Regierung Verhofstadt II

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Die belgische Regierung Verhofstadt II war vom 12. Juli 2003 bis zum 21. Dezember 2007 im Amt.[1] Am 14. Juli 2003 sprach ihr die Abgeordnetenkammer das Vertrauen aus.[2][3] Die Regierung bestand aus fünfzehn Ministern (Premierminister einbegriffen) und sechs Staatssekretären.

Diese zweite von Guy Verhofstadt (VLD) geführte Regierung setze sich einerseits aus flämischen und frankophonen Liberalen (VLD und MR) und andererseits aus flämischen und frankophonen Sozialisten (sp.a und PS) zusammen. Sie erhielt den Namen „violette Regierung“ (ndl. paars, frz. violette) in Anlehnung an die Mischung zwischen blau und rot (den Farben der bildenden Parteien). Zudem wurde die Partei Spirit, die kleine Kartellpartnerin der sp.a und Splitterpartei der ehemaligen flämisch-nationalistischen Volksunie, an der Regierung beteiligt.

Die Regierung Verhofstadt II war die Nachfolgerin der Regierung Verhofstadt I, die ihrerseits aus Liberalen, Sozialisten und Grünen zusammengestellt war (sogenannte „Regenbogen-Koalition“). Da die letztgenannten nach den Wahlen vom 18. Mai 2003 nicht mehr notwendig für die Bildung einer Mehrheit im föderalen Parlament waren, beschlossen Liberale und Sozialisten, alleine die Regierung zu stellen. Die Regierung wurde nach 35 Tagen der Verhandlung gebildet.[4]

Während ihrer Laufzeit wurden in der Regierung Verhofstadt II zwei Mal tiefgreifende personelle Veränderungen vorgenommen. Zuerst am 18. Juli 2004 nach den Regional- und Europawahlen, infolge derer der frankophone Liberale Louis Michel in die Europäische Kommission entsandt wurde und verschiedene Minister die Föderalregierung verließen, um den Regierungen der Gemeinschaften und Regionen beizutreten. Und daraufhin ein zweites Mal am 17. Oktober 2005 als der flämische Sozialist Johan Vande Lanotte zurücktrat, nachdem er zum Parteipräsidenten der sp.a gewählt wurde. Als scheidende Regierung verließen schließlich Armand De Decker und Rudy Demotte die Regierung, um ihr Amt als respektive Präsident des Senats und Ministerpräsident der Wallonischen Region anzutreten.

