Regelaltersrente

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In der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) besteht Anspruch auf Regelaltersrente, wenn der Rentenversicherte die Regelaltersgrenze erreicht und die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hat (§ 35 SGB VI).

Regelaltersgrenze[Bearbeiten]

Geburtsjahr Regelaltersgrenze Erreichen der Regelaltersgrenze
1819–1851 70
1851–1946 65
1947 65 + 01 Monat 02.2012 bis 01.2013
1948 65 + 02 Monate 03.2013 bis 02.2014
1949 65 + 03 Monate 04.2014 bis 03.2015
1950 65 + 04 Monate 05.2015 bis 04.2016
1951 65 + 05 Monate 06.2016 bis 05.2017
1952 65 + 06 Monate 07.2017 bis 06.2018
1953 65 + 07 Monate 08.2018 bis 07.2019
1954 65 + 08 Monate 09.2019 bis 08.2020
1955 65 + 09 Monate 10.2020 bis 09.2021
1956 65 + 10 Monate 11.2021 bis 10.2022
1957 65 + 11 Monate 12.2022 bis 11.2023
1958 66 01.2024 bis 12.2024
1959 66 + 02 Monate 03.2025 bis 02.2026
1960 66 + 04 Monate 05.2026 bis 04.2027
1961 66 + 06 Monate 07.2027 bis 06.2028
1962 66 + 08 Monate 09.2028 bis 08.2029
1963 66 + 10 Monate 11.2029 bis 10.2030
1964 67 01.2031 bis 12.2031
ab 1965 67 Januar bis Dezember
des entsprechenden Jahres

Nach § 35 Satz 2 SGB VI wird die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 67. Lebensjahres erreicht. Allerdings verbleibt die Regelaltersgrenze für vor dem 1. Januar 1947 Geborene bei 65 Jahren, § 235 Abs. 2 Satz 1 SGB VI. Für Versicherte, die nach dem 31. Dezember 1946 geboren sind, erhöht sich die Regelaltersgrenze gemäß nebenstehender Tabelle. Die Regelaltersgrenze liegt abweichend davon bei 65 Jahren für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1955 geboren sind und vor dem 1. Januar 2007 Altersteilzeitarbeit im Sinne der § 2 und § 3 Abs. 1 Nr. 1 Altersteilzeitgesetz vereinbart haben oder Anpassungsgeld für entlassene Arbeitnehmer des Bergbaus bezogen haben. Die Rente wird nur auf Antrag geleistet (§ 19 Satz 1 SGB IV).

Wartezeit / Mindestversicherungszeit[Bearbeiten]

Für einen Anspruch auf die Regelaltersrente muss die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren (§ 50 Absatz 1 Satz 1 SGB VI) erfüllt sein. Sie kann durch Beitragszeiten und mit Ersatzzeiten erfüllt werden (§ 51 Absatz 1 und 4 SGB VI). Haben Versicherte bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit oder eine Erziehungsrente bezogen, gilt die allgemeine Wartezeit als erfüllt (§ 50 Absatz 1 Satz 2 SGB VI).

Rentenbeginn[Bearbeiten]

Die Regelaltersrente wird von dem Kalendermonat an geleistet, zu dessen Beginn die Anspruchsvoraussetzungen vorliegen, sofern der Rentenantrag bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach Ablauf des Kalendermonats gestellt wird, in dem die letzte Anspruchsvoraussetzung erfüllt wird (§ 99 SGB VI). Die Rente wird also frühestens ab dem Monat gezahlt, der auf den Monat folgt, in dem der Versicherte die Regelaltersgrenze vollendet; Personen die am 1. eines Monats Geburtstag haben, vollenden das Lebensjahr mit Ende des vorangehenden Monats, können die Rente also bereits in dem Monat beziehen, in dem sie ihren Geburtstag feiern. Bei einer Antragstellung nach der Drei-Monatsfrist beginnt die Rente frühestens mit dem Antragsmonat.

Der Versicherte hat die Möglichkeit, im Rentenantrag zu bestimmen, dass die Altersrente von einem späteren Rentenbeginn an geleistet werden soll. Sind die Anspruchsvoraussetzungen der Altersrente, abgestellt auf diesen von dem Versicherten bestimmten Rentenbeginn erfüllt, ist die Altersrente von diesem Zeitpunkt an zu leisten. Für jeden Kalendermonat, den die Rente nach Erreichen der Regelaltersgrenze nicht in Anspruch genommen wird, erhöht sie sich um 0,5 % (§ 77 Abs. 3 Satz 3 Nr. 3 SGB VI).

