_und_Zeitgeschichte.html
  6. http://www.vhs-burgenland.at/home/Geschichte_und_Zeitgeschichte_files/12rechnitz.pdf
  7. Manfried Rauchensteiner: Der Krieg in Österreich 1945, Österr. Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-01672-9.
  8. Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges. Pinka-Lafnitz-Hochwechsel
  9. Walter Kalina: Die Brigittakapelle in Wien 20 (1650/51). „...in capella a nobis nuper in sylva Thaber inter pontes Danuby extructa...“, in: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege. LIX, 2005, Heft 3/4, S. 252.