Bei den Wahlen vom 10. Juni 2007 verloren die Liberalen und Sozialisten ihre Mehrheit im Parlament. Die Regierung blieb jedoch offiziell bis Dezember 2007 als scheidende Regierung im Amt, da es dem damaligen designierten Regierungsbildner Yves Leterme (CD&V-N-VA) nicht gelang, eine neue Regierung aufzustellen. Am 21. Dezember 2007 bildete Guy Verhofstadt schließlich auf Wunsch des Königs die „Übergangsregierung“ Verhofstadt III, um das Land von der festgefahrenen Situation zu befreien, und löste somit offiziell die Regierung Verhofstadt II auf.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Minister Name Partei
Premierminister Guy Verhofstadt VLD
Vizepremierministerin, Ministerin für Justiz Laurette Onkelinx PS
Vizepremierminister, Minister für Finanzen
bis 18. Juli 2004: Minister für Finanzen
Didier Reynders MR
Vizepremierminister, Minister für den Haushalt und Verbraucherschutz
bis 17. Oktober 2005: Vizepremierminister, Minister für den Haushalt und öffentliche Betriebe
Freya Van den Bossche
bis 17. Oktober 2005: Johan Vande Lanotte
sp.a
sp.a
Vizepremierminister, Minister für Inneres Patrick Dewael VLD
Minister für auswärtige Angelegenheiten
bis 18. Juli 2004: Vizepremierminister, Minister für auswärtige Angelegenheiten
Karel de Gucht
bis 18. Juli 2004: Louis Michel
VLD
MR
Minister für Arbeit
bis 18. Juli 2004: Minister für Arbeit und Pensionen
Peter Vanvelthoven
bis 17. Oktober 2005: Freya Van den Bossche
bis 18. Juli 2004: Frank Vandenbroucke
sp.a
sp.a
sp.a
Minister der Verteidigung André Flahaut PS
Minister für Soziales, öffentliche Gesundheit und Europäische Angelegenheiten
bis 20. Juli 2007: Minister für Soziales und öffentliche Gesundheit
Didier Donfut
bis 20. Juli 2007: Rudy Demotte
PS
PS
Minister für Wirtschaft, Energie, Außenhandel und Wissenschaftspolitik Marc Verwilghen
bis 18. Juli 2004: Fientje Moerman
VLD
VLD
Minister für Mobilität
bis 18. Juli 2004: Minister für Mobilität und Sozialwirtschaft
Renaat Landuyt
bis 18. Juli 2004: Bert Anciaux
sp.a
Spirit
Minister für das öffentliche Amt, soziale Integration, die Politik der Großstädte und Chancengleichheit
bis 18. Juli 2004: Ministerin für den öffentlichen Dienst, soziale Integration und die Politik der Großstädte
Christian Dupont
bis 18. Juli 2004: Marie Arena
PS
Ministerin für Mittelstand, Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit
vor 12. Juli 2007: Ministerin für Mittelstand und Landwirtschaft
Sabine Laruelle MR
Minister für Umwelt und Pensionen
neues Amt ab 18. Juli 2004
Bruno Tobback sp.a
Minister für die Modernisierung der Finanzen und die Bekämpfung von Steuerhinterziehung
bis 12. Juli 2007: Staatssekretär für die Modernisierung der Finanzen und die Bekämpfung von Steuerhinterziehung
Hervé Jamar MR
Minister für Entwicklungszusammenarbeit
Amt ab 12. Juli 2007 aufgelöst und von Ministerin für Mittelstand und Landwirtschaft übernommen
-
bis 12. Juli 2007: Armand De Decker
bis 18. Juli 2004: Marc Verwilghen
-
MR
VLD
Staatssekretäre Name Partei
Staatssekretär für die Informatisierung des Staates
Amt ab 17. Oktober 2005 aufgelöst
-
bis 17. Oktober 2005: Peter Vanvelthoven
-
sp.a
Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten
Amt ab 20. Juli 2007 aufgelöst
-
bis 20. Juli 2007: Didier Donfut
bis 18. Juli 2004: Frédérique Ries
bis 12. Februar 2004: Jacques Simonet
-
PS
MR
MR
Staatssekretärin für die Organisation der Arbeit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz
Amt ab 18. Juli 2004 aufgelöst
-
bis 18. Juli 2004: Anissa Temsamani
-
sp.a
Staatssekretärin für nachhaltige Entwicklung und Sozialwirtschaft
bis 18. Juli 2004: Ministerin für Umwelt, Verbraucherschutz und nachhaltige Entwicklung
Els Van Weert
bis 18. Juli 2004: Freya Van den Bossche
Spirit
sp.a
Staatssekretärin für Familien und Behinderte Gisèle Mandaila Malamba
bis 18. Juli 2004: Isabelle Simonis
MR
PS
Staatssekretär für administrative Vereinfachung Vincent Van Quickenborne VLD
Staatssekretär für öffentliche Betriebe
neues Amt ab 17. Oktober 2005
Bruno Tuybens sp.a

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lalibre.be: La liste de nos nouveaux ministres (12. Juli 2003) (französisch)
  2. Lalibre.be: Et pourquoi pas un fonds pour l'optimisme? (14. Juli 2003) (französisch)
  3. Die Regierungserklärung der Regierung Verhofstadt II befindet sich in niederländischer und französischer Sprache auf der Webseite des CRISP.
  4. Lalibre.be: Verhofstadt II sera bien violet (8. Juli 2003) (französisch)

Weblinks[Bearbeiten]