Zugangsfaktor[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zugangsfaktor

Der Zugangsfaktor für die Regelaltersrente ist 1,000 und kann durch einen späteren Rentenbeginn angehoben werden. Eine vorzeitige Inanspruchnahme der Regelaltersrente ist ausgeschlossen. Eine abschlagsfreie Rente vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze ist nur durch eine andere Rentenart zu erhalten (beispielsweise Altersrente für schwerbehinderte Menschen, Altersrente für besonders langjährig Versicherte, Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit oder Altersrente für Frauen).

Rentenformel der Regelaltersrente[Bearbeiten]

Die Rentenformel lautet mathematisch notiert:

Rente_{mtl} = EP \cdot ZF \cdot RAF \cdot aRW,

wobei Rente_{mtl} die monatliche Bruttorente in Euro darstellt, EP die erreichte Summe der Entgeltpunkte ist, ZF der Zugangsfaktor, RAF der Rentenartfaktor und aRW der aktuell gültige Rentenwert in Euro ist.

Da bei der Regelaltersrente der Zugangsfaktor und der Rentenartfaktor jeweils 1,0 lauten, lässt sich die Rente über die einfache Multiplikation der Entgeltpunkte mit dem aktuellen Rentenwert ermitteln.

Beispiel:
Hat ein Arbeitnehmer 45 Jahre in den alten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland gearbeitet und stets ein Arbeitsentgelt in Höhe des jährlich ermittelten Durchschnittseinkommens erzielt, wird er statistisch als Eckrentner bezeichnet. Er erhält seit dem 1. Juli 2013 eine monatliche Bruttorente von 1.266,30 EUR (= 45 EP x 28,14 EUR).

Monatslohn in
Euro (Brutto)
Nettorente* in Euro
nach 35 Jahren
(50,1% Niveau)
Nettorente* in Euro
nach 40 Jahren
(50,1% Niveau)
1900
(Stundenlohn 10,80)
613,41 701,04
2100
(Stundenlohn 11,93)
677,98 774,84
2300
(Stundenlohn 13,07)
742,55 848,63
2500
(Stundenlohn 14,20)
807,12 922,43
2700
(Stundenlohn 15,34)
871,69 996,22
2900
(Stundenlohn 16,48)
936,26 1070,02
*) Bruttorente abzgl. Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag
ohne Kinder und vor Steuern (vgl. Nachgelagerte Besteuerung);
Rechengrößen Stand 1. Juli 2011

Hinzuverdienst[Bearbeiten]

Der Bezieher einer Regelaltersrente darf unbeschränkt hinzuverdienen, ohne dass der Hinzuverdienst zur Minderung oder gar zum Wegfall der Rente führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Datenschieber der LVA Hannover über zu erwartende Versicherungsjahre.

Die mit dem „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“ vom 22. Juni 1889 eingeführte allgemeine Altersgrenze, die zum Bezug von Rente berechtigte, betrug im deutschen Kaiserreich ab 1. Januar 1900 zunächst 70 Jahre. Am 19. Juli 1911 wurde diese Altersgrenze auch in § 1257 der Reichsversicherungsordnung (RVO) (RGBl. S. 509) festgelegt. Für Angestellte wurde sie im selben Jahr vom Gesetzgeber im „Versicherungsgesetz für Angestellte“ in § 25 vom 20. Dezember 1911 auf 65 Jahre herabgesetzt. Ab 1. Januar 1916 wurde die Herabsetzung auch in der Arbeiterrentenversicherung nachvollzogen.

Für weibliche Versicherte in der Arbeiterrentenversicherung galt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs für Frauen eine Altersgrenze ab dem 55. Lebensjahr, sofern sie vier lebende Kinder geboren hatten und ihre Ehemänner gestorben waren. Dies regelte § 2 Abs. 2 des „Zweiten Gesetzes über die Verbesserung der Leistungen in der Rentenversicherung“ vom 19. Juni 1942 (RGBl. I S. 407) und § 1 der „Verordnung zur Anpassung der Reichsversicherungsgesetze an das Zweite Gesetz über die Verbesserung der Leistungen in den Rentenversicherung“ vom 22. Juni 1942 (RGBl. I S. 411) mit der Ergänzung durch § 1253 Abs. 2 RVO.

