Autonome Region Madeira

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Região Autónoma da Madeira
Autonome Region Madeira
Flag of Madeira.svg Flagge Madeiras Coat of arms of Madeira.png Wappen Madeiras
Motto: Das ilhas as mais belas e livres
Madeira topographic map-fr.svg
Azoren Madeira Marokko Spanien Algarve Alentejo Lissabon Região Centro Região Norte (Portugal)Karte
Über dieses Bild
Staat Portugal
Geographische Lage 32° 45′ N, 17° 0′ W32.75-17Koordinaten: 32° 45′ N, 17° 0′ W
Sprache Portugiesisch
Hauptstadt Funchal
Andere Städte Porto Santo, Machico, Santa Cruz, Câmara de Lobos, Santana, Caniço
Fläche 801 km² (Inselgruppe M.)
Einwohner (2010) 235.166 2,5 % der Bevölkerung Portugals
Anzahl Gemeinden 11
Höchster Punkt Pico Ruivo (1.862 m)
Präsident der Regionalregierung Alberto João Jardim
Autonomie seit 1976
Zeitzone UTC+0 WEZ
UTC+1 WEZ+1 (März bis Oktober)
Internationale Vorwahl +351 291
Hymne Hino da Região Autónoma da Madeira (regional)
Funchal, Hauptstadt von Madeira

Die portugiesische Autonome Region Madeira ist die politische Entität, die aus dem Archipel Madeira (mit der Hauptinsel Madeira), den Ilhas Desertas und den Ilhas Selvagens besteht.

Geographie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Madeira (Inselgruppe)

Der Archipel Madeira besteht aus der Hauptinsel Madeira und der kleineren Insel Porto Santo. Südöstlich liegen die Ilhas Desertas (Ilhéu Chão, Deserta Grande und Bugio). Auf halbem Weg zu den Kanarischen Inseln liegen die Ilhas Selvagens.

Einwohner[Bearbeiten]

Bewohnt sind nur die Inseln Madeira und Porto Santo.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Madeiras

Politik[Bearbeiten]

1976 wurde Madeira zur Região Autónoma da Madeira, mit eigener Regierung und Parlament. Es gehört als Teil Portugals zur Europäischen Union. Bei den ersten freien Wahlen ergab sich eine Mehrheit für die christlich-konservative Sozialdemokratische Partei PSD. Seit 1978 ist der katholische Zeitungsherausgeber Alberto João Jardim von der PSD Präsident der Regionalregierung; mit kurzer Unterbrechung 2007 als er aus Protest gegen das neue Gesetz über die Regionalfinanzen, das Kürzungen der Finanzbeihilfen aus dem Staatshaushalt vorsah, von seinem Amt zurücktrat.

Alberto João Jardim steht politisch in Portugal unter scharfer Beobachtung und zugleich sind Korruptionsvorwürfe gegen ihn an der Tagesordnung, weil die tatsächlichen Schulden Madeiras in Höhe von 6,3 Milliarden Euro[1] jahrelang nicht korrekt angegeben wurden. Daraus entstand ein Fehlbetrag von 1,1 Milliarden Euro, der erst im September 2011 auftauchte. Jardim wurde vorgeworfen, unter ihm seien seit 2008 Schulden nicht deklariert und Rechnungen nicht verbucht worden.[2][3] Noch 2009 hatte Jardim es abgelehnt Sparmaßnahmen vorzunehmen und keine neue Schulden mehr aufzunehmen. Wiederholt äußerte Jardim auch Drohungen mit einer Unabhängigkeit der Insel und einem Austritt aus der Europäischen Union.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Die autonome Region ist in elf Kreise (municípios) unterteilt.

Administrative Aufteilung Madeiras
UN-LOCODE  Kreis (município)
 PT CLH Calheta
 PT CML Câmara de Lobos
 PT FNC Funchal
 PT MCH Machico
 PT PSL Ponta do Sol
 PT PMZ Porto Moniz
 PT PXO Porto Santo (Vila Baleira)
 PT RBR Ribeira Brava
 PT SCZ Santa Cruz
 PT STN Santana
 PT SVC São Vicente

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis in die 1970er Jahre war Madeira eine der ärmsten Regionen Europas. Madeiras BIP pro Kopf betrug 1974 nur 40 % des durchschnittlichen portugiesischen BIPs. In den letzten 30 Jahren hat Madeira wirtschaftlich enorm aufgeholt. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der letzten zehn Jahre lag bei 5 %. Das BIP pro Kopf ist heute 29 % höher als der portugiesische Durchschnitt und beträgt etwa 80 % der EU-15 (2003) und 90,4 % der EU-25 (2005).[4] Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Derzeit plant die Regionalregierung die Zahl der Hotelbetten von 29.000 auf 39.000 zu steigern. Besonders die Gebiete an der Nordküste und dem Landesinneren sollen gefördert werden, während das Wachstum in Funchal begrenzt werden soll. Das „Madeira International Business Center“ (IBC) ist die zweite Säule der madeirischen Wirtschaft. Mit Steuervergünstigungen wurden hier mehrere tausend Unternehmen angesiedelt, die 3000 direkte Arbeitsplätze geschaffen haben. Das IBC macht 21 % des madeirischen Bruttoinlandsproduktes aus. Unter anderem haben sich Telekommunikations- und Internetfirmen niedergelassen, die Madeira wegen seiner im europäischen Vergleich niedrigen Mehrwertsteuersätze schätzen. Im Jahr 2002 hat sich hier zum Beispiel der französische Internetprovider Wanadoo niedergelassen. Madeira wird zunehmend auch von internationalen Unternehmen für Konferenzen genutzt. Außerdem ist Madeira der Sitz zahlreicher Reedereien und seit 1988 Sitz der Universität Madeira.

