Reden gegen Verres

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Unter der Oberbezeichnung Reden gegen Verres (lateinisch Orationes in Verrem, deutsch auch „Verrinen“) werden zwei Reden Marcus Tullius Ciceros zusammengefasst, die dieser 70 v. Chr. im Zusammenhang mit einem Prozess gegen Gaius Verres verfasste, den ehemaligen Statthalter von Sizilien, der wegen Korruption und Erpressung angeklagt war.

Durch die Reden, die mit Ciceros Wahlkampf um das Amt des Ädilen zusammenfielen, konnte dieser hohes öffentliches Ansehen erringen. Zugleich wurde er zum bedeutendsten römischen Redner, da er Quintus Hortensius Hortalus, der bis dahin als wichtigster Redner Roms galt, schlagen konnte - Hortensius trat als Verres’ Verteidiger auf.

Der Prozess[Bearbeiten]

73 bis 71 v. Chr. war Verres Proprätor in Sizilien, einem der wichtigsten Getreidelieferanten des Römischen Reiches. Hier soll er veranlasst haben, dass Kunstgegenstände aus Tempeln entwendet wurden, die er in seiner Privatvilla aufstellen ließ.

Im Jahre 70 v. Chr. bat eine Abordnung aus Sizilien Cicero, gegen Verres einen Prozess anzustrengen, um dessen mutmaßliche Verbrechen auf der Insel zu sühnen. Cicero selbst war 75 v. Chr. auf Sizilien als Quästor tätig gewesen und hatte dort viele Kontakte geknüpft, die ihm beim Prozess gegen Verres halfen, umfangreiches Indizienmaterial zu sammeln.

Nachdem Cicero eine scharfe Angriffsrede gegen Verres gehalten hatte, riet dessen Verteidiger Hortensius dem Angeklagten, den Prozess verloren zu geben und ins freiwillige Exil zu gehen. Verres verbrachte den Rest seines Lebens in Massilia.

Cicero veröffentlichte später noch eine zweite Rede gegen Verres, die noch schärfer war als die erste. Diese war dafür gedacht gewesen, Verres’ Verteidiger zu antworten, was durch den Verlauf des Prozesses nicht mehr nötig war. Diese Rede wurde allerdings veröffentlicht, als sei sie wirklich gehalten worden. Das vierte Buch der „actio secunda“ ist als Quelle für das Verhältnis der römischen Führungselite zur (griechischen) bildenden Kunst und insbesondere für Ciceros Kunstverständnis von großer Bedeutung.

Rezeption[Bearbeiten]

In seinem historischen Roman Imperium beschreibt Robert Harris ausführlich den Prozess gegen Verres, Ciceros Rolle dabei und dessen akribische Vorbereitungen. Entgegen den Tatsachen stellt Harris es jedoch so dar, als sei Cicero durch den Verres-Prozess überhaupt erst zu einer bekannten öffentlichen Person in Rom geworden. Das war dieser jedoch bereits seit er zehn Jahre zuvor, 80 v. Chr., erfolgreich Sextus Roscius verteidigt hatte.

Forschungsliteratur[Bearbeiten]

  • Ettore Ciccotti: Il processo di Verre. Un capitolo di storia romana. Selbstverlag, Mailand 1895.
  • Christian Habicht: Cicero der Politiker. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34355-4.
  • Adolf Holm: Geschichte Siziliens im Altertum. 3 Bände. Engelmann, Leipzig 1870–1898 (Neudruck. Scientia-Verlag, Aalen 1979, ISBN 3-511-04600-9).
  • Jani Kirov: Die soziale Logik des Rechts. Recht und Gesellschaft der römischen Republik. V und R Unipress, Göttingen 2005, ISBN 3-89971-258-7 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 2004).
  • Kölner Arbeitskreis „Lateinische Anfangslektüre“ (Bearb.): Cicero gegen Verres. Anklage wegen Amtsmissbrauchs gegen einen römischen Provinzstatthalter. Ciceros Rede gegen Verres II, 4, 60–68, 72–83, 105–115. Diesterweg, Frankfurt am u. a. Main 1975, ISBN 3-425-04709-4 (Modelle für den altsprachlichen Unterricht – Latein).
  • Christoff Neumeister: Grundsätze der forensischen Rhetorik gezeigt an Gerichtsreden Ciceros. Hueber, München 1964 (Langue et parole 3, ZDB-ID 532712-x), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1962).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]