Mit der Rentenreform 1957 galt in der Bundesrepublik Deutschland für die Rentenversicherungen der Angestellten und Arbeiter eine einheitliche Regelung der Altersgrenze. Danach erhielten weibliche Versicherte, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, auf Antrag Altersruhegeld, wenn sie die Wartezeit erfüllt und in den letzten 20 Jahren überwiegend eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung oder Tätigkeit ausgeübt haben (§ 25 Abs. 3 AnVG in der Fassung des Angestelltenversicherungs-Neuregelungsgesetzes vom 23. Februar 1957 [BGBl. I S. 88]). Für männliche Versicherte und für weibliche Versicherte, die die Voraussetzungen des § 25 Abs. 3 AnVG nicht erfüllten, galt grundsätzlich § 25 Abs. 5 AnVG, nach welchem den Versicherten Altersruhegeld gewährt wird, die das 65. Lebensjahr vollendet und die Wartezeit erfüllt haben. Die Einführung einer besonderen Altersgrenze für Frauen ging dabei auf einen Vorschlag des Bundestagsausschusses für Sozialpolitik zurück. Zur Begründung der vom Regierungsentwurf abweichenden Regelung führte dieser in seinem Bericht aus (zu BTDrucks. II/3080, S. 10 zu § 1253): „Bei dieser besonderen Altersgrenze für Frauen hat sich der Ausschuß davon leiten lassen, daß die versicherte Frau vielfach einen Doppelberuf als Arbeitnehmer und Hausfrau erfüllt hat, der eine frühzeitige Abnutzung der Kräfte und damit frühzeitige Berufsunfähigkeit hervorruft.“

Mit dem Rentenreformgesetz (RRG) vom 16. Oktober 1972 (BGBl. I S. 1965) erhielt die Versicherte Altersruhegeld auf Antrag, die das 60. Lebensjahr vollendet und die Wartezeit nach Absatz 7 Satz 2 erfüllt hat - diese betrug 180 Kalendermonate -, wenn sie in den letzten 20 Jahren überwiegend eine rentenversicherungspflichtige Beschäftigung oder Tätigkeit ausgeübt hat. Mit dem RRG wurde auch das flexible Altersruhegeld eingeführt, dass nach § 25 Abs. 1 AnVG auf Antrag der Versicherten vom 63. Lebensjahr oder, wenn sie Schwerbehinderte sind, vom 60. Lebensjahr an bewilligt werden kann, sofern sie 35 anrechnungsfähige Versicherungsjahre zurückgelegt haben.

Am 17. Februar 1987 entschied das Bundesverfassungsgericht (1 BvR 455/82), dass unterschiedliche Altersgrenzen für Renten bei Frauen und Männern nicht verfassungswidrig und mit dem Grundgesetz Artikel 3 Absatz 2 vereinbar ist.

Im ab 1. Januar 1992 geltenden Sozialgesetzbuch wurde die für Frauen geltende Regelung dann neuerlich geändert.

„Versicherte Frauen haben Anspruch auf Altersrente, wenn sie
1. das 60. Lebensjahr vollendet haben,
2. nach Vollendung des 40. Lebensjahres mehr als zehn Jahre Pflichtbeitragszeiten haben und
3. die Wartezeit von 15 Jahren erfüllt haben.“

lautete der nunmehrige Gesetzestext in § 39 SGB VI, wenn Frauen vor der allgemeinen Altersgrenze von 65 Jahren in Rente gehen wollten. Für Männer wie für Frauen wurde ein Zugangsfaktor bestimmend, der die Situation bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Altersrente beziehungsweise bei Verzicht auf eine Altersrente nach dem 65. Lebensjahr mit Zu- oder Abschlägen regulierte. Verschont wurden vom Zuschlagsfaktor die vor 1941 geborenen Antragsteller. Der Zugangsfaktor bewirkt, dass sich die Rente über ihre gesamte Rentenlaufzeit für jedes Jahr des Vorziehens um 3,6 % mindert und für jedes Jahr des Verzichts um 6 % erhöht.

Der Gesetzgeber entschied sich im Hinblick auf längere Rentenbezugsdauern weiter, stufenweise die geltenden Altersgrenzen von 60 Jahren wegen Arbeitslosigkeit und für Frauen sowie von 63 Jahren für langjährig Versicherte für die Altersrenten, die unter besonderen Voraussetzungen bereits vor Vollendung des 65. Lebensjahres in Anspruch genommen werden können, auf das 65. beziehungsweise 67. Lebensjahr anzuheben.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundessozialgericht, Beschluss vom 23. August 2005, Az. B 4 RA 28/ 03 R; Volltext. Abgerufen am 10. Februar 2011
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