Die Madeirische Wirtschaft befindet sich derzeit in einem Umwandlungsprozess. Der Tourismussektor versucht zunehmend, Aktivurlauber (45–65 Jahre alt) anzulocken, um seinen Ruf als Rentnerparadies zu verändern. Daher wird auch versucht, Billigfluggesellschaften anzuwerben. Die Erhöhung der portugiesischen Mehrwertsteuersätze von 13 % auf 15 % haben einige potentielle Investoren wie Yahoo, AOL und Apple von Investitionen auf Madeira abgehalten. Während die madeirische Regionalregierung eine Ausnahmeregelung für Madeira auszuhandeln versucht, stärken die madeirischen Firmen ihr Profil im Servicebereich, um dem Wettbewerb standzuhalten. Madeira steht im direkten Wettbewerb mit Luxemburg und Zypern, welche ebenfalls Mehrwertsteuersätze von 15 % bieten.

Tourismus[Bearbeiten]

Besucher aus Großbritannien dominieren unter den Gästen vor allem in Funchal und Câmara de Lobos, wo Churchill gemalt hat. Er stieg im 1891 eröffneten Luxushotel Reid’s Palace ab, das eines der Leading Hotels of the World und weit über die Insel hinaus das bekannteste Hotel ist.

Für Briten ist Madeira ein traditionelles Urlaubsziel. Man trifft auf Madeira jedoch auch Touristen aus ganz Europa – insgesamt aber in nicht zu hoher Anzahl und dann vornehmlich östlich der Hauptstadt (Funchal), in Caniço. Das Verhältnis der britischen zu den deutschen Besuchern hat sich verschoben. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der deutschen Touristen stark gestiegen. An drei bis vier Wochentagen wird Funchal aus Deutschland angeflogen (Stand: 2007).

Madeira ist als Wanderparadies bekannt, mit frühlingshaften bis sommerlichen, angenehmen Temperaturen das ganze Jahr hindurch. Entlang den Levadas (kleine Wasserkanäle, besonders im Nordteil der Insel) sind vor gut 300 Jahren von maurischen Sklaven Wege zur Wartung und Pflege angelegt worden, die bis heute als Wanderwege gut gepflegt werden und grandiose Ein- und Ausblicke in die Schönheit der Insel geben. Kerngebiet ist die Gegend zwischen Porto da Cruz und Santana im Norden (Weltnaturerbe der UNESCO). Bemerkenswert ist auch die Bergwanderroute zwischen dem dritthöchsten Gipfel Pico do Arieiro und dem höchsten Berg Pico Ruivo. Diese Wanderung sollte man am frühen Morgen beginnen – gegen Mittag liegen die Berge oft in Wolken.

Auf Madeira gibt es kaum Badestrände. In den letzten Jahren wurden jedoch geschützte Badebuchten errichtet. Diese sind entweder befestigte natürliche Felsbadebuchten (zum Beispiel Lido Galomar in Caniço), natürliche Felsbadebecken wie in Porto Moniz, oder kleine künstliche Sandstrände (Calheta). In Caniço gibt es seit 25 Jahren einen Unterwasser-Nationalpark, in dem man tauchen kann.

Die Nebeninsel Porto Santo (zwei bis drei Stunden mit der Fähre oder 20 Minuten Flug) bietet dagegen einen neun Kilometer langen Sandstrand, ist aber landschaftlich bei weitem nicht so interessant (Erosion durch Abholzung durch die alten Seefahrer).

Insgesamt besuchten im Jahr 2005 zirka 1 Million Touristen die Insel, wobei ungefähr 200.000 mit Kreuzfahrtschiffen kamen und daher nur kurz verweilten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Já conhece as dívidas da Madeira? (deutsch: Kennen Sie die Schulden von Madeira?), Dinheiro Vivo Online, aufgerufen 25. Januar 2012 (pt)
  2. Moody´s stuft Kreditwürdigkeit von Madeira runter Focus Online, aufgerufen 23. September 2011
  3. Börsen-Zeitung, 17. September 2011, Gewinnmitnahmen und Ecofin drücken Euro
  4. Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25 (Version vom 12. März 2007 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Madeira – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Madeira – Reiseführer